Stare Siedlisko

Stare Siedlisko
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Stare Siedlisko
Basisdaten
Staat: Polen Polen

Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Braniewo
Gmina: Wilczęta
Geographische Lage: 54° 13′ N, 19° 49′ O
Einwohner: 210 (2021[1])
Postleitzahl: 14-405
Telefonvorwahl: (+48) 55
Kfz-Kennzeichen: NBR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 506: Nowica/DW 509PiórkowoChruściel/S 22/DK 54
WilczętaSopotyŁawki → Stare Siedlisko
DębinyDębiny Leśne → Stare Siedlisko
und:
Kurowo Braniewskie → Stare Siedlisko
Eisenbahn: Bahnstrecke Malbork–Braniewo
Bahnstation: Kurowo Braniewskie
Nächster int. Flughafen: Danzig

Stare Siedlisko (deutsch Ebersbach) ist ein Dorf im Powiat Braniewski (Braunsberger Kreis) der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es gehört zur Gemeinde Wilczęta (Deutschendorf).

Geographische Lage

Die Ortschaft liegt im ehemaligen Ostpreußen, im historischen Oberland, an der Baude, etwa 90 Kilometer südwestlich von Kaliningrad (Königsberg), 22 Kilometer nordnordöstlich von Pasłęk (Preußisch Holland) und sechs Kilometer nordöstlich von Młynary (Mühlhausen i. Ostpr.).

Geschichte

Die Ortschaft Ebersbach wird als villa Ebersbach erstmals urkundlich erwähnt, und zwar in einem Dokument des Deutschen Ordens, das der Elbinger Komtur Hermann von Oettingen am 10. Juli 1329 zu Mühlhausen ausgefertigt hatte.[2][3] Ebersbach war zu diesem Zeitpunkt also bereits ein Dorf (villa). Dem Dokument zufolge hatte ein Lokator Helbing aus Thüringen die Ortschaft mit ungefähr 80 Hufen zur Besiedlung verliehen bekommen und das Dorf dann an Martin von Truntcz weiterverkauft. Die Geschichte des Dorfs, das später in den Besitz eines Zweigs der Familie Dohna kam,[4] ist eng mit der Geschichte des ehemaligen Ritterguts Lauck verknüpft und lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Noch im 19. Jahrhundert befanden sich an Häusern Ebersbachs mittelalterliche Hausmarken.[5]

Lauck mit Ebersbach im Oberland gehörte seit der Neuzeit zum Hauptamt Preußisch Holland.[6][7]

Durch Erbschaft kam der Gesamtbesitz der Dohnaschen Güter 1688 an den einzigen Sohn von Fabian III., Christoph Friedrich Graf von Dohna. Durch eine vom Landesherrn bestätigte Urkunde vom 24. Juli 1731 bildete dieser daraus die beiden Fideikommiss-Stiftungen Dohna-Lauck und Dohna-Reichertswalde. Zum Fideikommiss Dohna-Lauck wurden geschlagen: 1) Lauck, 2) Ebersbach, 3) Kagenau, 4) Seepothen, 5) das Vorwerk Lipprode und 6) vier Hufen Bauholz in Groß Scharnitten.[8]

Im Jahr 1785 wird Ebersbach als ein zur Gutsherrschaft Lauck gehöriges adliges Gut und Vorwerk, mit einer Kirche, die eine Filiale von Lauck ist, und 41 Feuerstellen (Haushaltungen) beschrieben.[9]

Anlässlich der nach 1818 vollzogenen Separation der bäuerlichen und gutsherrlichen Verhältnisse entstand ein eigenständiges Dorf Ebersbach; auf dem von Ebersbach der Gutsherrschaft zugefallenen Terrain entstand das Vorwerk Friedrichshof.[10]

Das Dorf Ebersbach hatte am 1. Dezember 1913 eine Flächengröße von 1117,6 Hektar und 88 viehhaltende Haushaltungen; gezählt wurden unter anderem 301 Pferde, 567 Stück Rindvieh, 31 Schafe, 496 Schweine und 82 Ziegen. Auf der Gemarkung des Dorfes standen 721 Apfelbäume, 271 Birnbäume, 252 Pflaumen- und Zwetschgenbäume sowie 242 Kirschbäume.[11]

