28-cm-Haubitze L/14 i. R.

28-cm-Haubitze L/14 i. R.


28-cm-Haubitze L/14
in Feuerstellung

Allgemeine Angaben
Entwickler/Hersteller Friedrich Krupp AG
Entwicklungsjahr 1913
Produktionsstart 1914
Stückzahl 1
Waffenkategorie Haubitze
Technische Daten
Kaliber 28,3 cm
Kaliberlänge L/14
Drall 40/20
Höhenrichtbereich +20° bis +65° Winkelgrad
Seitenrichtbereich 6° (je Seite)

Die 28-cm-Haubitze L/14 i. R. war eine im Deutschen Kaiserreich hergestellte Versuchshaubitze, die während des Ersten Weltkrieges fertiggestellt und eingesetzt wurde.

Entwicklung

Um die Feuerkraft zu erhöhen und auch schwerste Kaliber an die Front bringen zu können, versucht man schwere Geschütze in Räderlafetten einzubauen. Dies führte jedoch beim Transport zu sehr hohen Achslasten, was die Lafette oder den Transportweg beschädigte. Infolgedessen begann die Friedrich Krupp AG im Jahr 1913 das Geschützrohr einer 28-cm-Haubitze nach dem Vorbild der Gebirgsgeschütze zerlegbar zu machen. Im Jahr 1914, nach Kriegsbeginn, war diese Haubitze fertiggestellt worden. Die ersten Tests waren so vielversprechend, dass an die Truppe für Feldversuche ausgegeben wurde und maßgeblich an weiteren Neukonstruktionen zu schwersten mobilen Geschützen beitrug. In der Armee wurde die Haubitze als 28-cm-Haubitze L/14 i. R. (in Räderlafette) in den Bestand aufgenommen. Es wurde nur eine Haubitze hergestellt.[1]

Technische Beschreibung

Das Geschützrohr hatte ein Kaliber von 28,3 cm und eine Kaliberlänge von L/14. Über und unter ihm lagen je eine Rücklaufbremse und ein Vorholer. Beim Aufbau wurde das Geschützrohr, bevor man es auf die Lafette zog, zusammengesetzt und das Rohrstück mit Seelen- und Mantelrohr durch einen Bajonettring mit dem Verschlussstück verbunden. Erst wenn beide Teile miteinander verbunden waren, konnte der Verschluss korrekt geschlossen werden.[1] Das Geschützrohr, zusammen mit dem Verschluss, wog insgesamt 5,7 t.[2]

Die Lafette der 28-cm-Haubitze L/14 i. R. wurde im Gegensatz zur 28-cm-Haubitze L/12 i. R. vereinfacht gebaut. Man verzichtete auf eine bewegliche Oberlafette und nutzte stattdessen einen Bettungssporn. Dadurch war ein seitliches Richten von 6 Winkelgrad zu beiden Seiten möglich. An der Stirnseite der Lafette befand sich eine abklappbare Stütze, welche das Überkippen beim hinteren Anheben verhindern sollte. Ein Bettungssporn, welcher bei weichem Boden genutzt wurde, konnte bei Bedarf durch ein Unterteil vergrößert werden.[1] Der Höhenrichtbereich der Haubitze lag zwischen +20 und +65 Winkelgrad.[3]

Die ballistischen Leistungen waren identisch mit der 28-cm-Haubitze L/12.[1] Bei der Munition handelte es sich um die 28-cm-Granate L/3,6 mit einem Gesamtgewicht von 285 kg. Bei einer Mündungsgeschwindigkeit von 346 m/s konnten die Granaten bis zu 9,7 km weit gefeuert werden.

