Polizei-Bataillon 310

Das Polizei-Bataillon 310 war eine militärische Einheit der Ordnungspolizei im nationalsozialistischen Deutschland und wurde im Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Das Polizeibataillon war intensiv am Holocaust beteiligt und führte später Exekutionen in besetzten Gebieten im Rahmen von Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD durch.

Hintergrund und Aufstellung

Die deutsche Ordnungspolizei war ein zentrales Instrument des Sicherheitsapparats des nationalsozialistischen Deutschlands. In der Vorkriegszeit arbeiteten der Reichsführer SS Heinrich Himmler und der Chef der Ordnungspolizei Kurt Daluege zusammen, um Polizeieinheiten der Weimarer Republik in militarisierte Formationen umzuwandeln. Diese sollten bereit sein, den Eroberungs- und Vernichtungszielen des NS-Regimes zu dienen. Für die Besetzung Polens im September 1939 wurden die Polizeitruppen zunächst in Bataillonen der Ordnungspolizei formiert, wo sie zu Sicherheits- und Polizeizwecken eingesetzt wurden und auch an Hinrichtungen und Massendeportationen beteiligt waren.

Dreiundzwanzig Ausbildungs-Bataillone waren im Frühjahr 1940 auf Weisung Heinrich Himmlers vom 31. Oktober 1939 gebildet worden. Hierbei stellten die Polizei-Organisationen und Polizei-Schulen in Summe 77 und eine halbe Polizei-Kompanien auf. Vier dieser Kompanien unter dem Befehl von Major Koschmieder wurden als Wachtmeister-Bataillone bezeichnet.[1]

Das Polizei-Bataillon 310 wurde am 1. Oktober 1940 in Berlin aus Reservisten und aktiven Offizieren der Polizeitruppe gebildet. Hierbei wurden drei Füsilier-Kompanien und eine vierte schwere Kompanie mit Maschinengewehren und Granatwerfern aufgestellt. Das Personal des Bataillons stammte für die 1., 2. und 4. Kompanie vom Polizei-Ausbildungs-Bataillon „Oranienburg“ und für die 3. Kompanie aus dem Polizei-Ausbildungs-Bataillon „Scheidemühl“.[1]

Die Masse des Polizei-Ausbildungs-Bataillons „Scheidemühl“ wurde für die Aufstellung des Polizei-Bataillon 313 in Stettin verwendet.[1]

Die Gliederung der ca. 600 Mann starken Einheit sah 20 Mann für den Stab, 13 bis 19 Mann für den Nachrichtenzug und ungefähr 70 Mann im Bereich der Reit- und Fahrstaffel vor.[1]

Einsatz

Am 15. Oktober wurde die Einheit ins Generalgouvernement in die Unterstellung beim Polizei-Regiment (KdO) „Radom“ verlegt. Hier ersetzte es das Polizei-Bataillon 7 in Tschenstochau sowie in den Städten Piotrkow Trybunalski und Tomaszow Mazowiecki. Historische Quellen belegen die Stationierung der Einheit in diesen Städten.[1]

Relativ gesichert ist, dass entsprechend Dalueges Befehl vom Juli 1940 dem Bataillon ein Jagdzug in der Stärke von sieben bis fünfunddreißig Mann zugeteilt wurde, der besondere Aufgaben zu erledigen hatte.[1]

Polizei-Bataillon ..„Tschenstochau“

Während der Einsatzzeit in Polen waren dem Bataillon viele Aufgaben übertragen, aber es kam auch zu zahlreichen Kriegsverbrechen. So wurden mehrfach jüdische Personen zusammengetrieben. So am 16. Oktober 1940 und mehrfach im Januar 1941.[1] Die Einsatzgeschichte dokumentiert die Begleitung und Bewachung von militärischen und zivilen Personen der Verwaltung, sowohl Deutschen als auch Ausländern am 27. Oktober und am 11. und 14. November. Ein weiterer Einsatz fand am 11. Mai 1941 statt.

In der Zeit des Einsatzes in Tschenstochau kam es zu zahlreichen Einsätzen gegen die jüdische Bevölkerung. Besonders zu erwähnen ist die Beteiligung am Blutsonntag von Stanislau.

Zum Tode verurteilte Gefangene wurden am 2. November durch Angehörige der 2. Kompanie und am 19. November durch Angehörige der 3. Kompanie exekutiert.

