BR-Klasse 26

BR-Klasse 26
BRCW Typ 2
Museumslok 26 038 in blau-gelber Farbgebung der British Rail (Juni 2016)
Nummerierung: bis 1973:
D5300–5319
D5320–5346

ab 1973:
26001–26020
26021–26046

Anzahl: 47
Hersteller: Birmingham Railway Carriage and Wagon Company
Baujahr(e): 1958–1959
Ausmusterung: 1990–1993
Achsformel: Bo’Bo’
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: 15 470 mm
Höhe: 3860 mm
Breite: 2690 mm
Drehzapfenabstand: 8840 mm
Drehgestellachsstand: 3050 mm
Gesamtradstand: 11 890 mm
Kleinster bef. Halbmesser: 100 m
Leermasse: 79 t (26/0)
75 t (26/1)
Dienstmasse: 84 t (26/0)
79 t (26/1)
Reibungsmasse: 84 t (26/0)
79 t (26/1)
Radsatzfahrmasse: 21 t (26/0)
20 t (26/1)
Höchstgeschwindigkeit: 130 km/h
Installierte Leistung: 870 kW
Traktionsleistung: 670 kW
Anfahrzugkraft: 190 kN
Dauerzugkraft: 140 kN bei 40 km/h
Bremskraft: 350 kN
Leistungskennziffer: 10,3 kW/t (26/0)
10,9 kW/t (26/1)
Treibraddurchmesser: 1090 mm
Motorentyp: Sulzer 6LDA28-A
Motorbauart: 1 × Sechszylinder-R-Dieselmotor mit Abgasturbolader, 4-Takt, wassergekühlt,
133 l Hubraum
Nenndrehzahl: 750 min−1
Leistungsübertragung: elektrisch
Tankinhalt: 2270 l Dieselkraftstoff
Anzahl der Fahrmotoren: 4 × Crompton Parkinson C171-A1 oder C171-D3
Übersetzungsverhältnis: 3,94 : 1
Lokbremse: Druckluft, Handbremse
Zugbremse: Saugluft, später zusätzlich Druckluft
Zugheizung: Dampf (790 kg/h)
Steuerung: elektropneumatische Doppeltraktionssteuerung
Kupplungstyp: Schraubenkupplung
Quellen:[1][2][3][4]

Die Klasse 26 von British Rail (BR) ist eine Baureihe dieselelektrischer Universallokomotiven, die 1958 und 1959 von der Birmingham Railway Carriage and Wagon Company (BRC&W) in England gebaut wurde.

Geschichte

Um Dampflokomotiven zu ersetzen, wurde um 1955 für die östlichen Strecken der British Railways die Class 26 bei der Birmingham Railway Carriage and Wagon Company in Auftrag gegeben. Die erste Bestellung umfasste 20 Lokomotiven, die ab Juli 1958 geliefert und als D5300 bis D5319 nummeriert wurden. Sie wurden zunächst in Hornsey beheimatet und von dort zu umfangreichen Probefahrten eingesetzt. Die Lokomotive D5303 wurde schon bald nach Schottland ausgeliehen und von den Betriebswerken Inverness, Eastfield (Glasgow) und Leith Central aus erprobt. Zufriedenstellende Testergebnisse führten zur Bestellung weiterer 27 Maschinen mit geringfügigen technischen Änderungen, die die Nummern D5320 bis D5346 erhielten, bis Oktober 1959 an die schottische Region der British Railways geliefert und in Haymarket (Edinburgh) stationiert wurden. Im Sommer 1960 wurde die erste Lieferserie nach Haymarket verlegt, während die zweite dafür nach Inverness kam.[5]

Die Lokomotiven waren zur Auslieferung dunkelgrün mit grauem Dach, roten Pufferträgern und schwarzem Fahrwerk lackiert. Ein umlaufender weißer Zierstreifen und weiße Fensterumrandungen prägten das Erscheinungsbild. Bald wurde die verbleibende dunkelgrüne Fläche an den Stirnseiten in einem kräftigen Gelb lackiert, später wurden bei einigen Maschinen auch die weißen Fensterumrandungen durch diesen Gelbton ersetzt.

