Kainzenbad
Markt Garmisch-Partenkirchen
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| Koordinaten: | 47° 29′ N, 11° 8′ O |
| Höhe: | ca. 727 m ü. NHN |
| Einwohner: | 62 (1950)[4] |
| Postleitzahl: | 82467 |
| Vorwahl: | 08821 |
Das Kainzenbad, 2024
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Kainzenbad ist ein Gemeindeteil des Marktes Garmisch-Partenkirchen im gleichnamigen Landkreis. Die Siedlung liegt an der Mittenwaldbahn, in der Luftlinie 2,4 km südöstlich des Bahnhofs Garmisch-Partenkirchen.
Ortsbeschreibung
Die Ursprünge des Kainzenbads liegen in einem Naturheilbad, das wohl bereits in der Frühen Neuzeit genutzt wurde und das heute noch als Freibad genutzt wird. Westlich des Bads befinden sich das Olympia-Skistadion und eine Sommerrodelbahn. Unmittelbar südlich schließt der Fußballplatz des VTA Garmisch-Partenkirchen und – südlich davon – ein Motorrad-Trail-Gelände an. Östlich des Bads folgen neben einem Parkplatz das Gelände des Eisstockclubs Partenkirchen, einige Wohngebäude und schließlich das Klinikum Garmisch-Partenkirchen.
Naturbad
Theodor Trautwein erwähnte 1865 in seinem Wegweiser durch Südbaiern… dass die schwefelhaltige Quelle mit Bad- und Logierhaus auch das „Bad der bleichen Jungfern“ genannt wurde.[5] Sie wurde schon lange, mindestens aber seit dem letzten Viertel des 16. Jahrhunderts als Bad genutzt.[6] Im Jahr 1860 nahmen dort 334 Personen 1576 Bäder, wobei bei 160 Badenden ein Heilerfolg beobachtet wurde.[7] Am 1. Mai 1868 wurden das Kurhaus mit der Schwefelquelle, Heizapparat, Wasserleitung, Wasserreserve, Ökonomiegebäude, Gärten, englischen Anlagen sowie die sogenannte Branntwein- und Essigfabrik in baufälligem Zustand und dem Weiher zwangsversteigert.[8]
Professor Ditterich von der Universität München empfahl die Kainzenbad-Quelle 1869 gegen Gicht, Hämorrhoiden, Anschoppungen (vermehrte Ansammlung von Blut in den Kapillaren), Verhärtungen des Unterleibes, Frauenkrankheiten, Skropheln (Halsdrüsengeschwülste), Hautkrankheiten jeder Art, Schleimflüsse, Rheumatismus, Syphilis, Hysterie, Nervenleiden, alte Geschwüre und Wunden, Lähmungen, Leberverhärtungen, chronische Katarrhe und Magenkrämpfe.[9]
Das Bad wird spätestens seit 1928 als Freibad betrieben.[10] Seit 2017 sind die Gemeindewerke für den Betrieb des Kainzenbads zuständig, während der Erhalt weiterhin dem Markt obliegt.[11] Da das Wasser ständig durch den Gebirgsbach Kanker erneuert wird, liegt die Wassertemperatur im Sommer meist bei 18 bis 22 °C. Auf dem 34.000 m² großen Grundstück gibt es neben dem Naturwasserbecken einen Sprungturm, zwei Wasserrutschen, Beachvolleyballplätze, einen Tischtennisplatz und eine große Spielwiese sowie ein Kinderbecken, einen großen Sandkasten und Kinderschaukeln.[10]
Kurhotel
Der Augsburger Handelsmann Johann Georg Pannholzer ließ 1776 das erste Badehaus als Kainzenbad errichten, Mineralmoor vom Boden des heutigen Schwimmbades ergänzte die Kurmittel.[12] Um 1848 betrieb Herr Braun im Kainzenbad ein Gasthaus mit 36 Zimmern, das samstags und im Sommer außerdem mittwochs mit einem Stellwagen vom Stiefelwirt in der Münchner Sendlinger Straße angefahren wurde. Dort konnten die Gäste ein Jodschwefel- oder Eisenbad, ein Salz- oder Schlammbad oder ein gewöhnliches Kaltwasser-Teichbad nehmen.[13]
