21-cm-Haubitze L/11,8
| 21-cm-Haubitze L/11,8 | |
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| Allgemeine Angaben | |
| Entwickler/Hersteller | Friedrich Krupp AG |
| Entwicklungsjahr | 1891 |
| Produktionsstart | 1891 |
| Waffenkategorie | Haubitze |
| Technische Daten | |
| Rohrlänge | 2,4 m |
| Kaliber | 20,93 cm |
| Kaliberlänge | L/11,8 |
| Höhenrichtbereich | +4° bis +35° Winkelgrad |
| Seitenrichtbereich | 360° (in Geschützturm) |
Die 21-cm-Turmhaubitze L/11,8 war eine im Deutschen Kaiserreich hergestellte Haubitze, die vor dem Ersten Weltkrieg in Festungen von Belgien und Rumänien eingebaut wurden.
Entwicklung
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veränderten mehrere Konflikte das Kräfteverhältnis in Europa und lösten damit ein Wettrüsten um die militärische Vorherrschaft aus. Eines der Unternehmen, welches davon profitieren konnte, war die Friedrich Krupp AG (kurz: Kp), da mehrere europäische Länder mit Kanonen verschiedene Art von Krupp ausgerüstet waren. Einige Nationen wie Belgien, Italien, oder das Russische Kaiserreich importierten einige Geschütze und fertigten eigene Entwürfe unter Lizenz an.[1]
Ein weiterer Profiteur waren die Grusonwerke in Magdeburg-Buckau, welche sich auf den Guss großer Bauteile aus Eisen und Stahl spezialisiert hatte, wie Panzertürme und Panzerkuppeln für Festungen. Beide Firmen kooperierten und so wurden Gruson-Geschütztürme mit Artilleriekanonen von Krupp bewaffnet und in vielen europäischen Festungsanlagen eingebaut.[1]
Technische Beschreibung
Die 21-cm-Turmhaubitze L/11,8 war ein kurzläufiges Hinterladergeschütz aus Stahl. Als Verschluss wurde ein früher Gleitblockverschluss verbaut, welcher separate Ladungen und Projektile verschoss.[1]
Die Geschütztürme von Gruson für die 21-cm-Turmhaubitze L/11,8 waren Gussstahltürme mit einem großen Durchmesser und niedriger Silhouette. In diesem Geschützturm konnte die Turmhaubitze um 360 Winkelgrad gedreht werden. In der Höhe war ein Richtwinkel zwischen +4 und +35 Winkelgrad möglich. Durch diesen Geschützturm war nahezu die gesamte Turmhaubitze geschützt, lediglich ein kleiner Teil der Mündung des Geschützrohres ragte hinaus. In den Festungen war es möglich, diesen Geschützturm mithilfe eines Hebe- und Schwenkmechanismus nach oben zum Feuern und nach unten zum Schutz vor Beschuss oder direkten Angriffen zu fahren.[1]
Bezeichnung
- 21-cm-Turmhaubitze L/11,8 (Deutsches Kaiserreich)
- Obusier des 21 c.A. Krupp (Belgien)
- Obuzierul Krupp, calibrul 210 mm, model 1891 (Rumänien)
Einsatz
Belgien
Die Befestigungsanlagen in Belgien wurden von dem belgischen Militärarchitekten Henri Alexis Brialmont entworfen. Als Bewaffnung wählte er Geschütze mit einem Kaliber von 15 bis 21 cm, da er davon ausging, dass diese am wirksamsten gegen Angriffe seien und gegnerischen Beschuss am besten standhalten würden. Er ging weiterhin davon aus, dass größere Belagerungsartillerie zu schwer für den Transport und zu teuer in der Anschaffung sei, um sie in ausreichender Anzahl an die Front zu bringen. Allerdings berücksichtigte er dabei nicht, dass die neuen Geschütze aus geschmiedeten Nickelstahl deutlich leichter waren, als die die alten Geschütze aus Bronze oder Gusseisen. Dadurch war es auch möglich, die neuen und großkalibrigen Geschütze relativ schnell und einfach an die Front zu bringen.
