Kavalleriesanitätswagen
| Kavalleriesanitätswagen (1906–1920) Kavalleriesanitätswagen (Sf. 11) (1920–1940) | |
|---|---|
| Kavalleriesanitätswagen, linke Seite | |
| Basisinformation | |
| Produktionszeit | 1906 |
| Technische Daten | |
| Eigengewicht | 0,62 t |
| Nutzlast | 0,23 t |
| Gesamtgewicht | 0,85 t |
| Motor | 2 Zugtiere |
| Bereifung | Eisen |
Der Kavalleriesanitätswagen, später Kavalleriesanitätswagen (Sf. 11), war ein zwei- oder vierspännig gefahrenes Pferdefuhrwerk für die sanitätsdienstliche Versorgung der Kavallerie des Deutschen Kaiserreiches und wurde ab 1840 eingesetzt.
Entwicklung
Die sanitätsdienstliche Ausrüstung der Kavallerie war im Allgemeinen die gleiche wie die der Infanterie. Im Jahr 1840 kam es zu einer Änderung, welche bei der Infanterie erst später eingeführt wurde. Anstatt der einachsigen Karren wurde ein zweiachsiger Wagen eingeführt. Dieser sollte, außer dem Transport des Medizin- und Bandagenkastens,[1] auch zur Beförderung des Handwerkzeugs für den Büchsenmacher und den Sattler dienen. Infolge der veränderten Gefechtsweise wurde die Einführung eines stabileren und vielseitig einsetzbaren Wagen für die Kavallerie notwendig. Kämpfte die Kavallerie vorher oftmals eng zusammen mit der Infanterie, konnte man damals die Ressourcen diese mit nutzen. Da sich die Kavallerie nun aber in größeren Verbänden, in Korps und Divisionen zusammenfasste und selbstständig agieren konnte, musste der Nachschub an sanitätsdienstlichem Material und weiterer Ausrüstung nun selber sichergestellt werden.[2][3]
Die bisherigen Sanitätswagen waren für die Kavallerie zu schwer, als das sie überall hin mitgeführt werden konnten. Auch an Beförderungsmitteln für Verwundete fehlte es komplett. So wurde im Jahr 1902 ein neues, leichtes Fahrzeug gebaut, welches hauptsächlich für die Beförderung von Verwundeten diente, sowie die notwendigste medizinische Ausrüstung mitführte. Da jedoch die erforderliche medizinische Ausrüstung nicht auf diesem Fahrzeug untergebracht werden konnte, wurden Packpferde mit Sanitätstaschen vorgesehen. Für den Vorrat an medizinischer Ausrüstung wurde deshalb ein Sanitätsvorratswagen gebaut und der großen Bagage zugeteilt.[2]
Die Genehmigung zur Einführung des neuen Materials für die Kavallerie wurde mit der allgemeinen Kabinettsorder vom 3. November 1906 erteilt, die Einführung erfolgte dann im Jahr 1907. Im Jahr 1912 wurde die Sanitätsausrüstung der Wagen verändert und im Allgemeinen an die der Infanteriesanitätswagen angepasst.[2]
Technische Daten
Der Kavalleriesanitätswagen war ein zweispännig oder vierspännig gefahrenes Fahrzeug, nach dem Protznagelsystem aufgebaut und hat ein Eigengewicht von 625 kg. Bei einer maximalen Zuladung von 229 kg, hatte das Fahrzeug ein maximales Gesamtgewicht von 856 kg. Die Deichsel konnte um 17 Winkelgrad nach oben und um 14 Winkelgrad nach unten gebogen werden. Die Lenkbarkeit war sehr hoch, da die Deichsel zu beiden Seiten um jeweils 100 Winkelgrad eingedreht werden konnte. Das Vorder- und Hinterwagengestell waren gefedert, um den Fahrkomfort zu erhöhen und das Material darauf zu schonen.[2] Der Wagenkasten war ähnlich wie beim Krankenwagen 95, war jedoch niedriger und nur für zwei Verwundete eingerichtet.[4][5]
Der Wagenkasten bestand aus einen oberen und offenen Lagerraum, welcher mit Gardinen versehen war. Die Länge und Breite war so ausgelegt, dass zwei Krankentragen ausgeklappt und mit einem Verwundeten darauf dort Platz fanden. Vorn und hinten gab es je eine Klappe, welche einen extra raum schafften für Kästen mit Arznei- und Verbandmittel, sowie einem Sitz- und Protzkasten. Weiterhin gab es im oberen Raum Armschlaufen und Haken zum Aufhängen kleinerer Gegenstände. Die Decke des Wagenkastens war mit einem graubraunem oder feldgrauen Segeltuch bedeckt, um den Wagen vor der Witterung zu schützen. Vorn befanden sich zwei Halterungen für Laternen. Unter dem Wagenboden hinter der Hinterachse befand sich ein Lager für ein Wasserfass. Der Sitzkasten war mit Blechen aus Eisen verkleidet und bot Platz für den Fahrer und zwei Leichtverwundete. Er war in zwei Teile geteilt. Innerhalb des Sitzkastens wurden die eisernen Rationen, sowie die Tornister und Patronentaschen der Verwundeten verstaut. Vor dem Sitzkasten befand sich ein Fußbrett und darunter der Protzkasten, in de, Wagenzubehör mitgeführt wurde.[4][3]
Der untere Teil des geschlossenen Wagenkastens war in drei Räume aufgeteilt. Die zwei seitlichen waren breiter als der in der Mitte und verfügten über je zwei Kisten mit Sanitätsmaterial. Der schmalere in der Mitte war im unteren Teil mit einem Schubkasten ausgerüstet, in welchem Flaschen und Tinkturen verstaut wurden. Der oberer Schubkasten war mit zehn Wachsfackeln ausgestattet. An der Rückenlehne des Bocksitzen befand sich eine Halterung für die Rotkreuzflagge. Unterhalb des Wagenkastens gab es weitere Beschläge für ein Beil, eine Kreuzhacke und Spaten.[4][3]
Einsatz
Der Kavalleriesanitätswagen wurden in den Sanitätsstaffeln der Stabswache beim Großen Hauptquartier, sowie in den Kavallerieregimentern zum Transport von Verbands- und Arzneimitteln eingesetzt. Weiterhin wurde das Kavalleriebesteck und Verwundete mit diesem Wagen transportiert. Das Fahrzeug wurde noch in der Reichswehr und in den Anfängen der Wehrmacht als Kavalleriesanitätswagen (Sf. 11) eingesetzt.[3]
Siehe auch
Literatur
- Wolfgang Fleischer: Feldwagen in Uniform; Wagen, Karren, Schlitten und Ausrüstungen bis 1945. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2022.
- Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. August Hischwald, Berlin 1913.
Einzelnachweise
- ↑ Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 118.
- ↑ a b c d Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 119.
- ↑ a b c d Wolfgang Fleischer: Feldwagen in Uniform; Wagen, Karren, Schlitten und Ausrüstungen bis 1945. 2022, S. 284.
- ↑ a b c Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 120.
- ↑ Wolfgang Fleischer: Feldwagen in Uniform; Wagen, Karren, Schlitten und Ausrüstungen bis 1945. 2022, S. 283.