Künstlerhaus Goldstraße

Das Künstlerhaus Goldstraße (Adresse Goldstraße 15) ist ein Künstlerhaus in der nordrhein-westfälischen Stadt Duisburg. Es ist seit dem Jahr 1980 in einem denkmalgeschützten Bauwerk im Dellviertel untergebracht.

Geschichte

Das Haus in der Goldstraße 15 wurde im Jahr 1890 eingeweiht. Zunächst wurde der Bau von der Duisburger Verlagsanstalt genutzt. Das Unternehmen unterhielt hier eine Papier- und Buchdruckerei, im Erdgeschoss wurden die Produkte gehandelt. Später war in den Räumlichkeiten eine Kammgarnspinnerei eingerichtet. Während der nationalsozialistischen Diktatur betrieb die SA hier eine der Schaltzentralen ihrer Funkeranstalt. Nach dem Zweiten Weltkrieg bot das Haus dringend benötigten Wohnraum.[1]

Zeitweise war in der Goldstraße 15 ein Frauenhaus untergebracht. Seit den 1960er Jahren stand das Haus leer und war dem Verfall preisgegeben. Das Gebäude war im Besitz der Stadt Duisburg und als Erweiterungsfläche für die angrenzende Schule zum Abriss vorgesehen. Erst 1978/1979 wurde der Bau einer Mehrzweckhalle anstelle des Hauses diskutiert. Im selben Jahr lud der Duisburger Kulturdezernent Konrad Schilling einige Künstler zur Besichtigung des ruinösen Gebäudes ein.

Schilling ließ die Künstler in das Haus einziehen und verpflichtete sie, die Räumlichkeiten in Eigenregie herzurichten. Im Rückblick wurde dieses Vorgehen als „Instandbesetzung“ bezeichnet. Ziel war die Schaffung eines Gemeinschaftsateliers für die Mitglieder des Duisburger Künstlerbundes. Allerdings beteiligte sich mit Gerhard Losemann auch ein Künstler der konkurrierenden Duisburger Sezession an den Aufbauarbeiten. Zu den ersten Bewohnern gehörten der Bildhauer Hans-Jürgen Vorsatz und der Zeichner Herbert Josef Schero.

Nach der Beseitigung des gröbsten Schutts trat die entstehende Ateliergemeinschaft im Frühjahr 1980 an die Öffentlichkeit. Die offizielle Einweihung des Hauses vollzog der Duisburger Oberbürgermeister Josef Krings am 25. April 1980. Einen Monat nach der Eröffnung zogen auch die Schriftsteller in das Haus ein, der sogenannte Autorentreff verkündete am 29. Mai 1980 eine eigene Satzung. Wenige Monate nach dem Einzug begannen die Bauarbeiten am Hinterhaus, in dem zwei weitere Ausstellungsräume entstehen sollten. Die Küche des ehemaligen Kolpinghauses, die sich ebenfalls auf dem Grundstück befand, folgte nach einigen weiteren Monaten.

Eine umfassende Renovierung des Gebäudes fand im Jahr 1988 statt. Die Erneuerungen zogen sich bis zum Jahr 1993 hin. Erst im September dieses Jahres konnte das Haus mit einem Tag der offenen Tür wiedereröffnet werden. In den 1990er Jahren luden die Duisburger Kunstschaffenden auch immer wieder externe Gäste ein, sich mit Ausstellungen im Haus, das inzwischen Denkmalschutz erhalten hatte, zu präsentieren. Besondere Bedeutung hatte der ab 1983 beginnende Künstleraustausch mit der UdSSR und die Präsentation der Ateliergemeinschaft Nijmegen im Jahr 1997.[2]

Künstler im Haus

Besondere Bedeutung für die sogenannte „Instandbesetzung“ des Hauses haben die Künstler Hans-Jürgen Vorsatz und Herbert Schero, die als erste Künstler ein dauerhaftes Domizil in den Räumlichkeiten erhielten. Sie wohnten nachher auch im Haus. Später zogen Evangelos Koukouwitakis und Hermann Kurz in das Haus ein. Daneben erhalten immer wieder Gäste die Erlaubnis, im Haus auszustellen. Folgende Künstler bewohnten das Haus seit 1993:

1993

2006

2025

  • Hildegard Bauschlicher
  • Susan Feind
  • Martin Gensheimer
  • Agnes Giannone
  • Michael Kiefer
  • Evangelos Koukouwitakis
  • Wolf-Diethard Lipka
  • Stacey Blatt
  • Kerstin Müller-Schiel
  • Walter Schernstein
  • André Schweers
  • Claudia Thümler
  • Hans-Jürgen Vorsatz
  • Ulrike Waltemathe[5]

Beschreibung

Das Haus Goldstraße 15 präsentiert sich als dreigeschossiges Wohnhaus im Stil des Historismus. Die Fassade ist reich gegliedert, lediglich das Erdgeschoss weist kaum Gliederungselemente auf. Vier Fensterachsen wurden mit Wimpergen versehen, die fünfte Fensterachse schließt mit einem Zwerchhaus mit Kreuzdach ab. Sie wird von einem reliefierten Wappen mit dem Duisburger Doppeladler bekrönt, darunter rahmen Rundpilaster die Achse ein. Das Haus ist in der Denkmalliste der Stadt Duisburg eingetragen und hat die Nummer 29 in der Liste des Bezirks Duisburg-Mitte.

Literatur

  • Frank Kopatschek: 25 Jahre Künstlerhaus Goldstraße. In: Goldstraße 15. 25 Jahre Künstler- und Atelierhaus der Stadt Duisburg. WAZ-Druck, Duisburg 2006, ISBN 3-89279-617-3. S. 4–13.
Commons: Künstlerhaus Goldstraße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Frank Kopatschek: 25 Jahre Künstlerhaus Goldstraße. In: Goldstraße 15. 25 Jahre Künstler- und Atelierhaus der Stadt Duisburg. WAZ-Druck, Duisburg 2006, ISBN 3-89279-617-3. S. 5 f.
  2. Frank Kopatschek: 25 Jahre Künstlerhaus Goldstraße. In: Goldstraße 15. 25 Jahre Künstler- und Atelierhaus der Stadt Duisburg. WAZ-Druck, Duisburg 2006, ISBN 3-89279-617-3. S. 11.
  3. Frank Kopatschek: 25 Jahre Künstlerhaus Goldstraße. In: Goldstraße 15. 25 Jahre Künstler- und Atelierhaus der Stadt Duisburg. WAZ-Druck, Duisburg 2006, ISBN 3-89279-617-3. S. 9.
  4. O. A.: Goldstraße 15. 25 Jahre Künstler- und Atelierhaus der Stadt Duisburg. WAZ-Druck, Duisburg 2006, ISBN 3-89279-617-3. S. 14–37.
  5. Stadt Duisburg: Künstler- und Atelierhäuser, abgerufen am 27. Oktober 2025.

Koordinaten: 51° 25′ 51,3″ N, 6° 45′ 40,6″ O