Polizei-Bataillon 325

Polizei-Bataillon 325
(danach III./Pol.-Geb.Jg.-Rgt. 18)

Aktiv 1940 bis 1942
Staat Deutsches Reich NS Deutsches Reich
Streitkräfte Schutzstaffel
Typ Ordnungspolizei
Standort Heimatstandort: Dresden
Führung
Kommandeur Major der Schutzpolizei Auscher

Das Polizei-Bataillon 325 war eine militärische Einheit der Ordnungspolizei im nationalsozialistischen Deutschland und wurde im Zweiten Weltkrieg in Polen, Slowenien und auf dem Balkan eingesetzt. Angehörige des Bataillons waren am Holocaust und weiteren Kriegsverbrechen beteiligt.

Hintergrund

Die deutsche Ordnungspolizei war ein zentrales Instrument des Sicherheitsapparates des nationalsozialistischen Deutschlands. In der Vorkriegszeit arbeiteten der Reichsführer SS Heinrich Himmler und der Chef der Ordnungspolizei Kurt Daluege zusammen, um Polizeieinheiten der Weimarer Republik in militarisierte Formationen umzuwandeln. Diese sollten bereit sein, den Eroberungs- und Vernichtungszielen des NS-Regimes zu dienen. Für die Besetzung Polens im September 1939 wurden die Polizeitruppen zunächst in Bataillone der Ordnungspolizei formiert, wo sie zu Sicherheits- und Polizeizwecken eingesetzt wurden und auch an Hinrichtungen und Massendeportationen teilnahmen. Im weiteren Kriegsverlauf dienten die Polizei-Bataillone dazu, in besetzten Gebieten mittels deutscher Sicherheitskräfte die Kontrolle zu erhalten und die Politik und die Interessen des nationalsozialistischen Systems durchzusetzen.

Aufstellung

Die Aufstellung des Polizei-Bataillons 325 erfolgte 1940 aus einem Ausbildungsbataillon der Ordnungspolizei, dem Polizei-Ausbildungs-Bataillon „Hellerau“. Die Aufstellung vor Juni 1940 gilt als gesichert, da in diesem Monat einige Angehörige nach Mariaschein bei Teplitz befohlen wurden, um an einem Lehrgang der dortigen Polizei-Offizierschule teilzunehmen. Erster Kommandeur des Verbands war zu dieser Zeit Major der Ordnungspolizei Leo von Braunschweig, der aber am 4. Juli zu einer anderen Einheit versetzt wurde.[1]
Im Rahmen der Aufstellung des Polizei-Bataillons 325 wurde Major Auscher der erste Kommandeur des regulären Polizei-Bataillons.

Einsatz

Für den ersten Einsatz als Besatzungstruppe verlegte das Polizei-Bataillon 325 nach der Aufstellung ins besetzte Polen. Dort wurde es dem Polizei-Regiment (KdO) „Krakau“ unterstellt.[1]

Im Herbst 1941 verlegte der Verband ohne die 1. Kompanie, die bis Ende Dezember 1941 in Krakau blieb, nach Kranj (Krainburg) in Slowenien. Hier sollte der Verband in einer größeren Serie von Aktionen gegen Partisanen eingesetzt werden.[1]

Vom 7. bis 9. Oktober war der Verband zusammen mit anderen deutschen Kräften bei der Einkreisung des Pokljuka-Hochplateaus eingesetzt. Geführt wurde die Operation vom Polizei-Regiment „Endler“ und beteiligt waren im Weiteren auch das Polizei-Bataillon 3, das Polizei-Bataillon 93 und das Polizei-Bataillon 181. Eine Kompanie verblieb zum Schutz des Regimentsstabs in Kranj.[1]

Am 24. Oktober 1941 wurde das Polizei-Bataillon 325 aus dem Regiment verabschiedet, um wieder an seinen Heimatstandort verlegt zu werden. Doch kam es nach den bekannten Dokumenten nicht zu dieser Verlegung, da der Verband im Januar 1942 bei Dražgoše (Draschgosche) zum Einsatz kam. Es kann angenommen werden, dass die kritische Sicherheitslage in Slowenien ursächlich war. Nachdem fest stand, dass der Verband vorerst in der Oberkrain verbleiben würde, wurde die 1. Kompanie aus Krakau nachgezogen. Für diesen Teilverband ist die Präsenz in Slowenien ab März 1942 dokumentiert.[1]

Das Polizei-Bataillon 325 wurde in der Einsatzgruppe zur Verfügung des Polizei-Einsatzstabes „Südost“ geführt. Dieses Kommando war eine für den Partisanenkampf in der Oberkraina und Untersteiermark zusammengestellte Einheit, die ab dem 15. Dezember 1941 von Generalleutnant Georg Schreyer geführt wurde. Es vereinte in einer großen Operation am 9. Januar 1942 das Polizei-Bataillone 44 (Abschnitt I), das Polizei-Bataillon 93 (Reserve), das Polizei-Bataillon 171 (Abschnitt II), die Polizei-Skistreifen-Abteilung (Abschnitt IV) und das Polizei-Bataillon 325 (Abschnitt V) in der Rolle einer Angriffsgruppe. Die Operation Grosseinsatz galt der Partisanengruppe "Ivan Cankar" und wurde am 12. Januar wegen des erfolgreichen Widerstands der Partisanen im Raum Dražgoše abgebrochen.[1]

