Duisburger Künstlerbund
Der Duisburger Künstlerbund (Abkürzung DKB) ist ein Künstlerverein in der nordrhein-westfälischen Stadt Duisburg. Er wurde im Jahr 1923 als Notgemeinschaft Duisburger Künstler gegründet und firmierte bis 1933 auch unter dem Namen Bund Duisburger Künstler.
Geschichte
Gründung und Auflösung während des Nationalsozialismus
Im Jahr 1923 wurde der Duisburger Künstlerbund unter dem Namen „Notgemeinschaft Duisburger Künstler“ gegründet. Vor dem Hintergrund von Ruhrbesetzung und wirtschaftlicher Krise der Weimarer Republik schlossen sich mehrere bildende Künstler der Stadt Duisburg zusammen. Dabei wurden sie vom Vorsitzenden des Duisburger Museumsvereins und Leiter des städtischen Kunstmuseums, August Hoff, unterstützt. Spätere Zuschreibungen ordnen die folgenden Künstler als Gründungsmitglieder der Notgemeinschaft zu: Hermann Bänder, Hans Grohmann, Will Kelter, Werner Kreuzhage, Marianne Nieten-Overbeck, Volkram Anton Scharf, Julius Schmitz-Bous, Heinrich Seepolt, Peter Stermann und Artur Zahn.
Eine erste Ausstellung organisierte die Notgemeinschaft im Dezember 1925. Diese fand in den Räumlichkeiten des Museums-Vereins in der Tonhallenstraße 11a statt. Es etablierte sich eine regelmäßig stattfindende Weihnachtsausstellung, die vor allem als Verkaufsschau konzipiert war. Letztmals fand diese Ausstellung mit fast 30 beteiligten Künstlern im November 1932 statt. Am 22. September 1933 wurde die Notgemeinschaft im Zuge der sogenannten Gleichschaltung durch die nationalsozialistischen Machthaber aufgelöst. Die Mitglieder wurden im „Kampfbund für deutsche Kultur“ organisiert, durften ihre von der Stadt überlassenen Ateliers aber behalten.[1]
Dabei schwankten die Duisburger Künstler in der Zeit des Nationalsozialismus zwischen Ablehnung, Anpassung an die Verhältnisse und Unterstützung der Diktatur. Um sich weiterhin abseits der staatlichen Organisationen auszutauschen, gründeten einzelne Künstler einen Kegelklub, der sich regelmäßig in einer Gastwirtschaft an der Düsseldorfer Straße traf. Während viele der Künstler ihre Ausstellungstätigkeit auch in den 1930er Jahren und auch nach Kriegsbeginn fortführen konnten, kam es bereits ab 1933 zu Verhaftungen. Zu den ersten Opfern des nationalsozialistischen Terrors gehörten die Freunde Heinz Kiwitz und Günther Strupp. Volkram Anton Scharf kam 1933 ebenfalls kurz in Haft, kam aber Dank der Intervention von Will Kelter bald wieder frei. Kelter hatte als Kulturpolitiker Karriere gemacht. Mit Hans Grohmann wurde ein Duisburger Künstler aber bereits in den ersten Tagen nach der sogenannten Machtergreifung ermordet.
Neugründung und Abspaltung der „Sezession“
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann Ernst D’ham, der Leiter der Städtischen Kunstsammlung, Werke für eine erste Ausstellung im großen Sitzungssaal des Rathauses zusammenzustellen. An die Tradition der Weihnachtsausstellungen anknüpfend, eröffnete im Winter 1946 die erste Sammelschau der Duisburger Künstler. Von insgesamt 350 eingesandten Arbeiten wurden lediglich 90 präsentiert. Erst 1949 wurde der Künstlerbund als Notgemeinschaft gegründet. Ihm schlossen sich auch die selbstständigen Strömungen „Arche“, „Strom“ und „Turm“ an. Förderung vonseiten der Stadt fand in den Anfangsjahren vor allem durch Angebote statt, sich an den Ausschreibungen zu „Kunst am Bau“ zu beteiligen.
