Krankenwagen 1872

Krankenwagen 1872
Krankenwagen 1872
Basisinformation
Produktionszeit ab 1872
Vorgängermodell Krankenwagen 1854
Technische Daten
Eigengewicht 0,75 t
Nutzlast 0,33 t
Gesamtgewicht 1,08 t
Länge 3,30 m (ohne Deichsel)
6,40 m (mit Deichsel)
Breite 1,35 m
Höhe 2,23 m
Spurweite 1,53 m
Bereifung Eisen

Der Krankenwagen 1872, später Krankenwagen 1874, war ein militärisches Pferdefuhrwerk des Deutschen Kaiserreiches, welches für den Transport von Kranken und Verwundeter ab 1872 zum Einsatz kam.

Entwicklung

Da sich der Krankenwagen 1854 nicht bewährt hatte, suchte man schon kurz nach der Einführung des Wagens nach einer neuen Lösung. Im Jahr 1866 nahm man erneut die Idee auf, Ärzte mit Wagen an die Front zu bringen und mit dem gleichen Wagen Verwundete wieder zurückzubringen. Dazu sollten zuerst alte vierspännige Wagen dienen. Da diese wegen ihrer geringen Fahrbarkeit nicht dafür geeignet waren, überlegte man die Nutzung eines besonderen Personenpostwagens. Darin sollten ein Chefarzt, der 1. Stabsarzt sowie untere Ärzte und Beamte Platz finden. Der Bau dieses Wagens stieß jedoch auf Schwierigkeiten, weshalb man eine Kommission einsetzte, um diese Probleme zu lösen.[1][2]

Die Kommission setzte sich zusammen und entwarf einige Grundsätze des neuen Wagens. So sollte der Wagen zweispännig und vom Bocksitz aus gefahren werden, anstatt wie vorher, dass der Fuhrmann neben dem Wagen und den Zugtieren her lief. Um die Lenkbarkeit des Wagens zu erhöhen, sollte er kürzer sein als die vorherigen. Zwischen den beiden hinteren Tragen musste ein Platz für Leichtverwundete geschaffen werden. Unter dem Wagenbrett sollte ein aufklappbares Fußbrett eingebaut werden und[1] an der Vorderseite sollte ein Sitzbrett für drei Leichtverwundete installiert werden. Im Bocksitz plante man die Unterbringung von zwei Wasserfässern und im Protzkasten sollten Verbandmittel verstaut werden. Auf dem Verdeck plante man ein Gitter für die Achse und die Räder einer Räderbahre. Zu beiden Seiten sollten Kotflügel angebracht werden, um die Sicherheit der Verwundeten zu erhöhen. Insgesamt plante man im und auf dem Wagen Platz für bis zu sieben Verwundete ein, mitsamt der persönlichen Ausrüstung wie Tornister und Handwaffen. Die Anforderungen an den Wagen waren allerdings so hoch, dass der Bau sich als sehr schwer gestaltete.[3]

Der erste Prototyp eines solchen Wagens wurde 1868 fertiggestellt und präsentiert. Jedoch ging der Wagen beim ersten Fahrversuch kaputt und wurde unbrauchbar. Grund hierfür waren die zu hohen Gewichte auf der Vorderachse durch die beiden Wasserfässer. Beim zweiten Prototyp wurde die Menge des Wassers stark verringert. Auch Änderungen der Tragen und Griffe wurden durchgeführt, führten jedoch zu keinen guten Ergebnis und auch der zweite Prototyp versagte aufgrund der zu hohen Last. Ein dritter Prototyp wurde im Jahr 1870 geordert und in einer geringen Anzahl beschafft und direkt in die Depots eingelagert. Ein vierter Prototyp wurde von der Firma Dittmann hergestellt. Dieser Wagen nutzte schmalere und kürzere Tragen und ließ nicht notwendige Dinge weg. Weiterhin wurden alle Teile, die benötigt wurden, so leicht wie möglich gebaut.[3][2]

Nach mehreren Versuchen mit dem neuen Wagen, wurde dieser im Jahr 1872 als Krankenwagen 1872 in den Bestand der Truppe aufgenommen und offiziell eingeführt. Bei ersten Krankentrageübungen mit dem neuen Krankenwagen 1872 stellte man fest[3], dass das neue Fahrzeug aufgrund der zu großen Bewegungsfreiheit zwischen der Verbindung des Vorderwagens mit dem Hinterwagen sehr empfindlich für Stöße war. Deshalb war der Fahrkomfort für die Verwundeten sehr schlecht und wurde als belastend empfunden. Weiterhin war der Wagenkasten zu schmal und auch die Bremsen waren zu schwach für den Wagen. Man versuchte zunächst einige Änderungen vorzunehmen, jedoch ohne Erfolg. Aus diesem Grund wurden Stellmacher aus Städten wie Breslau, Hamburg und Hannover zu Rate gezogen und zu einer Neukonstruktion aufgefordert. Diese Konstruktionen überzeugten jedoch gar nicht, weshalb man zum Krankenwagen 1872 zurückgriff.[3]

