Fort Suarlée

Fort Suarlée

Eingang zum Fort Suarlée

Daten
Ort Maizeret
Architekt Henri Alexis Brialmont
Baustil Fort
Baujahr 1888 – 1891
Koordinaten 50° 29′ 10″ N, 4° 48′ 4″ O

Das Fort Suarlée ist eines von neun Forts, aus denen der Festungsring um die belgische Stadt Namur des späten 19. Jahrhunderts bestand.

Geschichte

Im Jahr 1888 begannen 5 km nordwestlich von Namur die Bauarbeiten an einem Fort für die Stadt. Dieses sollte die Stadt mit Blick nach Norden und Westen die Bahnlinie zwischen Brüssel und Namur sichern und eine erneute Besetzung durch französische Truppen verhindern. Die Pläne für den Bau stammten von General Henri Alexis Brialmont und waren eine Besonderheit. Anders, als die französischen Festungen aus der gleichen Zeit, bestand das Fort Suarlée vollständig aus Beton und nicht aus Mauerwerk. Die Bauarbeiten dauerten bis ins Jahr 1892 an. Kurz nach der Fertigstellung wurde das Fort durch belgischen Truppen besetzt.

Aufbau

Das Fort Suarlée besteht vollständig aus Beton und liegt 5 km nordwestlich des Stadtzentrums von Namur, in der Ortschaft Suarlée. Es hat eine dreieckige Form und ist vollständig von einem 6 m tiefen und 8 m breiten Graben umgeben. Es zählt zu einem der größeren Forts im Festungsring.[1]

Das Fort war so konstruiert worden, um den Beschuss der damals schwersten Kaliber von 21-cm standhalten zu können.[2] Der zentrale Aufbau mit den Geschütztürmen bestand aus 4 m dicken, unbewehrten Beton. Die Kasemattenwände, welche als weniger exponiert angesehen wurden, hatten eine Wandstärke von 1,5 m.[3]

In diesem Fort befanden sich wichtige Orte zur Deckung des täglichen Bedarfs in der Contrescarpe, welche im Kampf sehr schlecht gehalten werden konnten. Darunter zählen Latrinen, Duschen, die Küche und eine Leichenhalle. Dies war ein Umstand, der erhebliche negative Auswirkungen auf die Widerstandsfähigkeit der Forts gegen einen längeren Kampf oder eine Belagerung geben konnten, wenn diese Positionen erobert würden. Zudem befand sich der Versorgungsbereich direkt gegenüber der Kaserne, welche in Richtung Lüttich offen war und somit wenig Schutz bot.[1]

Bewaffnung

Die Hauptbewaffnung des Forts konzentriert sich im zentralen Aufbau. Nach der Fertigstellung der Bauarbeiten bestand die Bewaffnung aus zwei Geschütztürmen der Grusonwerke, welche mit je einer 21-cm-Haubitze L/11,8 der Friedrich Krupp AG ausgerüstet war. Weiterhin gab es einen Geschützturm der Firma Schneider-Creusot, welcher mit zwei 15-cm-Kanone 1890 ausgestattet war. Als drittes gab es zwei Geschütztürme von Châtillon-Commentry, welche über je eine 12-cm-Kanonen von Krupp verfügten. An jeder der drei Ecken des Forts befand sich eine 5,7-cm-Maxim-Nordenfelt in einem Geschützturm der Grusonwerke. Alle diese Geschütztürme konnten bei Bedarf eingefahren werden. Die Gräben und der hintere Eingang wurden durch Flankenfeuer von neun schweren Maschinengewehren verteidigt, welche in Kasematten der Contrescarpe positioniert waren. Die Kommunikation zwischen dem benachbarten Fort Emines nordöstlich und Fort Malonne südlich, fand mithilfe von Lichtsignalen statt.[1][4]

Alle Geschütze des Forts waren mit Schwarzpulver, anstatt mit rauchschwachem Pulver ausgestattet. Dadurch sollten sich in den Gräben erstickende Gase bilden und mögliche Angreifer dort bereits aufgehalten werden. Problematisch war jedoch, dass sich auch in den beengten Feuerräumen die Gase ausbreiteten und sich dann über das gesamte Fort verteilten.[4]

Erster Weltkrieg

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurden die Besatzungen der Forts in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Am 21. August 1914 begann die Schlacht um Namur. Zu dieser Zeit war das Fort mit 480 Soldaten unter dem Kommando von Kapitänleutnant Moisse besetzt. Nachdem die deutschen Truppen am Festungsring Lüttich durch schwere Kämpfe Erfahrungen gesammelt hatten, wurden die Forts im Festungsring Namur erst mit Artillerie beschossen, bevor man die Infanterie vorschickte.[5]

