Römischer Militärstützpunkt auf dem „Blöskopf“
| Römischer Militärstützpunkt auf dem „Blöskopf“ | |
|---|---|
| Limes | vor der Zeit des Limes |
| Abschnitt | Germania magna |
| Datierung (Belegung) | um 40 bis um 70 u. Z. |
| Größe | außen 0,2 ha, innen 580 m² |
| Bauweise | Erdkastell mit Steingebäude |
| Erhaltungszustand | nicht sichtbares Bodendenkmal |
| Ort | Bad Ems |
| Geographische Lage | 50° 21′ 0,5″ N, 7° 44′ 8″ O |
| Höhe | 310 m ü. NHN |
Der römische Militärstützpunkt auf dem „Blöskopf“ ist eine kleine römische Befestigungsanlage mit daran anschließenden Geländesperren auf dem „Blöskopf“, nördlich der Lahn beim rheinland-pfälzischen Bad Ems auf der rechten Rheinseite. Die kleine Anlage wird auf das mittlere Drittel des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung datiert und gehört offenbar zeitlich und funktional zum nahe gelegenen Römischen Militärlager auf dem „Ehrlich“-Plateau.
Lage und Forschungsgeschichte
Die Anlage liegt auf dem Blöskopf, einem 313 m hohen Berg, gut zwei Kilometer nördlich der Lahn und knapp einen Kilometer östlich des Emsbachtals. Das Gelände ist dicht bewaldet; in antiker Zeit war es zunächst Bestandteil der Germania magna, des nicht römisch besetzten, rechtsrheinischen Germaniens. Später lag es auf römischem Gebiet unmittelbar am Obergermanischen Limes, der knapp einen Kilometer weiter südöstlich verläuft. Zu diesem besteht aber weder ein zeitlicher, noch funktionaler Zusammenhang, die Befestigung auf dem Blöskopf wurde schon einige Jahrzehnte vor der Errichtung des Limes angelegt. Zu dem knapp zwei Kilometer entfernt westsüdwestlich gelegenen Lager „Auf dem Ehrlich“ gab es hingegen Sichtverbindung und auch funktionale Gemeinsamkeiten.
Die kleine Befestigung ist bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannt und war erstmals 1897 von Otto Dahm, dem zuständigen Streckenkommissar der Reichs-Limeskommission archäologisch untersucht worden. Dahms hatte die Anlage noch als zivilen Metallverhüttungsplatz interpretiert, was später korrigiert werden musste. Die Untersuchungsergebnisse wurden von Dahm nicht im Limeswerk, wohl aber in den Bonner Jahrbüchern publiziert.[1] Seitdem fand sie zwar Eingang auf Wanderkarten und Beschilderungen, wurde aber wissenschaftlich nicht mehr weiter beachtet. Erst mit der Ernennung des Limes zum UNESCO-Weltkulturerbe (2005) und vor allem seit der Entdeckung des Lagers „Auf dem Ehrlich“ im Jahr 2016 wurde sie wieder interessant für die Archäologen. so dass es 2008 und 2019 zu neuerlichen Untersuchungen kam.[2][3]
Archäologische Befunde
Durch die jüngeren Ausgrabungen konnten die Beobachtungen Dahms nur zum Teil bestätigt werden. Die steinernen Mauern des Kernbauwerks waren noch bis zu einer Höhe von 1,50 m erhalten, das Gebäude besaß eine lichte Weite von neun mal sechs Metern (= 54 m²). Es war auf seiner Nord-, West- und Südseite von einem doppelten Wall-Graben-System umgeben. Der äußere Spitzgraben war 1,8 m breit und 1,4 m tief, der innere besaß eine Breite von 3,2 m und eine Tiefe von 1,7 m. Eine Besonderheit und in dieser Form für römische Militäranlagen singulär war das Vorkommen von beidseitig zugespitzten Holzpfählen, die senkrecht und schräg in die Sohle des inneren Grabens eingelassen waren. In Ermangelung an Vergleichsmöglichkeiten wählten die Ausgräber analog zu den Pila muralia (für die Palisaden auf den Wällen) für diese gefährliche Konstruktion den Begriff Pila fossata. Auf einer Strecke von 1,5 m wurden die Pfahlstücke freigelegt, geborgen und restauriert. Die Stücke waren aus Eichenholz, durchschnittlich 65 cm lang und 4,5 cm bis 6,0 cm dick. Im ihrem unteren Drittel weisen sie sogenannte Ausklinkung auf, quer und schräg verlaufende Kerben, die vermutlich dazu dienten, die mittels Keil und Schlegel in den harten Boden zu treiben, wofür Holzverformungen im unteren Bereich der Ausklinkungen sprechen. Sie waren abwechselt senkrecht, schräg zur Lagerseite und schräg zur Feindseite hin in den anstehenden Lehmboden der Grabensohle eingebracht worden, wobei in dem schweren und feuchten Boden eine geringe Eintiefung genügte, um ihnen Stabilität zu verleihen, so dass sie noch in situ angetroffen wurden.