Das neue Kurhotel Kainzenbad wurde 1850 nach Plänen des Architekten Anton von Braunmühl erbaut. Es wurde 1869 von A. Terne in seinem Büchlein Das Kainzenbad bei Partenkirchen im Bairischen Hochgebirge und seine Heilwirkungen wie folgt beschrieben:
„Die beiden Curhäuser des Kainzenbades sind vor zwanzig und einigen Jahren mit bedeutendem Kostenaufwand neu, solid und unter verständiger Berücksichtigung der Zwecke ihrer Bestimmung erbaut worden. Sie werden ringsum von Licht und Luft umspühlt, sind vollkommen trocken, von hellen geräumigen Corridors durchzogen und enthalten einen schönen großen Gesellschaftssaal. Die für die Curgäste bestimmten freundlichen Wohnzimmer bieten die reizendsten Aussichten auf Berg und Thal. Beide Häuser sind mit Balkons resp. Veranda versehen, um den Aufenthalt in freier Luft auch bei einfallendem Regenwetter zu ermöglichen.“
Olympia-Ort
1910 wurde der direkt vor dem Kurhaus gelegene Weiher (heute Eisstockschießplatz) erheblich vergrößert und durch Badehütten nutzbar gemacht. Die Gemeinde Partenkirchen erwarb 1928 das Gelände um den unteren Weiher und baute es 1934 zu einem modernen Schwimmbad mit einem 200 × 60 m großen Badebecken, einem Liegestrand, einer Liegewiese und einer Spielwiese aus.[14]
Motorrad-Trial-Gelände
Ein Geschicklichkeits-Parcour für Trial-Motorräder wird seit April 2010 in der Nähe des Karl-und-Martin-Neuner-Platzes auf dem Gelände am ehemaligen Zahlerlift hinter der Sommerrodelbahn betrieben.[15]
Haltepunkt
Der Haltepunkt Kainzenbad an der Bahnstrecke Innsbruck Westbahnhof–Garmisch-Partenkirchen wird seit dem 3. Juni 1984 nur noch für das Neujahrsspringen genutzt. Um ihn wieder fahrplanmäßig zu nutzen, wurde 2016 überlegt, einen neuen Bahnsteig südöstlich des alten Haltepunktes auf der anderen Seite der Gleise zu errichteten, um das Olympia-Skistadion und das Klinikum Garmisch-Partenkirchen besser zu erschließen.[16]
Die Bayerische Eisenbahngesellschaft, die Deutsche Bahn und das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr haben sich aber 2018 entschlossen, dass „[a]ufgrund fehlender Fahrzeitreserven … nicht alle Züge der Regionalbahnlinie Innsbruck–Mittenwald–Garmisch-Partenkirchen–München dort halten“ können. Daher wird eine von drei Voraussetzungen – die stündliche Taktung – für die Einrichtung einer Station nicht erfüllt. Weitere Untersuchungen, zum Beispiel zur Wirtschaftlichkeit des Projektes, blieben in der Folge aus.[17]
Kainzenbadstraße
In der Kainzenbachstraße gibt es mehrere baugeschichtlich interessante Gebäude, z. B. den ehemaligen Flügelbau des Klinikums in der Kainzenbadstraße 12 uns das alte Bauernhaus in der Kainzenbadstraße 30.
Bevölkerungsentwicklung
Um 1875 gab es in Kainzenbad vier Einwohner in drei Gebäuden, die sich um drei Pferde und vier Rinder kümmerten.[18] In der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs stieg die Bevölkerungszahl bis 1950 auf 62 Einwohner an. Spätestens seit 1970 wird die Bevölkerungszahl nicht mehr gesondert erfasst, da der Gemeindeteil mit Garmisch-Partenkirchen verbunden ist.
| Jahr | 1875[18] | 1925[19] | 1950[4] | 1970[20] | 1987[21] |
| Einwohner | 4 | 25 | 62 | mit GAP verbunden |
mit GAP verbunden |
Weblinks
- Kainzenbad (1871, 1950, 1970, 1987) in der Ortsdatenbank von bavarikon, abgerufen am 4. Januar 2026.
