Calviac-en-Périgord

Calviac-en-Périgord
Calviac de Perigòrd
Staat Frankreich Frankreich
Region Nouvelle-Aquitaine
Département (Nr.) Dordogne (24)
Arrondissement Sarlat-la-Canéda
Kanton Terrasson-Lavilledieu
Gemeindeverband Pays de Fénelon
Koordinaten 44° 51′ N, 1° 20′ O
Höhe 60–245 m
Fläche 14,52 km²
Einwohner 546 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 38 Einw./km²
Postleitzahl 24370
INSEE-Code 24074
Website Calviac-en-Périgord

Blick auf Calviac-en-Périgord

Calviac-en-Périgord (Aussprache [kalˈvjak ɑ̃ peʁiˈɡɔʁ], okzitanisch Calviac de Perigòrd) ist ein Ort und aus mehreren Weilern und Einzelgehöften bestehende südwestfranzösische Gemeinde mit 546 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Sarlat-la-Canéda und zum Gemeindeverband Communauté de communes du Pays de Fénelon. Die Bewohner werden Calviacois und Calviacoises genannt.

Geografie

Calviac-en-Périgord liegt etwa 61 Kilometer südöstlich von Périgueux, etwa 10 Kilometer ostsüdöstlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 67 Kilometer östlich von Bergerac am südöstlichen Rand des Départements in der Région naturelle des Périgord noir, Teil des gleichnamigen, touristisch benannten Landesteils. Das Gemeindegebiet liegt am Nordufer der Dordogne und wird außerdem entwässert vom Ruisseau d’Eyrand sowie von einem kleineren Fließgewässer.

Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Calviac-en-Périgord liegt auf der dritten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus heterogenem Kalkstein aus der Kreidezeit.[1] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär, die aus dem Känozoikum stammen, sowie Sedimentgesteine aus dem Mesozoikum.

Das Relief des Gemeindegebiets weist bis auf eine Hochebene im Westen im Wesentlichen eine bewaldete Hügellandschaft auf, das durch das breite Tal der Dordogne im Südosten begrenzt wird. Die topografisch höchsten Punkte befinden sich im Nordwesten mit jeweils 245 m Höhe bei den Lieu-dits Sainte-Radegonde und Pech de Trop. Das Zentrum liegt etwa erhöht gegenüber dem Flusstal auf etwa 102 m Höhe.

Etwa 58 % der Fläche der Gemeinde sind bewaldet, etwa 28 % werden landwirtschaftlich genutzt, etwa 10 % entfallen auf bebaute Flächen, etwa 3 % auf Binnengewässer, etwa 2 % auf Flächen mit Strauch- und/oder Kräutervegetation.[2]

Calviac-en-Périgord wird von folgenden sieben Gemeinden umgeben:

Saint-Vincent-le-Paluel Prats-de-Carlux Carlux
Carsac-Aillac Saint-Julien-de-Lampon
Veyrignac Sainte-Mondane

Natürliche und technologische Risiken

Naturrisiken manifestieren sich in Calviac-en-Périgord als

Aufgrund der Schäden, die durch Überschwemmungen und Schlammlawinen in den Jahren 1982, 1983, 1988, 1994, 2007, 2020 und 2021 verursacht wurden, wurde für die Gemeinde der Naturkatastrophenzustand ausgerufen. Im Dossier des Départements über Hauptrisiken sind vorbeugenden Maßnahmen zur Reduktion von Hochwasserschäden festgelegt. Dazu gehört u. a. die Ausweisung von Zonen, die nicht oder nur nach Genehmigung bebaut werden dürfen, die Instandhaltung des Wasserlaufs, um Hindernisse zu begrenzen, und die Schaffung von Regenrückhaltebecken.

Im nahezu gesamten Gemeindegebiet besteht zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Plicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräten und eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.

