Fort Hollogne
| Fort Hollogne | ||
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Blick in den Wehrgraben des Fort Hollogne | ||
| Daten | ||
| Ort | Chaudfontaine | |
| Architekt | Henri Alexis Brialmont | |
| Baustil | Fort | |
| Baujahr | 1888 – 1892 | |
| Koordinaten | 50° 38′ 47″ N, 5° 27′ 58″ O | |
Das Fort Hollogne ist eines von zwölf Forts, aus denen der Festungsring um die belgische Stadt Lüttich des späten 19. Jahrhunderts besteht.
Geschichte
Im Jahr 1888 begannen 8 km westlich von Lüttich die Bauarbeiten an einem weiteren Fort für die Stadt. Dieses sollte die Stadt sichern und eine erneute Besetzung durch französische Truppen verhindern. Die Pläne für den Bau stammten von General Henri Alexis Brialmont und waren eine Besonderheit. Anders, als die französischen Festungen aus der gleichen Zeit, bestand das Fort Hollogne vollständig aus Beton und nicht aus Mauerwerk. Die Bauarbeiten dauerten bis ins Jahr 1884 an. Kurz nach der Fertigstellung wurde das Fort durch belgische Truppen besetzt. Mit der Fertigstellung des Forts zählt es zu den kleinsten in der Region um Lüttich.[1]
Aufbau
Das Fort Hollogne besteht vollständig aus Beton und liegt 8 km westlich des Stadtzentrums von Lüttich, westlich der Ortschaft Grâce-Hollogne. Es hat die Form eines gleichschenkeligen Dreiecks mit einer Grundseite von 200 m und Seitenlängen von 225 m Länge. Das Fort ist vollständig von einem 6 m tiefen und 8 m breiten Graben umgeben.[1]
Das Fort war so konstruiert worden, um den Beschuss der damals schwersten Kaliber von 21-cm standhalten zu können.[2] Der zentrale Aufbau mit den Geschütztürmen bestand aus 4 m dicken, unbewehrten Beton. Die Kasemattenwände, welche als weniger exponiert angesehen wurden, hatten eine Wandstärke von 1,5 m.[3]
In diesem Fort befanden sich wichtige Orte zur Deckung des täglichen Bedarfs in der Contrescarpe, welche im Kampf sehr schlecht gehalten werden konnten. Darunter zählen Latrinen, Duschen, die Küche und eine Leichenhalle. Dies war ein Umstand, welche erhebliche negative Auswirkungen auf die Widerstandsfähigkeit der Forts gegen einen längeren Kampf oder eine Belagerung geben konnten, wenn diese Positionen erobert würden. Zudem befand sich der Versorgungsbereich direkt gegenüber der Kaserne, welche in Richtung Lüttich offen war und somit wenig Schutz bot.[1]
Bewaffnung
Die Hauptbewaffnung des Forts konzentriert sich im zentralen Aufbau. Nach der Fertigstellung der Bauarbeiten, bestand die Bewaffnung aus einem Geschützturm der Grusonwerke, welche mit einer 21-cm-Haubitze L/11,8 der Friedrich Krupp AG ausgerüstet war. Weiterhin gab es einen Geschützturm der Firma Schneider-Creusot, welcher mit zwei 15-cm-Kanone 1890 ausgestattet war. Zwei weitere Geschütztürme stammten von Châtillon-Commentry und verfügten je über eine 12-cm-Kanone von Krupp. An jeder der drei Ecken des Forts befand sich eine 5,7-cm-Maxim-Nordenfelt in einem Geschützturm der Grusonwerke. Alle diese Geschütztürme konnten bei Bedarf eingefahren werden. Die Gräben und der hintere Eingang wurden durch Flankenfeuer von sieben schweren Maschinengewehren verteidigt, welche in Kasematten der Contrescarpe positioniert waren. Die Kommunikation zwischen dem benachbarten Fort Flémalle südlich und Fort Loncin nördlich, fand mithilfe von Lichtsignalen statt.[1][4]
Alle Geschütze des Forts waren mit Schwarzpulver, anstatt mit rauchschwachem Pulver ausgestattet. Dadurch sollten sich in den Gräben erstickende Gase bilden und mögliche Angreifer dort bereits aufgehalten werden. Problematisch war jedoch, dass sich auch in den beengten Feuerräumen die Gase ausbreiteten und sich dann über das gesamte Fort verteilten.[4]
In den 1930er Jahren wurde das Fort Boncelles neu bewaffnet, sowie zahlreiche neue Unterstände für die Feldarmee geschaffen. Die ursprünglichen Kanonen der Geschütztürme wurden durch neuere Kanonen ersetzt. Zusätzlich wurde ein Geschützturm mit einem Maschinengewehr und zwei Granatwerfern verbaut. Da die Luftwaffe immer mehr an Bedeutung gewann, wurde eine Flugabwehrbatterie mit vier Geschützen verbaut. Die vier alten Geschütztürme mit den 5,7-cm-Maxim-Nordenfelt-Geschützen wurden durch Maschinengewehre ausgetauscht.
