La Chapelle-Gonaguet

La Chapelle-Gonaguet
La Chapela de Gonaguet
Staat Frankreich Frankreich
Region Nouvelle-Aquitaine
Département (Nr.) Dordogne (24)
Arrondissement Périgueux
Kanton Saint-Astier
Gemeindeverband Le Grand Périgueux
Koordinaten 45° 14′ N, 0° 37′ O
Höhe 95–235 m
Fläche 19,07 km²
Einwohner 1.049 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 55 Einw./km²
Postleitzahl 24350
INSEE-Code 24108
Website www.lachapellegonaguet.fr

Blick auf La Chapelle-Gonaguet

La Chapelle-Gonaguet (Aussprache [la ʃaˈpɛl ɡɔnaˈɡɛ], okzitanisch La Chapela de Gonaguet) ist eine französische Gemeinde mit 1049 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Périgueux und zum Gemeindeverband Le Grand Périgueux. Die Bewohner werden Chapelois und Chapeloises genannt.

Geografie

La Chapelle-Gonaguet liegt etwa 10 Kilometer nordwestlich von Périgueux in der Région naturelle des Périgord central, im touristisch benannten Teil des Périgord blanc. Das Gemeindegebiet befindet sich im Einzugsgebiet der Dordogne und wird entwässert von den Flüsschen Donzelle und Got sowie von zwei kleineren Fließgewässern.

Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. La Chapelle-Gonaguet liegt auf der dritten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus heterogenem Kalkstein aus der Kreidezeit.[1] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär, die aus dem Känozoikum stammen, sowie Sedimentgesteine aus dem Mesozoikum.

La Chapelle-Gonaguet erstreckt sich außerhalb des Zentrums über eine bewaldete Hügellandschaft, die vom Tal des Got im Osten, von einem Trockental im Südwesten begrenzt wird. Ein weiteres Trockental im Süden parallel zur Grenze zur Nachbargemeinde Chancelade schneidet markant in die Hügeln ein. Hier befindet sich auch der topografisch tiefste Punkt mit 95 m. Die Höhenzüge erreichen hingegen im Zentrum des Gemeindegebiets die größten Höhen mit dem topografisch höchsten Punkt mit 235 m am Friedhof. Das Zentrum liegt etwa 400 Meter Luftlinie unterhalb dieser Stelle auf etwa 204 m Höhe.

Rund 60 % der Fläche der Gemeinde sind bewaldet, rund 35 % werden landwirtschaftlich genutzt, rund 3 % entfallen bebaute Flächen, rund 1 % auf Flächen mit Strauch- und/oder Kräutervegetation.[2]

La Chapelle-Gonaguet wird von folgenden fünf Gemeinden umgeben:

Bussac Château-l’Évêque
Mensignac
Annesse-et-Beaulieu Chancelade

Natürliche und technologische Risiken

Naturrisiken manifestieren sich in La Chapelle-Gonaguet als

Im Gemeindegebiet ausgenommen eine Fläche im Zentrum der Gemeinde besteht zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Plicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräten und eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.[3]

Wie die Risikokarte zeigt, ist nahezu das gesamte Gemeindegebiet von einer starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Dürreperioden in den Jahren 1989, 1991, 1992, 1995, 2003, 2009, 2011 und 2022 sind als Naturkatastrophen der Gemeinde klassifiziert worden. Die Erdbebengefahr ist als niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 zugeordnet.

Ein technologisches Risiko besteht durch den Verlauf einer Erdgasleitung, die das Gemeindegebiet zentral durchquert. Obwohl diese Anlagen sicher sind, kann es in sehr seltenen Fällen zu einem Bruch oder einem Leck kommen. Dies könnte dann eine Umweltverschmutzung oder ein Unfallereignis (Explosion, Brand, giftige Wolke usw.) zur Folge haben.[4]

Etymologie und Geschichte

Der Name des Dorfes erschien am Ende des 12. Jahrhunderts in der Form Capella d’Agonaguet. 1380 wurde der Name in der latinisierten Form Gonaguetam festgehalten. Das initiale a- wurde in der Folge nicht wieder aufgenommen. Agonaguet wurde aus dem Ortsnamen Agonac und dem Suffix -et gebildet, der als Diminutiv wirkt. Er bedeutet demnach „kleines Agonac“. Agonac stammt vom Namen Aco oder Aconis einer Person, dem das Suffix -acum als Eignertitel angehängt wurde.

