Calès (Dordogne)
| Calès | ||
|---|---|---|
| Staat | Frankreich | |
| Region | Nouvelle-Aquitaine | |
| Département (Nr.) | Dordogne (24) | |
| Arrondissement | Bergerac | |
| Kanton | Lalinde | |
| Gemeindeverband | Communes des Bastides Dordogne-Périgord | |
| Koordinaten | 44° 51′ N, 0° 49′ O | |
| Höhe | 36–163 m | |
| Fläche | 8,02 km² | |
| Einwohner | 369 (1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 46 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 24150 | |
| INSEE-Code | 24073 | |
| Website | www.mairie-cales.com | |
Blick auf Calès | ||
Calès (Aussprache [kaˈlɛs]; okzitanisch Calés) ist eine französische Gemeinde mit 369 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Bergerac und zum Gemeindeverband Communauté de communes des Bastides Dordogne-Périgord. Die Bewohner werden Calésiens und Calésiennes genannt.
Geografie
Calès liegt etwa 37 Kilometer südsüdöstlich von Périgueux, etwa 32 Kilometer westsüdwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 26 Kilometer östlich von Bergerac im Übergang von der Région naturelle des Bergeracois zur Région naturelle des Périgord noir, im gleichnamigen touristisch benannten Landesteil. Das Gemeindegebiet liegt in einer Flussschlinge am linken Ufer der Dordogne und wird außerdem entwässert vom Flüsschen Bélingou, das im Südwesten in die Dordogne mündet, sowie von einem kleineren Fließgewässer.
Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Calès liegt auf der dritten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus heterogenem Kalkstein aus der Kreidezeit.[1] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär, die aus dem Känozoikum datieren und Sedimentgesteine aus dem Mesozoikum.
Das Relief des Gemeindegebiets weist eine Hügellandschaft auf, die durch das breite Tal der Dordogne begrenzt und durch das Tal des Bélingou markant eingeschnitten wird. Der topografisch höchste Punkt der Gemeinde befindet sich mit 163 m Höhe im Süden an der Grenze zu den Nachbargemeinden Badefols-sur-Dordogne und Molières, der tiefste mit 36 m Höhe im Westen beim Austritt der Dordogne aus dem Gemeindegebiet. Das Zentrum liegt auf einem Hügel auf etwa 90 m Höhe.
Rund 57 % der Fläche der Gemeinde werden landwirtschaftlich genutzt, 24 % sind bewaldet, rund 13 % entfallen auf Binnengewässer, rund 6 % auf bebaute Flächen.[2]
Calès wird von folgenden fünf Gemeinden umgeben:
| Mauzac-et-Grand-Castang | Trémolat | |
| Badefols-sur-Dordogne | Molières | Le Buisson-de-Cadouin |
Naturschutzgebiet
Um die landwirtschaftlich genutzten Flächen auf den heutigen Stand zu begrenzen, die Steilküste und den Wald an der Schleife der Dordogne zu schützen und eine weitere Ausbreitung von urbaner Bebauung zu vermeiden, wurde 1965 und erneut 1985 ein Gebiet von 475 Hektar bzw. 449 Hektar unter Naturschutz gestellt.[3]
Am Wehr zwischen den Gemeinden Mauzac-et-Grand-Castang und Calès wurde eine Zone naturelle d'intérêt écologique, faunistique et floristique Typ 1 ausgewiesen. Das Interesse gilt dem Schutz von Flora und Fauna, insbesondere des Großen Nixenkrauts (Najas marina).[4]
Natürliche und technologische Risiken
Naturrisiken manifestieren sich in Calès als
- Überschwemmungen und den mit ihnen assoziierten Schlammströmen und Hangrutschungen, besonders entlang der Dordogne
- Dürren
- Waldbrände
- Bodensetzungen.
Aufgrund der Schäden, die durch Überschwemmungen und Schlammlawinen in den Jahren 1982 und 1996 verursacht wurden, wurde für die Gemeinde der Naturkatastrophenzustand ausgerufen. Im Dossier des Départements über Hauptrisiken sind vorbeugenden Maßnahmen zur Reduktion von Hochwasserschäden festgelegt. Dazu gehört u. a. die Ausweisung von Zonen, die nicht oder nur nach Genehmigung bebaut werden dürfen, die Instandhaltung des Wasserlaufs, um Hindernisse zu begrenzen, und die Schaffung von Regenrückhaltebecken.
Im Gemeindegebiet bis auf die Schwemmebene der Dordogne im Norden besteht zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Plicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräten und eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.
Wie die Risikokarte zeigt, sind etwa 28 % des Gemeindegebiets von einer mittleren oder starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Dürreperiode im Jahr 2013 ist als Naturkatastrophe der Gemeinde klassifiziert worden.
Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist einer geringen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 zugeordnet.[5]
Die Gemeinde liegt flussabwärts des Staudamms Bort-les-Orgues im Département Corrèze, einem Bauwerk der Klasse A (Höhe des Stauwehrs ≥ 20 Meter), das seit 2009 einem sog. Spezifischen Interventionsplan (PPI) unterliegt. Dieser findet Anwendung bei diesem Staudamm der Klasse A mit einem Stauseevolumen von über 15 Millionen m3. Er ist ein Notfallplan, der die Maßnahmen zur Alarmierung der Behörden und der Bevölkerung, die Organisation der Hilfsmaßnahmen und die Umsetzung von Evakuierungsplänen detailliert beschreibt. Daher ist es wahrscheinlich, dass die Gemeinde von der Hochwasserwelle betroffen sein wird, die durch den Bruch dieses Bauwerks entstünde.[6]
Etymologie und Geschichte
Frühe Toponyme und Erwähnungen von Calès waren:
- Parochia Calensis (1124, Kopialbuch der Abtei Cadouin),
- Caleysh (1253, Volkszählung in Badefols),
- Caleys (1281, Kopialbuch der Abtei Cadouin),
- Callezium (1365, Collection de l’abbé de Lespine).[7]
Der Name des Orts wurde wahrscheinlich aus dem Gallischen oder auf Basis des vor-indoeuropäischen °kal (deutsch Stein), vergrößert um einen gallorömischen Suffix -ensem, gebildet.[8]
Ein Aquädukt und Überbleibsel einer gallorömischen Siedlung belegen eine weit frühere Besiedelung an der geografisch bevorzugten Lage in einer Schleife der Dordogne, die jedoch weit früher in der Jungsteinzeit begann.[8][9]
Als einst Gabarren auf der Dordogne fuhren, besaß Calès zwei Häfen, deren Anlagestellen noch heute sichtbar sind. Sie dienten zum Beladen der Boote mit Holz und Löschen der Fracht, die gewöhnlich aus Weinen aus Bordeaux bestand.[10]
Bevölkerungsentwicklung
| Calès: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1793 | 660 | |||
| 1800 | 610 | |||
| 1806 | 609 | |||
| 1821 | 678 | |||
| 1831 | 665 | |||
| 1836 | 681 | |||
| 1841 | 659 | |||
| 1846 | 656 | |||
| 1851 | 720 | |||
| 1856 | 718 | |||
| 1861 | 670 | |||
| 1866 | 618 | |||
| 1872 | 618 | |||
| 1876 | 907 | |||
| 1881 | 636 | |||
| 1886 | 643 | |||
| 1891 | 575 | |||
| 1896 | 529 | |||
| 1901 | 506 | |||
| 1906 | 516 | |||
| 1911 | 476 | |||
| 1921 | 620 | |||
| 1926 | 404 | |||
| 1931 | 385 | |||
| 1936 | 401 | |||
| 1946 | 400 | |||
| 1954 | 391 | |||
| 1962 | 390 | |||
| 1968 | 380 | |||
| 1975 | 343 | |||
| 1982 | 312 | |||
| 1990 | 289 | |||
| 1999 | 304 | |||
| 2006 | 350 | |||
| 2013 | 387 | |||
| 2020 | 377 | |||
| Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[11] INSEE ab 2006[12][13][14] Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz | ||||
Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche Saint-Médard
Die Medardus von Noyon geweihte Kirche wurde bereits im 12. Jahrhundert errichtet. Sie erfuhr zahlreiche Umbauten und Restaurierungen im Laufe der Jahrhunderte. Der frühere Glockenturm aus Holz wurde aufgrund eines Brandes zerstört und 1834 aus Stein wieder aufgebaut. An der nördlichen Wand des Langhauses ist eine Seitenkapelle angefügt. Die südliche Fassade wird von schmalen Strebepfeilern akzentuiert. Im Inneren der Kirche befindet sich eine hölzerne Marienstatue aus dem 15. Jahrhundert.[15][10]
Teich der ehemaligen Mühle von Traly
Zahlreiche Legenden ranken sich um den Teich, der ganzjährig von nicht weniger als sieben Quellen mit einer gleichen Temperatur von 12° C gespeist wird.[10]
Bildung
Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Grundschule (École élémentaire).[16]
Wirtschaft
Erwerbstätigkeit
Im Jahre 2022 waren 146 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Calès erwerbstätig, entsprechend 74,2 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse, wobei der Anteil der Frauen leicht höher liegt (74,3 %) als der der Männer (74,1 %). Die Zahl der Arbeitslosen war mit 15 Personen im Jahr 2022 etwas niedriger als im Jahr 2016 (17). Die Arbeitslosenquote sank von 11,0 % (2016) auf 10,4 % (2022).[17]
Branchen und Betriebe
41 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2023 in Calès wirtschaftlich aktiv:[17]
| Branche | ||
|---|---|---|
| Anzahl | % | |
| Gesamt | 41 | |
| Fertigung, Bergbau und andere Industrien | 6 | 14,6 % |
| Baugewerbe | 9 | 22,0 % |
| Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie | 6 | 14,6 % |
| Finanzen und Versicherungen | 1 | 2,4 % |
| Immobilien | 3 | 7,3 % |
| Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten | 12 | 29,3 % |
| Andere Dienstleistungen | 4 | 9,8 % |
Landwirtschaft
Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Haltung von Schweinen und Geflügel.[18] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 18 bei der Landwirtschaftszählung von 1988, auf 14 im Jahr 2000, auf 10 im Jahr 2010 und auf 6 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 66,7 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche verringerte sich von 329 Hektar im Jahre 1988 auf 256 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg jedoch signifikant von 18,3 Hektar auf 42,6 Hektar.[19][20][21]
Sport und Freizeit
Das Wasser der Dordogne wird durch ein Wehr zwischen den Gemeinden Mauzac-et-Grand-Castang und Calès aufgestaut, Elektrizität wird dabei erzeugt. Seit 1987 ist eine Fischtreppe eingerichtet. Die aufgestaute Wasserfläche zieht Angler, Segler, Ruderer und Betreiber des Kanusports an. Die Ufer sind befestigt und laden zum Spazierengehen ein.[22]
Verkehr
Calès ist angebunden an die Verkehrsachse Bergerac–Sarlat-la-Canéda durch die Departementsstraße D 29, die das südliche Gebiet der Gemeinde durchquert. Die Departementsstraße D 29E2 zweigt von der D29 ab und bedient die nördlichen Ortsteile von Calès. Die Departementsstraßen D 28 und D 31 schaffen von dort eine Verbindung in Richtung Südosten zur Nachbargemeinde Le Buisson-de-Cadouin bzw. in Richtung Osten nach Trémolat, hier über eine Brücke über die Dordogne.
Züge von zwei Linien des TER Nouvelle-Aquitaine, einer Regionalbahn der staatlichen SNCF, im Auftrag der Region Nouvelle-Aquitaine, bedienen die Strecke von Bordeaux nach Sarlat-la-Canéda. Sie durchqueren dabei das Gebiet der Gemeinde ohne Haltepunkt in Calès. Die nächsten Haltepunkte befinden sich in den Nachbargemeinden Mauzac-et-Grand-Castang und Trémolat.
Literatur
- Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Géologie de la Dordogne-Périgord. Éditions Esprit de Pays, abgerufen am 12. November 2025 (französisch).
- ↑ Répartition des superficies en 15 postes d’occupation des sols (métropole). CORINE Land Cover, 2018, abgerufen am 12. November 2024 (französisch).
- ↑ Cingle de Trémolat (französisch) ( vom 10. Oktober 2018 im Internet Archive)
- ↑ ZNIEFF 720008216 - Barrage de Mauzac, ilots et rapides de la Grateuse (französisch) ( vom 3. Oktober 2022 im Internet Archive)
- ↑ Les risques près de chez moi. Ministerium für ökologischen Wandel, Biodiversität, Wälder, Meer und Fischerei, abgerufen am 12. November 2025 (französisch).
- ↑ Dossier des Départements über Hauptrisiken. (PDF) Département Dordogne, abgerufen am 12. November 2025 (französisch).
- ↑ Vicomte de Gourgues: Gourgues-Dictionnaire topographique de la France. guyenne.fr, 23. Januar 2012, abgerufen am 12. November 2025 (französisch).
- ↑ a b Tanet, Hordé, Seite 78
- ↑ Calès (französisch) ( vom 9. September 2016 im Internet Archive)
- ↑ a b c Mairie de Calès (französisch) ( vom 10. Oktober 2018 im Internet Archive)
- ↑ Notice Communale Calès. EHESS, abgerufen am 12. November 2025 (französisch).
- ↑ Populations légales 2006 Commune de Calès (24073). INSEE, abgerufen am 12. November 2025 (französisch).
- ↑ Populations légales 2013 Commune de Calès (24073). INSEE, abgerufen am 12. November 2025 (französisch).
- ↑ Populations légales 2020 Commune de Calès (24073). INSEE, abgerufen am 12. November 2025 (französisch).
- ↑ Eglise Saint-Medard. Observatoire du patrimoine religieux, abgerufen am 12. November 2025 (französisch).
- ↑ École élémentaire. Nationales Bildungsministerium, abgerufen am 12. November 2025 (französisch).
- ↑ a b Dossier complet Commune de Calès (24073). INSEE, abgerufen am 12. November 2025 (französisch).
- ↑ Territoriale Spezialisierung der landwirtschaftlichen Produktion im Jahr 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 12. November 2025 (französisch).
- ↑ Allgemeine Daten der landwirtschaftlichen Betriebe mit Sitz in Calès. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 12. November 2025 (französisch).
- ↑ Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe und deren durchschnittliche landwirtschaftlich genutzte Fläche 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 12. November 2025 (französisch).
- ↑ Gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 12. November 2025 (französisch).
- ↑ Mauzac-et-Grand-Castang (französisch) ( vom 10. Oktober 2018 im Internet Archive)