Fort du Camp-des-Romains

Fort du Camp-des-Romains

Der Eingang zum Fort du Camp-des-Romains
in der Zwischenkriegszeit

Daten
Architekt Raymond Adolphe Séré de Rivières
Baustil Festung
Baujahr 1881 – 1891
Koordinaten 48° 52′ 34″ N, 5° 32′ 18″ O

Das Fort du Camp-des-Romains, auch Fort Victor oder von deutschen Fort Römerlager genannt, ist ein französisches Fort in der Gemeinde Saint-Mihiel an der Maas und war während des Ersten Weltkrieges Schauplatz für schwere Gefechte.

Geschichte

Südlich von Saint-Mihiel liegt ein kleines Vorgebirge mit dem Namen Camp de César. Dieses erstreckt sich über eine Fläche von 19 Hektar. Die Truppen des Römischen Reiches hatten dort ein kleines Garnisonslager errichtet, welches von einer zwei Meter hohen Mauer mit einem vorgelagerten Graben umgeben war. Um in das Lager zu gelangen, gab es an allen vier Seiten je einen Eingang. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870 gingen Elsass und Lothringen an das Deutsche Kaiserreich über. Damit ein Angriff von dort nicht noch einmal gelingen konnte und die deutschen Truppen effektiver aufgehalten werden konnten, entwarf der französische General Raymond Adolphe Séré de Rivières einen Grenzverteidigungsplan. Infolge dessen wurden zum Schutz der Grenze Forts und Festungen errichtet.

Damit wurde der Umbau des kleinen Garnisonslager ab dem 10. Februar 1874 zu einem befestigten, aus Mauerwerk bestehenden Fort, befohlen. Am 1. November 1875, als das endgültige Konzept genehmigt wurde, wurde mit dem Bau begonnen. Mithilfe von vielen zivilen Arbeitskräften aus der näheren Umgebung, vor allem aus dem Ort Saint-Mihiel, gingen die Bauarbeiten recht zügig voran. Im Mai 1878 war Fort im Grunde fertiggestellt und hatte die angeschlagenen zwei Millionen Franc um 500.000 Franc unterschritten. In Erinnerung an das römische Garnisonslager wurde das Fort in Fort du Camp-des-Romains genannt.[1]

Mit einem Dekret vom 21. Januar 1887 benannte der damalige Kriegsminister Georges Boulanger alle Festungen, Batterien und Kasernen nach ehemaligen Militärführern um. Das Fort du Camp-des-Romains wurde zu Ehren des Maréchal d’Empire Claude-Victor Perrin das Fort in Fort Victor umbenannt. Der Name wurde in den Giebel des Eingangs eingraviert. Am 13. Oktober 1887 hob der nachfolgende Kriegsminister Théophile Ferron das Dekret zur Umbenennung wieder auf und das Fort erhielt seinen alten Namen zurück. Victor blieb dennoch weiterhin im Giebel eingraviert.

Lage und Aufbau

Das Fort befindet sich circa 2 km südlich von Saint-Mihiel und ist auf einem Vorsprung 380 m über der Maas gelegen. Aufgrund der erhöhten Lage wurde das Fort als nur durch Aushungern einnehmbar gepriesen, im späteren Verlauf verlor es jedoch den Status eine Sperrfort und war nur noch als Unterstützungsfort gedacht. Das neu gebaute Fort bot Platz für 21 Offiziere, 46 Unteroffiziere und 765 Mannschaften, also insgesamt 832 Soldaten. Innerhalb gab es ein Lazarett, welches 50 liegende Patienten versorgen konnte.[1]

Das Fort hatte die Form einer ungleichmäßigen, vierseitigen Redoute. Im Westen befand sich das Hauptportal. Daran anschließend, rechts und links, befanden sich zwei Geschützbatterien für indirektes Feuer. Die Hauptfront des Forts war in Richtung Osten und Nordosten ausgelegt. Der obere Wall überragte das Glacis um zehn Meter und diente der infanteristischen Verteidigung. Der Hauptwall erhielt Remisen für die Aufnahme von Geschützen. Um die zentral gelegene Kaserne befanden sich neun Geschützstellungen, welche bei Ausbruch des Krieges nicht mehr vollständig besetzt waren. Die Wände hatten eine Stärke von 90 cm bis 1,10 m. Der Erdaushub auf dem Fort betrug bis zu 5 m. Der das Fort umgebene Graben hatte eine Breite von 12 m und eine Tiefe von 8 m. Die außenliegende Grabenmauer wurde durch einen massiven Metallzaun gesichert.[1]

