Fort Flémalle

Fort Flémalle

Eingang zum Fort Flémalle

Daten
Ort Flémalle
Architekt Henri Alexis Brialmont
Baustil Festung
Baujahr 1888 – 1892

Koordinaten: 50° 36′ 28″ N, 5° 27′ 54″ O

Das Fort Flémalle ist eines von zwölf Forts, aus denen die befestigten Stellungen der belgischen Stadt Lüttich des späten 19. Jahrhunderts bestand.

Geschichte

Im Jahr 1888 begannen 9 km südwestlich von Lüttich die Bauarbeiten an einem weiteren Fort für die Stadt. Dieses sollte die Stadt mit perfektem Überblick über das Maastal sichern und eine erneute Besetzung durch französische Truppen verhindern. Die Pläne für den Bau stammten von General Henri Alexis Brialmont und war eine Besonderheit. Anders, als die französischen Festungen aus der gleichen Zeit, bestand das Fort Flémalle vollständig aus Beton und nicht aus Mauerwerk. Die Bauarbeiten dauerten bis ins Jahr 1892 an. Kurz nach der Fertigstellung wurde das Fort durch belgischen Truppen besetzt. Mit der Fertigstellung des Forts zählt es zu den größten in der Region um Lüttich.[1]

Aufbau

Das Fort Flémalle besteht vollständig aus Beton und liegt 9 km südwestlich des Stadtzentrums von Lüttich. Das Fort hat einen viereckigen Grundriss und weicht hier von den normalerweise dreieckigen Grundrissen der damaligen Zeit ab. Das Fort ist vollständig umgeben von einem 5 m tiefen und 12 m breiten Graben.[1]

Das Fort war so konstruiert worden, um den Beschuss der damals schwersten Kaliber von 21-cm standhalten zu können.[2] Der zentrale Aufbau mit den Geschütztürmen bestand aus 4 m dicken, unbewehrten Beton. Die Kasemattenwände, welche als weniger exponiert angesehen wurden, hatten eine Wandstärke von 1,5 m.[3]

In diesem Fort befanden sich wichtige Orte zur Deckung des täglichen Bedarfs in der Contrescarpe, welche im Kampf sehr schlecht gehalten werden konnten. Darunter zählen Latrinen, Duschen, die Küche und eine Leichenhalle. Dies war ein Umstand, welche erhebliche negative Auswirkungen auf die Widerstandsfähigkeit der Forts gegen einen längeren Kampf oder eine Belagerung geben konnten, wenn diese Positionen erobert würden. Zudem befand sich der Versorgungsbereich direkt gegenüber der Kaserne, welche in Richtung Lüttich offen war und somit wenig Schutz bot.[1]

Bewaffnung

Die Hauptbewaffnung des Forts konzentriert sich im zentralen Aufbau. Nach der Fertigstellung der Bauarbeiten, bestand die Bewaffnung aus zwei Geschütztürme der Grusonwerke, welche mit der 21-cm-Haubitze L/11,8 der Friedrich Krupp AG ausgerüstet waren. Weiterhin gab es einen Geschützturm der Firma Schneider-Creusot, welcher mit zwei 15-cm-Kanone 1890 ausgestattet war. Die letzten beiden Geschütztürme stammten von Châtillon-Commentry und verfügten über je eine 12-cm-Kanone von Krupp. An jeder der vier Ecken des Forts befand sich eine 5,7-cm-Maxim-Nordenfelt in einem Geschützturm der Grusonwerke, welche bei bedarf eingefahren werden konnten. Die Gräben und der hintere Eingang wurden durch Flankenfeuer von elf 5,7-cm-Maxim-Nordenfelt-Geschützen verteidigt, welche in Kasematten der Contrescarpe positioniert waren. Die Kommunikation zwischen den benachbarten Festungen Fort Loncin und Fort Liers fand mithilfe von Lichtsignalen statt.[1][4]

In den 1930er Jahren wurde das Fort Flémalle neu bewaffnet, sowie zahlreiche neue Unterstände für die Feldarmee geschaffen. Die ursprünglichen Geschütztürme wurden durch vier 7,5-cm-Kanonen in Geschütztürmen, einem 10,5-cm-Zwillings- und einem 15-cm-Geschützturm ersetzt. Zusätzlich wurde ein Geschützturm mit einem Maschinengewehr und zwei Granatwerfern verbaut. Da die Luftwaffe immer mehr an Bedeutung gewann, wurde eine Flugabwehrbatterie mit vier Geschützen verbaut. Die vier alten Geschütztürme mit den 5,7-cm-Maxim-Nordenfelt-Geschützen wurden durch Maschinengewehre ausgetauscht.

Erster Weltkrieg

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurden die Besatzungen der Forts in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Am 6. August 1914 erreichten die ersten deutschen Truppen Lüttich und begannen mit dem Angriff auf die Stadt. Dabei trafen die deutschen Truppen auf unerwartet heftigen Widerstand durch die Forts. Aus diesem Grund brachten sie schwerste Belagerungsartillerie an die Front, welcher die Forts nicht standhalten konnten. Das Fort Flémalle war hierbei eines der letzten Forts, welches Widerstand leistete und von den deutschen Truppen Beschossen wurde. Hierbei beschoss man das Fort erst mit 21-cm-Geschützen um die oberste Schicht zu beschädigen und feuerte danach mit noch größeren Kalibern.[5]

Nachdem das Fort Loncin durch einen Treffer Explodierte, entsandten die deutschen Truppen Abgesandte zu den letzten beiden belgischen Forts, welche noch Widerstand leisteten, Fort Flémalle und Fort Hollogne. Ziel war es, mit dem Beispiel von Fort Loncin, den Verteidigern die möglichen Folgen eines weiteren Widerstands zu verdeutlichen. So kam es, dass die Besatzung des Fort Flémalle am 16. August 1914, um 7:10 Uhr kapitulierte. Zehn Minuten später kapitulierte das Fort Hollogne.[6]

Deutsche Besetzung

Nach der Kapitulation der belgischen Besatzung übernahmen die deutschen Truppen das Fort Flémalle. Dabei stießen sie auf mehrere Mängel, welche sie während der Besatzung behoben. Dadurch konnten sie das Fort als Infanteriestützpunkt nutzen.

