28-cm-Haubitze L/12 i. R.

28-cm-Haubitze L/12 i. R.


28-cm-Haubitze L/12 i. R.
mit maximaler Erhöhung

Allgemeine Angaben
Entwickler/Hersteller Friedrich Krupp AG
Waffenkategorie Haubitze
Technische Daten
Rohrlänge 3,36 m
Kaliber 28,3 cm
Kaliberlänge L/12
Anzahl Züge 80
Drall 3° 55′ 43 ″ bis
7° 9′ 45″
Höhenrichtbereich +15° bis +65° Winkelgrad
Seitenrichtbereich 3° (je Seite)

Die 28-cm-Haubitze L/12 i. R. waren zwei, im Deutschen Kaiserreich hergestellte Versuchshaubitzen, die während des Ersten Weltkrieges eingesetzt wurden.

Entwicklung

Um die Feuerkraft zu erhöhen und auch schwerste Kaliber an die Front bringen zu können, versucht man schwere Geschütze in Räderlafetten einzubauen. Im August 1907 hatte die Friedrich Krupp AG einen ersten Entwurf für eine 28-cm-Haubitze in einer Räderlafette (i. R.) dem österreichischen Technischen Militärkomitee auf dessen ersuchen vorgelegt. Hierbei flossen Erfahrungen mit ein, die vorher mit einem 21-cm-Mörser gemacht wurden und Krupp baute eine erste Haubitze auf eigene Rechnung und zu Studienzwecken. Diese wurde unter der Bezeichnung 28-cm-Haubitze L/12 i. R. (Kp) (Kp = Krupp) vorgestellt.[1]

Im Oktober 1910 wurde diese Haubitze der Artillerieprüfungskommission (A.P.K.) vorgeführt. Im Oktober 1911 unternahm die A.P.K. erste Fahrversuche mit dem 30,5-cm-schweren Küstenmörser L/16 β/09-Gerät durchgeführt und die Versuchshaubitze nahm ebenfalls daran teil. Hierbei wollte man Erfahrungen für spätere schwere Geschütze in Räderlafetten sammeln. Dabei stellte man fest, dass man Lasten mit 10 t Gewicht auch in Steigungen bewältigen konnte. Diese Tests wurden mit einer Artilleriezugmaschine mit 60 PS und Allradantrieb der Daimler-Motoren-Gesellschaft durchgeführt.[1]

Technische Beschreibung

Der Aufbau der 28-cm-Haubitze L/12 i. R. glich im Grunde dem des 21-cm-Mörser. Das Geschützrohr war ein Mantelrohr und verfügte über einen Bremszylinder und zwei Luftvorholer, welche das Geschützrohr wieder in die Ausgangsposition zurückführten.[1] Am Ende war ein Schubkurbelverschluss mit einer Hülsenliderung angebracht.[2]

Die Lafette wich der des 21-cm-Mörser bei den Schildzapfen ab. Diese waren hier im Schwerpunkt angebracht und die Oberlafette mit einem Drehzapfen versehen. Damit war ein seitliches Richten der Oberlafette um bis zu 3 Winkelgrad nach rechts und links möglich.[1] Eine verbaute Zahnbogenhöhenrichtmaschine erlaubte eine Rohrerhöhung zwischen +15 und +65 Winkelgrad. Für ein schnelles Richten wurde ein Schnellantrieb verbaut. Die Holzspeichenräder wurden mit Bremsreifen für eine Zangenbremse ausgestattet. Um das Einsinken auf weichem Untergrund zu verhindern, wurden spezielle Radgürtel mitgeführt, welche ein Gewicht von je 1,6 t hatten.[2]

Die Haubitze hatte in der Feuerstellung ein Gewicht von 17 t.[1] Das Herstellen der Feuerbereitschaft betrug, je nach Bodenverhältnissen, zwischen drei und vier Stunden.[2]

Die verwendete Munition hatte ein Gewicht von 285 kg und konnte, bei einer Mündungsgeschwindigkeit von 346 m/s, bis zu 9,7 km weit gefeuert werden. Zum Laden der Granaten konnte eine Ladevorrichtung genutzt. Damit war es möglich, 320 statt 15 Granaten pro Stunde zu verschießen.[2] Die Visiereinrichtung befand sich vorn an der Lafette. Sie bestand aus einer Zeiger-Trommel-Visierung mit einer Korrekturvorrichtung für einen schiefen Radstand.[1][3]

Für den Transport konnte das Geschütz in zwei Teile zerlegt werden. So wurde das Rohr entfernt und auf einem eigenen Rohrwagen verlastet, während hinter die Lafette eine Protze gefahren und die Lafette damit aufgeprotzt wurde.[3]

Einsatz

Zum Einsatz kam die einzige Haubitze bei der schweren Küstenmörser-Batterie Nr. 7 (mobil), wobei die Batterie auch nur aus dieser Haubitze bestand. Die Führer der Batterie waren im Allgemeinen mit der Haubitze zufrieden, bemängelten jedoch die geringe Feuerreichweite und erneut das tiefe Einsinken des Sporns. Ein seitliches Richten war dadurch oftmals kaum möglich. Dennoch bewährte sich die28-cm-Haubitze L/12 i. R. sich gut.[2]

Ende September bis Anfang Oktober wurde die Haubitze in einer Feuerstellung gegen das französische Fort du Camp-des-Romains und Fort Les Paroches, südlich von Verdun, eingesetzt. Hier musste der Geschützführer aufgrund des zu weichen Bodens einen Stellungswechsel in eine 1,5 km weiter entfernte Stellung vornehmen. Der Abbau, das Verlegen und der Aufbau dauerten in etwa fünf Stunden. Somit hatte sich für so schwere Geschütze die Anordnung eines Sporns auf einem verschiebbaren Lafettenschwanz nicht bewährt.[2][3]

1916 wurde die Batterie bei der Schlacht um Verdun eingesetzt und beschoss die kleineren Befestigungen, allerdings nur mit geringer Wirkung. Die Befestigungen waren stark und modern gebaut, weshalb die Geschosse kaum Schaden anrichten konnten. Im Juli 1918 nahm die Batterie an der letzten großen deutschen Sommeroffensive und der Schlacht an der Marne teil. Hierbei diente sie unter der 1. Armee bei Reims. Im Herbst 1918 wurde die Haubitze außer Dienst genommen, als sie durch kleinere Feldhaubitzen mit größerer Reichweite ausgetauscht wurde.[3]

Commons: 28-cm-Haubitze L/12 i. R. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Wolfgang Fleischer: German artillery: 1914-1918. Pen & Sword Military, Barnsley 2015, ISBN 978-1-4738-2398-3.
  • Hermann Schirmer: Das Gerät der schweren Artillerie vor, in und nach dem Weltkrieg (Textband). Bernard & Graefe, Berlin 1937.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Hermann Schirmer: Das Gerät der schweren Artillerie vor, in und nach dem Weltkrieg (Textband). 1937, S. 139.
  2. a b c d e f Hermann Schirmer: Das Gerät der schweren Artillerie vor, in und nach dem Weltkrieg (Textband). 1937, S. 140.
  3. a b c d Wolfgang Fleischer: German artillery: 1914-1918. 2015.