Die insgesamt 47 Lokomotiven wurden in Schottland sehr vielfältig eingesetzt. Die in Inverness stationierten Loks zogen häufig Nahverkehrszüge, interregionale Personenzüge und Schnellzüge. Vor letzteren waren bis zu drei Maschinen gemeinsam im Einsatz, um die verhältnismäßig geringe Leistung auszugleichen. Die in Haymarket beheimateten Fahrzeuge waren dagegen meist im Güterzugeinsatz anzutreffen. Die ersten sieben Lokomotiven, D5300 bis D5306, erhielten 1967 eine elektronische Langsamfahrsteuerung, die die Be- und Entladung moderner Kohlezüge ermöglichte.

Im Jahr 1968 entfiel mit der Ausmusterung der letzten Dampflokomotiven das vorangestellte „D“ für „diesel locomotive“ in der Fahrzeugbezeichnung, sodass die Loks nun als 5300 bis 5346 im Einsatz waren. Ab 1973 erhielten alle noch im Einsatz stehenden Lokomotiven eine neue Nummer zur Aufnahme in das computergestützte Fahrzeugverwaltungssystem TOPS der British Rail. Auf die Baureihennummer 26 folgte die dreistellige Ordnungsnummer, die zwar die Reihenfolge der alten Nummern berücksichtigte, jedoch teilweise systemlos vergeben wurde. Während die D5300 zur 26 007 oder die D5307 zur 26 020 wurde, behielten aber viele Maschinen die alte Ordnungszahl. Die originale Ausführung wurde zur Unterbaureihe 26/0 mit dem Nummernbereich 26 001 bis 020. Die zweite Bauserie wurde zur 26/1 mit den Nummern 26 021 bis 046 umgezeichnet.

Da die Maschinen bei der British Rail mit der Beschaffung neuer Triebfahrzeuge ab den 1980er Jahren überflüssig waren, wurden die verbleibenden Lokomotiven der Klasse 26 von 1990 bis 1993 regulär ausgemustert und von 1991 bis 1995 zu großen Teilen verschrottet. Allerdings wurde schon vor dem Beginn der planmäßigen Ausmusterung eine beträchtliche Stückzahl von 15 Fahrzeugen ab 1972 aufgrund von Brand- und Unfallschäden außer Dienst gestellt und verschrottet.[6][4] Bei Privatbahnen und in Eisenbahnmuseen sind bis heute 13 Lokomotiven der Class 26 erhalten.

Technik

Die Lokomotiven besitzen einen aus Stahlprofilen und -blechen geschweißten Grundrahmen. Die Seitenwände des Lokkastens und der beiden Führerhäuser bestehen ebenfalls aus Stahlblechen, das Dach dagegen aus glasfaserverstärktem Kunststoff.

