Sanitätsvorratswagen
| Sanitätsvorratswagen | |
|---|---|
| Sanitätsvorratswagen | |
| Basisinformation | |
| Produktionszeit | ab 1906 |
| Technische Daten | |
| Eigengewicht | 0,77 t |
| Nutzlast | 1,03 t |
| Gesamtgewicht | 1,80 t |
| Motor | 2 Zugtiere |
Der Sanitätsvorratswagen war ein zwei- oder vierspännig gefahrenes Pferdefuhrwerk für die sanitätsdienstliche Versorgung der Kavallerie des Deutschen Kaiserreiches und wurde ab 1840 eingesetzt.
Entwicklung
Um die Versorgung mit Sanitätsmaterial zu sichern, wurde ab dem Jahr 1906 ein spezieller Wagen in die Truppe eingeführt, welcher nur für den Transport genutzt wurde. Dieser wurde unter der Bezeichnung Sanitätsvorratswagen eingeführt und konnte eine große Menge an Nutzlast mitführen.
Technische Daten
Der Sanitätsvorratswagen war ein zwei- oder vierspännig gefahrenes Fahrzeug, nach dem Protznagelsystem aufgebaut und hat ein Eigengewicht von 770 kg. Bei einer maximalen Zuladung von 1,03 t, hatte das Fahrzeug ein maximales Gesamtgewicht von 1,80 t.[1] Die Deichsel konnte um 18 Winkelgrad nach oben und um 16 Winkelgrad nach unten gebogen werden. Die Lenkbarkeit war hoch, da die Deichsel zu beiden Seiten um jeweils 52 Winkelgrad eingedreht werden konnte. Das Untergestell des Wagens bestand aus einem Vorder- und Hinterwagengestell mit vier gleich hohen Stahlnabenrädern und zwei Stahlachsen. Die Räder hatten gepresste Stahlnaben mit je zwölf Nabenbolzen und zwölf Speichen.[2]
Der Wagenkasten bestand aus einem Boden mit Bodenbrettern, zwei Seitenwänden, einer festen Kopfwand und einer abnehmbaren Rückwand. Um die Lenkbarkeit zu erhöhen, waren die Seitenwände im vorderen Bereich abgeschrägt, während der größere, hintere Teil für den Laderaum gerade war. Vor der vorderen Kopfwand, welche gleichzeitig als Rückenlehne diente, befand sich ein Sitzkasten mit Trittbrettern und einem Fußbrett für den Fahrer und einem Beifahrer. Der Sitzkasten war mit einem Blech aus Eisen verstärkt und verfügte für einen besseren Fahrkomfort über Armlehnen. Um den Aufstieg zu erleichtern, befand sich auf der Sattelseite (links) ein Handgriff. Der Sitzkasten selber wurde mit einem Querbrett in zwei Fächer unterteilt. Zugang zum oberen Fach erhielt man durch eine Klappe oberhalb des Fußbrettes. Um an das untere Fach zu gelangen, musste man eine Klappe am Wagenkasten auf der Sattelseite nutzen. Im obere Teil des Wagenkastens konnten fünf Spriegeln befestigt werden, welche mit einer Plane den Wagen vor der Witterung schützen konnten. Die Plane aus Segeltuch wurde mithilfe von Ketten aus Messing befestigt.[2] Der Wagenkasten verfügte über einen Zwischenboden, durch den drei niedrige Bodenfächer entstanden.[3]
An der Außenseite des Fahrzeug befanden sich Beschläge für ein Beil, eine Kreuzhacke und zwei Spaten. Vor der Hinterachse, unterhalb des Wagenbogens gab es eine Halterung für einen Eimer. An der vorderen Kopfwand gab es eine umklappbare Halterung für die Rotkreuzflagge. Die Spindelbremse wurde vom Bocksitz aus auf der Handseite (rechts) bedient. Weitere Trainausrüstung wurde im Sitzkasten mitgeführt. Dazu zählten unter anderem zwölf Paar, mit Stroh umwickelte, Hufeisen, 192 Hufnägel und weiteres Material für die Pflege der Zugtiere und des Wagens. Die Verpflegung der Zugtiere für sechs dreitägige Rationen wurde mit drei großen Futtersäcken sichergestellt.[3]
Zur Mitgeführten Sanitätsausrüstung zählten unter anderem 180 keimfreie Binden, 840 keimfreie Mullstreifen, 70 große, dreieckige Verbandtücher und 230 keimfreie Verbandpäckchen. Weiterhin gab es Ausrüstung um Operationen durchzuführen, zwölf Nottragen, 18 Wachsfackeln und mehrere Medikamente und Tinkturen wie Colchicin, Strychnin oder Morphin. Für das Sauberhalten der Ausrüstung und des Personals wurden 500 g Seife, ein Feldsterilisiergerät und zehn Wassersäcke mitgeführt.[4]
Siehe auch
Literatur
- Wolfgang Fleischer: Feldwagen in Uniform; Wagen, Karren, Schlitten und Ausrüstungen bis 1945. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2022.
- Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. August Hischwald, Berlin 1913.
Einzelnachweise
- ↑ Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 135.
- ↑ a b Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 136.
- ↑ a b Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 137.
- ↑ Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 138–145.