Der Transport der einzelnen Lasten fand mithilfe einer Lafettenprotze, zwei Rohrwagen und einem Wiegen- und Spornfahrzeug statt. Dadurch, dass man das Geschützrohr in annähernd zwei gleich schwere Teile mit einem Gewicht von 2,8 t und 2,9 t zerlegen konnte, konnte man das Gewicht der Fahrzeuge von 10 t auf 6 t verringern. Die Lafette ohne Rohrwiege sowie das Wiegen- und Spornfahrzeug mit Lasten hatten fast identische Gewichte.[1] Aufgrund der hohen Gewichte der Fahrzeuge, war der Transport nur mit Kraftzugmaschinen möglich. Dadurch verfügten alle Wagen über eine Radreifenbremse. Die Lafette hatte zusätzlich einen Innenbremsreifen für die Zangenbremse.[3]

Wollte man die Haubitze auf die Eisenbahn verladen, nutzte man eine spezielle Kopframpe, welche auf einem Sonderfahrzeug verladen war.[3]

Einsatz

Die hergestellte Versuchshaubitze kam Anfang 1915 als β-Batterie Nr. 8 zur Truppe. Anfangs wurde es mit Dampfzugmaschinen, später dann durch Kraftzugmaschinen gezogen. Auf der Straße erreichten die Fahrzeuge mit den Dampfzugmaschinen von John Fowler & Co. eine Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h. Dazu zählte auch die Versorgung mit Kohle und Wasser. Die Bedienmannschaft lobte die, trotz des großen Kalibers und relativ hohen Gewicht, schnelle Feuerbereitschaft und ausreichende Beweglichkeit der Haubitze. Auch die Feuergeschwindigkeit mit bis zu 35 Schuss in der Stunde wurde als sehr gut aufgenommen. Insgesamt bestand die Bedienmannschaft aus 14 Soldaten.[3][4]

Das erste Einsatzgebiet der 28-cm-Haubitze L/14 i. R. befand sich im Osten in Russland. Am 27. Februar 1915 wurde die Haubitze bei der erfolglosen Bombardierung der Festung Osowiec, am 19. März 1915 in Warschau und vom 25. bis 28. Juli 1915 bei Kowno eingesetzt. Zwischen dem 1. und 26. August kam es bei Przemyśl und Lemberg zum Einsatz und unterstütze die erfolgreiche Rückeroberung. Dabei legte die Haubitze eine Gesamtmarschleistung von 536 km zurück. Zwischen dem 27. Februar und 26. August 1915 wurden 743 Schuss abgefeuert.[3] Im Oktober 1915 wurde die Haubitze während der erfolgreichen Invasion von Serbien eingesetzt und bombardierte die Befestigungsanlagen auf der anderen Seite der Donau.[4]

Im Jahr 1916 wurde die β-Batterie Nr. 8 mit der 28-cm-Haubitze L/14 i. R. an die Westfront verlegt und nach der erfolglosen Bombardierung von Verdun, sowie während der Schlacht an der Somme teil. Der letzte Einsatz der Haubitze fand im Frühjahr 1918 statt, als deutsche Truppen während des Unternehmen Michael versuchten, das Blatt zu wenden. Die Haubitze wurde danach von der Besatzung aufgegeben, beschädigt und durch weitreichendere Feldhaubitzen ersetzt.[4]

Literatur

  • Wolfgang Fleischer: German artillery:1914-1918. Pen & Sword Military, Barnsley 2015, ISBN 978-1-4738-2398-3.
  • Hermann Schirmer: Das Gerät der schweren Artillerie vor, in und nach dem Weltkrieg (Textband). Bernard & Graefe, Berlin 1937.

Einzelnachweise

  1. a b c d e Hermann Schirmer: Das Gerät der schweren Artillerie vor, in und nach dem Weltkrieg (Textband). 1937, S. 142.
  2. Hermann Schirmer: Das Gerät der schweren Artillerie vor, in und nach dem Weltkrieg (Textband). 1937, S. 144.
  3. a b c d e Hermann Schirmer: Das Gerät der schweren Artillerie vor, in und nach dem Weltkrieg (Textband). 1937, S. 143.
  4. a b c Wolfgang Fleischer: German artillery:1914-1918. 2015, S. 39.