Römische Kreisgrabenanlage auf der Sparrenberger Egge

Die Römische Kreisgrabenanlage auf der Sparrenberger Egge ist der Überrest der Baustelle eines römischen Wach- und Signalturms aus der Zeit der Augusteischen Germanenkriege auf der Sparrenberger Egge im nordrhein-westfälischen Bielefeld. In römischer Zeit lag sie auf dem Gebiet der Germania magna, die zu einer römischen Provinz werden sollte.

Archäologische Befunde

Der im Geländeprofil zunächst kaum wahrnehmbare Graben und seine noch schwächer ausgeprägte Wallaufschüttung wurden erst 1989 entdeckt, nachdem schon 1939 in nur 150 m Entfernung eine erste, und dann 1988 zwei weitere römische Münzen gefunden worden waren. Die halbkreisförmige Anlage hat eine Sehnenlänge von 32 m bei einem Innendurchmesser von rund 24 m. Sie blieb eine Baustelle und wurde nie fertiggestellt. Die Wall-Graben-Umwehrung sollte ursprünglich einen Wachturm umgeben, aber aus unbekannten Gründen wurden die Arbeiten vorzeitig eingestellt. Ob, und wenn ja, welcher Zusammenhang zu dem gut acht Kilometer Luftlinie südöstlich entfernten römischen Marschlager Bielefeld-Sennestadt besteht, ist bislang ungeklärt. Bei den Ausgrabungen zeigte sich, dass der Graben immerhin bis zu zwei Metern breit und einem halben Meter tief ausgehoben worden war, während die Konturen des Walls nur durch ein Feinnivellement ermittelt werden konnten. Die Lage in 203–204 m NHN war optimal gewählt: von dieser Position aus konnte die Landschaft nach Norden und Osten weit überblickt werden. In nördliche Richtung reichte die Sicht bis zum 26 km entfernten Wiehengebirge.[1][2]

Fundmaterial und Datierung

Innerhalb der Anlage wurden 23 Nägel gefunden, die eindeutig römischen Ursprungs waren und zur Profilierung von Caligae gedient hatten. Ferner sechs Münzen, von denen jedoch nur eine (ein Denar des Marcus Antonius) aus dem Graben selbst stammte, während alle anderen 150 m weit entfernt entdeckt wurden, von einer Stelle die Johann-Sebastian Kühlborn als möglichen Lagerplatz des Bautrupps interpretierte.[2][3]

Prägung Datierung von Datierung bis Nominale
Gaius Marius 81 v. u. Z. 81 v. u. Z. 1 Denar
Marcus Antonius 32 v. u. Z. 31 v. u. Z. 1 Denar
Nemausus 30 v. u. Z. 14 u. Z. 2 Dupondii, 1 halber Dupondius
Lucius Naevius Surdinus 15 v. u. Z. 15 v. u. Z. 1 As
Summen 1 As, 1 halber Dupondius, 2 Dupondii, 2 Denare

Mit diesem zwar kleinen Fundspektrum ist J. S. Kühlborn zufolge dennoch eine Datierung der Anlage schon auf die Zeit der Drususfeldzüge (12 bis 8 v. u. Z.) nicht auszuschließen. Grundsätzlich kommt ohnehin nur der Zeitraum der großen Offensiven gegen Germanien und der Rachefeldzüge des Germanicus zwischen 12 v. u. Z. und 16 u. Z. in Frage.[4]

Denkmalschutz

Die Kreisgrabenanlage ist mit der Nummer 52 in der Liste der Bodendenkmäler in Bielefeld eingetragen und nach dem nordrhein-westfälischen Denkmalschutzgesetz in der Fassung vom 13. April 2022[5] unter Schutz gestellt. Nachforschungen, gezieltes Sammeln von Funden und Bodeneingriffe jeder Art sind genehmigungspflichtig.

Literatur

  • Daniel Bérenger: In illo tempore. Bielefeld zur Römerzeit. In: Der Minden-Ravensberger 65, 1993, S. 44–46.
  • Daniel Bérenger: Exkurs 1: Ein möglicher Wachtposten augusteischer Zeit in Bielefeld auf der Sparrenberger Egge. In: Johann-Sebastian Kühlborn: Germaniam pacavi – Germanien habe ich befriedet. Archäologische Stätten augusteischer Okkupation. Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster 1995, S. 170–174.
  • Daniel Bérenger: Wachtposten auf der Sparrenberger Egge, kreisfreie Stadt Bielefeld. (= Römerlager in Westfalen, 6). Altertumskommission für Westfalen, Münster 2011 (Digitalisat).
  • Johann-Sebastian Kühlborn: Auf dem Marsch in die Germania Magna – Roms Krieg gegen die Germanen. In: Martin Müller, Hans-Joachim Schalles, Norbert Zieling (Hrsg.): Colonia Ulpia Traiana. Xanten und sein Umland in römischer Zeit. Zabern, Mainz 2008, ISBN 978-3-8053-3953-7, S. 67–91, insbes. S. 84 f.
  • Michael Zelle: Zur römischen Präsenz in den nördlichen Mittelgebirgen während der römisch-germanischen Auseinandersetzungen um Christi Geburt. In: Ders. (Hrsg.): Terra incognita? Die nördlichen Mittelgebirge im Spannungsfeld römischer und germanischer Politik um Christi Geburt. Akten des Kolloquiums im Lippischen Landesmuseum Detmold vom 17. bis 19. Juni 2004. Zabern, Mainz 2008, S. 147–170.

Einzelnachweise

  1. Daniel Bérenger: Exkurs 1: Ein möglicher Wachtposten augusteischer Zeit in Bielefeld auf der Sparrenberger Egge. In: Johann-Sebastian Kühlborn: Germaniam pacavi – Germanien habe ich befriedet. Archäologische Stätten augusteischer Okkupation. Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster 1995, S. 170–174.
  2. a b Daniel Bérenger: Wachtposten auf der Sparrenberger Egge, kreisfreie Stadt Bielefeld. (= Römerlager in Westfalen, 6). Altertumskommission für Westfalen, Münster 2011 (Digitalisat).
  3. Peter Ilisch: Münzfunde 1987–1988. In: Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 7, 1992, S. 313–314 Nr. 4; Ders.: Münzfunde 1989–1990. In: Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 8/A, 1992, S. 292 Nr. 91.
  4. Johann-Sebastian Kühlborn: Auf dem Marsch in die Germania Magna – Roms Krieg gegen die Germanen. In: Martin Müller, Hans-Joachim Schalles, Norbert Zieling (Hrsg.): Colonia Ulpia Traiana. Xanten und sein Umland in römischer Zeit. Zabern, Mainz 2008, ISBN 978-3-8053-3953-7, S. 67–91, insbes. S. 84 f.
  5. DSchG NRW, abgerufen am 8. Dezember 2025.


Koordinaten: 52° 0′ 12,3″ N, 8° 32′ 42,9″ O