Colombier (Dordogne)

Colombier
Colombièr
Staat Frankreich Frankreich
Region Nouvelle-Aquitaine
Département (Nr.) Dordogne (24)
Arrondissement Bergerac
Kanton Sud-Bergeracois
Gemeindeverband Communauté d’agglomération Bergeracoise
Koordinaten 44° 47′ N, 0° 31′ O
Höhe 54–172 m
Fläche 7,03 km²
Einwohner 285 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 41 Einw./km²
Postleitzahl 24560
INSEE-Code 24126
Website www.colombierenperigord.com

Weinberge bei Colombier

Colombier [kɔ.lɔ̃.bje (okzitanisch Colombièr) ist eine französische Gemeinde mit 285 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Bergerac und zum Gemeindeverband Communauté d’agglomération Bergeracoise. Die Einwohner werden Colombériens und Colombériennes genannt.

Geografie

Colombier liegt etwa 47 Kilometer südsüdwestlich von Périgueux, etwa 57 Kilometer westsüdwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa acht Kilometer südsüdöstlich von Bergerac in der Région naturelle des Bergeracois, im Landesteil des touristisch benannten Périgord pourpre.

Die Gemeinde hat die Besonderheit von zwei Bourgs, Colombier und Labadie, die rund 500 Meter voneinander entfernt sind. In Colombier befindet sich die Pfarrkirche und das Schloss, im Weiler Gavarliac, der an Labadie grenzt, das Rathaus, die Schule, die Festhalle und der Tennisplatz.[1]

Das Gemeindegebiet liegt im Einzugsgebiet der Dordogne und wird entwässert von der Gardonnette, die es im Südwesten begrenzt, vom zeitweise trockenfallenden Ruisseau de Lespinassat, vom Flüsschen Cavérieu und von zwei kleineren Fließgewässern.

Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Colombier liegt auf der vierten Stufe von Nordosten, einem Plateau aus Kieselsandsteinablagerungen und Seekalksteinen aus dem Tertiär.[2] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär und aus Sedimentgesteinen, die aus dem Känozoikum datieren.

Das Relief des Gemeindegebiets weist eine kaum bewaldete, gewellte Hügellandschaft auf mit einem topografisch höchsten Punkt im Westen beim Lieu-dit Bel-Air mit 172 m Höhe. Der tiefste Punkt befindet sich im äußersten Westen mit 54 m Höhe beim Austritt des Ruisseau de Lespinassat aus dem Gemeindegebiet. Gavarliac liegt auf etwa 162 m Höhe, Colombier auf etwa 156 m.

Etwa 95 % der Fläche der Gemeinde werden landwirtschaftlich, überwiegend für Dauerkulturen, in diesem Fall für den Weinbau genutzt, etwa 5 % sind bewaldet.[3]

Umgeben wird Colombier von den sechs Nachbargemeinden:

Bergerac Saint-Nexans
Monbazillac Conne-de-Labarde
Ribagnac Bouniagues

Natürliche Risiken

Naturrisiken manifestieren sich in Colombier als

Im größten Teil des Gemeindegebiets besteht zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Plicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräten sowie eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.[4]

Wie die Risikokarte zeigt, ist nahezu das gesamte Gemeindegebiet von Colombier von einer starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Dürreperioden in den Jahren 1989, 1992, 1995, 2005 und 2011 sind als Naturkatastrophen der Gemeinde klassifiziert worden. Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen, am Westrand des Massif Central sind recht seltene Beben der Stärke 3 auf der Richterskala bekannt. Das Gemeindegebiet ist einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 zugeordnet.[5]

Etymologie und Geschichte

Der Name des Orts ist erst im 16. Jahrhundert unter einer latinisierteren Form in Ecclesia de Columbiera (1556) belegt. Er führt das okzitanische columbier an, das aus dem lateinischen colombarium (deutsch Taubenschlag) hervorging, das von columba (deutsch Taube) abgeleitet ist und das okzitanische colomb und das französische colombe ergab.[6]

Spuren einer bedeutenden Dorfes in gallorömischer Zeit lassen die erste Besiedelung des Standortes auf das dritte Jahrhundert n. Chr. datieren. An einem Lieu-dit namens Les Caraignes sind Spuren einer Villa und einer Römerstraße, Scherben von Tongefäßen, eine Statuette und ein Schatz mit rund 3000 Münzen gefunden. Darüber hinaus tragen zahlreiche Gebäude, Häuser und Scheunen noch immer die eingravierten Zeichen der Templer und Johanniter. Bis 1588 unterstand Colombier dem Baronat von Montcuq. Anschließend bildeten Colombier, Monbazillac und Saint-Christophe einen Gerichtsbezirk mit dem Sitz auf dem Schloss von Monbazillac. Im Jahre 1608 wurde ein Fort auf dem Gebiet von Colombier zum Schutz des Schlosses errichtet. Im Jahre 1761 verweigerte der Pfarrer der Kirchengemeinde mit Billigung des Bischofs von Sarlat einen Protestanten als Paten für eine Glocke zu akzeptieren. Während der Französischen Revolution wurde Pfarrer Chanut davon abgehalten, die Messe zu lesen. Er feierte sie zunächst im angrenzenden Wald, wurde aber bald aufgefordert, dies zu unterlassen. Daraufhin leistete er den verlangten Eid auf die Zivilverfassung des Klerus. 1802 wurde er Pfarrer von Monbazillac und verspottete die widerspenstigen Priester. Die ehemalige Nationalstraße von Paris nach Barèges führte durch die Gemeinde. Sie wurde von mehreren französischen Königen genutzt, die von Paris nach Barèges oder Dax reisten.[7][8]