Ebersbach gehörte im Jahr 1945 zum Landkreis Preußisch Holland im Regierungsbezirk Königsberg im Gau Ostpreußen des Deutschen Reichs und war dem Amtsbezirk Lauck zugeordnet.[12]

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde im Frühjahr 1945 die Region von der Roten Armee besetzt. Anschließend wurde die südliche Hälfte Ostpreußens mit Ebersbach Teil Polens. Der Ort wurde in Stare Siedlisko umbenannt.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 adliges Gut und Vorwerk, mit einer Kirche (Filiale von Lauck) und 41 Feuerstellen (Haushaltungen), zur Gutsherrschaft Lauck gehörig[9]
1818 267 adliges Dorf[13]
1832 322 in 38 Häusern[14]
1858 454 adliges Dorf, zum adligen Gut Lauck gehörig, davon 427 Evangelische und 27 Katholiken, in 50 Wohngebäuden auf einer Gemarkungsfläche von 4777 Morgen[15]
1864 522 am 3. Dezember[16]
1867 572 am 3. Dezember, Kirchdorf[17]
1871 557 am 1. Dezember, Kirchdorf, davon 539 Evangelische, 13 Katholiken und fünf Juden[17]
1885 555 am 1. Dezember, davon 534 Evangelische und 21 Katholiken[18]
1895 491 am 2. Dezember, Landgemeinde, davon 486 Evangelische und fünf Katholiken[19]
1910 477 am 1. Dezember[20][21]
1933 478 [22]
1939 430 [22]

Religion

Kirchengebäude

Die Ebersbacher Kirche war bis 1945 der evangelischen Mutterkirche in Lauck zugehörig. Sie wurde im 18. Jahrhundert erbaut und erhielt 1776 einen Glockenturm.[23] Die Kirchengebäudein Ebersbach wie auch in Lauck hatten die gleiche Größe und Bauart mit Feldsteinen und Ziegeln und einem hölzernen Turm, doch befindet sich die Sakristei der Kirche in Ebersbach nicht an der Südseite, sondern an der Nordseite. Außerdem wurde ihr später ein Abputz hinzugefügt. Am Ende des 19. Jahrhunderts hatte sie Glocken von 1784 und 1794; die Orgel war vom Baujahr 1805.[24]

Der Innenraum der Ebersbacher Kirche war mit einer bemalten Decke überdacht.[23] Hier hingen zwei Kronleuchter von 1685.[25] Das Schnitzwerk des Altars aus der Zeit um 1660 steht der Riga-Werkstatt nahe, Kanzel und Patronatsgestühl entstanden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.[23]

Das Kirchengebäude, das zuvor der evangelischen Pfarrgemeinde Ebersbach als Gotteshaus gedient hatte, wurde 1945 zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet und ist heute eine Filialkirche der Pfarrei in Nowica (Neumark).

Kirchengemeinde

Evangelisch

Um 1660 wurde Ebersbach als Filialkirche der der evangelischen Kirche in Lauck genannt. Mit ihr war sie bis 1945 verbunden, zuletzt innerhalb einer Vereinigten Kirchengemeinde Lauck-Ebersbach. Mit ihren im Jahre 1925 1.410 Gemeindegliedern, von denen 896 zum Sprengel Lauck und 514 zum Sprengel Ebersbach gehörten, war sie Teil des Kirchenkreises Preußisch Holland in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.[26] Der Pfarrsitz war in Lauck, das Kirchenpatronat oblag bei beiden Kirchen dem Burggraf und Graf zu Dohna Lauck auf Reichertswalde.