Auf der östlichen Seite der Anlage befand sich nur ein einfacher Wallgraben, der sich jedoch als Sperranlage nach Norden und Süden fortsetzte. Die Sperranlage war im Gelände kaum wahrzunehmen und hob sich auch bei der Ausgrabung nur sehr undeutlich vom anstehenden Boden ab. Der Graben war noch 4,5 m breit und 1,30 m tief erhalten, seine ursprünglichen Maße dürften bei einer Breite von rund fünf Metern und einer Tiefe rund 1,5 m gelegen haben. Von der Nordostecke des kleinen Kastells aus verläuft der Graben zunächst exakt nach Norden, bevor er nach rund 80 m in Richtung Nordosten abknickt und sich nach weiteren 120 m im Gelände verliert. Von der südöstlichen Ecke des Kastells verläuft der Wallgraben rund 50 m nach Süden, knickt dann nach Südwesten ab, um nach weiteren rund 60 m an einer steilen Geländekante zu enden.
Die Anlage befindet sich nur rund 400 m östlich eines Pingenfeldes, in dem vermutlich schon in römischer Zeit Edelmetallbergbau stattgefunden hat, was wohl auch der Grund dafür war, dass Otto Dahm das Gebäude als mögliche Metallhütte fehlinterpretiert hatte. Ein weiteres Indiz für den Bergbau ist ein Bericht des Lehrers Heinrich Hess aus Bad Ems,[4] wonach 1895 am Westhang des Blöskopfes mehreren „Silberschmelzen“ im Fundzusammenhang mit Terra sigillata und anderen römischen Artefakten gesichtet worden sein sollen.[2][3]
Datierung und Interpretation
Der Terminus post quem ergibt sich durch ein As des Claudius, das um 41/42 geprägt worden ist, der Terminus ante quem durch das vollständige Fehlen flavischer Keramik aus der Zeit ab 69. Vermutlich war die Anlage zweiphasig, es liegen jedoch diesbezüglich zu wenige Befunde vor, um die Zweiphasigkeit als wirklich gesichert betrachten zu können.
Die Funktion des Stützpunktes könnte in zweierlei Aufgaben bestanden haben, wobei in beiden Fällen eine Zusammenarbeit mit dem Lager „Auf dem Ehrlich“ als wahrscheinlich gilt. Da wäre zum einen der Schutz des nach Ehrenbreitstein hinab führenden Weges und der dort im Jahr 49 u. Z. errichteten Rheinbrücke nach Confluentes. Unabhängig von einer solchen Vorfeldsicherung hätte die Geländeabschnittssperre aber vor allen Dingen eine Schutzfunktion für den Edelmetallbergbau im Bereich des Blöskopfs gehabt.[2][3]
Literatur
- Frederic Auth: Das Kleinkastell auf dem Blöskopf bei Bad Ems, Rhein-Lahn-Kreis, Frankfurt. Bachelor-Arbeit an der Universität Frankfurt am Main, 2018.
- Frederic Auth, Daniel Burger-Völlmecke, Peter Henrich, Markus Scholz, Markus Wittköpper: · Ein römischer Militärstützpunkt mit hölzernen Annäherungshindernissen. Vorbericht über die Ausgrabungen von 2019 auf dem „Blöskopf“ bei Bad Ems (Rhein-Lahn-Kreis). In: Archäologisches Korrespondenzblatt, Band 50, Heft 4, 2020, S. 525–543 (Digitalisat).
- Frederic Auth: Der frühkaiserliche Militärstützpunkt auf dem Blöskopf bei Bad Ems. Militärische Strukturen in einem römischen Bergbaubezirk. In: Peter Henrich, Markus Scholz (Hrsg.): Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Ergebnisse der Feldforschungen 2016–2019 (= Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. Band 23). Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Koblenz 2023, ISBN 978-3-929645-23-1, S. 150–238. (nicht ausgewertet).
- Frederic Auth, Daniel Burger-Völlmecke, Peter Henrich, Markus Scholz: Under the eyes of the Roman army Early imperial mining on the Lower Lahn river (D). In: Harry van Enckevort et al. (Hrsg.): Supplying the Roman Empire. Proceedings of the 25th International Congress of Roman Frontier Studies. Sidestone Press, Leiden 2024, ISBN 978-94-6426-285-8, S. 155–164 (Digitalisat).
- Frederic Auth, Daniel Burger-Völlmecke, Peter Henrich, Markus Scholz, Markus Wittköpper: Eine frühkaiserzeitliche Geländeabschnittssperre auf dem Blöskopf bei Bad Ems, Rhein-Lahn-Kreis. In: Suzana Matijević (Hrsg.): LIMITES ET RIPAE I. Forschungen zu den Grenzen des Römischen Reiches in Deutschland. 9. Kolloquium der Deutschen Limeskommission. Theiss in Herder, Freiburg 2023, S. 112–127. (Digitalisat).