Einwohnerentwicklung

Colombier: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020
Jahr  Einwohner
1793
  
310
1800
  
377
1806
  
326
1821
  
442
1831
  
432
1836
  
421
1841
  
410
1846
  
410
1851
  
402
1856
  
356
1861
  
377
1866
  
365
1872
  
395
1876
  
416
1881
  
403
1886
  
364
1891
  
303
1896
  
306
1901
  
298
1906
  
286
1911
  
253
1921
  
250
1926
  
251
1931
  
261
1936
  
248
1946
  
260
1954
  
255
1962
  
241
1968
  
233
1975
  
212
1982
  
195
1990
  
228
1999
  
226
2006
  
235
2013
  
238
2020
  
268
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[9] INSEE ab 2006[10][11][12]
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Gemeindepartnerschaft

Colombier unterhält seit 1996 eine Partnerschaft mit Notre-Dame-de-la-Merci in der kanadischen Provinz Québec.[13]

Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche Saint-Pierre-et-Saint-Paul

Die den Heiligen Petrus und Paulus geweihte Kirche wurde im 12. Jahrhundert auf der Spitze einer Anhöhe errichtet und im 18. Jahrhundert umgebaut. Sie besitzt eine flache Apsis mit einem Chor, der mit einem Tonnengewölbe ausgestaltet ist. Das Hauptschiff wird durch ein Kreuzrippengewölbe gedeckt, die beiden Seitenkapellen besitzen ein Kreuzgratgewölbe. Der mit Steinplatten gedeckte Glockengiebel ruht auf einer zwei Meter dicken Wand und birgt drei Glocken. Rechts hinter dem Eingang im Renaissance-Stil befindet sich eine Spindeltreppe, links eine kleine Taufkapelle aus dem 16. Jahrhundert. Das Weihwasserbecken ist aus einer Säule eines ehemaligen römischen Tempels entstanden. Die Kirche ist seit dem 12. Oktober 1948 als Monument historique eingeschrieben.[14][15]

Schloss Jaubertie

Das Schloss erhielt seinen Namen von einem kleinen Fluss, der durch das Landgut fließt. Hier wurden Spuren eines Lagers aus der Periode der Jungsteinzeit gefunden. Im 12. Jahrhundert war der Standort als Lehen bekannt. Im 16. Jahrhundert wurde es ein Anwesen für die Jagd im Besitz des französischen Königs Heinrich IV., der es 1592 seiner Mätresse Gabrielle d’Estrées schenkte. Von 1658 bis 1858 war das Schloss Eigentum der Familie Calbiac, ausgenommen in der Zeit während der Französischen Revolution. Leon Beylet, der Leibarzt Marie-Antoinettes, residierte hier während dieser Zeit. Er vollendete den Bau im Stil des Directoire zusammen mit einem Lustschloss für seine Mätresse, einer Tänzerin. Das Wappen über dem Eingang trägt heute noch das Monogramm „L.B.“. Vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts erfuhr das Schloss mehrere Umbauten. Die angrenzenden Pavillons wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts vom Haupthaus getrennt. Der Giebel der Hauptfassade wurde umgeändert als Folge eines Feuers im Jahre 1916. Seit 1973 ist das Anwesen aufeinanderfolgend in Händen von Mitgliedern der Familie Ryman. Fassaden und Dächer des Schlosses, die Pavillons, die Taubenschläge und der Brunnen sind zusammen seit dem 12. Juli 2004 als Monument historique eingeschrieben.[16][15]

Bildung

Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Vor- und Grundschule (École élémentaire).[17]

Wirtschaft

Der Weinbau ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Gemeinde.[18]

Colombier liegt in den Zonen AOC des Bergerac mit den Appellationen Bergerac und Côtes de Bergerac und des Monbazillac, einem Dessertwein.[19]

Erwerbstätigkeit

Im Jahre 2022 waren 142 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Colombier erwerbstätig, entsprechend 82,8 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse, wobei der Anteil der Männer (84,4 %) höher war als bei den Frauen (81,2 %). Die Zahl der Arbeitslosen war mit 10 Personen im Jahr 2022 niedriger als im Jahr 2016 (16). Die Arbeitslosenquote sank entsprechend von 12,5 % (2016) auf 6,9 % (2022).[20]

Branchen und Betriebe

18 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2023 in Colombier wirtschaftlich aktiv:[20]

