Fort Fléron

Fort Fléron

Eine der letzten Spuren des Forts

Daten
Architekt Henri Alexis Brialmont
Baustil Festung
Baujahr 1881 – 1891
Koordinaten 50° 37′ 4,1″ N, 5° 41′ 32,1″ O

Das Fort Fléron ist eines von zwölf Forts, aus denen die befestigten Stellungen der belgischen Stadt Lüttich des späten 19. Jahrhunderts bestand.

Geschichte

Nachdem die französischen Truppen im Jahr 1795 besetzt und 20 Jahr später von belgischen Truppen befreit wurde, begann man mit den Bauarbeiten an der einer Verteidigungslinie. Diese wurde bekannt als Festung Antwerpen. Dazu zählte auf der Festungsring um die Stadt Lüttich mit seinen zwölf Forts.

Die Bauarbeiten am Fort Fort Fléron begannen im Jahr 1881 und dauerten bis ins Jahr 1891 hinein. Das Fort wurde nach den Plänen des belgischen General Henri Alexis Brialmont konstruiert und erbaut. Im Gegensatz zu den französischen Festungen der damaligen Zeit von Raymond Adolphe Séré de Rivières, bestand das Fort ausschließlich aus unbewehrten Beton und nicht aus Mauerwerk.

Aufbau

Das Fort Fléron liegt 7 km südöstlich des Stadtzentrums von Lüttich, im Zentrum von Fléron. Zusammen mit dem südlich gelegenen Fort Évegnée, war es für die Sicherung der Hesbaye-Ebene und die Eisenbahnverbindung aus Richtung Aachen, sowie die Hervé-Straße zuständig.[1]

Das Fort hat die Form eines gleichschenkligen Dreiecks mit einer Grundseite von 300 m und Seitenlängen von 235 m. Umgeben ist das Fort durch einen 6 m tiefen und 8 m breiten Festungsgraben. Damit galt sie als eine der größeren Festungen im Festungsring.

In diesem Fort befanden sich wichtige Orte zur Deckung des täglichen Bedarfs in der Contrescarpe, welche im Kampf nur sehr schlecht gehalten werden konnten. Darunter zählen Latrinen, Duschen, die Küche und eine Leichenhalle. Dies war ein Umstand, welche erhebliche negative Auswirkungen auf die Widerstandsfähigkeit der Forts gegen einen längeren Kampf oder eine Belagerung geben konnten, wenn diese Positionen erobert würden. Zudem befand sich der Versorgungsbereich direkt gegenüber der Kaserne, welche in Richtung Lüttich offen war und somit wenig Schutz bot. Der rückwärtige Graben wurde zudem für Licht und Belüftung der Wohnräume genutzt.[1]

Der Sinn dieses Aufbaus und der schwachen Rückseite lag in der Idee, dass belgische Truppen bei einer möglichen Rückeroberung leichteres Spiel haben sollten. Weiterhin war das Fort so stabil gebaut, dass es dem Beschuss der schweren Geschütze vom Kaliber 21 cm standhalten konnte.[2] Der zentrale Bunker bestand aus 4 m dicken, unbewehrten Beton.[3] Die weniger exponierten Kasernenwände verfügten über eine Wandstärke von 1,5 m und bestanden ebenfalls aus unbewehrten Beton.[4]

Die Kommunikation mit dem südlichen Fort Chaudfontaine und dem nördlichen Fort Évegnée fand mithilfe von Signallichtern statt.

Bewaffnung

Die Hauptbewaffnung des Forts befand sich im zentralen Bunker. Diese bestand aus einen Geschützturm der Grusonwerk mit einer 21-cm-Haubitze L/11,8 der Friedrich Krupp AG und einem Geschützturm der Firma Schneider-Creusot, welcher mit zwei 15-cm-Kanone 1890 ausgestattet war. Weiterhin gab es zwei Geschütztürme von Châtillon-Commentry mit je eine 12-cm-Kanone von Krupp, welche für den Angriff auf weiter entfernte Ziele vorgesehen waren. Zur Nahverteidigung der schweren Geschütze gab es an den drei Ecken je ein 5,7-cm-Maxim-Nordenfelt-Geschütz in Geschütztürmen der Grusonwerke. Zusätzlich gab es einen Turm für einen Suchscheinwerfer. All diese Geschütztürme konnten in das Fort versenkt werden.

Alle Geschütze der Festung waren mit Schwarzpulver, anstatt mit rauchlosem Pulver ausgestattet. Dadurch sollten sich in den Gräben erstickende Gase bilden und mögliche Angreifer dort bereits aufgehalten werden. Problematisch war jedoch, dass sich auch in den beengten Feuerräumen die Gase ausbreiteten und sich über die gesamte Festung verteilten.[5]

In den 1930er Jahren wurde die Bewaffnung modernisiert. Die veralteten und noch vorhandenen Geschütze 21-cm-Geschütze wurden durch 15-cm-Geschütze mit höherer Reichweite ersetzt. Bei dem ursprünglichen 15-cm-Geschützturm wurde das Geschütz entfernt und mit einem Maschinengewehr und zwei Granatwerfern umgerüstet. Die 12-cm-Geschütze wurden durch zwei 10,5-cm-Geschütze ausgetauscht.[6]