Zwischen den Festungen von Verdun und Toul sollten das Fort du Camp-des-Romains und das Fort Fort des Paroches die Verbindung aufrecht erhalten und die Stadt Saint-Mihiel schützen. Nachdem das Fort fertiggestellt war, ergaben sich einige, unerwartete Probleme. So bestand mit dem südlich gelegenen Fort Liouville durch den Wald Bois d’Ailly keine direkte Sichtverbindung. Auch das Sichtfeld aus der erwarteten Hauptangriffsrichtung nach Osten und Nordosten war sehr schlecht.

Mitte der 1880er Jahr wurde die Brisanzmunition entwickelt, welche aus Mauerwerk bestehende Forts und Festungen nicht mehr standhalten konnten. Dennoch wurde das Fort nie großflächig durch Beton verstärkt oder anderweitig aufgerüstet.[2] Neu hinzu kam in den Jahren 1889 und 1890 eine Telefonanlage für die interne Kommunikation und ein kaverniertes Munitionsdepot. Weitere geplante Modernisierungen um das Jahr 1909 wurden nicht durchgeführt.[1]

Bewaffnung

Insgesamt befanden sich vor dem Ersten Weltkrieg 38 Geschütze im Fort. Dazu zählten zehn 12-cm-Geschütze für indirektes Feuer und zehn 9-cm-Geschütze auf Lafette für die Verteidigung des Walls, vier Mörser sechs Festungs-Maschinengewehre für die Nahverteidigung, vier Revolverkanonen und vier 12-cm-Granatkanonen für die Sicherung der Gräben. Zwei geplante Panzerkasematten wurden nicht mehr errichtet. Somit war keines der Geschütze gepanzert oder anderweitig stark geschützt.[2]

Erster Weltkrieg

Als im Jahr 1914 der Erste Weltkrieg begann, startet der deutsche General Erich von Falkenhayn einen Wettlauf zum Meer. Dabei wollte er im Handstreich den den Frontbogen um Verdun zerschlagen, schließen und weiter vorrücken. Am 22. September 1914 gelang es den Truppen unter General Hermann von Strantz innerhalb weniger Tage die Maashöhen zu erreichen. Am 24. September konnten die deutschen Truppen einen kleinen Frontvorsprung sichern und die Ortschaft Saint-Mihiel erobern.

Noch am gleichen Tag begann das Königlich Bayerisches 11. Infanterie-Regiment „von der Tann“ unter Generalmajor Baron Ludwig von Tautphoeus mit einem Angriff auf das Fort. Da der französische General Joseph Joffre zahlreiche Infanterie-Truppen zwischen den Forts abgezogen hatte, gab es keine Infanterie mehr für die Nahverteidigung um die Forts herum. Das Fort selber war zu der Zeit mit 482 Soldaten und 31 Zivilisten besetzt. Dazu gehörten der Kommandant Oberstleutnant David Grignot, sechs Offiziere, 205 Infanteristen des französischen 166. Infanterie-Regiments, 220 Angehörige des französischen 155. Fußartillerie-Regiments, 50 Pioniere und Unterstützter, 30 zivile Arbeitskräfte und die Kantinenwirtin.[1] Dennoch gelang es den Verteidigern, den Angriff zurückzuschlagen. Da es aber keine Verbindung zu andern Forts oder Vorgesetzten gab, konnten sie nicht auf Deckungsfeuer aus dem Hinterland, dem nördlichen Fort Paroches oder dem südlichen Fort Liouville rechnen.[1]

Im weiteren Verlauf wurde das Königlich Bayerisches 11. Infanterie-Regiment „von der Tann“ durch die 6. Infanterie-Brigade und Teilen des 16. Pionier-Regiments verstärkt. Zusätzlich hatten die deutschen Angreifer Unterstützung durch die schwere 28-cm-Haubitze L/12 i. R. und einem 30,5-cm-M.11-Mörser, welcher bereits beim Angriff auf das Fort Troyon zum Einsatz kam.[3][4]