Zum Kirchspiel Sprengel Ebersbach gehörten die Orte: Ebersbach, Födersdorf und Friedrichshof.[26]

Heute in Stare Siedlisko lebende evangelische Kirchenglieder gehören zur Kirchengemeinde in Młynary (Müjlhausen i. Ostpr.) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Römisch-katholisch

Nach 1945 errichtet die Römisch-katholische Kirche hier eine Kirchengemeinde. Sie ist heute eine Filialgemeinde von Nowica im Dekanat Pasłęk I im Bistum Elbląg.[27]

Commons: Stare Siedlisko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Polska w Liczbach: Wieś Stare Siedlisko w liczbach (polnisch)
  2. Monumenta Historiæ Warmiensis oder Quellensammlung zur Geschichte Ermlands, Band 1, Mainz 1860, Kapitel Diplomata, S. 404–406, No. 242 (Google Books).
  3. Georg Conrad: Regesten ausgewählter Urkunden des reichsburggräflich und gräflich Dohnaschen Majoratsarchivs in Lauck (Ostpr.), in: Altpreußische Monatsschrift, Band 32, Königsberg i. Pr. 1895, S. 519–554, insbesondere S. 531–532, Fußnote 2) (Google Books[).
  4. Lexikoneintrag Dohna, in_ Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaft und Künste, Erste Section: A – G, Sechsundzwanzigster Theil: DIR – DOMINIUM MUNDI, Brockhaus, Leipzig 1835, S. 299–312 (Google Books).
  5. Franz Dittrich: Das alte ermländische Wohnhaus. In: Zeitschrift für die Geschichte und Alterthumskunde Ermlands. Band 5, Braunsberg / Leipzig 1874, S. 510–536, insbesondere S. 524 (Google Books).
  6. Michael Lilienthal: Erleutertes Preußen – Oder Auserlesene Anmerckungen ueber verschiedene, zur Preußischen Kirchen-Civil- und Gelehrten-Historie gehörige besondere Dinge. Band 43, Königsberg 1727, S. 498 (Google Books).
  7. Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Gotha 1858, S. 279 (Google Books).
  8. Siegmar Friedrich von Dohna: Die Dohna’s. Aufzeichnungen über die Vergangenheit der Familie Dohna. Band 1. Berlin 1877, S. 70 (books.google.de).
  9. a b Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen, Anhang: Volständige Topographie vom Ost-Preußischen Cammer-Departement, Marienwerder 1785, S. 41 (Google Books).
  10. Georg Conrad: Regesten ausgewählter Urkunden des reichsburggräflich und gräflich Dohnaschen Majoratsarchivs Lauck (Ostpr.), in: Altpreussische Monatsschrift. Band 32, Königsberg i. Pr. 1895, S. 519–554, insbesondere S. 525 (Google Books).
  11. Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat. Band 1: Ostpreußen. S. 102, Ziffer 21 (Google Books).
  12. Amtsbezirk Lauck (Territorial.de)
  13. Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 1: A–F, Halle 1821, S. 316, Ziffer 21 (Google Books).
  14. Georg Friedrich Krause: Handbuch zu dem Atlas von Preußen in 27 Karten; oder: geographisch-statistisch-topographische Beschreibung der preußischen Mönarchie. Zweite Hälfte: Verzeichniß sämmtlicher Städte, Flecken, Dörfer, Weiler, Vorwerke etc. der Monarchie. Band I: A – E, Müller, Erfurt 1835, S. 775 (Google Books).
  15. Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 117, Ziffer 48 (Google Books).
  16. Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg, 9. Kreis Pr. Holland, Berlin 1966, S. 2–9, Ziffer 40 (Google Books).
  17. a b Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 174–175, Ziffer 26 (Google Books).
  18. Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888, S. 196–197, Ziffer 23 (Google Books).
  19. Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Band 1: Provinz Ostpreußen, Berlin 1898, S. 194–195, Ziffer 22 (Google Books).
  20. Ebersbach, Dorf, Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Ebersbach (meyersgaz.org)
  21. Kreis Preußisch Holland (Gemeindeverzeichnis.de)
  22. a b Michael Rademacher: Prholland. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
  23. a b c Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreußischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 75
  24. Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 143–144 (Google Books).
  25. Informationszentrum Ostpreußen: Stare Siedlisko – Ebersbach
  26. a b Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 19768, S. 471
  27. Dieczeja Elbląg: Parafia Nowica