Erster Weltkrieg

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurden die Besatzungen der Forts in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Als die deutschen Truppen sich Anfang August 1914 dem Festungsring näherten, zogen sie bereits schwere Artillerie mit nach vorn. Diese nahmen das Fort ab dem 4. August 1914 unter Beschuss. Die deutschen Truppen trafen hierbei auf starken Widerstand, was zu hohen Verlusten führte. Daraufhin zogen sie schwerste Belagerungsartillerie nach und nahmen die Gegend unter Beschuss.[7]

Dazwischen gelang es deutschen Stoßtruppen an den Forts vorbei in Richtung Lüttich zu gelangen und die Stadt am 7. August 1914 zu erobern. Danach wurde in der Stadt selber Belagerungsartillerie aufgestellt und die Forts konnten von hinten beschossen und angegriffen werden. Das Fort Fléron selber wurde am 11. und 12. August 1914 das Ziel der schweren Artillerie. Dabei wurde es stündlich mit 250 Granaten beschossen. Als am 12. August 1914 gegen Mittag eine deutsche Delegation die Kapitulierung des Forts forderte, wurde sie abgewiesen.

Innerhalb des Forts zu dieser Zeit waren die Bedingungen katastrophal und die Munitionsaufzüge waren außer Betrieb. In der Nacht wurde das Feuer aus nächster Nähe wieder aufgenommen. Am 13. August 1914 eröffnete eine 42-cm-kurze Marinekanone 14 L/12 (M-Gerät) das Feuer auf das Fort. Der damalige Kommandant des Fort, Mozin, ergab sich mit seinen Truppen am 14. August 1914 um 9:45 Uhr, da alle Mittel für eine Verteidigung verlorengegangen waren und ein Ausharren in der Festung nicht mehr möglich war. Die Mannschaft im Fort hatte während der Angriffe, aufgrund der starken Bauweise, allerdings nur fünf Todesopfer zu beklagen.

Zwischenkriegszeit

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde das Fort von den deutschen Truppen an Belgien zurückgegeben. Die belgische beschloss die Forts entlang der Maas weiter zu nutzen und aufzurüsten. So begann eine Umfangreiche Wiederbewaffnung, welche auch das Fort Fléron betraf. Man wollte einen erneuten Vorstoß von deutschen Truppen über die Grenze verhindern und begann mit der Modernisierung der Bewaffnung und der Verstärkung der vorhandenen Stellungen. So wurde eine neue Belüftung mit einem Belüftungsturm verbaut, der Schutz erhöht, die Sanitäranlagen, Kommunikationsanlage und die Stromversorgung modernisiert. Für die Unterbringung in Friedenszeiten wurde eine neue Kaserne gebaut. Vor dem Zweiten Weltkrieg war das Fort mit 250 Mannschaften, 20 Unteroffizieren und 13 Offizieren besetzt.

Zweiter Weltkrieg

Nachdem die Wehrmacht im September 1939 Polen überfallen hatte, wurden die Sicherheitsvorkehrungen und die Alarmbereitschaft erhöht. Nachdem die Wehrmacht das Fort Eben-Emael im Handstreich übernommen hatte, leistete das Fort Fléron in den folgenden Tagen Feuerunterstützung für die belgischen Truppen und benachbarte Forts. Dabei waren die Zitadelle von Lüttich, der Flughafen und das Chàteau de Tancrémont die Hauptziele.

Vom 10. bis 16. Mai 1940 war das Fort der deutschen Angriffen aus der Luft durch die Luftwaffe ausgesetzt. Bereits am ersten Tag wurde die elektrische Anlage zerstört. Dadurch mussten alle Feuereinstellungen und das Beladen der Geschütze manuell erfolgen. Am 17. Mai folgten weitere schwere Luftangriffe, bei denen die Kommunikationszentrale und die 15-cm-Geschütztürme zerstört wurden und den 10,5-cm-Geschützen ging die Munition aus. Aus diesem Grund erachtete der damalige Kommandant, Hauptmann Gilne, das Fort nicht mehr als wehrfähig. Aus diesem Grund entließ er, nach der Genehmigung durch seinen Vorgesetzten, die Truppen des Forts, welche sich dann der Feldarmee anschließen konnten. Während der Kämpfe wurden vier Soldaten getötet und sechs verwundet.

Wenig später fiel das Fort der Wehrmacht in die Hände, welche es aber, aufgrund der Beschädigungen, nicht weiter nutzte.

Nachkriegszeit bis heute

Anders als bei den anderen Forts um Lüttich, wurde das Fort Fléron vollständig unter einem öffentlichen Park begraben. Rundherum befindet sich heute eine Wohnsiedlung. Abgesehen vom Lüftungsturm am Eingang und den Geschützturmkuppeln, zeugen heute nur noch der Verlauf der umliegenden Straßen und eine Gedenktafel von der Existenz des Forts.

Commons: Fort de Fléron – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. Osprey, Oxford 2007, ISBN 978-1-84603-114-4.
  • J. E. Kauffmann, R. Jurga: Fortress Europe: European Fortifications of World War II. Da Capo Press, 2002, ISBN 0-306-81174-X.

Einzelnachweise

  1. a b Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 32.
  2. Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 52.
  3. Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 12.
  4. Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 36.
  5. Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 17.
  6. Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 55–56.
  7. Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 45–48.