Branche
Anzahl %
Gesamt 18
Fertigung, Bergbau und andere Industrien 1 5,6 %
Baugewerbe 4 22,2 %
Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie 5 27,8 %
Information und Kommunikation 1 5,6 %
Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten 2 11,1 %
Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln 1 5,6 %
Andere Dienstleistungen 4 22,2 %

Landwirtschaft

Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf den Weinbau.[21] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 23 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 15 im Jahr 2000, stieg auf 16 im Jahr 2010 und sank auf 10 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 56,5 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche verringerte sich von 605 Hektar im Jahre 1988 auf 567 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg signifikant von 26,3 Hektar auf 56,7 Hektar.[22][23][24]

Wanderwege

  • Der Rundweg Boucle autour de la vigne à Colombier besitzt eine Länge von 5,5 Kilometer bei einem Höhenunterschied von 50 Meter. Er führt vom Zentrum durch die Weinberge der Gemeinde.[26]
  • Der Radrundweg A vélo autour de Monbazillac besitzt eine Länge von 24 Kilometer bei einem Höhenunterschied von 41 Meter. Er führt von Monbazillac auch durch das Zentrum von Colombier.[27]

Verkehr

Die Nationalstraße N 21 durchquert das Gebiet der Gemeinde und verbindet sie mit Bergerac im Norden und Villeneuve-sur-Lot im benachbarten Département Lot-et-Garonne. Colombier ist außerdem erreichbar über die Departementsstraßen D 13 und D 14.

Literatur

  • Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Commons: Colombier – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Colombier - Découvrir. Gemeinde Colombier, abgerufen am 16. Oktober 2018 (französisch).
  2. Géologie de la Dordogne-Périgord. Éditions Esprit de Pays, abgerufen am 9. Januar 2026 (französisch).
  3. Répartition des superficies en 15 postes d’occupation des sols (métropole). CORINE Land Cover, 2018, abgerufen am 9. Januar 2026 (französisch).
  4. Dossier des Départements der Hauptrisiken. (PDF) Département Dordogne, 2020, abgerufen am 9. Januar 2026 (französisch).
  5. Natürliche Risiken. Ministerium für ökologischen Wandel, Biodiversität, Wälder, Meer und Fischerei, abgerufen am 9. Januar 2026 (französisch).
  6. Siehe Tanet, Hordé, Seite 112
  7. Colombier (französisch) (Memento vom 9. September 2016 im Internet Archive)
  8. Colombier - Histoire. Gemeinde Colombier, abgerufen am 16. Oktober 2018 (französisch).
  9. Notice Communale Colombier. EHESS, abgerufen am 9. Januar 2026 (französisch).
  10. Populations légales 2006 Commune de Colombier (24126). INSEE, abgerufen am 9. Januar 2026 (französisch).
  11. Populations légales 2013 Commune de Colombier (24126). INSEE, abgerufen am 9. Januar 2026 (französisch).
  12. Populations légales 2020 Commune de Colombier (24126). INSEE, abgerufen am 9. Januar 2026 (französisch).
  13. Colombier - Accueil. Gemeinde Colombier, abgerufen am 16. Oktober 2018 (französisch).
  14. Eglise. Ministerium für Kultur und Kommunikation, 22. September 2015, abgerufen am 16. Oktober 2018 (französisch).
  15. a b Colombier - Monuments. Gemeinde Colombier, abgerufen am 16. Oktober 2018 (französisch).
  16. Château de la Jaubertie. Ministerium für Kultur und Kommunikation, 22. September 2015, abgerufen am 16. Oktober 2018 (französisch).
  17. École élémentaire. Nationales Bildungsministerium, abgerufen am 9. Januar 2026 (französisch).
  18. Colombier - Vie économique. Gemeinde Colombier, abgerufen am 16. Oktober 2018 (französisch).
  19. Institut national de l’origine et de la qualité : Rechercher un produit. Institut national de l’origine et de la qualité, abgerufen am 16. Oktober 2018 (französisch).
  20. a b Dossier complet Commune de Colombier (24126). INSEE, abgerufen am 9. Januar 2026 (französisch).
  21. Territoriale Spezialisierung der landwirtschaftlichen Produktion im Jahr 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 9. Januar 2026 (französisch).
  22. Allgemeine Daten der landwirtschaftlichen Betriebe mit Sitz in Colombier. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 9. Januar 2026 (französisch).
  23. Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe und deren durchschnittliche landwirtschaftlich genutzte Fläche 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 9. Januar 2026 (französisch).
  24. Gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 9. Januar 2026 (französisch).
  25. GR6 - Randonnée de Ste Foy-la-Grande (Gironde) à Eyzies-de-Tayac-Sireuil (Dordogne). gr-infos.com, abgerufen am 16. Oktober 2018 (französisch).
  26. Boucle autour de la vigne à Colombier. Institut national de l’information géographique et forestière (IGN), 14. März 2018, abgerufen am 16. Oktober 2018 (französisch).
  27. A vélo autour de Monbazillac. Institut national de l’information géographique et forestière (IGN), 14. März 2018, abgerufen am 16. Oktober 2018 (französisch).