Man stellte fest, dass es im Fort keinerlei Belüftung gab. So errichteten die Deutschen zwei Lufteinlässe auf dem Glacis, welche durch einen unterirdischen Gang mit der Festung verbunden waren. Ein Ventilator verteilte die Luft dann weiter in der Festung.

Die elektrische Anlage wurde während der Kämpfe stark beschädigt und musste ersetzt werden. Hierzu bauten die Deutschen einen neuen Generator mit einem Schwerölantrieb ein, um das Fort erneut mit Strom versorgen zu können.

Als dritten Mangel erkannten die Deutschen den mangelnden Schutz des Ausgangs für die Infanterie. Dieser war nur durch ein einfaches Geländer und eine dünne Wand geschützt. Die deutschen Truppen errichteten einen neuen Bunker mit versetzten Ein- und Ausgängen, welcher den Truppen mehr Schutz bot. Um den Bunker zu verschließen, wurden zweiteilige Türen eingebaut.[7]

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde das Fort an Belgien zurückgegeben.

Zwischenkriegszeit

Nachdem der Erste Weltkrieg beendet war, beschloss die belgische Armee die Forts entlang der Maas weiter zu nutzen und aufzurüsten. So begann eine Umfangreiche Wiederbewaffnung, welche auf das Fort Flémalle betraf. Dabei wurden in die vorhandenen Räume aus Stahlbeton kleinere räume eingebaut, um doppelten Schutz zu bieten. Die Decken wurden aus verzinkten Wellblech gebaut, um das Eindringen von Wasser und herabfallen Trümmern zu verhindern. Die dadurch entstandenen Hohlräume wurden mit Aushubmaterial aufgefüllt.

Weiterhin wurden zwei tiefere Ebenen ausgehoben, um den Schutz der Besatzung und Munition zu erhöhen. In der ersten unteren Ebene war es möglich, durch Viereck- oder Axialgalerien gefahrlos unter die Geschütztürme zu gelangen. Dort konnte die Besatzung mit Leitern zu den Geschützen hochsteigen, während die Munition mithilfe von Aufzügen hochgefahren wurde.

In der darunter gelegenen zweiten unteren Ebene wurden Verbindungen zwischen den Geschütztürmen und dem Lüftungsraum geschaffen. Weiterhin gab es hier ein Munitionslager, ein Raketenlager und einen zweiten Feuerleitstand, welcher durch mehrere Leitern vom Hauptfeuerleitstand erreicht werden konnte.

Die vorhandene Belüftung wurde durch einen neuen Belüftungsturm verbessert. Auch die Sanitäranlagen, die Kommunikationssysteme und die Elektrik wurden ebenfalls an den damaligen Stand der Dinge angepasst und verbessert.

Zweiter Weltkrieg

Nachdem die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg Polen überfallen hatte, wurden die Sicherheitsvorkehrungen und die Alarmbereitschaft erhöht. Im Jahr 1940 umfasste die Garnison des Fort Flémalle etwa 300 Soldaten unter dem Kommando von sechs Offizieren, einer davon der Kommandant Hauptmann Barbieux. Nachdem die Wehrmacht das Fort Eben-Emael im Handstreich übernommen hatte, leistete das Fort Flémalle in den folgenden Tagen Feuerunterstützung für die belgischen Truppen und benachbarte Forts.

Am 15. Mai 1940 war das Fort Ziel eine Luftangriffs durch die Luftwaffe, wobei die Geschütztürme zerstört wurden. Am folgenden Tag stürmte die Wehrmacht das Fort, welches umgehend Kapitulierte, das es keinerlei Widerstand mehr leisten konnte. Die belgischen Truppen vor Ort wurden militärisch geehrt, bevor sie als Kriegsgefangene nach Königsberg abtransportiert wurden. Im weiteren Verlauf fand das Fort unter der Wehrmacht keine Beachtung und blieb ungenutzt. Man entfernte dennoch nützliches Material und verwendete es anderweitig.

Nachkriegszeit bis heute

In den 1960er Jahren wurden die Forts von Schrotthändlern durchsucht und teilweise komplett leergeräumt. Seit 1992 wird das Fort durch einen Verein erhalten und wird heute als Museum genutzt.

Commons: Fort de Flémalle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. Osprey, Oxford 2007, ISBN 978-1-84603-114-4.
  • J. E. Kauffmann, R. Jurga: Fortress Europe: European Fortifications of World War II. Da Capo Press, 2002, ISBN 0-306-81174-X.

Einzelnachweise

  1. a b c d Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 32.
  2. Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 52.
  3. Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 12.
  4. Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 17.
  5. Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 45–48.
  6. Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 51.
  7. Clayton Donnell: The Forts of the Meuse in World War I. 2007, S. 36.