Bei dem Teil La Chapelle des Ortsnamens handelt es sich um die Französisierung des okzitanischen capèla, abgeleitet aus dem spätlateinischen cappa (deutsch Art von Kapuze oder Kappe), dann Mantel, verwendet dann für die Bezeichnung des Mantels vom heiligen Martin von Tours, aufbewahrt als Reliquie am Hof der fränkischen Könige. So bezog das Wort sich auf den Ort der Aufbewahrung der königlichen Reliquien, dann auf eine Kirche in einem privaten Anwesen. Im Altfranzösischen behielt es diese Bedeutung und wurde auch für eine Kirche verwendet, die keinen Titel einer Pfarrgemeinde trägt.[5]

Im Jahr 1143 wurde das Priorat Merlande von Élie Audouin, dem zweiten Abt der Abtei Chancelade, gegründet. Es entwickelte sich, litt jedoch schnell unter den Konflikten des Hundertjährigen Krieges. Tatsächlich wurde es 1170 von englischen Truppen verwüstet. Kurz darauf wurde es wieder aufgebaut.

Der relative Frieden, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts herrschte, wurde erneut durch Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken gestört. Die Hugenottenkriege verwüsteten das Land und das Priorat wurde erneut Opfer der Kämpfe. In dieser Zeit erhielt das Priorat von Merlande architektonische Verteidigungselemente. In dieser Zeit wurde auch das Feste Haus Genêts gebaut.

Im 17. Jahrhundert waren es dann die Bauern, die sich gegen die missbräuchlichen Steuern auflehnten, was jedoch die Entwicklung des Orts nicht verhinderte. Auch die Chartreuse Les Landes wurde zu Beginn dieses Jahrhunderts erbaut.[6]

Im Jahr 1809 wurde der Ortsteil Merlande der ehemaligen Gemeinde Merlande-et-Andrivaux in La Chapelle-Gonaguet eingegliedert.[7]

Bevölkerungsentwicklung

La Chapelle-Gonaguet: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020
Jahr  Einwohner
1793
  
449
1800
  
506
1806
  
471
1821
  
651
1831
  
689
1836
  
677
1841
  
651
1846
  
637
1851
  
647
1856
  
623
1861
  
580
1866
  
558
1872
  
577
1876
  
598
1881
  
575
1886
  
559
1891
  
553
1896
  
523
1901
  
506
1906
  
524
1911
  
483
1921
  
449
1926
  
428
1931
  
408
1936
  
399
1946
  
367
1954
  
372
1962
  
348
1968
  
307
1975
  
331
1982
  
421
1990
  
703
1999
  
863
2006
  
1.004
2013
  
1.077
2020
  
1.076
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[7] INSEE ab 2006[8][9][10]
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Sehenswürdigkeiten

  • Kirche Saint-Michel aus dem 12. Jahrhundert, heutiges Gebäude aus dem 14./15. Jahrhundert, seit 2020 als Monument historique eingeschrieben
  • Priorat Merlande aus dem Jahre 1143, ehemaliges Priorat seit 1892 als Monument historique klassifiziert, Landgut des Priorats seit 2008 als Monument historique eingeschrieben
  • Das Schloss Les Brunies aus dem 17./18. Jahrhundert, eine ehemaliges Anwesen des Templerordens, wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrmals den Besitzer. Es ist vor allem als Gastgeber von Victor Hugo bekannt. Als Victor Hugo jung war, machte er mit seinem Onkel, General Hugo, einem guten Freund von General Pinoteau, dessen Sohn das Schloss Les Brunies in La Chapelle.Gonaguet besaß, Urlaub in der Dordogne. Victor Hugo wird seine Ortskenntnisse insbesondere in seinem Roman Les Misérables genutzt haben. indem er die Hauptfigur Jean Valjean am Schloss Les Brunies vorbeischauen ließ.[11][12]
  • Chartreuse Les Landes aus dem 17. Jahrhundert

Bildung

La Chapelle-Gonaguet verfügt über die öffentliche Vor- und Grundschule (École primaire) „Le pré vert“.[13]

Wirtschaft

Erwerbstätigkeit

Im Jahre 2022 waren 490 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in La Chapelle-Gonaguet erwerbstätig, entsprechend 77,9 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse, wobei der Anteil der Männer (77,5 %) niedriger war als bei den Frauen (78,3 %). Die Zahl der Arbeitslosen war mit 36 Personen im Jahr 2022 niedriger als im Jahr 2016 (47). Die Arbeitslosenquote sank entsprechend von 9,3 % (2016) auf 7,4 % (2022).[14]