Wie die Risikokarte zeigt, ist etwa ein Viertel des Gemeindegebiets, insbesondere oberhalb des Dordogne-Tals von einer mittleren oder vor allem starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Dürreperiode im Jahr 2020 ist als Naturkatastrophe der Gemeinde klassifiziert worden.

Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist einer geringen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 zugeordnet.[3]

Die Gemeinde liegt flussabwärts des Staudamms Bort-les-Orgues im Département Corrèze, einem Bauwerk der Klasse A (Höhe des Stauwehrs ≥ 20 Meter), das seit 2009 einem sog. Spezifischen Interventionsplan (PPI) unterliegt. Dieser findet Anwendung bei diesem Staudamm der Klasse A mit einem Stauseevolumen von über 15 Millionen m3. Er ist ein Notfallplan, der die Maßnahmen zur Alarmierung der Behörden und der Bevölkerung, die Organisation der Hilfsmaßnahmen und die Umsetzung von Evakuierungsplänen detailliert beschreibt. Daher ist es wahrscheinlich, dass die Gemeinde von der Hochwasserwelle betroffen sein wird, die durch den Bruch dieses Bauwerks entstünde.[4]

Etymologie und Geschichte

Der Name Salviac ist seit dem 12. Jahrhundert belegt in der latinisierten Form Calviaco (1153), von einem Kopisten im 16. Jahrhundert zu Calvicac verändert (1579). Er führt den Namen einer gallorömischen Person Calvius fort, dem das Suffix -acum als Eignertitel angehängt wurde (somit Calviacum, Landgut des Calvius). Der Name ist vom lateinischen Calvus abgeleitet, einem Spitznamen, der „kahlköpfig“ bedeutete.[5]

Die urgeschichtliche Stätte der Champel- oder Coucoulu-Höhle ist die älteste Spur menschlicher Besiedlung in der Gegend von Calviac. Ausgrabungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts lieferten Informationen über die gallorömische Gründung des Dorfes im fruchtbaren Dordogne-Tal: vergrabene Mauern, eine Ziegelwerkstatt, Münzen Kaiser Hadrians, sogenannte Tegulae (flache Dachziegel) und die Überreste eines gemauerten Aquädukts. Das Dorf nahm somit im 2. Jahrhundert v. Chr. Gestalt an.

Im 12. Jahrhundert basierte seine Entwicklung auf der Abtei Sainte-Radegonde, die drei Kilometer nordöstlich vom Dorfzentrum von Calviac lag. Die Gemeinde genoss den Schutz der Abtei Sarlat nach der von Souillac. Zu den Überresten von Sainte-Radegonde gehört eine romanische Kirche, die besichtigt werden kann.[6]

Am 8. Juni 1944 wurde die Gemeinde auf dem Weg in die Normandie von Truppen des 4. SS-Regiments „Der Führer“ angegriffen. Beim Weiler Rouffillac, das sie sich mit der benachbarten Gemeinde Carlux teilte, brannten die Deutschen als Vergeltung für einen Angriff von Maquisards bei ihrer Ankunft das Dorf nieder und töteten achtzehn Menschen, darunter sechzehn Zivilisten.[7]

1973 wurde dem Gemeindenamen der Zusatz en-Périgord angefügt.[8]

Bevölkerungsentwicklung

Calviac-en-Périgord: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020
Jahr  Einwohner
1793
  
551
1800
  
595
1806
  
518
1821
  
629
1831
  
672
1836
  
708
1841
  
734
1846
  
740
1851
  
741
1856
  
730
1861
  
763
1866
  
729
1872
  
730
1876
  
715
1881
  
988
1886
  
740
1891
  
716
1896
  
660
1901
  
661
1906
  
630
1911
  
585
1921
  
524
1926
  
527
1931
  
531
1936
  
510
1946
  
493
1954
  
446
1962
  
438
1968
  
406
1975
  
404
1982
  
425
1990
  
441
1999
  
468
2006
  
501
2013
  
485
2020
  
520
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[8] INSEE ab 2006[9][10][11]
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl des Ortes kurzzeitig bis auf annähernd 1000 an. Die Reblauskrise im Weinbau und der Verlust von Arbeitsplätzen durch die Mechanisierung der Landwirtschaft haben seitdem zu einem kontinuierlichen Bevölkerungsrückgang geführt, der erst in den letzten Jahrzehnten zum Stillstand gekommen ist.

