Marianne Nieten-Overbeck

Marianne Nieten-Overbeck (geborene Marianne Nieten; Künstlername ab 1949 Marianne Overbeck; * 12. April 1903 in Duisburg; † 22. September 1970 in Brasilien) war eine deutsch-brasilianische Malerin.

Leben

Bis 1933

Marianne Nieten-Overbeck wurde am 12. April 1903 als Marianne Nieten im preußischen Duisburg geboren. Der Vater war in der Stadt als Arzt tätig. Ihr Studium absolvierte sie an der Reimann-Schule in Berlin, die vom Deutschen Werkbund als Kunst- und Kunstgewerbeschule gegründet worden war. Anschließend war sie Studentin an der Kunstakademie Düsseldorf und nahm in München Kunstunterricht im Atelier des Malers und Grafikers Moritz Heymann.[1]

Nach dem Ende ihrer künstlerischen Ausbildung heiratete Marianne Nieten Mitte der 1920er Jahre den Wissenschaftler Wilhelm Overbeck, den Bruder der Dortmunder Malerin Gerta Overbeck. Sie gilt im Jahr 1923 zusammen mit Hermann Bänder, Hans Grohmann, Will Kelter, Werner Kreuzhage, Volkram Anton Scharf, Julius Schmitz-Bous, Heinrich Seepolt, Peter Stermann und Artur Zahn als Gründungsmitglied des Duisburger Künstlerbundes. Erste eigenständige Arbeiten der Künstlerin datieren auf das Jahr 1925. In der Frühzeit ragte vor allem das Ölbild „Die wohlsituierte Familie am Fenster“ heraus. Zu Beginn der 1930er Jahre zog die Familie mit ihren zwei Kindern nach Dortmund.[2]

Dennoch blieben die Arbeiten Nieten-Overbecks auch in den folgenden Jahren auf den regelmäßig stattfindenden Ausstellungen des Duisburger Museumsvereins zu sehen. 1931 stellte Marianne Nieten-Overbeck mehrere Werke auf einer Ausstellung des Essener Künstlerbundes aus und auch auf der am 14. Juni 1931 in Dortmund eröffneten 5. Großen Westfälischen Kunstausstellung waren Arbeiten von ihr zu sehen.

1932 erwarb die Stadt Königsberg Zeichnungen von der Künstlerin. In der am 16. Juni 1932 eröffneten Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes wurde Nieten-Overbecks Arbeiten neben denen von Otto Dix, Erich Heckel, Paul Klee, Oskar Kokoschka und Käthe Kollwitz gezeigt. Im gleichen Jahr trat die Künstlerin auch als Grafikerin in Erscheinung, daneben illustrierte sie einen Gedichtband. Bei einer im Januar 1933 eröffneten Kunstausstellung in Hamborn machte die Kritik auch erstmals auf die „krankhaften Erscheinungen unserer Zeit“ aufmerksam, die in den Arbeiten der Künstlerin angeblich sichtbar sein sollten.

Ab 1933

Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten endete in Duisburg die Ägide des Kunsthistorikers August Hoff. Marianne Nieten-Overbeck verfasste einen Brief an den aus seinen Ämtern gedrängten Förderer, in dem sie deutlich machte, dass ein „wirklicher Künstler nicht auf Kommandorufe: ,Achtung! Stillgestanden! Blut und Scholle!“ reagieren könne. Dennoch blieb die Künstlerin auch in der Diktatur aktiv und ihre Bilder waren weiterhin auf Ausstellungen vertreten.

Bedingt durch die berufliche Orientierung des Ehemanns zog Marianne Nieten-Overbeck mit ihrer Familie zunächst für kurze Zeit nach Marburg, ehe sie ihm am 15. April 1934 mit den Kindern nach Mannheim folgte. Dennoch wurden Bilder Nieten-Overbecks weiterhin vor allem in Ausstellung im Ruhrgebiet gezeigt und rezipiert, so 1936 in der West-Front-Schau in Dortmund.[3]

Erst nach 1936 trat Nieten-Overbeck auch als Mannheimer Künstlerin in Erscheinung. Als Mitglied des GEDOK-Kunstverbandes Mannheim-Ludwigshafen war sie auf einer Ausstellung in Leipzig vertreten. Im gleichen Jahr wurden Radierungen von der Künstlerin auf einer Weihnachtsschau in Mannheim gezeigt, 1943 waren sie in den Räumlichkeiten des Mannheimer Kunstvereins zu sehen.

Nach 1945 gehörten die Arbeiten von Marianne Nieten-Overbeck zu den ersten Werken, die Walter Passarge, der Leiter der Kunsthalle Mannheim erwarb. Erste Ausstellungstätigkeiten in Mannheim sind für den Mai 1946 nachweisbar. Im gleichen Jahr waren Arbeiten von ihr auch im Duisburger Rathaus ausgestellt. Auch 1947 und 1949 waren Bilder von Nieten-Overbeck in Duisburg zu sehen. 1948 wurde sie in Ludwigshafen gezeigt.

