Römerlager Olfen
| Römerlager Olfen | |
|---|---|
| Limes | vor der Zeit des Limes (östlich jenseits des Limes) |
| Abschnitt | Germania magna, sogenannte Lippelager |
| Datierung (Belegung) | 11 v. u. Z. bis 8/7 v. u. Z. |
| Typ | Versorgungslager |
| Größe | 5,4 ha |
| Bauweise | Holz-Erde-Lager |
| Erhaltungszustand | nicht sichtbares Bodendenkmal |
| Ort | Olfen/Kreis Coesfeld |
| Geographische Lage | 51° 41′ 13″ N, 7° 21′ 24″ O |
| Höhe | 63 m ü. NHN |
| Vorhergehend | Römerlager Haltern (nordwestlich) Marschlager Holsterhausen (westlich) |
| Anschließend | Uferkastell Beckinghausen Römerlager Oberaden (beide südöstlich) |
Das Römerlager Olfen ist ein über fünf Hektar großes römisches Militärlager aus augusteischer Zeit. Während der Drusus-Feldzüge (12-8 v. u. Z.) war es von strategischer Bedeutung. Das heutige Bodendenkmal befindet sich südwestlich der Kleinstadt Olfen, im nordrhein-westfälischen Kreis Coesfeld, an der Lippe in der Region Westfalen.
Lage und Erforschung
Das Lager befand sich auf dem rechten Ufer der Lippe (lateinisch: Lupia) auf einer spornartigen Erhöhung, die sich bis zu 20 Meter über die Talaue erhebt. Von der erhöhten Lage aus, mit weiter Sicht über das Lippetal, kontrollierten die Römer in der Zeit von 11 bis 7 v. u. Z. eine an dieser Stelle befindliche Furt im Fluss. Im heutigen Landschaftsbild liegt das Bodendenkmal nur 400 m nördlich des Lippeufers und 500 m nördlich der Ruine Rauschenburg. Das Lager hatte eine Ausdehnung von ungefähr 150 m bis 240 m auf 250 Meter. Es ist mit seinen rund 5,4 Hektar Fläche im Vergleich zu anderen römischen Lagern an der Lippe eine kleinere Anlage und besitzt die Strukturen einer festen Bebauung. Die Entfernungen zu den nächsten römischen Garnisonen, im Westen das Römerlager Haltern und im Osten das Uferkastell Beckinghausen und das Römerlager Oberaden, betrugen jeweils einen Tagesmarsch (Marschweg rund 20 Kilometer).
Im Jahr 2008 entdeckten ehrenamtliche Mitarbeiter der LWL-Archäologie für Westfalen bei Begehungen auf einem Acker bei Olfen römische Bronzemünzen und Keramikfragmente. Davon informierte Archäologen setzten zur Untersuchung Metalldetektoren ein. Anschließend wurde noch im selben Jahr ein erster und 2010 zwei weitere Suchschnitte angelegt. Dabei wurden eine fast vollständig erhaltene Aucissafibel, Bruchstücke eines bronzenen Helmzierbandes, drei italische Terra-Sigillata-Gefäße (darunter ein Teller mit dem Töpferstempel P.ATI, der auf einen Töpfer namens At(t)ius verweist), ein großes Reibschüsselfragment und verschiedene helltonige Keramikscherben gefunden. Parallel dazu fand eine archäologische Prospektion zur nichtinvasiven Erkundung statt. Dazu zählten Luftbildaufnahmen und Magnometermessungen. Die Sondierungsgrabungen hatten zwar zu römischem Fundmaterial, nicht aber zum Auffinden eines Wehrgrabens geführt. Der Verlauf des Grabens sowie zwei Ecken des Lagers konnten erst im Jahr 2011 auf Luftbildern, die Baoquan Song von der Ruhr-Universität Bochum angefertigt hatte, anhand von Bewuchsmerkmalen erkannt werden. Die wissenschaftliche Leitung der Untersuchungen in den Jahren 2008 bis 2011 lag bei Bettina Tremmel.[1][2][3][4] Laut der Einschätzung des Leiters der LWL-Archäologie für Westfalen und Landesarchäologen Michael Rind wird die vollständige Erforschung der römischen Hinterlassenschaften in Olfen noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen.[5]
Archäologische Befunde
Ein in einer Restbreite von 4,10 m und einer Resttiefe von 1,60 m erhaltener Lagergraben, der ursprünglich als Spitzgraben ausgeführt worden war, diente als Annäherungshindernis. In der Grabenfüllung fand sich der Randscherben einer Amphore hispanischer Provenienz, die zur Aufbewahrung von Garum diente. Innenseitig hinter dem Graben verlief eine 2,20 m breite Holz-Erde-Mauer. Die Luftbilder zeigten im Innenraum auch Spuren von zahlreichen Gruben, darunter vermutlich auch Feldbacköfen. Möglicherweise können ein von Gruben flankierter, westöstlich verlaufender Streifen als Via principalis (Lagerquerstraße) und Bereiche ohne Anomalien als Gebäude angesprochen werden. Aber nur systematische Ausgrabungen werden die Befunde des Lagerinneren letztlich klären können.
