Bouteilles-Saint-Sébastien

Bouteilles-Saint-Sébastien
Botelha e Sent Sabàstian
Staat Frankreich Frankreich
Region Nouvelle-Aquitaine
Département (Nr.) Dordogne (24)
Arrondissement Périgueux
Kanton Ribérac
Gemeindeverband Périgord Ribéracois
Koordinaten 45° 21′ N, 0° 18′ O
Höhe 58–183 m
Fläche 13,96 km²
Einwohner 172 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 12 Einw./km²
Postleitzahl 24320
INSEE-Code 24062

Bürgermeisteramt (Mairie)

Bouteilles-Saint-Sébastien (Aussprache [buˈtɛj sɛ̃ sebasˈtjɛ̃], okzitanisch Botelha e Sent Sabàstian) ist eine französische Gemeinde mit 172 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Nordwesten des Départements Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Périgueux und zum Gemeindeverband Communauté de communes du Périgord Ribéracois. Sie besteht aus zwei Ortskernen, Bouteilles und Saint-Sébastien, und einigen Einzelgehöften (fermes). Das Bürgermeisteramt befindet sich im Ortsteil Bouteilles. Die Bewohner werden Bouteillois und Bouteilloises genannt.

Geografie

Bouteilles-Saint-Sébastien liegt etwa 36 Kilometer südsüdöstlich von Angoulême, etwa 35 Kilometer südwestlich von Nontron und etwa 37 Kilometer nordwestlich von Périgueux an der Grenze zum benachbarten Département Charente. Die Gemeinde befindet sich in der Région naturelle des Ribéracois, im touristisch benannten Landesteils des Périgord vert. Ihr Gebiet liegt im Einzugsgebiet der Dordogne und wird entwässert von der Lizonne, die es im Südwesten begrenzt, von der Pude, die es im Nordwesten begrenzt, bevor sie in die Lizonne mündet, vom Flüsschen Cendronne, vom Canal de la Pude sowie von verschiedenen kleineren Flussläufen.

Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Bouteilles-Saint-Sébastien liegt in der dritten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus heterogenem Kalkstein aus der Kreidezeit.[1] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär, datierend aus dem Känozoikum und Sedimentgesteinen aus dem Mesozoikum.

Das Relief des Gemeindegebiets weist eine spärlich bewaldete Hügellandschaft auf, die durch die Flusstäler der Lizonne und der Pude begrenzt wird. Der topografisch höchste Punkt befindet sich mit 183 m Höhe im äußersten Südosten nahe des Lieu-dit Les Garennes. Der tiefste Punkt befindet sich im äußersten Südwesten mit 68 m Höhe beim Austritt der Lizonne aus dem Gemeindegebiet. Das Zentrum der Gemeinde im Ortsteil Bouteilles liegt auf etwa 95 m.

Rund 94 % der Fläche der Gemeinde werden landwirtschaftlich, zumeist als Kulturboden genutzt, rund 6 % sind bewaldet.[2]

Bouteilles-Saint-Sébastien wird von folgenden sechs Gemeinden umgeben:

Nanteuil-Auriac-de-Bourzac
Palluaud (Charente) Saint-Martial-Viveyrol
Saint-Séverin (Charente) Saint-Paul-Lizonne Lusignac

Natürliche Risiken

Naturrisiken manifestieren sich in Bouteilles-Saint-Sébastien als

Aufgrund der Schäden, die durch Überschwemmungen und Schlammlawinen in den Jahren 1982, 1983 und 1988 verursacht wurden, wurde für die Gemeinde der Naturkatastrophenzustand ausgerufen. Im Dossier des Départements über Hauptrisiken sind vorbeugenden Maßnahmen zur Reduktion von Hochwasserschäden festgelegt. Dazu gehört u. a. die Ausweisung von Zonen, die nicht oder nur nach Genehmigung bebaut werden dürfen, die Instandhaltung des Wasserlaufs, um Hindernisse zu begrenzen, und die Schaffung von Regenrückhaltebecken.

