Biron (Dordogne)

Biron
Biront
Staat Frankreich Frankreich
Region Nouvelle-Aquitaine
Département (Nr.) Dordogne (24)
Arrondissement Bergerac
Kanton Lalinde
Gemeindeverband Bastides Dordogne-Périgord
Koordinaten 44° 38′ N, 0° 52′ O
Höhe 128–240 m
Fläche 12,98 km²
Einwohner 151 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 12 Einw./km²
Postleitzahl 24540
INSEE-Code 24043
Website www.biron24.fr

Blick auf Biron und Schloss

Biron (Aussprache [biˈʁɔ̃], okzitanisch Biront) ist ein südwestfranzösischer Ort und Gemeinde mit 151 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Bergerac und zum Gemeindeverband Communauté de communes des Bastides Dordogne-Périgord. Die Einwohner werden Bironnais bzw. Bironnaises genannt.

Geografie

Biron liegt etwa 63 Kilometer südsüdöstlich von Périgueux, etwa 40 Kilometer südwestlich von Sarlat-la-Canéda, 28 Kilometer nordöstlich von Villeneuve-sur-Lot und etwa 39 Kilometer südöstlich von Bergerac an der Grenze zum benachbarten Département Lot-et-Garonne in der Région naturelle des Bergeracois, Teil des touristisch benannten Périgord pourpre. Die Gemeinde besteht aus dem Hauptort sowie mehreren Weilern (hameaux) und Einzelgehöften (fermes). Sie liegt im Einzugsgebiet der Garonne und wird entwässert von den Flüsschen Laussou, Ruisseau de Clairfond und Ruisseau de la Fontaine de Saint-Jean.

Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Biron liegt in der vierten Stufe von Nordosten, einem Plateau aus Kieselsandsteinablagerungen und Seekalksteinen aus dem Tertiär.[1] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär, einige Sedimentgesteinen aus dem Känozoikum, andere aus dem Mesozoikum.

Das Gebiet der Gemeinde erstreckt sich über eine hügelige, waldreiche Landschaft mit Höhen bis zu 240 m. Der topografisch tiefste Punkt mit 128 m befindet sich im Nordwesten beim Austritt des Laussou aus dem Gemeindegebiet. Das Zentrum liegt etwas erhöht auf etwa 218 m Höhe.

Rund 61 % der Fläche der Gemeinde sind bewaldet, rund 39 % werden landwirtschaftlich, hauptsächlich als Grünland genutzt.[2]

Umgeben wird Biron von den sechs Nachbargemeinden:

Gaugeac Soulaures
Vergt-de-Biron
Paulhiac (Lot-et-Garonne) Gavaudun (Lot-et-Garonne) Lacapelle-Biron (Lot-et-Garonne)

Natürliche Risiken

Naturrisiken manifestieren sich in Biron als

  • Dürren
  • Waldbrände
  • Bodensetzungen.

Im nahezu gesamten Gemeindegebiet besteht zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Plicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräten sowie eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.[3]

Wie die Risikokarte zeigt, ist nahezu das gesamte Gemeindegebiet von Biron von der mittleren, aber zumeist starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 zugeordnet.[4]

Etymologie und Geschichte

Biron war eine der vier Baronate des Périgord und war in den großen Konflikten des Mittelalters verstrickt. Seine hochgelegene Burg die, wie die Kirche Notre-Dame im 12. Jahrhundert erbaut wurde, wurde von den Albigensern eingenommen, von Simon de Montfort 1212 belagert, zurückerobert und niedergebrannt, wechselweise von den Engländern und den Franzosen im Hundertjährigen Krieg besetzt und jedes Mal ein wenig mehr beschädigt. Die gravierendste von fünf Belagerungen erfolgte 1463 von den Engländern, die neben der Brandschatzung der Burg auch die Häuser des Dorfes niederrissen.