Sehenswürdigkeiten

  • Die zusammengestückelt wirkende Kirche Saint-Pierre-ès-Liens ist ein ursprünglich einschiffiger romanischer Bau des 12. Jahrhunderts, der jedoch nach Ende des Hundertjährigen Krieges (1337–1453) umgestaltet wurde und ein zweites Schiff mitsamt einem Glockenturm mit seitlichem runden Treppenturm erhielt. Ein – wahrscheinlich geplanter – weiterer Ausbau der Kirche unterblieb jedoch. Während der romanische Teil tonnengewölbt ist, zeigt das spätgotische nördliche Seitenschiff Rippengewölbe. Das ansonsten eher schmucklose Kirchengebäude ist seit 1970 als Monument historique eingeschrieben.[12]
  • Das etwas abseits des Ortes gelegene Waschhaus (lavoir) wurde im 19. Jahrhundert gebaut.
  • Der Zoo von Calviac wurde 2008 eröffnet.
Umgebung
  • Am Lieu-dit Fontcabrol steht das in Privatbesitz befindliche Schloss Le Gard, ein zweigeschossiger, neobarocker Bau des 19. Jahrhunderts mit leicht vorspringendem Mittelrisalit mit Balkon und umlaufender Dachbalustrade.
  • Das Schloss Braulen, auch bekannt als Schloss Braulem, wurde für die Familie Borne erbaut. Es handelt sich um eine befestigte Residenz aus dem 17. Jahrhundert. Die Architektur von Schloss Braulen spiegelt seine Verteidigungsfunktion wider. Tatsächlich ist das Schloss ein Festes Haus.

Bildung

Die Gemeinde verfügt über eine private Vor- und Grundschule (École primaire).[13]

Wirtschaft

Erwerbstätigkeit

Im Jahre 2022 waren 241 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Calviac-en-Périgord erwerbstätig, entsprechend 79,3 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse. Die Zahl der Arbeitslosen war mit 29 Personen im Jahr 2022 fast doppelt so hoch wie im Jahr 2016 (15). Die Arbeitslosenquote stieg entsprechend von 7,0 % (2016) auf 12,0 % (2022).[14]

Branchen und Betriebe

51 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2023 in Calviac-en-Périgord wirtschaftlich aktiv:[14]

Branche
Anzahl %
Gesamt 51
Fertigung, Bergbau und andere Industrien 5 9,8 %
Baugewerbe 7 13,7 %
Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie 16 31,4 %
Information und Kommunikation 1 2,0 %
Finanzen und Versicherungen 1 2,0 %
Immobilien 2 3,9 %
Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten 8 15,7 %
Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln 3 5,9 %
Andere Dienstleistungen 8 15,7 %

Landwirtschaft

Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Polykulturen und/oder Mischbetriebe in der Tierhaltung.[15] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 32 bei der Landwirtschaftszählung von 1988, auf 27 im Jahr 2000, auf 21 im Jahr 2010 und auf 20 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 37,5 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche vergrößerte sich von 375 Hektar im Jahre 1988 auf 413 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg von 11,7 Hektar auf 20,6 Hektar.[16][17][18]

Fernwander- und Radwege

  • Durch Calviac-en-Périgord verläuft der 175 Kilometer lange Fernwanderweg GRP „Pays de Fénelon“.[19]
  • Eine Grüne Route, die von einem gemeinsamen Verein auf dem Gelände einer ehemaligen Eisenbahnlinie angelegt und kürzlich erweitert wurde, verläuft von Sarlat nach Peyrillac-et-Millac und setzt sich auf einem drei Kilometer ausgeschildertem Landweg an Calviac-en-Périgord vorbei auf dem Ufer der Dordogne bis nach Cazoulès fort.[20]