Im größten Teil des Gemeindegebiets besteht zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Plicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräten und eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.[3]

Wie die Risikokarte zeigt, ist bis auf die Täler von Lizonne und der Pude nahezu das gesamte Gemeindegebiet von einer starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 zugeordnet.[4]

Toponymie und Geschichte

Die Kirche des Dorfes wurde im 12. Jahrhundert errichtet und im 15. Jahrhundert befestigt. Sie entstand in etwa zur gleichen Zeit, als der Name Botella im Jahre 1099 erstmals erwähnt wurde. In der Folge erschien der Name als Botelhat im 13. Jahrhundert in den Schriften. Dieser entspricht dem okzitanischen botelha (deutsch Krug, Flasche). Der Ursprung des Toponyms ist klar, ohne dass es nachvollziehbar ist, warum das Dorf in dieser Weise benannt wurde. Das Wort botella existierte in der Karolingerzeit und stammte aus dem lateinischen °but(t)icula, ein Diminutiv des spätlateinischen buttis (deutsch Krug, Fass). Dieses führte zum okzitanischen bota (deutsch Fass).

Saint-Sébastien ist in einem Kirchenbuch des 13. Jahrhunderts durch den lateinischen Namen der verschwundenen Kirche Sanctus Sebastianus belegt. Wie in vielen Fällen erhielt der Ort den Namen des Schutzpatrons der Kirche, hier der des Märtyrers Sebastian.[5]

Die beiden Dörfer Bouteilles und Saint-Sébastien scheinen relativ alt zu sein. Dies belegt die Entdeckung einer gallorömischen Villa mit einem Boden aus Fliesen, Mörtel und Keramik sowie reich verzierten Kapitellen korinthischer Ordnung.

Ursprünglich besaß jedes der beiden Dörfer eine eigene Pfarrkirche aus dem 12. Jahrhundert. Die Kirche der ehemaligen Pfarrei Saint-Sébastien lag Ende des 17. Jahrhunderts in Trümmern und wurde nicht wieder aufgebaut. Nur die Wehrkirche von Bouteilles blieb erhalten.

Im Jahre 1825 schlossen sich die bisherigen Gemeinden Bouteilles und Saint-Sébastien zur Gemeinde Bouteilles-Saint-Sébastien zusammen. Diese profitierte bis zum Vorabend des Zweiten Weltkriegs sicherlich von der Aktivität zweier als Staudämme errichteter Getreide- und Ölmühlen, die heute stillgelegt sind.[6]

Bevölkerungsentwicklung

Bouteilles-Saint-Sébastien: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020
Jahr  Einwohner
1793
  
475
1800
  
409
1806
  
397
1821
  
489
1831
  
733
1836
  
666
1841
  
707
1846
  
707
1851
  
666
1856
  
675
1861
  
687
1866
  
656
1872
  
607
1876
  
557
1881
  
576
1886
  
536
1891
  
507
1896
  
495
1901
  
493
1906
  
463
1911
  
476
1921
  
385
1926
  
387
1931
  
380
1936
  
366
1946
  
339
1954
  
331
1962
  
313
1968
  
294
1975
  
250
1982
  
218
1990
  
214
1999
  
189
2006
  
189
2013
  
176
2020
  
177
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[7] INSEE ab 2006[8][9][10]
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Sehenswürdigkeiten

  • Von der ursprünglich romanischen Kirche Saint-Pierre-ès-Liens in Bouteilles stehen nur noch die Apsis und der Vierungsturm; das Kirchenschiff wurde im 19. Jahrhundert erneuert. Möglicherweise im zeitlichen Umfeld des Hundertjährigen Krieges (1337–1453) wurde die Apsis baulich erhöht, so dass sie eine Einheit mit dem Vierungsturm bildet – dadurch entstand ein fensterloser, aber gut zu verteidigender Raum, der außen durch Blendarkaden gegliedert ist. Das Kirchenschiff ist flachgedeckt; die im Innern deutlich niedrigere Apsis zeigt die übliche Kalottenwölbung. Die Apsis der Kirche ist seit dem Jahr 1948 als Monument historique eingeschrieben.[11][12]
Umgebung
  • Der etwa einen Kilometer nordöstlich vom Ortsteil Bouteilles gelegene Weiler La Richardie war ehemals ein Lehen der Familie Fonpitou de Massacré, das Teile der Pfarreien Saint-Paul-Lizonne und Bouteilles umfasste und war der Kastellanei Bourzac unterstellt. Das heutige Schloss (45° 21′ 15″ N, 0° 18′ 32″ O) aus dem 18. Jahrhundert, das das Tal der Cendronne überblickt und damals dem Weinbau gewidmet war, wurde vermutlich auf den Fundamenten eines mittelalterlichen Herrenhauses errichtet. Während der Französischen Revolution wurden zwei Rundtürme der alten Befestigungsanlage zerstört.[13]