Das Lehen von Biron war in den Händen der Familie Gontaut seit dem 12. Jahrhundert. Pons de Gontaut-Biron beschloss nach dem Krieg am Anfang des 16. Jahrhunderts, ein Renaissanceschloss anstelle der maroden Burg zu errichten. Neue Wohngebäude und eine Kapelle wurden hinzugefügt. Die Enthauptung von Charles de Gontaut im Jahre 1602 haben die Arbeiten zeitweise unterbrochen. Charles de Gontaut profitierte von der Wertschätzung des französischen Königs Heinrich IV. gegenüber seinem Vater und brachte es zu mehreren Titeln, u. a. zum Pair de France. Das Baronat Biron stieg 1598 zum Herzogtum auf. Aber Charles de Gontaut schmiedete zusammen mit dem Herzog von Savoyen und dem spanischen Gesandten in Mailand eine Verschwörung gegen den König mit dem Ziel der Aufspaltung des Königreichs, die letztendlich aufgedeckt wurde. Nachdem der König Gnade vor Recht erließ, Charles de Gontaut eine zweite Verschwörung anzettelte, die ebenfalls aufgedeckt wurde, stritt er alles ab und wurde wegen Hochverrats zum Tode verurteilt, das am 31. Juli 1602 im Hof der Bastille vollstreckt wurde. Sein Besitz wurde beschlagnahmt. 1723 kam das Schloss wieder in den Besitz der Familie Gontaut. Der letzte Markgraf von Biron verkaufte das Schloss und seinen Inhalt im Jahr 1938, als er ruiniert war.

Die Ursprünge ´von Biron sind nicht sicher. Der Name des Dorfes, das in der latinisierte Form Birontium im Jahr 1115 erwähnt wurde und in der Schreibweise Biron1281 in den Schriften erschien, könnte von einem ursprünglich gallischen Personennamen °Birus, gefolgt von -onem abstammen. Das Vorhandensein des alten okzitanischen Worts viron (deutsch Umgebung), im Gaskognischen biroun führ jedoch zu einer Dialektkonstruktion. Ein Lied über den Tod des Marschalls von Biron liefert im 17. Jahrhundert die Form Biroun. Viron, abgeleitet von virar, entspricht dem altfranzösischen Wort viron (von virer (deutsch (sich) drehen)), das zu environ (deutsch Umgebung) wurde.[5]

Während der Französischen Revolution wurde die Gemeinde „Mont Rouge“ oder „Notre Dame“ genannt. 1827 wurden die bisherigen Gemeinden Bertis-de-Biron, Saint-Michel-de-Biron, Saint-Cernin-de-Biron und Vergt-de-Biron eingegliedert. 1840 wurde Vergt-de-Biron zusammen mit Bertis-de-Biron und Saint-Cernin-de-Biron wieder eigenständig.[6]

Bevölkerungsentwicklung

Biron: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020
Jahr  Einwohner
1793
  
393
1800
  
298
1806
  
314
1821
  
400
1831
  
1.124
1836
  
1.175
1841
  
553
1846
  
572
1851
  
568
1856
  
534
1861
  
555
1866
  
501
1872
  
507
1876
  
504
1881
  
470
1886
  
402
1891
  
377
1896
  
338
1901
  
312
1906
  
278
1911
  
257
1921
  
200
1926
  
189
1931
  
187
1936
  
167
1946
  
134
1954
  
129
1962
  
122
1968
  
123
1975
  
121
1982
  
120
1990
  
132
1999
  
140
2006
  
173
2013
  
188
2020
  
142
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[6] INSEE ab 2006[7][8][9]
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Der kontinuierliche Bevölkerungsrückgang seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist im Wesentlichen auf die Reblauskrise im Weinbau sowie auf die Mechanisierung der Landwirtschaft und die Schließung von bäuerlichen Kleinbetrieben zurückzuführen.

Sehenswürdigkeiten

Schloss Biron

Das den Ort überragende Schloss Biron ist in Teilen seit dem Jahr 1928 als Monument historique klassifiziert, seit 1992 in weiteren Teilen eingeschrieben.[10]

Sonstige

  • Die Kirche Notre-Dame-de-Bourg entstand im 12./13. Jahrhundert. Die Fassade mit ihrem Glockengiebel (clocher mur) wurde im 16. Jahrhundert überarbeitet. Das Bauwerk ist seit dem Jahr 1961 als Monument historique klassifiziert.[11]
  • Die Umwandlung des teilweise zerstörten Kriegerdenkmals aus dem Jahr 1922 in ein Monument vivant stammt vom deutschen Bildhauer Jochen Gerz (1996).

