Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières
| Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières Bonavila e Sent Avit de Fumadièras | ||
|---|---|---|
| Staat | Frankreich | |
| Region | Nouvelle-Aquitaine | |
| Département (Nr.) | Dordogne (24) | |
| Arrondissement | Bergerac | |
| Kanton | Pays de Montaigne et Gurson | |
| Gemeindeverband | Montaigne Montravel et Gurson | |
| Koordinaten | 44° 53′ N, 0° 5′ O | |
| Höhe | 18–108 m | |
| Fläche | 7,04 km² | |
| Einwohner | 299 (1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 42 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 24230 | |
| INSEE-Code | 24048 | |
Kirche Saint-Jean-Baptiste | ||
Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières (Aussprache [bɔnˈvil e sɛ̃ˈt‿avi də fymaˈdjɛʁ], okzitanisch Bonavila e Sent Avit de Fumadièras) ist eine südwestfranzösische Gemeinde mit 299 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Bergerac und zum Gemeindeverband Communauté de communes de Montaigne Montravel et Gurson. Die Einwohner werden Bonnevillois und Bonnevilloises genannt.
Geografie
Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières liegt etwa 60 Kilometer südwestlich von Périgueux, etwa 32 Kilometer westnordwestlich von Bergerac und etwa 26 Kilometer ostsüdöstlich von Libourne am südwestlichen Rand des Départements in der Région naturelle des Bergeracois, Teil des touristisch benannten Périgord pourpre. Die Gemeinde liegt im Einzugsgebiet der Dordogne und wird entwässert von den Flüsschen Lidoire, das sie im Norden begrenzt und Estrop, das sie im Süden begrenzt sowie von einem kleineren Fließgewässer.
Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières liegt in der vierten Stufe von Nordosten. Hier im Bergeracois sind Ablagerungen auf die Erosion der Pyrenäen zurückzuführen, die Sedimente in Form von Molasse ablagerte, die sich mit harten Seekalkablagerungen aus dem Tertiär abwechseln.[1] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär und aus Sedimentgesteinen aus dem Känozoikum.
Die Gemeinde hat kein eigentliches Zentrum. Das Bürgermeisteramt befindet sich im zentral gelegenen Dorf Le Goucher, während die namensgebenden Dörfer Bonneville und Saint-Avit am südlichen bzw. nördlichen Rand des Gemeindegebietes liegen. Das Gemeindegebiet der Gemeinde erstreckt sich auf einer relativ waldarmen, leicht hügeligen Hochebene nördlich des Tals der Dordogne mit Höhen selten über 100 m. Der topographisch höchste Punkt mit 108 m befindet sich im äußersten Südwesten an der Grenze zur Nachbargemeinde Montcaret, der tiefste mit 18 m beim Austritt der Lidoire aus dem Gemeindegebiet.
Rund 72 % der Fläche der Gemeinde werden landwirtschaftlich genutzt, rund 22 % sind bewaldet, rund 6 % entfallen auf bebaute Flächen.[2]
Umgeben wird Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières von den vier Nachbargemeinden:
| Montpeyroux | ||
| Saint-Vivien | ||
| Montcaret | Vélines |
Natürliche Risiken
Naturrisiken manifestieren sich in Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières als
- Stürme, Gewitter, Schnee, große Fröste oder Hitze
- Dürren
- Waldbrände
- Bodensetzungen.
Im Gemeindegebiet besteht bis auf einen Streifen rund um das am dichtesten bebaute Areal zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Plicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräten sowie eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.[3]
Wie die Risikokarte zeigt, sind über drei Viertel des Gemeindegebiets von Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières von der starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 zugeordnet.[4]
Etymologie und Geschichte
Das Vorkommen von behauenen Steinen aus der Altsteinzeit sowie jungsteinzeitlichen Werkzeugen am Standort bestätigt, dass der Ort bereits in der Urgeschichte besiedelt war.
Auch antike Brunnen und zahlreiche lateinische Ortsnamen erinnern noch heute an die gallorömische Zivilisation. 1990 bestätigten archäologische Ausgrabungen diese Besiedlung. Am Lieu-dit Grosse Forge wurden verzierte Keramiken entdeckt.[5]
Bonneville erschien in den Schriften erstmals im 13. Jahrhundert mit den Namen seiner Kirche Ecclesia Sancti Johannis de Bona Villa, die von der Komturei von Condat abhing. Der Name setzt sich zusammen aus dem okzitanischen bona, das aus dem lateinischen bonus im Femininum kommt, und aus vila, dem lateinischen villa (deutsch Landgut, später Dorf).
