Reinthal (Garmisch-Partenkirchen)
Reinthal Markt Garmisch-Partenkirchen
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| Koordinaten: | 47° 27′ N, 11° 7′ O |
| Höhe: | 958 m ü. NHN |
| Einwohner: | 0 (2025)[1] |
Reinthal mit Kapelle von Süden
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Reinthal (auch Reintal, Rainthal, Raintal) ist ein Gemeindeteil des oberbayerischen Markts Garmisch-Partenkirchen. Bis 1978 gehörte er zur dann aufgelösten Gemeinde Wamberg.
Lage
Die Einöde liegt etwa fünf Kilometer Luftlinie südlich vom Hauptort, die Fahrtstrecke über den Hohen Weg ist etwa sieben Kilometer lang. Vier Kilometer südlich befindet sich die Staatsgrenze zu Österreich.
Der Ort liegt im Reintal ca. 300 Meter links und 100 Höhenmeter oberhalb der Partnach zwischen der Einmündung von Bodenlaine und Sulzgraben. Westlich befindet sich das Kreuzjoch (1719 m ü. NHN und höchster Punkt des Kreuzecks) und an dessen Ostflanke der Antoniwald, direkt gegenüber erhebt sich der Schindeltalschrofen (1124 m ü. NHN). Reinthal liegt im Landschaftsschutzgebiet LSG-00281.01 Wettersteingebiet einschließlich Latschengürtel bei Mittenwald.[2]
Der Ort besteht aus dem Hauptgebäude, einem Nebengebäude und einer etwas weiter südlich gelegenen Kapelle.
Geschichte
Die Einöde Reinthal ist 1583 erstmals urkundlich erwähnt und gehörte zunächst zum Landgericht Mittenwald. 1743 kam der Hof in den Besitz von St. Anton.[3][4]
1880 kaufte der Berliner Hof- und Domprediger Adolf Stoecker das Anwesen. Er ließ 1897 ca. 80 m nördlich und 15 Höhenmeter oberhalb des Hofs ein Frauen-Hospiz errichten, das von Mai bis September betrieben wurde. Es wurde 1906 durch ein weiteres Gebäude erweitert.[4]
Nach dem Tod Stoeckers gingen Hof und Hospiz an seine Nichte und Pflegetochter Elisabeth Mumm und deren Mann Reinhard Mumm über. Sie führten das Hospiz weiter und öffneten es für Männer. Von 1922 bis 1923 war das Hospiz Eigentum der Familie von Bülow. Anschließend erwarb es Georg Frey aus Dillingen an der Donau, der es als „Gaststätte und Pension Raintal“ weiterbetrieb, bis am 30. September 1925 – wohl durch Blitzschlag – ein Feuer ausbrach, durch das das Gebäude vollständig zerstört wurde. Im April 1926 begann der Wiederaufbau „nach Südtiroler Art mit Arkaden und Veranden, einem flachen Schieferwalmdach und um das Haus herumlaufenden Balkonen“.[4] Der Betrieb öffnete unter dem Namen „Alpenhotel Raintaler Hof“. 1927 oder 1929 verkaufte Frey das Hotel an die Ortsverwaltung München des Deutschen Metallarbeiter-Verbands (DMV), der es als Erholungsstätte für seine Mitglieder nutzte.[4]
Nachdem der DMV 1934 infolge der Machtergreifung der Nationalsozialisten zwangsaufgelöst worden war, ging das Hotel in den Besitz der neuen Einheitsorganisation Deutsche Arbeitsfront über, die es für ihre Mitglieder nutzte.[5] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Hotel dem neu gegründeten Bayerischen Gewerkschaftsbund übergeben und schließlich 1952 zurück an die Nachfolgeorganisation des DMV, die IG Metall. Letztere baute das Gebäude um und errichtete Anfang der 1960er-Jahre einen Anbau.[6]
