Polizei-Bataillon 312
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Polizei-Bataillon 312 | |
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| Aktiv | 1940 bis 1942 |
| Staat | Deutsches Reich |
| Streitkräfte | Schutzstaffel |
| Typ | Ordnungspolizei |
| Standort | Heimatstandort: Innsbruck |
Das Polizei-Bataillon 312 war eine militärische Einheit der Ordnungspolizei im nationalsozialistischen Deutschland und wurde im Zweiten Weltkrieg in Norwegen, Griechenland und auf dem Balkan eingesetzt. Angehörige des Bataillons waren am Holocaust und weiteren Kriegsverbrechen beteiligt.
Hintergrund
Die deutsche Ordnungspolizei war ein zentrales Instrument des Sicherheitsapparats des nationalsozialistischen Deutschlands. In der Vorkriegszeit arbeiteten der Reichsführer SS Heinrich Himmler und der Chef der Ordnungspolizei Kurt Daluege zusammen, um Polizeieinheiten der Weimarer Republik in militarisierte Formationen umzuwandeln. Diese sollten bereit sein, den Eroberungs- und Vernichtungszielen des NS-Regimes zu dienen. Für die Besetzung Polens im September 1939 wurden die Polizeitruppen zunächst in Bataillone der Ordnungspolizei formiert, wo sie zu Sicherheits- und Polizeizwecken eingesetzt wurden und auch an Hinrichtungen und Massendeportationen teilnahmen. Im weiteren Kriegsverlauf dienten die Polizei-Bataillone dazu in besetzten Gebieten mittels deutscher Sicherheitskräfte die Kontrolle zu erhalten und die Politik und die Interessen des nationalsozialistischen Systems durchzusetzen.
Aufstellung
Das Bataillon wurde Ende Sommer 1940 aus einer Ausbildungseinheit aufgestellt. Der Verband wurde dem Kommandeur der Schutzpolizei „Linz“ unterstellt. Schon Ende Oktober, möglicherweise noch vor Beendigung der Verbandsausbildung, erfolgte die Verlegung nach Norwegen.[1]
Einsatz
Ähnlich wie andere Polizei-Verbände, die zwischen dem Sommer 1940 und dem Jahresanfang 1941 aufgestellt wurden, wurde das Polizei-Bataillon 312 als zweite Welle deutscher Polizeitruppen nach Norwegen geschickt, um die dort seit Mai 1940 eingesetzten Einheiten zu ersetzen. Auch wurden diese Einheiten zur Verstärkung der deutschen Polizeipräsenz in der nördlichen Landeshälfte eingesetzt, die bis dahin aus nur zwei Bataillonen der Ordnungspolizei bestanden hatte. Das Polizei-Bataillon 312 wurde als Besatzungsverband zwischen Spillum und Namsos im Bereich Nordland stationiert. Hier wurde das Polizei-Bataillon 91 abgelöst, welches am 23. Oktober 1940 nach Deutschland zurückkehrte. Einzelne Gruppen des Bataillons waren wohl auch nördlich des Polarkreis eingesetzt. In der Folge erhielt die Einheit eine zusätzliche Ausbildung als Ski-Bataillon. Nach Süden schloss der Einsatzraum an den Verantwortungsbereich des Polizei-Bataillon 302 in Trondheim und nach Norden an den des Polizei-Bataillon 256 in Narvik an. Dies geht aus der Truppengliederung AOK Norwegen vom 1. Mai 1941 hervor.
Das Bataillon führte ab dem 1. November 1940 an der Uniform das Edelweiß-Abzeichen der deutschen Gebirgstruppen.
[1]
Das Bataillon hatte einen Stab und war in vier Kompanien gegliedert, welche gemeinsam im Frühjahr 1941 die Feldpostnummer 44123 führten. Für die 1. Kompanie des Bataillons ist aus dem Frühjahr 1940 eine eigene Feldpostnummer, die 45068, dokumentiert. Während auch die anderen Kompanien eigene Nummern hatten, ist aus dem Frühjahr nur die der 4. Kompanie, 47188, bekannt. Die Zuteilung eigener Feldpostnummern für die Verbandsteile legt nah, dass diese räumlich im Besatzungsgebiet weit verteilt waren. Im Herbst 1941 wurden die Nummern für die einzelnen Kompanien gestrichen und richteten sich nach jener des Stab.
[1]
Die 1. Kompanie wird im Herbst direkt einem höheren Stab unterstellt, dem Polizei-Regiment "Nordnorwegen". Diese Organisation führte entsprechend der Truppengliederung AOK Norwegen – Stand 1. Januar 1942 allerdings auch das gesamte Bataillon. Das Bataillon verblieb bis zum 21. April 1942 in Norwegen. An diesem Tag kam der Befehl zur Verlegung der Einheit nach Garmisch in Bayern, bei Ablösung durch das Polizei-Bataillon 255, das bis dahin in Oslo gestanden hatte.[1] Hier endete kurz darauf die Einsatzgeschichte als Polizei-Bataillon 312 durch die Umbenennung des Verbands und Umgliederung in ein Polizei-Gebirgsjäger-Bataillon.
Polizei-Gebirgsjäger-Bataillon 312
Die Einsatzgeschichte des Verbands als Polizei-Gebirgsjäger-Bataillon 312 ist von äußerst kurzer Dauer, da der Verband bereits im Juli 1942 zum II. Bataillon / Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18 wird.
Als Teil des Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18 war der Verband gesichert in Kriegsverbrechen in Slowenien und Griechenland verwickelt.
Die Veteranen organisierten Kameradschaftstreffen, bei denen u. a. Belange von juristischen Ermittlungen abgesprochen wurden. Sämtliche staatsanwaltlichen Ermittlungen nach dem Krieg wurden eingestellt.[2]
Literatur
- Massimo Arico: Ordnungspolizei Vol. 1 – Encyclopedia of the German Police Battalions September 1939/July 1942. Leandor&Ekholm Publishing, Stockholm 2011, ISBN 978-91-85657-99-5.
- Ralph Klein: Das SS-Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18. In: Wolfgang Schulte (Hrsg.): Die Polizei im NS-Staat. Verlag für Polizeiwissenschaft, Frankfurt 2009, ISBN 978-3-86676-093-6, S. 201–218.