Verkehr

Die zur Departementsstraße D 703 herabgestufte ehemalige Nationalstraße N 703 von Lalinde über Carsac-Aillac nach Bretenoux über Cazoulès verläuft bei Calviac-en-Périgord entlang der Dordogne. Sie trifft im Südwesten auf die D 704a, einem Verbindungsstücke zur D 704, der herabgestuften ehemaligen Nationalstraße N 704 nach Sarlat-la-Canéda. Lokale Landstraßen verbinden das Zentrum mit weiteren Nachbargemeinden. Direkte Verbindungen zu den auf den Gemeinden auf der gegenüberliegenden Seite der Dordogne über Brücken bestehen nicht.

Regionalbusse einer Linie im Auftrag der Region Nouvelle-Aquitaine verbinden Calviac-en-Périgord mit Sarlat-la-Canéda und mit Souillac.[21]

Persönlichkeiten

Gemäß der Überlieferung wurde um das Jahr 680 der heilige Sacerdos von Limoges in Calviac geboren. Auch seine ebenfalls als heilig verehrte Mutter Mundana lebte hier.

Literatur

Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).

Commons: Calviac-en-Périgord – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Géologie de la Dordogne-Périgord. Esprit de Pays, abgerufen am 13. November 2025 (französisch).
  2. Répartition des superficies en 15 postes d’occupation des sols (métropole). CORINE Land Cover, 2018, abgerufen am 13. November 2024 (französisch).
  3. Les risques près de chez moi. Ministerium für ökologischen Wandel, Biodiversität, Wälder, Meer und Fischerei, abgerufen am 13. November 2025 (französisch).
  4. Dossier des Départements über Hauptrisiken. (PDF) Département Dordogne, abgerufen am 13. November 2025 (französisch).
  5. Tanet, Hordé, Seiten 78–79
  6. Calviac-en-Périgord (französisch) (Memento vom 9. September 2016 im Internet Archive)
  7. Sandrine Mercèdre: Un ouvrage pour ne pas oublier Rouffillac. Sud Ouest, 15. Mai 2024, abgerufen am 13. November 2025 (französisch).
  8. a b Notice Communale Calviac-en-Périgord. EHESS, abgerufen am 13. November 2025 (französisch).
  9. Populations légales 2006 Commune de Calviac-en-Périgord (24074). INSEE, abgerufen am 13. November 2025 (französisch).
  10. Populations légales 2013 Commune de Calviac-en-Périgord (24074). INSEE, abgerufen am 13. November 2025 (französisch).
  11. Populations légales 2020 Commune de Calviac-en-Périgord (24074). INSEE, abgerufen am 13. November 2025 (französisch).
  12. Église Saint-Pierre-ès-Liens, Calviac-en-Périgord in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  13. École primaire privée un jeu d’enfant. Nationales Bildungsministerium, abgerufen am 13. November 2025 (französisch).
  14. a b Dossier complet Commune de Calviac-en-Périgord (24074). INSEE, abgerufen am 13. November 2025 (französisch).
  15. Territoriale Spezialisierung der landwirtschaftlichen Produktion im Jahr 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 13. November 2025 (französisch).
  16. Allgemeine Daten der landwirtschaftlichen Betriebe mit Sitz in Calviac-en-Périgord. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 13. November 2025 (französisch).
  17. Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe und deren durchschnittliche landwirtschaftlich genutzte Fläche 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 13. November 2025 (französisch).
  18. Gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 13. November 2025 (französisch).
  19. Le GRP du Pays de Fénelon. Touristenbüro Pays de Fénelon, abgerufen am 13. November 2025 (französisch).
  20. La piste cyclable. Gemeinde Calviac-en-Périgord, abgerufen am 13. November 2025 (französisch).
  21. Cars régionaux Dordogne. (PDF) Region Nouvelle-Aquitaine, abgerufen am 13. November 2025 (französisch).