Am 6. Januar 1941 wurde ein Kommando der 1. Kompanie für die Bewachung von politischen Gefangenen und deren Verbringung zum Deportationszug nach Auschwitz eingesetzt. Am 11. Februar 1941 war die gleiche Kompanie im Raum Tschenstochau bei einer Anti-Partisanen eingesetzt.

Am 5. Februar 1941 hatte die 2. Kompanie in Tomaszow Mazowiecki und Piotrkow Trybunalski Streifen eingesetzt, um nach Schmugglern zu suchen und verhaftete Personen.

Die 3. Kompanie führte am 20. und 30. Mai in Piotrkow Trybunalski "Vergeltungsmaßnahmen" gegen die Bevölkerung durch. Hierbei wurden in Tschenstochau und Piotrkow Trybunalski Sondergerichte gebildet. Ihnen wurden Erschießungskommandos zugeteilt, welche die Todesstrafen sofort umsetzten.

Weiterhin werden der 3. Kompanie die Erschießungen von sowjetischen Kriegsgefangenen im Stalag 325 bei Rawa-Ruska zugeschrieben.

Im Juni 1941 trat der Major der Ordnungspolizei Bruno Holling die Nachfolge des bisherigen Kommandeurs Major der Ordnungspolizei Bruno Koschmieder an.[2]

Am 21. Februar 1942 wurde das Bataillon in die nördliche Sowjetunion verlegt. Es erfolgte eine beschleunigte Verlegung in den Raum Leningrad per Lufttransport. Der ursprüngliche Plan, die Einheit einer Infanterie-Division zu unterstellen, wurde fallengelassen, als beim I. Armee-Korps durch die Verlegung eines Polizeistabs im Raum Puschkino-Krasnoje-Selo die Polizei-Kampfgruppe „Jeckeln“ gebildet werden konnte. Diese Einheit sollte zumindest teilweise die an dieser Front eingesetzte Polizei-Division und die 58. Infanterie-Division ersetzen. Da diese beiden Verbände den sowjetischen Durchbruch am Wolchow abriegeln sollten.[2]

Das Polizei-Bataillon 310 verblieb als Teil der Polizei-Kampfgruppe "Jeckeln" vom 22. Februar bis zum 7. April im Raum Puschkino. Die Führung durch die Polizei-Kampfgruppe erfolgte über den Stab des Infanterie-Regiment 409, das zur 122. Infanterie Division gehörte.[2]

Für den folgenden Einsatz im Raum Schlüsselburg wurde das Bataillon der 223. Infanterie-Division unterstellt.[2] Damit war die Einheit vom 8. April bis zum 1. Mai dem XXVIII. Armee-Korps und vom 10. Mai bis zum 14. Juli nachweislich dem XXVI. Armee-Korps zugehörig.[2]

Für den Fronteinsatz erhielt das Bataillon die Feldpostnummer 22665 und am 20. und 25. April 1942 jeweils als Verband eine Auszeichnung für Kampfeinsätze durch die 18. Armee.[2]

Das abgekämpfte Bataillon wurde letztlich am 14. Juli 1942 aus der Front gezogen und nach Daugavpils in Lettland verlegt. Dort traf es am 18. Juli ein und wurde nach einer ersten Ruhephase nach Riga verlegt. Es erfolgte eine Auffrischung und Reorganisation bis zum 17. August. Dann wurde die Einheit direkt dem HSSPF "Russland Nord" unterstellt und nach Polesien verlegt.[2]

Am 9. Juli 1942 war befohlen worden, dass das Bataillon mit Wirkung zum 1. August 1942 in III. Bataillon / Polizei-Regiment 15 umbenannnt wurde. Damit endete die unabhängige Einsatzgeschichte.[2]

Beteiligung am Holocaust

Von allen Polizeibataillonen weist das Polizei-Bataillon 310 im Rahmen der Einsatzgruppen eine hohe Zahl an Exekutionen an jüdischen Menschen auf.

Literatur

  • Massimo Arico: Ordnungspolizei Vol. 1 – Encyclopedia of the German Police Battalions September 1939/July 1942. Leandor & Ekholm Publishing, Stockholm 2011, ISBN 978-91-85657-99-5 (englisch).
  • Georg Tessin, Norbert Kannapin: Waffen-SS und Ordnungspolizei im Kriegseinsatz 1939 – 1945. Ein Überblick anhand der Feldpostübersicht. Biblio-Verlag, Osnabrück 2000, ISBN 3-7648-2471-9.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Arico: Ordnungspolizei Vol. 1, Stockholm 2011, S. 429
  2. a b c d e f g h Arico: Ordnungspolizei Vol. 1, Stockholm 2011, S. 432