Der Rahmen liegt über Schraubenfedern auf zwei zweiachsigen Drehgestellen auf. Die Lokomotiven hatten teilweise Schneepflüge, die vom Drehgestellrahmen getragen wurden. Hinter dem ersten Führerstand befindet sich die Kühlanlage mit einem großen Kühlerlüfter auf dem Dach. Dahinter folgt die Antriebseinheit, bestehend aus dem Dieselmotor und dem Hauptgenerator. Die Klasse 26 besitzt einen Motor des Typs Sulzer 6LDA28-A. Er ist ein wassergekühlter Sechszylinder-Reihenmotor, arbeitet nach dem Viertaktprinzip und erreicht bei einer Drehzahl von 750 Umdrehungen pro Minute eine Leistung von 870 kW (1180 PS).[4] Die Zylinder haben einen Innendurchmesser von 280 mm und einen Kolbenhub von 360 mm. Daraus ergibt sich ein Hubraum von 22 Litern pro Zylinder und 133 Litern des gesamten Motors. Der vom Dieselmotor angetriebene Gleichstrom-Hauptgenerator Crompton Parkinson CG391-A1[2] versorgt die vier elektrischen Gleichstromfahrmotoren des Typs Crompton Parkinson C171-A1, bei Class 26/1 stattdessen C171-D3. Der Hilfsgenerator Crompton Parkinson CAG193-A1[2] mit einer Leistung von 57 kW bei 110 Volt versorgt das Bordnetz für die fahrzeugeigenen Verbraucher wie Pumpen, Lüfter und Lampen. Hinter den elektrischen Generatoren befinden sich die Hilfsbetriebe, beispielsweise der Fahrmotorlüfter, der Kompressor der Bremsanlage und der Hauptschaltschrank. Auch der Dampfheizkessel mit einer verfügbaren Dampfmenge von 790 Kilogramm pro Stunde ist hier untergebracht. Unter dem Lokkasten zwischen den Drehgestellen sind der Dieselkraftstofftank mit einem Fassungsvermögen von 2270 Litern, der Batteriekasten und die Vorratsbehälter für die Dampfheizanlage sowie die Saug- und Druckluftbremse untergebracht. Das Fahrzeug kann mit der direkt wirkenden Druckluftbremse, der indirekt wirkenden Druckluftbremse, der Saugluftbremse und einer Handbremse gebremst werden. Während die Saug- und Druckluftbremsen auf alle vier Radsätze wirken, bremst die Handbremse nur die jeweils innere Achse des Drehgestells.

Alle notwendigen Funktionen der Lokomotive können über die elektropneumatische Doppeltraktionssteuerung ferngesteuert werden.[2] Die Lokomotiven können eine Anfahrzugkraft von 190 kN aufbringen und erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h (80 mph).[4]

Erhaltene Fahrzeuge

Originalnummer TOPS-Nummer Indienststellung Ausmusterung Verbleib
D5300 26007 Jul. 1958 Okt. 1993 Network Rail
D5301 26001 Sep. 1958 Okt. 1993 Caledonian Railway
D5302 26002 Okt. 1958 Okt. 1992 Strathspey Railway
D5304 26004 Okt. 1958 Nov. 1992 Nemesis Rail
D5310 26010 Jan. 1959 Dez. 1992 Llangollen Railway
D5311 26011 Jan. 1959 Nov. 1992 Nemesis Rail
D5314 26014 Jan. 1959 Okt. 1992 Caledonian Railway
D5324 26024 Mai 1959 Okt. 1992 Bo’ness and Kinneil Railway
D5325 26025 Mai 1959 Okt. 1993 Strathspey Railway
D5335 26035 Jul. 1959 Dez. 1992 Caledonian Railway
D5338 26038 Aug. 1959 Okt. 1992 Bo’ness and Kinneil Railway
D5340 26040 Sep. 1959 Dez. 1992 Waverley Route Heritage Association
D5343 26043 Okt. 1959 Jan. 1993 Gloucestershire Warwickshire Railway
Quellen:[3][7][8]

Fotos

Einzelnachweise

  1. British Railways Board – Vehicle Diagram Book Nr. 100 – Main Line Diesel Locomotives. (PDF) S. 66, 68, abgerufen am 17. Oktober 2022 (englisch).
  2. a b c d Complete BR Locomotive Database 1948–1997 – 26 Bo-Bo. Abgerufen am 17. Oktober 2022 (englisch).
  3. a b Complete BR Locomotive Database 1948–1997 – 26 Bo-Bo. Abgerufen am 17. Oktober 2022 (englisch).
  4. a b c d BRCW Type 2 - Class 26 and 27. Abgerufen am 17. Oktober 2022 (englisch).
  5. British Rail Class 26 Dieselelectric Locomotive. Abgerufen am 17. Oktober 2022 (englisch).
  6. Complete BR Locomotive Database 1948–1997 – 26 Bo-Bo. Abgerufen am 17. Oktober 2022 (englisch).
  7. British Railways Board – Vehicle Diagram Book Nr. 100 – Main Line Diesel Locomotives. (PDF) S. 14, abgerufen am 17. Oktober 2022 (englisch).
  8. BRCW Type 2 - Class 26 and 27. Abgerufen am 17. Oktober 2022 (englisch).