Technische Daten

Krankenwagen 1872

Der Krankenwagen 1872 war ausgelegt für den Transport von zwei Schwerverwundeten im liegenden Zustand im Wagenkasten und drei Leichtverwundeten auf dem Sitzkasten. Das Eigengewicht des Wagens lag bei 755 kg. Die Biegsamkeit der Deichsel betrug nach oben 18 und nach unten 16 Winkelgrad. Die Lenkbarkeit war recht hoch, da man zu jeder Seite um bis zu 100 Winkelgrad einlenken konnte.[4][2]

Das Vordergestell identisch zum Sanitätswagen 67. Der Wagenkasten ruhte auf vier Seitenfedern, welche auf zwei Achsen auflagen. Die vorderen und hinteren Federn auf jeder Seite waren zusätzlich noch durch eine Querfeder verbunden.[4] Der Wagenkasten verfügte über eine geschlossene Vorderwand und sehr niedrige, aber feste Seitenwände. Der restliche Teil der Seiten wurde durch verschiebbare Vorhänge aus graubraunem Segeltuch verdeckt. Die Rückwand bestand aus nur aus einem aufgerollten Vorhang aus Segeltuch. Die Decke des Wagens bestand aus Spriegeln und Latten, welche mit einem Segeltuch überzogen waren. Im Inneren befand sich zu beiden Seiten und in der Mitte eine Polsterung, gefüllt mit Rosshaaren. Weiterhin gab es an den Seiten acht Armschlaufen, in der Mitte und am Boden zu beiden Seiten des Mittelpolsters je drei Riemen und drei Schlaufen für die Waffen der Verwundeten und weitere persönliche Ausrüstung. Um die beiden Tragen vor dem Herausgleiten zu sichern, gab es eine Schutzklappe an der Hinterseite. Auf der Wagendecke gab es Lager und Halterungen für fünf weitere Krankentragen. Die beiden unteren Tragen lagen mit den Fußenden in Richtung Deichsel, die 3. und 4. lagerten daraus mit den Füßen nach oben und dem Kopfende in Richtung Deichsel. Die 5. Trage lag mit dem Fußende in Richtung Deichsel und mit den Füßen nach oben in der Mitte des Dachses. Die Tragen wurden mithilfe eines langen Schnallriemens, welcher durch die Füße der obersten Trage gezogen wurde, befestigt.[5]

Auf der rechten und linken Seite der Vorderwand befanden sich Halterungen für Laternen. Vorn am Wagenkasten gab es einen, nach vorn abklappbaren, Sitzkasten. Für einen angenehmeren Fahrkomfort verfügte dieser über Armlehnen zu beiden Seiten. Die Rückenlehne bildete die Vorderwand des Wagenkastens. Der Sitzkasten lagerte auf dem nach vorn aufklappbaren Protzkasten. Darunter befand sich der Lenkkranz und die Vorderachse.[5]

Die Trainausrüstung wurde überall am Wagen befestigt. So gab es Beschläge am Zwischenboden für Äxte, Befestigungen an den Ortscheiten, und an den Deichselarmen. Auch im Sitzkasten und an der Rückwand des Wagenkasten wurde Material mitgeführt. Unterhalb des Wagenkastens gab es ein Brett, welches schwingend an Ketten gelagert war und für den Transport von zwei Wasserfässern ausgelegt war.[6]

Krankenwagen 1874

Um den Wagen zu verbessern wurde die Bauart leicht abgeändert. So wurde der Wagenkasten ausgebaucht, Querfedern vorn und hinten angebracht, die Achsen leichter konstruiert, Bremsklötze aus weicherem Holz eingebaut und die Vorhänge aus dunklerem Stoff gefertigt. Dadurch entstand der Krankenwagen 1874, welcher vom Aussehen nahezu identisch war zum Krankenwagen 1872.

Siehe auch

Literatur

  • Wolfgang Fleischer: Feldwagen in Uniform; Wagen, Karren, Schlitten und Ausrüstungen bis 1945. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2022.
  • Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. August Hischwald, Berlin 1913.

Einzelnachweise

  1. a b Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 150.
  2. a b c Wolfgang Fleischer: Feldwagen in Uniform; Wagen, Karren, Schlitten und Ausrüstungen bis 1945. 2022, S. 279.
  3. a b c d Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 151.
  4. a b Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 155.
  5. a b Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 156.
  6. Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 157.