Dennoch wurden mehrere Festungen mit der Obusier des 21 c.A. Krupp in Gruson-Geschütztürmen verbaut. Darunter allein 18 Stück im Festungsring Lüttich. So gab es jeweils zwei Geschütztürme im Fort Flémalle, Fort Loncin, Fort Pontisse, Fort Barchon, Fort Fléron und Fort Boncelles. Je einen Geschützturm gab es im Fort Hollogne, Fort Lantin, Fort Liers, Fort Évegnée, Fort Chaudfontaine und im Fort Embourg.[2]
13 Geschütztürme wurden im Festungsring Namur verbaut. So gab es zwei Geschütztürm im Fort Saint-Héribert, Fort Suarlée, Fort Cognelée und im Fort Andoy. Je ein Geschützturm befand sich im Fort Malonne, Fort Emines, Fort Marchovelette, Fort Maizeret und im Fort Dave.[2]
Die deutschen Truppen setzten für den Vormarsch durch Belgien und den Beschuss der Festungen schwere Belagerungsgeschütze ein, wie den 30,5-cm-M.11-Mörser oder die Dicke Bertha. Zwar gelang es den belgischen Festungen den Vormarsch der deutschen Truppen zu verlangsamen, doch aufhalten konnten sie die gegnerischen Truppen nicht. Die meisten Festungen wurden belagert und nach und nach zerstört.[3]
Rumänien
Auch in Rumänien wurden Festungen von Brialmont entworfen und mit der 21-cm-Turmhaubitze L/11,8 ausgerüstet. Bevor das Land auf Seiten der Entente in den Krieg eintrat, verfügte es über 36 Turmhaubitzen dieser Art. Die Festungen befanden sich im Süden entlang der Grenze zu Bulgarien, im Osten entlang der Grenze zum russischen Kaiserreich und es gab einen Festungsring um Bukarest. Nachdem die rumänische Armee sah, wie die belgischen Festungen von den deutschen Truppen zerstört wurden, begann man mit Entfernung der Geschütze und deren Umwandlung in mobile Feldartillerie. So wurden noch vor Kriegsbeginn 13 Turmhaubitzen aus den Befestigungen entfernt, auf lokale Garnisionslafetten montiert und als schwere Feldartillerie eingesetzt.
Doch den Geschützen fehlte es an einem Rohrrücklauf, einem Geschützschild und einem Schwenkmechanismus. Musste man seitlich richten, so konnte man dies nur durch Drehen der gesamten Lafette erreichen. Um die Haubitze transportieren zu können, verfügte die Lafette vorn über eine Achse, welche mit großen Rädern ausgestattet werden konnte. Für den Beschuss konnten diese wieder entfernt werden, wodurch das Geschütz wieder auf den kleinen Laufrollen vorn in der Lafette stand.
Deutsches Kaiserreich
Nachdem die deutschen Truppen die belgischen Festungen zerstört und erobert hatte, fielen ihnen noch funktionsfähige Turmhaubitzen in die Hände. Die Geschützrohre wurden auf einfache Kastenlafetten aus genieteten Stahlplatten montiert, an deren Vorderseite sich zwei große Speichenräder aus Gusseisen befanden. In dieser Lafette war es möglich, die Haubitze zwischen 0 und +44 Winkelgrad in der Höhe zu Richten. Auch diese Version der Haubitze verfügte über keinen Rohrrücklauf, Geschützschild oder Schwenkmechanismus. Dadurch musste man zum seitlichen Richten die gesamte Lafette drehen. Mit der so umgebauten Haubitze wurden schwere Artillerieeinheiten ausgerüstet.
Befand sich die Haubitze für einen längeren Zeitraum in einem Einsatzgebiet, so wurden hölzerne Bettungen errichtet. Um Rückstoß beim Feuern abzufangen, wurden Rampen errichtet, wodurch die Haubitze diese nach der Schussabgabe hochrollte und durch die Schwerkraft wieder zurück in ihre Ausgangsposition. Dadurch musste die Haubitze jedoch jedes Mal neu ausgerichtet werden, was zu einer geringeren Feuergeschwindigkeit führte.
Verbleib
Heute sind zwei 21-cm-Haubitzen L/11,8 erhalten geblieben. Eine befindet sich im Muzeul Militar Național „Regele Ferdinand I“ in Bucharest in Rumänien und ist in der Garnisionslafette montiert. Die zweite Haubitze steht im Fort Dix Army Reserve Mobilization Museum in Lakehurst in New Jersey und ist in der Radlafette montiert.
Literatur
- Clayton Donnell: The forts of the Meuse in World War I. Osprey, Oxford 2007, ISBN 978-1-84603-114-4.
- Wolfgang Fleischer: German artillery 1914–1918. Barnsley 2015, ISBN 978-1-4738-2398-3.
- Robert T. Foley: German strategy and the path to Verdun : Erich von Falkenhayn and the development of attrition 1870–1916. UK, Cambridge 2007, ISBN 978-0-521-84193-1.
- Ian Hogg: Allied artillery of World War One. Crowood, Ramsbury 2004, ISBN 1-86126-712-6.
- Herbert Jäger: German artillery of World War One. Crowood Press, Marlborough 2001, ISBN 1-86126-403-8.
- Hermann Schirmer: Das Gerät der schweren Artillerie vor, in und nach dem Weltkrieg (Textband). Bernard & Graefe, Berlin 1937.
- Barbara W. Tuchman: The guns of August, The proud tower. Library of America, New York 2012, ISBN 978-1-59853-145-9.