Wingersdorf (Frensdorf)
Wingersdorf Gemeinde Frensdorf
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|---|---|
| Koordinaten: | 49° 47′ N, 10° 52′ O |
| Höhe: | 260 (260–278) m ü. NHN |
| Einwohner: | 145 (1. Jan. 2024)[1] |
| Postleitzahl: | 96158 |
| Vorwahl: | 09502 |
Luftbild (2024)
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Wingersdorf (mundartlich: Wingärschdäff) ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Frensdorf im Landkreis Bamberg (Oberfranken, Bayern).[2] Wingersdorf liegt in der Gemarkung Herrnsdorf.[3]
Geografie
Das Dorf liegt auf freier Flur am linken Ufer der Reichen Ebrach und am Erlenbach, der dort in die Reiche Ebrach mündet. Durch den Ort verläuft die Bahnstrecke Strullendorf–Ebrach. Die Staatsstraße 2260 führt nach Sambach (1,6 km südwestlich) bzw.an Lonnershof vorbei nach Herrnsdorf (1,8 km nordöstlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt zur Kreisstraße BA 24 (1,8 km südlich).[4]
Geschichte
Der Ort wurde im Jahr 1109 als „Winegeresruit“ erstmals urkundlich erwähnt. 1278 wurde der Ort „villula Wingersdorf“ genannt, wohl eine Angleichung an die umgebenden ‚-dorf‘-Orte. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Winiger.[5]
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Wingersdorf aus 19 Anwesen. Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Bechhofen aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Amt Bechhofen. Grundherren waren:
- die bambergische Verwaltung Frensdorf: 1 Gülthof;
- das Domkapitel Bamberg: 1 Gut, 1 Sölde;
- das Kollegiatstift St. Jakob zu Bamberg: 1 Haus;
- das Kloster Michelsberg: 1 Wirtshaus, 1 Gut, 2 Sölden;
- das Kloster St. Klara zu Bamberg: 1 Sölde;
- die Pfarrei Hirschaid: 1 Gülthof;
- die Zollner von Brand: 1 Tropfhaus;
- die schönborn’sche Herrschaft Pommersfelden: 5 Sölden;
- die Nürnberger Patrizier Löffelholz von Colberg: 1 Haus;
- die Gemeinde selbst: 1 Hirtenhaus, 2 Häuser.[6]
Der Ertrag an Getreide, Heu und Holzwuchs galten als sehr gut.[7]
Im Jahre 1802 kam Wingersdorf an das Kurfürstentum Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1811 der Steuerdistrikt Wingersdorf gebildet, zu dem Winkelhof gehörte. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde Wingersdorf der Ruralgemeinde Herrnsdorf zugewiesen.[8] Am 1. Mai 1978 wurde Wingersdorf im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Frensdorf eingemeindet.[9]
Baudenkmäler
In Wingersdorf gibt es vier Baudenkmäler:[10]
- Kapelle St. Bartholomäus
- Haus Nr. 12: Kleintierstall, Holzlege, Scheune und Nebengebäude eines ehemaligen Bauernhofes
- Haus Nr. 21: Kruzifix
- Haus Nr. 24a: Bauernhaus
Das Schlösschen
Die Geschichte des Hofes, der auch unter dem Namen Wingersdorfer Schlösschen bekannt ist, reicht bis 1109 zurück, die Grundherren und Besitzer sind bis zum Jahr 1352 bekannt. Die Glanzzeit begann mit dem Verkauf an den Bamberger Buchhändler Tobias Göbhardt am 26. Oktober 1778 für 2800 Gulden. Göbhardt, der sich sein Geld seit 1764 auch als Nachdrucker verdiente und deswegen auf der Leipziger Messe bekannt war, bekleidete ab 1770 öffentliche Ämter, wie Polizei-Gerichtsassessor und Stadtrat. Er baute in den Jahren 1778/1779 auf dem Areal des Gutshofes ein das ganze Tal dominierendes Gebäude.
Nach seinem Tod verblieb das Schlösschen noch bis 1799 im Besitz der Familie Göbhardt, die es später an zwei Mitglieder der Familie Winkler von Mohrenfels veräußerte. Nach häufigen Besitzerwechseln gelangte das Göbhardt’sche Landhaus in das Eigentum der Familie Burkard.