- Otto Dahm: Der römische Bergbau an der unteren Lahn. In: Bonner Jahrbücher, Band 101, 1897, S. 117–127 (Digitalisat).
- Markus Helfert: Geochemische Untersuchungen an Keramikfunden aus den römischen Militäranlagen auf dem „Ehrlich“-Plateau und dem Blöskopf bei Bad Ems. In: Peter Henrich, Markus Scholz (Hrsg.): Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Ergebnisse der Feldforschungen 2016–2019 (= Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. Band 23). Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Koblenz 2023, ISBN 978-3-929645-23-1, S. 282–302. (nicht ausgewertet).
- Peter Henrich, Markus Scholz, Thomas Maurer, Carsten Mischka: Zwei neue frühkaiserzeitliche Militärlager an der unteren Lahn. Ein Vorbericht. In: Suzana Matešić (Hrsg.): Interdisziplinäre Forschungen zum Limes. 8. Kolloquium der Deutschen Limeskommission. (= Beiträge zum Welterbe Limes. Band 10). Theiss, Darmstadt 2019, ISBN 978-3-8062-4113-6, S. 18–33.
- Peter Henrich, Markus Scholz: Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Eine Synthese. In: Dies. (Hrsg.): Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Ergebnisse der Feldforschungen 2016–2019 (= Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. Band 23). Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Koblenz 2023, ISBN 978-3-929645-23-1, S. 376–387. (nicht ausgewertet).
- Fleur Kemmers: Die Fundmünzen der Grabungen auf dem „Ehrlich“-Plateau und vom Blöskopf. In: Peter Henrich, Markus Scholz (Hrsg.): Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Ergebnisse der Feldforschungen 2016–2019 (= Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. Band 23). Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Koblenz 2023, ISBN 978-3-929645-23-1, S. 274–281. (nicht ausgewertet).
- Sabine Klein: Römische Schlacken- und Erzfunde vom Blöskopf. Ein archäometrischer Beitrag. In: Peter Henrich, Markus Scholz (Hrsg.): Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Ergebnisse der Feldforschungen 2016–2019 (= Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. Band 23). Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Koblenz 2023, ISBN 978-3-929645-23-1, S. 260–264. (nicht ausgewertet).
- Stephanie Lomp und Matthias Lomp: Eine Landschaftsanalyse des unteren Lahntals. In: Peter Henrich, Markus Scholz (Hrsg.): Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Ergebnisse der Feldforschungen 2016–2019 (= Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. Band 23). Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Koblenz 2023, ISBN 978-3-929645-23-1, S. 304–374. (nicht ausgewertet).
- Annette Paetz gen. Schieck: Textilfragmente aus dem inneren Graben der Feldwache auf dem Blöskopf. In: Peter Henrich, Markus Scholz (Hrsg.): Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Ergebnisse der Feldforschungen 2016–2019 (= Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. Band 23). Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Koblenz 2023, ISBN 978-3-929645-23-1, S. 266–273. (nicht ausgewertet).
- Markus Wittköpper: Konservierung und Restaurierung der Nassholzfunde aus dem inneren Wehrgraben der Feldwache auf dem Blöskopf. In: Peter Henrich, Markus Scholz (Hrsg.): Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Ergebnisse der Feldforschungen 2016–2019 (= Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. Band 23). Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Koblenz 2023, ISBN 978-3-929645-23-1, S. 240–259. (nicht ausgewertet).
Einzelnachweise
- ↑ Otto Dahm: Der römische Bergbau an der unteren Lahn. In: Bonner Jahrbücher, Band 101, 1897, S. 117–127 (Digitalisat).
- ↑ a b c Frederic Auth, Daniel Burger-Völlmecke, Peter Henrich, Markus Scholz, Markus Wittköpper: · Ein römischer Militärstützpunkt mit hölzernen Annäherungshindernissen. Vorbericht über die Ausgrabungen von 2019 auf dem „Blöskopf“ bei Bad Ems (Rhein-Lahn-Kreis). In: Archäologisches Korrespondenzblatt, Band 50, Heft 4, 2020, S. 525–543 (Digitalisat).
- ↑ a b c Frederic Auth, Daniel Burger-Völlmecke, Peter Henrich, Markus Scholz, Markus Wittköpper: Eine frühkaiserzeitliche Geländeabschnittssperre auf dem Blöskopf bei Bad Ems, Rhein-Lahn-Kreis. In: Suzana Matijević (Hrsg.): LIMITES ET RIPAE I. Forschungen zu den Grenzen des Römischen Reiches in Deutschland. 9. Kolloquium der Deutschen Limeskommission. Theiss in Herder, Freiburg 2023, S. 112–127.
- ↑ Heinrich Hess: Zur Geschichte der Stadt Ems. Programm des in der Umwandlung zu einer Realschule begriffenen Realprogymnasiums zu Bad Ems. 1. Teil. Sommer, Bad Ems 1895, S. 25 f. (Digitalisat)