Wirtschaft und Infrastruktur

Erwerbstätigkeit

Im Jahre 2022 waren 64 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Bouteilles-Saint-Sébastien erwerbstätig, entsprechend 70,5 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse. Die Zahl der Arbeitslosen war mit 4 Personen im Jahr 2022 signifikant niedriger als im Jahr 2016 (14). Die Arbeitslosenquote sank entsprechend von 18,4 % (2016) auf 6,5 % (2022).[14]

Branchen und Betriebe

14 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2022 in Bouteilles-Saint-Sébastien wirtschaftlich aktiv:[14]

Branche
Anzahl %
Gesamt 14
Fertigung, Bergbau und andere Industrien 1 7,1 %
Baugewerbe 1 7,1 %
Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie 3 21,4 %
Information und Kommunikation 1 7,1 %
Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten 5 35,7 %
Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln 1 7,1 %
Andere Dienstleistungen 2 14,3 %

Landwirtschaft

Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf den Anbau von Getreide und/oder ölhaltigen Hülsenfrüchten.[15] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 25 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 14 im Jahr 2000, auf 10 im Jahr 2010 und auf 8 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 68 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche vergrößerte sich von 770 Hektar im Jahre 1988 auf 786 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg entsprechend von 30,8 Hektar auf 98,3 Hektar.[16][17][18]

Verkehr

Bouteilles-Saint-Sébastien liegt fernab von größeren Verkehrsachsen. Nachgeordnete Departementsstraßen und lokale Landstraßen verbinden Bouteilles und Saint-Sébastien miteinander, mit den Weilern der Gemeinde und mit den Nachbargemeinden.

Literatur

  • Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Commons: Bouteilles-Saint-Sébastien – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Géologie de la Dordogne-Périgord. Éditions Esprit de Pays, abgerufen am 4. November 2025 (französisch).
  2. Répartition des superficies en 15 postes d’occupation des sols (métropole). CORINE Land Cover, 2018, abgerufen am 4. November 2024 (französisch).
  3. Dossier des Départements der Hauptrisiken. (PDF) Département Dordogne, abgerufen am 4. November 2025 (französisch).
  4. Les risques près de chez moi. Ministerium für ökologischen Wandel, Biodiversität, Wälder, Meer und Fischerei, abgerufen am 4. November 2025 (französisch).
  5. Tanet, Hordé, Seiten 70–71
  6. Bouteilles-Saint-Sébastien (französisch) (Memento vom 9. September 2016 im Internet Archive)
  7. Notice Communale Bouteilles-Saint-Sébastien. EHESS, abgerufen am 4. November 2025 (französisch).
  8. Populations légales 2006 Commune de Bouteilles-Saint-Sébastien (24062). INSEE, abgerufen am 4. November 2025 (französisch).
  9. Populations légales 2013 Commune de Bouteilles-Saint-Sébastien (24062). INSEE, abgerufen am 4. November 2025 (französisch).
  10. Populations légales 2020 Commune de Bouteilles-Saint-Sébastien (24062). INSEE, abgerufen am 4. November 2025 (französisch).
  11. Bouteilles-Saint-Sébastien – Église Sainte-Pierre-ès-Liens in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  12. Bouteilles-Saint-Sébastien – Église Sainte-Pierre-ès-Liens in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  13. Château de la Richardie à Bouteilles-Saint-Sébastien. chateau-fort-manoir-chateau.eu, abgerufen am 4. November 2025 (französisch).
  14. a b Dossier complet Commune de Bouteilles-Saint-Sébastien (24062). INSEE, abgerufen am 4. November 2025 (französisch).
  15. Territoriale Spezialisierung der landwirtschaftlichen Produktion im Jahr 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 4. November 2025 (französisch).
  16. Allgemeine Daten der landwirtschaftlichen Betriebe mit Sitz in Bouteilles-Saint-Sébastien. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 4. November 2025 (französisch).
  17. Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe und deren durchschnittliche landwirtschaftlich genutzte Fläche 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 4. November 2025 (französisch).
  18. Gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 4. November 2025 (französisch).