Das Fort Suarlée war ab dem 23. August 1914 das Ziel der deutschen Truppen und wurde von schwerer Belagerungsartillerie unter Beschuss genommen. Am 24. August 1914 wurde das Fort von mehr als 1500 Granaten getroffen und schwer beschädigt. Auch am nächsten Tag, dem 25. August 1914, wurde das Fort von mehr als 1500 Granaten unterschiedlichster Kaliber getroffen und so schwer beschädigt, dass die Besatzung kapitulieren musste.[5]

Zwischenkriegszeit

In den 1930er Jahren wurden fast alle Forts modernisiert, um vor einen erneuten deutschen Angriff abschreckend zu wirken. So wurde alle Geschütze durch moderne 7,5-cm-Kanonen ersetzt und weitere Maschinengewehre für die Flugabwehr, sowie Flugabwehrkanonen kamen hinzu.[6]

Auch die allgemeinen Bedingungen im Fort wurden verbessert. So wurden die Wände verstärkt und eine neue Belüftung mit einem hohen Belüftungsturm eingebaut. Die Kommunikationseinrichtung wurde verbessert und ein verbesserter Generator zur Stromerzeugung wurde verbaut. Um das Fort herum wurden neue Beobachtungsposten und Unterstände für die Infanterie geschaffen.[6]

Zweiter Weltkrieg

Nachdem die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg Polen überfallen hatte, wurden die Sicherheitsvorkehrungen und die Alarmbereitschaft erhöht. Das Kommando des Fort Maizeret hatte zu dieser Zeit der Hauptmann Tislair mit etwa 250 Soldaten. Als der Westfeldzug begann, war das Fort bereits am 10., 11. und 12. Mai 1940 von der Luftwaffe angegriffen. Als die Wehrmacht das Fort erreichte, wurde es am 15. Mai durch Panzerabwehrkanonen unter Beschuss genommen. Am 16. Mai unterstütze das Fort das Fort Marchovelette mit Artilleriebeschuss.

Die Wehrmacht konzentrierte sich derweil auf die Versorgungselemente des Fort. So wurde am 16. und 17. März der Lüftungsturm von Infanterie angegriffen und besetzt. Noch am 17. Mai griff Infanterie den Haupteingang an, jedoch ohne Erfolg. Am 18. Mai kam es zu einem erneuten Luftangriff, bei dem vier 7,5-cm-Kanonen zerstört wurden. Am 19. Mai erfolgte ein letzter Angriff durch die Wehrmacht. Die Besatzung verteidigte sich so lange wie möglich, konnte jedoch nicht standhalten und kapitulierte noch am gleichen Tag.

Nachkriegszeit bis heute

Nach dem Krieg lag das Fort längere Zeit verlassen dar. Das bewaldete Gelände wurde für die Jagd genutzt und im Fort wurden Sprengstofftests durchgeführt. Dadurch, und durch den Ausbau der Metallkomponenten, entstanden schwere Schäden am Fort. Die beiden äußeren Gräben wurden, aus unerklärlichen Gründen, mit Schutt aufgefüllt. Aufgrund der isolierten Lage des Fort und der mangelnden Sicherheit des Forts, ist Vandalismus ausgesetzt und wird regelmäßig von rechtsextremen Gruppen für Treffen aufgesucht.

Im Jahr 2011 wurde das umliegende Ackerland für die Erweiterung des Industrieparks Ecolys in Rhisnes umgewandelt. Im Sommer 2016 wurden umfangreiche Baumfäll- und Dekontaminiationsarbeiten durchgeführt. Anfang November wurde der Weg zum Fort verbreitert und ein Sicherheitszaun um das Fort gezogen. Das Fort ist heute in Privatbesitzt und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

Literatur

  • Col. Bujac: Namur. Les archives de la grande guerre et de l’histoire contemporaine, 1922.
  • Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. Osprey, Oxford 2007, ISBN 978-1-84603-114-4.
  • J. E. Kauffmann, R. Jurga: Fortress Europe: European Fortifications of World War II. Da Capo Press, 2002, ISBN 0-306-81174-X.
  • Chanonine Jean Schmitz, Dom Norbert Nieuwland: Documents Poru Servir a l’hostorie de L’invasion allemande dans les provinces de Namur et de Luxembourg. G. Van Oest, Brüssel 1920.

Einzelnachweise

  1. a b c Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 32.
  2. Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 52.
  3. Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 12.
  4. a b Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 17.
  5. a b Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 45–48.
  6. a b Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 56.

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