Kavallerie-Säbel M.61
| Kavallerie-Säbel M.61 | |
|---|---|
| Angaben | |
| Waffenart: | Säbel |
| Bezeichnungen: | Kavallerie-Säbel M.61 |
| Verwendung: | militärische Waffe |
| Entstehungszeit: | 1861 |
| Einsatzzeit: | 1861 – 1918 |
| Ursprungsregion/ Urheber: |
Österreich-Ungarn |
| Klingenlänge: | 840 mm |
| Klingenbreite: | 32,5 – 37 mm |
| Klingenstärke: | 8,7 mm |
| Gewicht: | 1080 g (Säbel) 875 g (Scheide) |
| Listen zum Thema | |
Der Kavallerie-Säbel M.61 ist eine Hieb- und Stichwaffe für Offiziere der Kavallerie der österreich-ungarischen Armee.
Geschichte
Im September 1859 bemängelten zahlreiche Kavallerieregimenter die ungenügende Haltbarkeit der Gussstahlsäbel, welche sich während des Sardinischen Krieges herausstellten. Als besonders zerbrechlich zeigte sich hierbei der Korb. Die General-Artilleriedirektion wollte dieses Problem durch die Verschärfung der Übernahmebedingungen lösen. Doch dies führte zu keiner Verbesserung. 1860 wurde die Qualität der Kavallerie-Säbel erneut bemängelt, diesmal allerdings durch den Kaiser persönlich. Der General-Artillerie-Direktor, der damalige Feldmarschallleutnant Erzherzog Wilhelm Franz Karl von Habsburg-Lothringen, versicherte dem Kaiser, dass die Abschaffung bereits eingeleitet wurde. Ein Nachfolgemodell war allerdings noch nicht gefunden und Mustersäbel der Firmen Jung und Jurmann waren zwar bestellt aber noch nicht geliefert.[1]
Im Juli 1861 wurde die Thematik erneut aufgegriffen, da noch immer keine Lösung gefunden war. Nun beschäftigte sich das Kriegsministerium mit diesem Problem. So wurde eine Kommission einberufen, welche über die Prinzipien des neuen Kavallerie-Säbels entscheiden sollte. Dabei wurde festgelegt dass:[1]
- die Klinge aus gegärbten Federstahl bestehen sollte
- der Griff und das Stichblatt sollten sich am Ulanensäbel orientieren
- der Schwerpunkt sollte nach vorn verlagert werden
- die Scheide sollte aus Stahlblech bestehen
Alte Gussstahlsäbel sollten geprüft, umgestaltet und an die Unteroffiziere, die nicht zu Kavallerie gehörten, ausgegeben werden. Der Gesamtbedarf an Kavalleriesäbeln wurde mit 55.076 Stück angegeben. Dabei sollten zwischen 14.683 schwere und 40.393 leichte Säbel unterschieden werden. 14.775 weitere Säbel sollten umgestaltet werden. Diese Vorschläge wurden vom Kaiser genehmigt, auch wenn es noch keine bindenden Konstruktionsmerkmale gab. Am 28. Juli 1861 wurde der neue Kavallerie-Säbel M.61 dennoch eingeführt. Die älteren, umgestalteten Säbel wurden als Säbel M.58/61 bezeichnet.[1]
Technische Daten
Den Kavallerie-Säbel M.61 gab es in der schweren und leichten Ausführung.[2] Der Schwere glich in Form und Dimension dem Mannschaftssäbel mit breiter Klinge. Hierbei unterschied er sich lediglich durch in das Metall außen am Korb eingravierte, geometrische Linien.[3] Die leichte Ausführung war mit einem schmaleren Korb und dünnerer Klinge ausgestattet. Sie ist vernickelt und besitzt einen beidseitigen Hohlschliff.[4]
Der Kavallerie-Säbel M.61 bestand aus drei Hauptteilen. Dazu gehören die Klinge, das Gefäß und die Scheide.[2] Die Klinge ist mittels einer Angel im Gefäß befestigt. Sie ist mäßig stark gekrümmt und in der Nähe der Spritze zweischneidig. Auf beiden Flachseiten ist sie mit einem Hohlschliff versehen. Sie wurde geschmiedet und bestand aus Gärbstahl.[5]
Das Gefäß dient zum Ergreifen und Führend des Säbels sowie zum Schutz der Faust um den Griff. Es besteht aus dem Korb mit Stichblatt, Bügel und Knopf, der Kappe mit Griffring und dem Griff mit Nietplättchen. Das Stichblatt ist beim Klingenansatz mäßig gewölbt und besitzt hinter der Klinge zur Anbringung des Portepees zwei rechteckige Durchbrechungen. Das Stichblatt verfügte über mehrere längliche und runde Durchbrechungen. Der Griff ist aus Holz gefertigt und mit schwarzem Leder überzogen.[5] Der Korb war aus Zementeisen gegossen und an den Rändern mit Rundstäben verstärkt.[1]
