10,5-cm-Schnelladekanone L/45

10,5-cm-Schnelladekanone L/45


10,5-cm-Schnelladekanone L/45
von UB-91 am Denkmal in Chepstow

Allgemeine Angaben
Entwickler/Hersteller Ehrhardt
Entwicklungsjahr 1906 – 1907
Stückzahl 125
Waffenkategorie Schiffsartillerie
Flugabwehrkanone
Technische Daten
Gesamtlänge 4,72 m
Kaliber 10,5 cm
Kaliberlänge L/45
Kadenz 15–20 Schuss/min
Höhenrichtbereich –10° bis +30° (MPL C/06)
–9° bis +80° (MPL C/30)
–10° bis +50° (LC/16)
–10° bis +70° (Flak 45) Winkelgrad
Seitenrichtbereich 360°

Die 10,5-cm-Schnelladekanone L/45 (kurz: 10,5-cm-SK L/45) war ein Schiffsgeschütz der deutschen Kaiserlichen Marine, welches im Ersten Weltkrieg auf Kriegsschiffen und als Flugabwehrkanone zum Einsatz kam.

Entwicklung

Um Feuerreichweite und Durchschlagsfähigkeit der älteren 10,5-cm-Schnelladekanone L/40 zu verbessern, wurde eine neue Kanone für die kleinen Kreuzer gesucht. Ehrhardt begann 1906 mit der Entwicklung und stellte 1907 eine 10,5-cm-Schnelladekanone mit einem längeren Geschützrohr vor, die 10,5-cm-Schnelladekanone L/45.

Produktion

Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges wurden 125 Schnellladekanonen hergestellt und auf verschiedenen Schiffen montiert. Während des Krieges wurden weitere Geschütze als Flugabwehrwaffen hergestellt. Gegen Ende des Krieges wurden weitere Geschütze auf Zerstörern und U-Booten verbaut.

Technische Daten

Die 10,5-cm-Schnelladekanone L/45 war ein Schiffsgeschütz mit einem Gesamtgewicht von 1,45 t. Sie wurde auf verschiedenen anderen Über- und Unterwasserschiffen als Primär- oder Sekundärgeschütz verbaut. Das Geschütz hat eine Gesamtlänge von 4,72 m. Das Geschützrohr verfügt über einen horizontalen Gleitblockverschluss. Vorteil der 10,5-cm-Schnelladekanone L/45 für U-Boote war, dass zahlreiche Bauteile aus Messing bestanden und somit gut gegen Korrosion geschützt waren.

Je nachdem, auf welchem Schiffstyp die Kanone verbaut wurde, gab es unterschiedliche Lafetten. Alle konnten, sofern es baulich auf dem Schiff möglich war, um 360 Winkelgrad gedreht werden. Der Höhenrichtbereich unterschied sich jedoch je Lafette. So gab es für die größeren Überwasserschiffe die Lafette MPL C/06 (MPL= Mittelpivot-Lafette) mit einem Höhenrichtbereich zwischen −10 bis +30 Winkelgrad und später die verbesserte VMPL C/30 mit einem Bereich zwischen −9 bis +80 Winkelgrad. Die Torpedoboote und U-Boote verwendeten die Torpedo- oder U-Boot-Lafette LC/16, welche eine Richten in der Höhe zwischen −10 bis +50 Winkelgrad erlaubte. Ein späterer Einsatz als Flugabwehrkanone auf der Flaklafette 45 erlaubte ein Höhenrichten zwischen −10 bis +70 Winkelgrad.[1]

Einsatz

Zum Einsatz kam die 10,5-cm-Schnelladekanone L/45 auf verschiedenen Schiffsklassen. Dazu zählten:[2]

Vor und während des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche Geschütze so umgebaut, dass sie die gleiche Munition wie die 10,5-cm-Schnelladekanone C/32 verschießen konnten. Anschließend wurden sie auf U-Booten und kleineren Kampfschiffen verbaut. Darunter auf den Torpedobooten der Klasse 1935. Die Bezeichnung dieser Geschütze wurde in 10,5-cm-Schnelladekanone L/45 n. R. (nachgebohrtes Rohr) geändert.[3]

Commons: 10,5-cm-Schnelladekanone L/45 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • John Campbell: Naval Weapons of World War Two. Conway Maritime Press, London 2002, ISBN 0-87021-459-4.
  • Terry Gander, Peter Chamberlain: Weapons of the Third Reich: An Encyclopedic Survey of All Small Arms, Artillery and Special Weapons of the German Land Forces 1939–1945. Doubleday, New York 1979, ISBN 0-385-15090-3.
  • Erich Gröner: Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945 - Band 1: Frühe deutsche Flotten, Panzerschiffe, Linienschiffe, Schlachtschiffe, Flugzeugträger, Kreuzer, Kanonenboote. Edition Erich Gröner GbR, Dabendorf 2024, ISBN 978-3-9825607-2-4.
  • Ian V. Hogg: German Artillery of World War Two. Stackpole Books, Mechanicsville 1997, ISBN 1-85367-480-X.
  • Rudi Rolf: Der Atlantikwall: Bauten der deutschen Küstenbefestigungen 1940-1945. Biblio, Osnabrück 1998, ISBN 3-7648-2469-7.
  • Rudi Rolf: A Dictionary on Modern Fortification: An Illustrated Lexicon on European Fortification in the Period 1800-1945. PRAK, Middleburg 2004.
  • Oberkommando der Kriegsmarine: M.Dv. Nr. 198, Übersicht über die für die Marinegeschütze und deren Abk K zu verwendenden Munition und ihre Einzelteile einschl. Salut- und Manöverladungen. Reichsdruckerei, Berlin 1944.

Einzelnachweise

  1. John Campbell: Naval Weapons of World War Two. 2002, S. 249.
  2. Erich Gröner: Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945. 2024.
  3. Oberkommando der Kriegsmarine: M.Dv. Nr. 198. 1944.