Wirtschaft

Erwerbstätigkeit

Im Jahre 2022 waren 61 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Biron erwerbstätig, entsprechend 73,3 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse. Die Zahl der Arbeitslosen war mit 8 im Jahr 2022 höher als im Jahr 2016 (6). Die Arbeitslosenquote stieg entsprechend von 9,1 % (2016) auf 13,6 % (2022).[12]

Branchen und Betriebe

22 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2022 in Biron wirtschaftlich aktiv:[12]

Branche
Anzahl %
Gesamt 22
Fertigung, Bergbau und andere Industrien 1 4,5 %
Baugewerbe 2 9,1 %
Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie 9 40,9 %
Immobilien 2 9,1 %
Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten 4 18,2 %
Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln 2 9,1 %
Andere Dienstleistungen 2 9,1 %

Landwirtschaft

Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Polykulturen und/oder Mischbetriebe in der Tierhaltung.[13] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 14 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 8 im Jahr 2000, auf 5 im Jahr 2010 und schließlich auf 3 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 78,6 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche verringerte sich von 341 Hektar im Jahre 1988 deutlich auf 72 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb veränderte sich nicht wesentlich von 24,4 Hektar auf 24,0 Hektar.[14][15][16]

Fernwanderwege

Der 1932 Kilometer lange Fernwanderweg GR 36 „De la Manche aux Pyrénées“ von Ouistreham (Département Calvados) nach Bourg-Madame (Département Pyrénées-Orientales) durchquert das Gemeindegebiet von Nord nach Süd.[17]

Verkehr

Biron liegt fernab von größeren Verkehrsachsen. Nachgeordnete Departementsstraßen und lokale Landstraßen verbinden das Zentrum mit den Weilern und Nachbargemeinden.

Literatur

  • Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
  • Heike Bentheimer: Périgord. Trescher Verlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-89794-545-6.
Commons: Biron – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Géologie de la Dordogne-Périgord. Éditions Esprit de Pays, abgerufen am 18. Oktober 2025 (französisch).
  2. Répartition des superficies en 15 postes d’occupation des sols (métropole). CORINE Land Cover, 2018, abgerufen am 18. September 2025 (französisch).
  3. Dossier des Départements der Hauptrisiken. (PDF) Département Dordogne, 11. Dezember 2020, abgerufen am 18. Oktober 2025 (französisch).
  4. Les risques près de chez moi. Ministerium für ökologischen Wandel, Biodiversität, Wälder, Meer und Fischerei, abgerufen am 18. Oktober 2025 (französisch).
  5. Tanet, Hordé, Seiten 59–60
  6. a b Notice Communale Biron. EHESS, abgerufen am 18. Oktober 2025 (französisch).
  7. Populations légales 2006 Commune de Biron (24043). INSEE, abgerufen am 18. Oktober 2025 (französisch).
  8. Populations légales 2013 Commune de Biron (24043). INSEE, abgerufen am 18. Oktober 2025 (französisch).
  9. Populations légales 2020 Commune de Biron (24043). INSEE, abgerufen am 18. Oktober 2025 (französisch).
  10. Biron – Château in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  11. Biron – Kirche in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  12. a b Dossier complet Commune de Biron (24043). INSEE, abgerufen am 18. Oktober 2025 (französisch).
  13. Territoriale Spezialisierung der landwirtschaftlichen Produktion im Jahr 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 18. Oktober 2025 (französisch).
  14. Allgemeine Daten der landwirtschaftlichen Betriebe mit Sitz in Biron. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 18. Oktober 2025 (französisch).
  15. Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe und deren durchschnittliche landwirtschaftlich genutzte Fläche 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 18. Oktober 2025 (französisch).
  16. Gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 18. Oktober 2025 (französisch).
  17. GR®36 De la Manche aux Pyrénées. gr-infos.com, abgerufen am 18. Oktober 2025 (französisch).