Saint-Avit-de-Fumadières war ebenfalls von der Komturei von Condat abhängig. Der Name erschien im 14. Jahrhundert in der latinisierten Form Sancti Aviti de Fumaderiis (1372). Saint-Avit erinnert an die Legende des heiligen Avit, Gallorömer und Eremit im fünften und sechsten Jahrhundert. Fumadières entspricht dem alt-okzitanischen fumadiera (deutsch Rauchwolke). Das Wort ist eine Ableitung von fumada (deutsch Wasserdampf. Asche, Ruß, freigesetzt von einem brennenden Körper), das von fum kommt, das wie das altfranzösische fum das lateinische fumus (deutsch Rauch, Dampf, Qualm) fortsetzt.[6]
Seit dem 12. Jahrhundert wurden in Bonneville Gottesdienste in der romanischen Kirche abgehalten, die später während der Hugenottenkriege zerstört wurde. In der Folgezeit wurde Lieu-dit Grosse Forge eine große königliche Schmiede errichtet. Sie ermöglichte es Kupferschmieden, die vor Ort gefundenen Erze zu schmelzen, um Waffen herzustellen und Pferde zu beschlagen.
Die Gemeinde hat sich im Jahre 1836 aus dem Zusammenschluss der früheren Gemeinden Bonneville und Saint-Avit gebildet.[5]
Bevölkerungsentwicklung
| Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1793 | 375 | |||
| 1800 | 308 | |||
| 1806 | 283 | |||
| 1821 | 303 | |||
| 1831 | 334 | |||
| 1836 | 318 | |||
| 1841 | 336 | |||
| 1846 | 321 | |||
| 1851 | 331 | |||
| 1856 | 316 | |||
| 1861 | 318 | |||
| 1866 | 323 | |||
| 1872 | 202 | |||
| 1876 | 293 | |||
| 1881 | 279 | |||
| 1886 | 253 | |||
| 1891 | 233 | |||
| 1896 | 258 | |||
| 1901 | 269 | |||
| 1906 | 283 | |||
| 1911 | 285 | |||
| 1921 | 264 | |||
| 1926 | 250 | |||
| 1931 | 260 | |||
| 1936 | 268 | |||
| 1946 | 279 | |||
| 1954 | 302 | |||
| 1962 | 247 | |||
| 1968 | 220 | |||
| 1975 | 195 | |||
| 1982 | 214 | |||
| 1990 | 216 | |||
| 1999 | 214 | |||
| 2006 | 292 | |||
| 2013 | 296 | |||
| 2020 | 315 | |||
| Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[7] INSEE ab 2006[8][9][10] Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz | ||||
Im 19. Jahrhundert hatte der Ort meist über 300 Einwohner. Infolge der Reblauskrise im Weinbau und der Mechanisierung der Landwirtschaft sank die Einwohnerzahl seitdem bis auf die Tiefstwerte in den 1970er und 1980er Jahren ab.
Sehenswürdigkeiten
- Die Pfarrkirche St-Jean-Baptiste von Bonneville ist ein größtenteils aus Bruchsteinen errichteter, unscheinbarer gotischer Bau des 13. Jahrhunderts, dessen Portalfassade im 16. Jahrhundert erneuert wurden. Ebenfalls späteren Datums ist der im 18. Jahrhundert auf der Nordseite hinzugefügte Glockenturm. Das fensterlose Kirchenschiff ist von Rippengewölben bedeckt; die polygonal gebrochene und von fünf Fenstern belichtete Apsis ist von einer rippenunterzogenen Kalotte gewölbt. Die Kirche ist seit 1986 als Monument historique eingeschrieben.
- Im Schloss les Valadou aus dem 17. Jahrhundert hielt sich der Schriftsteller Pierre Loti eine Zeitlang auf.
- Ein Waschhaus (lavoir) aus dem 19. Jahrhundert wird von einer Quelle gespeist, die auch als Brunnen diente.