Die bis zum Jahr 2011 gemachten Einzelfunde (römische Keramik, über 110 Münzen (darunter fast 80 Dupondii aus Nemausus) und Fibeln) lassen eine Datierung des Lagers in die Zeit des Augustus und (durch die Funde des so genannten Oberadenhorizonts) konkret in die Zeit der Drusus-Offensive (12-8 v. u. Z.) zu. Die Größe des Lagers, die Beschaffenheit der Holz-Erde-Mauer und die Lage an der Lippe lassen darauf schließen, dass es sich um ein Versorgungslager handelte, also eine Anlage, in der Nachschub vorrätig gehalten und mittels der gleichzeitig der Lippe-Übergang kontrolliert werden konnte. Das Lager Olfen könnte als Etappenstation zu den etwa 20 Fußkilometer entfernten Standorten Uferkastell Beckinghausen und Römerlager Oberaden gedient haben, was jeweils einem Tagesmarsch entspricht. Die materielle Logistik der Römer erfolgte hauptsächlich über den Wasserweg. Hierzu mussten die Schiffe allerdings die Lippe flussaufwärts getreidelt, das heißt, vom Ufer aus von Menschen oder Zugtieren gegen den Strom gezogen werden. Niedrigwasser an der Lippefurt bei Olfen konnte eine Weiterfahrt der Plattbodenschiffe verhindern und eine Zwischenlagerung der Waren erforderlich machen. Maximal zwei Kohorten, ungefähr 1000 Legionäre oder Auxiliare könnten in Olfen stationiert gewesen sein, bis das Lager nach rund vier Jahren wieder aufgegeben wurde.[1][2][3][4]
Nach Ansicht von Michael Rind war das Kastell in Olfen während der Drusus-Feldzüge von größter strategischer Bedeutung.[5]
Denkmalschutz
Das bis heute nicht überbaute Gelände mit seinen römischen Befunden wurde nach dem nordrhein-westfälische Denkmalschutzgesetz vom 13. April 2022[6] unter Schutz gestellt und als Bodendenkmal mit der Nummer B. 8 (Befestigtes Römerlager) in die Liste der Bodendenkmäler in Olfen eingetragen. Nachforschungen, gezieltes Sammeln von Funden und Bodeneingriffe jeder Art sind genehmigungspflichtig. Zufallsfunde sind an die Denkmalbehörden zu melden.
Literatur
- Christoph Grünewald: Römer und Germanen. In: Werner Frese (Hrsg.): Geschichte der Stadt Olfen. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-89534-889-1, S. 43–55.
- Peter Kracht: Olfen In: Antike Welt, Heft 6, 2009, S. 6 (kurze Wiedergabe der PM vom 6. Januar 2009).
- Johann-Sebastian Kühlborn: Auf dem Marsch in die Germania Magna. Roms Krieg gegen die Germanen. In: Martin Müller, Hans-Joachim Schalles, Norbert Zieling (Hrsg.): Colonia Ulpia Traiana. Xanten und sein Umland in römischer Zeit. Zabern, Mainz 2008, ISBN 978-3-8053-3953-7, S. 67–91.
- Bettina Tremmel: Olfen-Sülsen. Ein neues Römerlager aus der Zeit der Drususfeldzüge. Nachschubstation an der West-Ost-Route vom Rhein nach Oberaden. In: Jahrbuch Westfalen, 2011 (2012), ISBN 978-3-402-15819-7, S. 13–17 (Digitalisat).
- Bettina Tremmel: Olfen-Sülsen. Ein neues Römerlager aus der Zeit der Drususfeldzüge. In: Archäologie in Westfalen-Lippe, 2011 (2012), S. 86–89 (Digitalisat).
- Bettina Tremmel: Olfen-Sülsen. Ein neues Römerlager aus der Zeit der Drususfeldzüge. In: Varus-Kurier, 14, 2012, S. 24–25 (Digitalisat)
- Bettina Tremmel: Die Römer im Kreis Coesfeld. In: Deutsche Landkreise im Porträt. Kreis Coesfeld. Kommunikation & Wirtschaft, Coesfeld 2012, ISBN 978-3-88363-344-2, S. 30–33.
- Hans Zeiß: Der Latènehelm von Olfen In: Bodenaltertümer Westfalens 3. Westfalen 19, 1934, S. 117–178.
Weblinks
- Pressemitteilung des LWL vom 25. Oktober 2011
- Frührömisches Militärlager an der Lippe entdeckt auf Archäologie Online am 25. Oktober 2011
- Video zum Römerlager Olfen der LWL-Archäologie für Westfalen (4:59 Minuten)
Einzelnachweise
- ↑ a b Bettina Tremmel: Olfen-Sülsen. Ein neues Römerlager aus der Zeit der Drususfeldzüge. Nachschubstation an der West-Ost-Route vom Rhein nach Oberaden. In: Jahrbuch Westfalen, 2011 (2012), ISBN 978-3-402-15819-7, S. 13–17 (Digitalisat).
- ↑ a b Bettina Tremmel: Olfen-Sülsen. Ein neues Römerlager aus der Zeit der Drususfeldzüge. In: Archäologie in Westfalen-Lippe, 2011 (2012), S. 86–89 (Digitalisat).
- ↑ a b Bettina Tremmel: Olfen-Sülsen. Ein neues Römerlager aus der Zeit der Drususfeldzüge. In: Varus-Kurier, 14, 2012, S. 24–25 (Digitalisat)
- ↑ a b Bettina Tremmel: Die Römer im Kreis Coesfeld. In: Deutsche Landkreise im Porträt. Kreis Coesfeld. Kommunikation & Wirtschaft, Coesfeld 2012, ISBN 978-3-88363-344-2, S. 30–33.
- ↑ a b Pressemitteilung des LWL vom 25. Oktober 2011, abgerufen am 10. Dezember 2025.
- ↑ DSchG NRW, abgerufen am 8. Dezember 2025.