- Kainzenbad (1925) in der Ortsdatenbank von bavarikon, abgerufen am 4. Januar 2026.
Literatur
- Peter Schwarz: Das Kainzenbad. 400 Jahre Mineralbad bei Partenkirchen. Verein für Geschichte, Kunst- und Kulturgeschichte im Landkreis Garmisch-Partenkirchen e. V., 2017. DNB 1219468509.
Einzelnachweise
- ↑ Peter Schwarz: Das Kainzenbad. 400 Jahre Mineralbad bei Partenkirchen. Verein für Geschichte, Kunst- und Kulturgeschichte im Landkreis Garmisch-Partenkirchen e.V., 2017. DNB 1219468509.
- ↑ Vincenz Müller: Specielle Beschreibung der Heilquellen, Mineralbäder und Molkenkur-Anstalten des Königreichs Bayern : mit sechs lithographirten und einer xylographirten Badeansicht. (Digitalisat).
- ↑ Joseph Plank: Grundzüge einer Veterinär-Topographie von Baiern. 1825 (Digitalisat).
- ↑ a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, OCLC 183218794, Abschnitt II, Sp. 135 (Digitalisat).
- ↑ Theodor Trautwein (1833-1894): Wegweiser durch Südbaiern, Nordtirol und die angrenzenden Theile von Salzburg ; unter steter Rücksicht auf die praktischen Bedürfnisse des Touristen, insbesondere des Fusswanderers. Lindauer Verlag, 1865 (Digitalisat).
- ↑ Curt Michaelis: Das rationelle Reisen und die Gebirgsluft als Heilmittel, mit besonderer Berücksichtigung von Partenkirchen und Umgegend ; Mit einer Uebersichtskarte. Meinhold & Söhne, 1877 (Digitalisat).
- ↑ General-Bericht über die Sanitäts-Verwaltung im Königreich Bayern. 2. 1859/61. 1868 (Digitalisat).
- ↑ Königlich-bayerisches Kreis-Amtsblatt von Oberbayern. Beilage, 6. März 1868. Spalten 349–351 (Digitalisat).
- ↑ A. Terne: Kainzenbad bei Patenkirchen im bayrischen Hochgebirge. Schwäbischer Merkur, 5-6 1869 (Digitalisat).
- ↑ a b Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen: Kainzenbad.
- ↑ Tanja Brinkmann: Gemeindewerke übernehmen Kainzenbad. Münchner Merkur, 18. März 2017.
- ↑ Margot Schäfer: Heilwasser aus alpinem Muschelkalk. Merkur, 5. Mai 2009.
- ↑ Im Kainzenbad. Bayerische Landbötin. Jahrgang 19, 9. Mai 1848 (Digitalisat).
- ↑ Josef Ostler: Garmisch und Partenkirchen, 1850–1935. Der Olympia-Ort entsteht. Beträge zur Geschichte des Landkreises Garmisch-Partenkirchen, Band 8. Herausgegeben vom Verein für Geschichte, Kunst- und Kulturgeschichte im Landkreis Garmisch-Partenkirchen e.V., 2000.
- ↑ Trial-Team Garmisch-Partenkirchen: Informationen rund um den Trial-Sport.
- ↑ Wiederbelebung eines Bahnhalts. In: Merkur.de. 28. April 2016, abgerufen im Jahr 2016.
- ↑ Manuela Schauer: Auf dem Abstellgleis: Absage für Kainzenbad-Bahnhalt. Münchner Merkur vom 6. August 2018.
- ↑ a b Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern … Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. S. 226–227.
- ↑ Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern.
- ↑ Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, OCLC 220710116, S. 27 (Digitalisat).
- ↑ Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, OCLC 231287364, S. 99 (Digitalisat).