Bildung
Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Vorschule (École maternelle).[11]
Wirtschaft
In früheren Zeiten lebten die Einwohner der Gemeinde als Selbstversorger von der Landwirtschaft, zu der auch der Weinbau und ein wenig Viehwirtschaft gehörten. Bereits seit mittelalterlicher Zeit wurde ein Teil des in der Gegend produzierten Weines in Fässern und auf Flößen oder Lastkähnen über die Dordogne und die Häfen an der Gironde nach England verschifft. Die Böden des Gemeindegebietes gehören heute zum Weinbaugebiet Montravel, doch spielt die Vermietung von Ferienwohnungen (gîtes) ebenfalls eine wichtige Rolle im wirtschaftlichen Leben der Gemeinde.
Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières liegt in den Zonen AOC und geschützte Ursprungsbezeichnung (AOP) der Weine:
- Bergerac blanc, rosé und rouge,
- Côte de Bergerac blanc und rouge,
- Montravel blanc und rouge,
- Côte de Montravel und
- Haut-Montravel.[12]
Erwerbstätigkeit
Im Jahre 2022 waren 145 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières erwerbstätig, entsprechend 77,5 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse. Die Zahl der Arbeitslosen war mit 11 im Jahr 2022 deutlich niedriger als im Jahr 2016 (18). Die Arbeitslosenquote sank von 13,1 % (2016) auf 7,6 % (2022).[13]
Branchen und Betriebe
19 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2022 in Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières wirtschaftlich aktiv:[13]
| Branche | ||
|---|---|---|
| Anzahl | % | |
| Gesamt | 19 | |
| Fertigung, Bergbau und andere Industrien | 1 | 5,3 % |
| Baugewerbe | 5 | 26,3 % |
| Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie | 5 | 26,3 % |
| Information und Kommunikation | 1 | 5,3 % |
| Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten | 3 | 15,8 % |
| Andere Dienstleistungen | 4 | 21,1 % |
Landwirtschaft
Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf den Weinbau.[14] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 18 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 12 im Jahr 2000, auf 9 im Jahr 2010 und schließlich auf 5 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 72,2 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche verringerte sich von 362 Hektar im Jahre 1988 auf 181 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg hingegen von 20,1 Hektar auf 36,1 Hektar.[15][16][17]
Verkehr
Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières liegt fernab von größeren Verkehrsachsen. Nachgeordnete Departementsstraßen und lokale Landstraßen verbinden die beiden Ortsteile miteinander und mit den Nachbargemeinden.
Regionalbusse einer Linie im Auftrag der Region Nouvelle-Aquitaine verbinden die Gemeinde mit Montpon-Ménestérol und Vélines.[18]
Literatur
- Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Weblinks
- Bonneville – Foto + Infos (französisch) ( vom 3. Juni 2017 im Internet Archive)
- Bonneville, Kirche – Foto + Infos (französisch) ( vom 24. September 2015 im Internet Archive)
Einzelnachweise
- ↑ Géologie de la Dordogne-Périgord. Éditions Esprit de Pays, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Répartition des superficies en 15 postes d’occupation des sols (métropole). CORINE Land Cover, 2018, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Dossier des Départements der Hauptrisiken. (PDF) Département Dordogne, 11. Dezember 2020, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Les risques près de chez moi. Ministerium für ökologischen Wandel, Biodiversität, Wälder, Meer und Fischerei, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ a b Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières (französisch) ( vom 9. September 2016 im Internet Archive)
- ↑ Tanet, Hordé, Seiten 62–63
- ↑ Notice Communale Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières. EHESS, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Populations légales 2006 Commune de Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières (24048). INSEE, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Populations légales 2013 Commune de Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières (24048). INSEE, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Populations légales 2020 Commune de Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières (24048). INSEE, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ École maternelle. Nationales Bildungsministerium, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Rechercher un produit. Institut national de l’origine et de la qualité, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ a b Dossier complet Commune de Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières (24048). INSEE, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Territoriale Spezialisierung der landwirtschaftlichen Produktion im Jahr 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Allgemeine Daten der landwirtschaftlichen Betriebe mit Sitz in Bonneville-et-Saint-Avit-de-Fumadières. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe und deren durchschnittliche landwirtschaftlich genutzte Fläche 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Cars régionaux Dordogne. (PDF) Region Nouvelle-Aquitaine, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).