Der alte Bauernhof blieb zunächst im Besitz der Familie Mumm und wurde erst nach dem Tod Reinhard Mumms 1933 an die Bayerische Forstverwaltung verkauft, die ihn verpachtete.[4] Nachdem die letzten Pächter den Hof verlassen hatten, verkaufte ihn die Forstverwaltung 1959 an den Eigentümer des benachbarten Hotels, die IG Metall. Er diente noch vereinzelt Arbeitern als Unterkunft, bis er 1963 wegen Baufälligkeit abgebrochen wurde.[6]
Die Kapelle war wie der Hof mit der Zeit so baufällig geworden, dass man sie 1965 abtrug und an anderer Stelle aus denselben Steinen wieder errichtete.[6]
In dieser Zeit plante der Skifahrer Walter Clausing, ein Skigebiet am Stuibensee und Grieskar einzurichten. Dafür sollte am Reinthaler Hof ein Parkplatz entstehen. Die Idee wurde jedoch nicht verwirklicht.[6]
Im Oktober 1982, nach Jahrzehnten des erfolgreichen Betriebs, wurde das Erholungsheim Reintaler Hof geschlossen. Ausschlaggebend dafür waren neben sinkender Nachfrage die hohen Unterhaltungskosten für die Gebäude und insbesondere den Zufahrtsweg. Vor der Schließung wurden noch umfangreiche Renovierungen vorgenommen, um das Haus besser verkaufen zu können, was jedoch nicht gelang.[6] Noch im selben Jahr kam es immer wieder zu Einbrüchen und Plünderungen, woraufhin die Türen und Fenster einbruchssicher verschlossen wurden.[7] Nach Jahrzehnten des Leerstands erwarben 2007 drei Garmisch-Partenkirchener Familien das Areal und führten kleinere Instandsetzungsmaßnahmen durch. Sieben Jahre später verkauften sie es an einen anderen Einheimischen.[8]
2019 kaufte ein Dresdener Investor das Anwesen[8] und begann 2020 mit umfangreichen Instandsetzungs- und Umbaumaßnahmen.[9]
Einwohnerentwicklung
| Jahr | Einwohner[1] |
|---|---|
| 1871 | 9 |
| 1925 | 13 |
| 1950 | 17 |
| 1961 | 6[10] |
| 1970 | 12 |
| 1987 | 0 |
Literatur
- Reintal-Hospiz. Wegweiser durch die Umgebung. 2. Auflage. Westdeutsche Verlagsanstalt, Siegen 1913.
Weblinks
- Reinthal in der Ortsdatenbank von bavarikon.
- Private Website über die Reinthal
Einzelnachweise
- ↑ a b Reinthal in der Ortsdatenbank von bavarikon, abgerufen am 12. Oktober 2025..
- ↑ BayernAtlas. Abgerufen am 5. Januar 2026.
- ↑ Margot Schäfer: Das Ende eines Dornröschenschlafs. In: Garmisch Partenkirchener Tagblatt. 2007 (PDF; 330 kB [abgerufen am 12. Oktober 2025]).
- ↑ a b c d e Hannes Sieber: Der Reintalerhof. Abschnitt 1: Von den ersten Quellen bis 1933. In: reintalerhof.de. 1. Februar 2025, abgerufen am 12. Oktober 2025.
- ↑ Hannes Sieber: Der Reintalerhof. Abschnitt 2: Dunkle Zeiten von 1933 bis 1945. In: reintalerhof.de. 5. Juni 2024, abgerufen am 12. Oktober 2025.
- ↑ a b c d e Hannes Sieber: Der Reintalerhof. Abschnitt 3: Neue Blütezeit und das Ende. 1945 bis 1982. In: reintalerhof.de. 5. August 2024, abgerufen am 12. Oktober 2025.
- ↑ Hannes Sieber: Der Reintalerhof. Abschnitt 4: Von 1983 bis 2016. In: reintalerhof.de. 8. Januar 2025, abgerufen am 12. Oktober 2025.
- ↑ a b Hannes Sieber: Der Reintalerhof. 10. März 2025, abgerufen am 12. Oktober 2025.
- ↑ Hannes Sieber: Der Reintalerhof. Abschnitt 5: Von 2017 bis 2024. In: reintalerhof.de. 31. Dezember 2024, abgerufen am 12. Oktober 2025.
- ↑ Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. München 1964, Spalte 102 (Digitalisat, abgerufen am 12. Oktober 2025).