Am 3. September 1949 verließ Marianne Nieten-Overbeck zusammen mit ihrem Mann und den Kindern Deutschland und zog nach Brasilien. Wilhelm Overbeck hatte von der Industriellenfamilie Klabin das Angebot bekommen, in São Paulo eine Papierfabrik aufzubauen. Nieten-Overbeck blieb auch in Brasilien als bildende Künstlerin tätig, nannte sich fortan aber Marianne Overbeck. So war sie bei der II. Biennale des Museu de Arte Moderna de São Paulo mit zwei Bildern vertreten. Es folgten 1960 und 1961 weitere Ausstellungen in ihrer Wahlheimat.[4]

Die am 7. September 1965 eröffnete Pinacoteca do Estado do Amazonas in Manaus nahm Marianne Overbeck als Vertreterin der modernen brasilianischen Malerei in ihre Sammlungen auf. In Manaus lebte die Künstlerin zu dieser Zeit, ehe sie nach Monte Alegre bei São Paulo weiterzog. Am 22. September 1970 starb Marianne Overbeck in Brasilien. Das Werk der Künstlerin wurde in Deutschland aus Anlass einer Sonderausstellung aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der Gründung des Duisburger Künstlerbundes im Jahr 2023 wiederentdeckt.[5] 2017 wurde in Duisburg die Benennung einer Straße nach Nieten-Overbeck diskutiert, bisher aber nicht umgesetzt.[6]

Werke (Auswahl)

Marianne Nieten-Overbeck trat in erster Linie als Malerin in Erscheinung. Daneben entstanden Grafiken und Illustrationen, aber auch Tuschezeichnungen. Die Werke der Künstlerin werden in den Anfangsjahren vor allem mit dem Expressionismus in Verbindung gebracht. Dabei betonen die Kritiken immer wieder, die motivische Ähnlichkeit mit Arbeiten von Paula Modersohn-Becker, darunter Familien- und Mutter-Kind-Bilder. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Arbeiten der Künstlerin formal freier. In Brasilien wurden die Figuren expressiv vereinfacht, die Farben sind kräftiger ausgeführt.

  • o. J., Mädchen mit Hut (Mein Töchterchen Susanne), Öl auf Leinwand, 460 × 420 mm, Kunsthalle Mannheim
  • 1930, Mutter mit Kind, Öl auf Leinwand, 503 × 403 mm, Kunsthandel Widder
  • 1932, Zwei Köpfe, Bleistift, 257 × 338 mm, Lehmbruck-Museum Duisburg
  • 1932, Abschied, Bleistift, 260 × 275 mm, Privatbesitz
  • 1933, Kind mit Puppe, Bleistift, 340 × 385 mm, Privatbesitz
  • 1942, Porträt Peter Overbeck, Bleistift, 459 × 305 mm, Tom Overbeck
  • 1942, Kind mit Puppe, Federzeichnung, 110 × 74 mm, Privatbesitz
  • 1942, Zwei Frauen, Federzeichnung, 126 × 99 mm, Privatbesitz
  • 1946, Rückenakt, Öl auf Hartfaser, 865 × 530 mm, Neue Galerie Kaarst
  • 1948, Mutter mit Kind, Tusche, 390 × 317 mm, Tom Overbeck
  • 1967, Selbstporträt, Öl auf Papier, 620 × 290 mm, Tom Overbeck

Literatur

  • Burkhard Biella, Sabine Haustein: Spuren der Anfänge. Die Gründungsmitglieder des Bundes Duisburger Künstler (= Museum St. Laurentius. Schriftenreihe Bd. 10). Albula-Verlag, Duisburg 2023, ISBN 978-3-948281-05-2.

Einzelnachweise

  1. Peter Klucken: Eine starke Frau unter neun Männern, RP (2023), abgerufen am 26. September 2025.
  2. Burkhard Biella, Sabine Haustein: Spuren der Anfänge. Die Gründungsmitglieder des Bundes Duisburger Künstler (= Museum St. Laurentius. Schriftenreihe Bd. 10). Albula-Verlag, Duisburg 2023, ISBN 978-3-948281-05-2. S. 191.
  3. Burkhard Biella, Sabine Haustein: Spuren der Anfänge. Die Gründungsmitglieder des Bundes Duisburger Künstler (= Museum St. Laurentius. Schriftenreihe Bd. 10). Albula-Verlag, Duisburg 2023, ISBN 978-3-948281-05-2. S. 206 f.
  4. Burkhard Biella, Sabine Haustein: Spuren der Anfänge. Die Gründungsmitglieder des Bundes Duisburger Künstler (= Museum St. Laurentius. Schriftenreihe Bd. 10). Albula-Verlag, Duisburg 2023, ISBN 978-3-948281-05-2. S. 218 f.
  5. Julia Müller: Wer hat Bilder der Gründer des Duisburger Künstlerbundes, WAZ (2022), abgerufen am 27. September 2025.
  6. Doris Freer: Bibliographie zur Duisburger Frauengeschichte 2024, PDF-Datei, S. 20, abgerufen am 27. September 2025.