Für die Folgezeit gibt es weitere Informationen zum Einsatz im Raum Kranj. Am 15. März nahmen Abordnungen des Polizei-Bataillone 93 und des Polizei-Bataillon 181 an der Beerdigung von Gefallenen der Einsätze in Kranj teil. Am 18. März war die 1. Kompanie bei Durchsuchungsaktionen im Raum Jesenice (Assling) unter der Führung des Kommandeurs des Polizei-Bataillon 93, Major der Ordnungspolizei Klein, eingesetzt. Weitere Kräfte der Ordnungspolizei, Landesschützen und Angehörige des SD waren an der Operation beteiligt, bei der nur wenige Waffen und militärische Ausrüstung gefunden wurden.[2]

Vom 24. auf den 25. April wurde eine weitere Operation durchgeführt. Die Befehlsstelle „Veldes“ des Befehlshabers der Ordnungspolizei „Alpenland“ hatte die Säuberung eines gebirgigen Abschnitts zwischen den Dörfern Lukovica (Lukwitz) und Cesnjice (Kerschstetten) geplant. Eingesetzt waren zwei Kompanien des Polizei-Bataillon 93 und einige Gruppen des Polizei-Bataillon 325, die eine Auffangstellung bilden sollten. Der Einsatz brachte jedoch kein greifbares Ergebnis.[2]

Aus diesem Einsatz heraus wurde das Polizei-Bataillon 325 aus der Oberkraina abberufen und auf einen Lehrgang für den Kampf im Gebirge beordert.[2]

Polizei-Gebirgsjäger-Bataillon 325

Am 28. April 1941 wurde das alte Polizei-Bataillon 325 für die Umgliederung und Ausbildung zum Gebirgsjäger-Bataillon aus der Oberkraina abgezogen.[2] Die Ausbildung und Neuausrüstung des Verbands erweiterte das Einsatzspektrum des Verbands, der entsprechend verwendet wurde.

Im Juli 1942 wurde der Verband im Rahmen der großen Reorganisation der Strukturen der Ordnungspolizei zum III. Bataillon / Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18. Im Juli und August 1943 wurde das Regiment zur Verstärkung nach Griechenland verlegt, wo sich die Nationalsozialisten auf einen möglichen Abfall des Bündnispartners Italien („Fall Achse“) vorbereiteten. Am 8. September 1943 wurde das III. Bataillon der 11. Luftwaffen-Felddivision unterstellt, um italienische Soldaten zu entwaffnen. Dabei kam es am 23. September auf der Kykladeninsel Andros zu den einzigen Kämpfen mit italienischen Truppen.[3] Im Juni 1944 wurden das II. und III. Bataillon sowie die mittlerweile hinzugekommene Polizei-Gebirgsjäger-Artillerieabteilung des Regiments zu einem sechswöchigen Einsatz auf dem Peloponnes unter dem Befehl von General Le Suivre mit der 117. Jäger Division und griechischen Freiwilligenverbänden kommandiert. Im „Unternehmen Natter“ sollte das Taygetosgebirge durchquert und die dortigen starken Partisanen vernichtet werden. Die Partisanen vermieden jedoch die Konfrontation, die beiden Bataillone des Regiments hatten nur zwei Tote und fünf Verletzte zu verzeichnen, während ihre Angehörigen bei dieser „Bandenbekämpfung“ 72 Griechen erschossen und 63 gefangen nahmen (vermutlich ausschließlich Zivilisten).[4]

Aufarbeitung

Als Teil des Polizei-Gebirgsjäger-Regiments 18 war der Verband gesichert in Kriegsverbrechen in Slowenien und Griechenland verwickelt. Die Veteranen organisierten Kameradschaftstreffen, bei denen u. a. Belange von juristischen Ermittlungen abgesprochen wurden. Sämtliche staatsanwaltlichen Ermittlungen nach dem Krieg wurden eingestellt.[5]

Der populäre DDR-Schriftsteller Erwin Strittmatter (ehemaliger Bataillonsangehöriger), verharmloste in seinem autobiographisch angehauchten Nachkriegsrealismus die Vorgänge in Griechenland, ohne seine Zugehörigkeit zum Bataillon offen zu legen.[6][7]

Literatur

  • Massimo Arico: Ordnungspolizei Vol. 1 – Encyclopedia of the German Police Battalions September 1939/July 1942. Leandor&Ekholm Publishing, Stockholm 2011, ISBN 978-91-85657-99-5.
  • Ralph Klein: Das SS-Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18. In: Wolfgang Schulte (Hrsg.): Die Polizei im NS-Staat. Verlag für Polizeiwissenschaft, Frankfurt 2009, ISBN 978-3-86676-093-6, S. 201–218.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Arico: Ordnungspolizei Vol. 1 2004, S. 497
  2. a b c d Arico: Ordnungspolizei Vol. 1 2004, S. 498
  3. Ralph Klein: Das SS-Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18. S. 211.
  4. Ralph Klein: Das SS-Gebirgsjäger-Regiment 18. S. 213 f.
  5. Ralph Klein: Das SS-Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18. S. 217 f.
  6. Werner Liersch: Geleugnete Wahrheit. Erwin Strittmatters Einsatz in der Ägäis und sein Nachkriegsrealismus. In: Chryssoula Kambas, Marilisa Mitsou (Hrsg.): Die Okkupation Griechenlands im Zweiten Weltkrieg: Griechische und deutsche Erinnerungskultur. Böhlau, 2015, ISBN 978-3-412-22467-7, S. 409 f.
  7. Frank Hoffmann, Silke Flegel: Autobiografie und Dichtung: Die Sommer-Debatte um Erwin Strittmatter. (PDF) Ruhruni Bochum, S. 973, abgerufen am 12. September 2025.