Branchen und Betriebe

65 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2023 in La Chapelle-Gonaguet wirtschaftlich aktiv:[14]

Branche
Anzahl %
Gesamt 65
Fertigung, Bergbau und andere Industrien 8 12,3 %
Baugewerbe 14 21,5 %
Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie 13 20,0 %
Information und Kommunikation 5 7,7 %
Finanzen und Versicherungen 1 1,5 %
Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten 13 20,0 %
Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln 5 7,7 %
Andere Dienstleistungen 6 9,2 %

Landwirtschaft

Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Polykulturen und/oder Mischbetriebe in der Tierhaltung.[15] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde stieg von 21 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 22 im Jahr 2000, sank auf 8 im Jahr 2010 und auf 7 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 66,7 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche verringerte sich von 455 Hektar im Jahre 1988 auf 362 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg hingegen signifikant von 21,7 Hektar auf 51,8 Hektar.[16][17][18]

Fernwanderwege

Der 1932 Kilometer lange Fernwanderweg GR 36 „De la Manche aux Pyrénées“ von Ouistreham (Département Calvados) nach Bourg-Madame (Département Pyrénées-Orientales) durchquert das östliche Gemeindegebiet am ehemaligen Priorat von Merlande vorbei ebenso wie der Fernwanderweg 361 von Abjat-sur-Bandiat nach Bergerac.[19][20]

Verkehr

La Chapelle-Gonaguet liegt fernab von größeren Verkehrsachsen. Die Departementsstraße D 2 verläuft im Osten des Gemeindegebiets auf der Grenze zur Nachbargemeinde Château-l’Évêque in nördlicher Richtung nach Bussac, in südlicher Richtung nach Chancelade. Die zur D 710 herabgestufte ehemalige Nationalstraße N 710, die von Ribérac von Westen kommend nach Fumel über Périgueux führt, durchquert das südwestliche Gemeindegebiet auf einer Länge von etwa zwei Kilometern. Nachgeordnete Departementsstraßen und lokale Landstraßen verbinden das Zentrum von La Chapelle-Gonaguet mit den Weilern der Gemeinde und mit weiteren Nachbargemeinden.

Literatur

  • Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Éditions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Commons: La Chapelle-Gonaguet – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Géologie de la Dordogne-Périgord. Éditions Esprit de Pays, abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).
  2. Répartition des superficies en 15 postes d’occupation des sols (métropole). CORINE Land Cover, 2018, abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).
  3. Dossier des Départements über Hauptrisiken. (PDF) Département Dordogne, abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).
  4. Natürliche und technologische Risiken der Gemeinde. Ministerium für ökologischen Wandel, Biodiversität, Wälder, Meer und Fischerei, abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).
  5. Tanet, Hordé, Seiten 26, 100–102
  6. Chapelle-Gonaguet (la) (französisch) (Memento vom 9. September 2016 im Internet Archive)
  7. a b Notice Communale La Chapelle-Gonaguet. EHESS, abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).
  8. Populations légales 2006 Commune de la Chapelle-Gonaguet (24108). INSEE, abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).
  9. Populations légales 2013 Commune de la Chapelle-Gonaguet (24108). INSEE, abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).
  10. Populations légales 2020 Commune de la Chapelle-Gonaguet (24108). INSEE, abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).
  11. Le château des Brunies. DuVoyage.com, abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).
  12. Marie-Dominique Privé: La Chapelle Gonaguet, l'écho de l'Inspiration Victor Hugo dans les misérables. ici, 5. Juni 2023, abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).
  13. École primaire du pré vert. Nationales Bildungsministerium, abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).
  14. a b Dossier complet Commune de la Chapelle-Gonaguet (24108). INSEE, abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).
  15. Territoriale Spezialisierung der landwirtschaftlichen Produktion im Jahr 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).
  16. Allgemeine Daten der landwirtschaftlichen Betriebe mit Sitz in La Chapelle-Gonaguet. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).
  17. Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe und deren durchschnittliche landwirtschaftlich genutzte Fläche 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).
  18. Gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).
  19. GR®36 De la Manche aux Pyrénées. gr-infos.com, abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).
  20. Les routes du Périgord. routard.com, abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).