Silvester 1995 schlug eine Feuerwerksrakete in das leerstehende Schlösschen ein. Der entstandene Brand zerstörte den Dachstuhl, das Löschwasser hinterließ Spuren. Da im ersten Stock Stroh lagerte und die Gefahr des Wiederaufflammens von Feuernestern im Stroh bestand, wurden Teile der Umfassungsmauern abgebrochen, um das Stroh leichter ins Freie befördern zu können. Der Eigentümer war nicht gewillt und in der Lage, die Brandruine zu retten, und so gab der Gemeinderat die Zustimmung zum Abbruch des barocken Gebäudes im Jahr 2002.
Einwohnerentwicklung
| Jahr | 1818 | 1861 | 1871 | 1885 | 1900 | 1925 | 1950 | 1961 | 1970 | 1987 | 2024 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 116 | 125 | 117 | 156 | 133 | 136 | 176 | 123 | 124 | 148 | 145 |
| Häuser[11] | 26 | 23 | 23 | 23 | 25 | 24 | 30 | ||||
| Quelle | [8] | [12] | [13] | [14] | [15] | [16] | [17] | [18] | [19] | [20] | [1] |
Religion
Wingersdorf ist römisch-katholisch geprägt und war größtenteils nach St. Antonius Abbas (Sambach) gepfarrt, mit Ausnahme der Anwesen des Klosters Michelsberg, die bis ins 19. Jahrhundert hinein nach St. Jakobus der Ältere (Herrnsdorf) gepfarrt waren.[21] Heute ist der gesamte Ort nach Sambach gepfarrt.[18]
Literatur
- Johann Kaspar Bundschuh: Wingersdorf. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 6: V–Z. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1804, DNB 790364328, OCLC 833753116, Sp. 263–264 (Digitalisat).
- Norbert Haas: Tobias Goebhardt (1734–1794), Buchhändler zu Bamberg, und die Geschichte seines Besitztums zu Wingersdorf (1352–1996), Selbstverlag, Bamberg 1998. (DNB 961506830)
- Peter Schneider: Der Steigerwald in der Gesamtschau. Stürtz, Würzburg 1958, DNB 454428790, OCLC 1070929849, S. 209–210.
- Hildegard Weiß: Stadt- und Landkreis Bamberg (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken. I, 21). Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1974, ISBN 3-7696-9884-3.
Weblinks
- Wingersdorf in der Ortsdatenbank von bavarikon, abgerufen am 23. November 2025.
- Wingersdorf in der Topographia Franconiae der Uni Würzburg, abgerufen am 23. November 2025.
- Wingersdorf im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie, abgerufen am 23. November 2025.
Fußnoten
- ↑ a b Zahlen, Daten, Fakten. In: frensdorf.de. Abgerufen am 23. November 2025.
- ↑ Gemeinde Frensdorf, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 22. Dezember 2024.
- ↑ Webkarte. ALKIS®-Verwaltungsgrenzen - Gemarkungen. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 23. November 2025.
- ↑ Ortskarte 1:10.000. Darstellung mit Schummerung. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 23. November 2025 (Entfernungsangaben entsprechen Luftlinie).
- ↑ P. Schneider: Steigerwald, S. 209f.
- ↑ H. Weiß: Bamberg, S. 186. Dort werden abweichend 20 Anwesen als Gesamtzahl angegeben.
- ↑ J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 6, Sp. 264.
- ↑ a b H. Weiß: Bamberg, S. 246f.
- ↑ Frensdorf > Politische Einteilung. In: wiki.genealogy.net. Verein für Computergenealogie, abgerufen am 23. November 2025.
- ↑ Denkmalliste für Frensdorf (PDF) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
- ↑ Es sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 und von 1885 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet.
- ↑ Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, OCLC 457951812, Sp. 836, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
- ↑ Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, OCLC 183234026, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen vom 1. Dezember 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1006, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
- ↑ K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, OCLC 1367926131, Abschnitt III, Sp. 952 (Digitalisat).
- ↑ K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, DNB 361988931, OCLC 556534974, Abschnitt II, Sp. 996 (Digitalisat).
- ↑ Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, DNB 361988923, OCLC 215857246, Abschnitt II, Sp. 1017 (Digitalisat).
- ↑ Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, OCLC 183218794, Abschnitt II, Sp. 876 (Digitalisat).
- ↑ a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, OCLC 230947413, Abschnitt II, Sp. 645 (Digitalisat).
- ↑ Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, OCLC 220710116, S. 146 (Digitalisat).
- ↑ Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, OCLC 231287364, S. 289 (Digitalisat).
- ↑ H. Weiß: Bamberg, S. 186.