Der erste Vorsitzende Wilhelm Wiacker, der als Kunstlehrer den künstlerischen Nachwuchs der Stadt im Blick hatte, forderte im Januar 1957 die Einrichtung eines eigenen Atelierhauses. Zunächst war hierfür das Dreigiebelhaus in der Stadtmitte vorgesehen. Im gleichen Jahr spaltete sich der „neue duisburger Künstlerbund“ von der Gemeinschaft ab. Dieser firmiert seit 1958 unter dem Namen „Duisburger Sezession“ und kritisierte die figurativen Arbeiten des Künstlerbundes. Erste Annäherungen der beiden Gruppen gab es allerdings bereits in den nächsten Jahren wieder. 1964 planten einige Mitglieder der beiden Gruppen, darunter Gerhard Losemann als Teil der Sezession, eine eigene Galerie für Duisburger Künstler zu etablieren. Obwohl das Projekt „nos“ 1969 scheiterte, konnte die Kommunikation mit dem Publikum entscheidend verbessert werden.[2]
Im Jahr 1974 wurde eine Interessengemeinschaft (IG) Duisburger Künstler gebildet, die die Anliegen der Kunstschaffenden gegenüber der Lokalpolitik formulieren sollte. In der Folge gelang es den Künstlern der IG, regelmäßige Ausstellungen im Lehmbruck Museum zu veranstalten. Alle zwei Jahre sollten die Kunstschaffenden die Möglichkeit haben, aktuelle Werke zu präsentieren. Im Februar 1980 wurde mit dem Haus Goldstraße 15 im Duisburger Dellviertel ein Atelierhaus in der Stadt eingeweiht, das den Künstlern des Künstlerbundes vorbehalten war. Daneben begann die Stadt unter ihrem Kulturdezernenten Konrad Schilling Räumlichkeiten in leerstehenden Schulen zu weiteren Ateliers umzugestalten.[3]
Noch 1981 gehörten die Künstler Hetty Bresser, Chinmayo, Gerhard Losemann und H. J. Herberts zu den ersten Kunstschaffenden, die im Rahmen eines Künstleraustauschs die UdSSR besuchen durften und ihre Arbeiten in den Räumlichkeiten des Moskauer Künstlerbundes präsentierten. Insgesamt dauerte dieser Austausch fast zehn Jahre lang an. Mit dem 2008 veröffentlichten Forschungsband „Seit Lehmbruck“ wurden die Mitglieder des Künstlerbundes in eine Duisburger Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts eingeordnet. Im Jahr 2023 feierte der Künstlerbund mit verschiedenen Ausstellungen im Stadtgebiet sein 100-jähriges Bestehen.[4][5]
Mitglieder (Auswahl)
Ehemalige Mitglieder
Aktuelle Mitglieder
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Literatur
- Burkhard Biella, Sabine Haustein: Spuren der Anfänge. Die Gründungsmitglieder des Bundes Duisburger Künstler (= Museum St. Laurentius. Schriftenreihe Bd. 10). Albula-Verlag, Duisburg 2023, ISBN 978-3-948281-05-2.
- Frank Kopatschek: Der Duisburger Künstlerbund – 90 Jahre jung und attraktiv. In: 90 Jahre Duisburger Künstlerbund. Duisburg 2014. S. 6–17.
- Frank Kopatschek: Der Duisburger Künstlerbund – ein historischer Abriß. Anläßlich des 60‐jährigen Bestehens des DKB 1983. Digitalisat
- Frank Kopatschek: So ist das jetzt. 21 Künstler:innen. 100 Jahre Duisburger Künstlerbund. Druck Verlag Kettler, Bönen 2023.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Frank Kopatschek: Der Duisburger Künstlerbund – 90 Jahre jung und attraktiv. In: 90 Jahre Duisburger Künstlerbund. Duisburg 2014. S. 7.
- ↑ Frank Kopatschek: Der Duisburger Künstlerbund – 90 Jahre jung und attraktiv. In: 90 Jahre Duisburger Künstlerbund. Duisburg 2014. S. 9 f.
- ↑ Frank Kopatschek: Der Duisburger Künstlerbund – 90 Jahre jung und attraktiv. In: 90 Jahre Duisburger Künstlerbund. Duisburg 2014. S. 11.
- ↑ Stephan Sadowski: Duisburger Künstlerbund vor 100 Jahren gegründet in der Not, WAZ (2023), abgerufen am 25. Oktober 2025.
- ↑ Peter Klucken: 100 Jahre Künstlerbund Duisburg. Serie über zehn vergessene Künstler, RP (2023), abgerufen am 25. Oktober 2025.