Die Scheide dient zum Schutz der Säbelklinge und ist der Form der Klinge nachempfunden. Das untere Ende verfügt über ein Schleifeisen zum Schärfen der Klinge. Am oberen Ende befindet sich ein Mundstück, welches den Säbel in der Scheide hält. Weiterhin verfügt die Scheide zum Einhängen in die Säbelkuppel ein oberes und unteres Trageband. Im Inneren der Scheide sind zwei Holzspäne eingesetzt. Diese dienen zum Ausfüllen der leeren Räume an den Breitseiten der Klinge sowie zum Festhalten dieser.[6]
Um den Säbel zu reinigen, durfte der Kavallerie-Säbel M.61 nicht zerlegt werden. Benutzt wurden Werg, Leinen- oder Baumwolllappen, Petroleum, Baumöl und Waffenfett. Eine Nutzung anderer Mittel war nicht gestattet.[7]
Die Ausführung der Offiziere unterschied sich lediglich in einer Verzierung des Korbes und ein nicht geschwärztes Griffstück.[1]
Einsatz
Der schwere Kavallerie-Säbel M.61 diente als hauptsächlich dazu, Paraden des Gegners zu durchbrechen und diesen damit zu verwunden oder gar zu töten. Zwei Drittel der Unteroffiziere und Mannschaften der Kürassierregimenter erhielten den schweren Säbel.[1]
Die leichten Säbel wurden selten eingesetzt. Sie kamen hauptsächlich innerhalb von Kasernen und bei Militärparaden zum Einsatz.[4] Den leichten Säbel erhielten ein Drittel der Kürassiere, Unteroffiziere und Mannschaften der Dragoner, Husaren, Ulanen und freiwilligen Kavallerie.[1]
Die umgestalteten Säbel M.58/61 wurden die Bataillons-Hornisten der Jäger, Regiments-, Stabs- und Batterie-Trompeter, Kurschmiede und an sämtliche Unteroffiziere der Artillerie und Raketeure ausgegeben. Auch die Feuerwerker und Regiments-Trompeter der Küstenartillerie, die Feuerwerker der technischen Artillerie, die Unteroffiziere des technischen Komitees, Unteroffiziere und Trompeter der Kurschmiede des militärischen Fuhrwesenkorps und Angehörige der militärischen Gestütsbranche erhielten den alten Säbel M.58/61.[1]
Die Kavallerie-Säbel M.61 wurden ab 1869 nach und nach durch den Kavallerie-Säbel M.96 ersetzt oder mit dessen Teilen ausgebessert.[1]
Verbleib
Ein Kavallerie-Säbel M.61 von Leutnant Glentworth des Kürassierregiments Nr. 6 kann heute im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien betrachtete werden. Dieser Säbel wurde unter anderem bei der Schlacht bei Königgrätz im Jahr 1866 eingesetzt. Um an die teilgenommenen Schlachten zu erinnern, wurden die Daten in die Klinge eingraviert. So findet man die Inschrift Nachod 26. Juni, Wissikow 27. Juni, Skalitz 28. Juni, Königgrätz den 3. Juli 1866 und die Gravur des Besitzers Glentworth Lt. 6. Kür.Regt.[3]
Literatur
- Reichskriegsministerium: G-7b, Beschreibung der blanken Waffen des k. und k. Heeres. k. k. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1902, ISBN 3-9501642-2-7.
- M. Christian Ortner, Erich Artlieb: Mit blankem Säbel. Österreichisch-ungarische Blankwaffen von 1848 bis 1918. Verlag Militaria, Wien 2003.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i M Christian Ortner, Erich Artlieb: Mit blankem Säbel. Österreichisch-ungarische Blankwaffen von 1848 bis 1918. 2003, S. 224.
- ↑ a b Reichskriegsministerium: G-7b, Beschreibung der blanken Waffen des k. und k. Heeres. 1902, S. 7.
- ↑ a b M Christian Ortner, Erich Artlieb: Mit blankem Säbel. Österreichisch-ungarische Blankwaffen von 1848 bis 1918. 2003, S. 230.
- ↑ a b M Christian Ortner, Erich Artlieb: Mit blankem Säbel. Österreichisch-ungarische Blankwaffen von 1848 bis 1918. 2003, S. 231.
- ↑ a b Reichskriegsministerium: G-7b, Beschreibung der blanken Waffen des k. und k. Heeres. 1902, S. 8.
- ↑ Reichskriegsministerium: G-7b, Beschreibung der blanken Waffen des k. und k. Heeres. 1902, S. 9.
- ↑ Reichskriegsministerium: G-7b, Beschreibung der blanken Waffen des k. und k. Heeres. 1902, S. 12.