Am 25. September 1914, um 5:30 Uhr, erfolgte der Angriff mit acht Sturmgruppen. Drei griffen aus dem Norden, drei von Südosten und zwei von Oster her an. Vorher durchgeführtes Artilleriefeuer durchbrach die Stacheldrahtverhaue. Der Angriff ging schnell voran und es dauerte nicht lang, bis die ersten deutschen Truppen auf dem Fort standen. Alle Öffnungen wurden mit Sprengstoff und Rauchgranaten angegriffen um die Verteidiger zum aufgeben zu zwingen. Drei Stunden nach dem Beginn des Angriffs, um 8:30 Uhr, schwenkten die Verteidiger die weiße Flagge und übergaben das Fort. Kurz darauf wehten die Truppenfahnen des 6. und 11. Infanterie-Regiment auf dem Fort.[3][4]

Insgesamt 50 Verteidiger waren getötet oder verwundet worden. Die deutschen Angreifer hatten 73 Verwundete zu beklagen und verloren 23 Soldaten, darunter einen Kommandeur. Die zwischen dem deutschen Baron von Tautphoeus und dem französischen Oberstleutnant Grignot unterzeichnete Kapitulationsurkunde enthielt die nachfolgenden Bedingungen:

„Die Garnison ist Kriegsgefangener; Offiziere aller Ränge behalten ihre Säbel und ihr Gepäck; die Mannschaften behalten ihre Rucksäcke; die Garnison verlässt das Fort mit militärischen Ehren; und die Kranken werden gemäß den Bestimmungen der Genfer Konvention behandelt.“

Unter der deutschen Besatzung wurde das Fort zu einem Beobachtungsposten umgebaut und als Frontkeil befestigt. So entstanden verschiedenste Periskopstände für Artilleriebeobachter, neue Unterkunftsbereiche und Artilleriestellungen.[1] Die französischen Truppen versuchten während des gesamten Krieges, das Gebiet zurück zu gewinnen und lieferten sich das gesamte Jahr 1915 über schwere Gefechte in dem Gebiet. Doch alle Angriff scheiterten. Das Gebiet vom Bois d’Ailly bis zum Bois le Prêtre hatte damals den traurigen Rekord der meisten Leichen auf dem Boden. Die Deutschen nannten den Frontabschnitt deshalb auch die Hölle von Ailly. Bis zur Rückeroberung durch US-amerikanische Truppen am 13. September 1918 blieb das Fort und die Ortschaft Saint-Mihiel in deutscher Hand.[2] Das schwer beschädigte Forts wurde nach dem Ersten Weltkrieg nicht wieder aufgebaut oder anderweitig genutzt.

Nachkriegszeit bis heute

Bis in die 1990er Jahre lag das Fort ungenutzt und dem Verfall preisgegeben dar. Dann versuchte eine französische Initiative, das Fort für touristische Zwecke zu erschließen. Nach kurzer Zeit wurden die Arbeiten jedoch eingestellt, da man den Ausmaß der Zerstörung und den Aufwand einer Zugänglichkeit unterschätzt hatte. Seit dem ist das Fort der Natur überlassen worden. Zwischenzeitlich wurden Sicherungsmaßnahmen durchgeführt, wobei das westliche Hauptportal gesprengt und die von deutschen Truppen angelegten Tunnelanlagen mit Metallgittern versehen wurden.[1]

Heute ist das Fort Eigentum des Verteidigungsministerium und wird lediglich vereinzelt für Jäger zugänglich gemacht. Dennoch ist das Betreten des Geländes strengstens verboten.

Commons: Fort du Camp-des-Romains – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Paul Henrici, Wilhelm Haenichen: Ehrenbuch der Deutschen Pioniere. Berlin 1931 (scribd.com).
  • Georg Lang: Das 6. bayerische Infanterie-Regiment im Weltkrieg. Kallmünz 1924 (scribd.com).
  • Reichsarchiv: Schlachten des Weltkrieges Bans. Osprey, Oxford 2007, ISBN 978-1-84603-114-4.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Morthomme: Fort Römerlager - Fort du Camp des Romains. (Fort Römerlager).
  2. a b c Mairie de Saint-Mihiel: Historische Stätten und Denkmäler. (Das Fort „Camp des Romains“).
  3. a b Georg Lang: Das 6. bayerische Infanterie-Regiment im Weltkrieg. S. 42–48.
  4. a b Paul Henrici, Wilhelm Haenichen: Ehrenbuch der Deutschen Pioniere. S. 106–115.