Erster Weltkrieg
Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurden die Besatzungen der Forts in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Die Garnison bestand aus 230 Artilleristen und 120 Infanteristen unter dem Kommando von Hauptmann Cuisinier. Am 6. August 1914 erreichten die ersten deutschen Truppen Lüttich und begannen mit dem Angriff auf die Stadt. Dabei trafen die deutschen Truppen auf unerwartet heftigen Widerstand durch die Forts. Aus diesem Grund brachten sie schwerste Belagerungsartillerie an die Front, welcher die Forts nicht standhalten konnten.
Das Fort Hollogne war am 13. August 1914 das Ziel eines schweren Artillerieangriffs. Nachdem kurz danach das nördlich Fort Loncin schwer getroffen wurde und ein Munitionsdepot innerhalb explodierte, schicken die deutschen Truppen gegen 17:20 Uhr Abgesandte in das Fort Hollogne, welches mit dem Fort Flémalle als letzte noch Widerstand leisteten. Den Truppen wurde nahegelegt, dass eine Kapitulation der einzige Ausweg für die Truppen war. Der erste >Plan der eingeschlossenen, das Fort nach Sabotage an der Ausrüstung zu verlassen, wurde aufgrund der vollständigen Umzingelung verworfen. Am 16. August 1914 um 7:30 Uhr kapitulierte das Fort Hollogne als letzte Fort des Festungsring Lüttich.[5]
Deutsche Besetzung
Nach der Kapitulation der belgischen Besatzung übernahmen die deutschen Truppen das Fort Hollogne. Dabei stießen sie auf mehrere Mängel, welche sie während der Besatzung behoben. Dadurch konnten sie das Fort als Infanteriestützpunkt nutzen. So wurden die Eingänge mit neuen Betonüberdachungen geschützt und Metalldecken unter die alten Betondecken eingebaut.
Auch die Belüftung wurde verbessert. So errichteten die Deutschen zwei Lufteinlässe auf dem Glacis, welche durch einen unterirdischen Gang mit der Festung verbunden waren. Ein Ventilator verteilte die Luft dann weiter in der Festung. Die elektrische Anlage wurde während der Kämpfe stark beschädigt und musste ersetzt werden.[6]
Direkt neben dem Fort wurde durch die Luftstreitkräfte des Deutschen Kaiserreichs ein Militärflugplatz gebaut, welcher später zum Flughafen Lüttich wurde. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde das Fort an Belgien zurückgegeben.
Zwischenkriegszeit
Nachdem der Erste Weltkrieg beendet war, beschloss die belgische Armee die Forts entlang der Maas und Vesdre weiter zu nutzen und aufzurüsten. Jedoch wurde das Fort Hollogne nicht betrachtet und blieb in seinem Ursprünglichen Zustand bestehen, außer die Umbauten der deutschen Truppen. In der Zwischenkriegszeit wurde das Fort als Munitionsdepot genutzt.
Zweiter Weltkrieg
Nachdem die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg Polen überfallen hatte, wurden die Sicherheitsvorkehrungen und die Alarmbereitschaft erhöht. Das Fort wurde jedoch nicht von belgischen Truppen besetzt und blieb leer. Dennoch wurde es im Mai 1940 das Ziel durch Angriffe von deutschen Stukas, welches das Fort fälschlicherweise für das Fort Flémalle hielten. Der Infanterie fiel das Fort kampflos in die Hände. Während der Besatzungszeit gab es Pläne, das Fort in eine Abschussrampe für V2-Raketen umzuwandeln, welche jedoch nicht realisiert wurden. Die US-amerikanischen Truppen nutzten das Fort, nach der Besetzung 1944, als Lazarett weiter.
Nachkriegszeit bis heute
Nach dem Krieg wurde das Fort als Depot für die belgische Armee genutzt. Im Jahr 1991 wurde es von der belgischen Luftwaffe als Kommandozentrale weiter verwendet. Bis 1997 blieb das Fort im Besitz des Verteidigungsministerium und wurde danach an das Verkehrsministerium übergeben und in den Flughafen Lüttich integriert.
Heute wird das Fort von einem Verein, Comité de sauvegarde du patrimoine historique du fort de Hollogne (Komitee zur Erhaltung historischen Erbes des Fort Hollogne), instand gehalten. Bei verschiedenen Anlässen ist eine Besichtigung des Forts möglich.
Weblinks
Literatur
- Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. Osprey, Oxford 2007, ISBN 978-1-84603-114-4.
- J. E. Kauffmann, R. Jurga: Fortress Europe: European Fortifications of World War II. Da Capo Press, 2002, ISBN 0-306-81174-X.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 32.
- ↑ Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 52.
- ↑ Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 12.
- ↑ a b Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 17.
- ↑ Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 45–48.
- ↑ Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 36.
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