LNWR-Klasse Improved Precedent

LNWR-Klasse Improved Precedent
Lokomotive Nr. 1194 Miranda
Anzahl: 166
Hersteller: LNWR Crewe Works
Baujahr(e): 1887–1901
Ausmusterung: 1905–1933
Bauart: 1’B n2
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: 13.410 mm
Kuppelachsradstand: 2510 mm
Gesamtradstand: 4780 mm
Dienstmasse: 36,2 t
Anfahrzugkraft: 50 kN
Treibraddurchmesser: 2057 mm
Laufraddurchmesser: 1067 mm
Steuerungsart: Allan
Zylinderanzahl: 2, innenliegend
Zylinderdurchmesser: 432 mm (17 in)
Kolbenhub: 610 mm (24 in)
Kesselüberdruck: 10,3 bar (150 psi)
Verdampfungsheizfläche: 98,8 m²
Wasservorrat: 8,2 m³, später 9,1 m³
Brennstoffvorrat: Kohle

Die LNWR-Klasse Improved Precedent, auch Renewed Precedent, war eine von Francis William Webb entworfene Baureihe von Dampflokomotiven der London and North Western Railway (LNWR), die zwischen 1887 und 1901 in den bahneigenen Crewe Works gebaut wurden. Die auch als Jumbos oder Large Jumbos bekannten Schlepptenderlokomotiven mit der Achsfolge 1’B waren für den Einsatz vor Schnellzügen ausgelegt. Die Baureihe war eine verbesserte Version der Precedent-Klasse.

Geschichte

Die Lokomotiven bildeten den Ersatz für die Klassen Newton und Precedent, wobei die Nummern der alten Lokomotiven übernommen wurden. Insgesamt entstanden 166 Lokomotiven der Improved-Precedent-Klasse. Sie ersetzten 96 Lokomotiven der Newton-Klasse und 62 Lokomotiven der Precedent-Klasse. Obwohl sie tatsächlich Neubauten waren und nur Nummern und Namen dieser 158 Lokomotiven übernommen wurden, wurden sie buchhalterisch als „renewals“ (Erneuerung) aus diesen beiden Klassen verzeichnet.[1] Weitere acht Lokomotiven wurden aus der Precedent-Klasse umgebaut.[2]

Sie unterschieden sich von den Lokomotiven der ursprünglichen Precedent-Klasse hauptsächlich durch den auf 10,3 bar (150 psi) erhöhte Kesseldruck und den größeren Durchmesser der Kuppelradsätze, der durch die Verwendung von dickeren Bandagen von 2019 mm auf 2057 mm vergrößert wurde. Die Abmessungen des Kessels blieben unverändert.[3.1]

Die Lokomotiven waren für ihre Zeit sehr leistungsfähige Maschinen, hatten allerdings einen hohen Brennstoffverbrauch. Sie übernahmen vor allem die prestigeträchtigen Schnellzüge der West Coast Main Line (WCML) zwischen London Euston und Birmingham, Manchester und Liverpool sowie die Züge von und nach Schottland auf dem der LNWR gehörenden Abschnitt der WCML bis Carlisle.[1]

1895 erreichte die Lokomotive 790 Hardwicke während des damaligen Race to the North, bei dem die Bahngesellschaften der WCML mit denen der East Coast Main Line (ECML) um die schnellste Verbindung zwischen London und Aberdeen konkurrierten, auf dem Abschnitt zwischen Crewe und Carlisle eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 67,1 mph (etwa 108 km/h). Dabei erreichte sie zeitweise Spitzengeschwindigkeiten von fast 90 mph (knapp 145 km/h). Dieser Rekord wurde auf der WCML erst 1936 von der Lokomotive 6201 Princess Elizabeth der „Princess Royal Class“ mit 70,15 mph (112,9 km/h) unterboten.[1]

Als George Whale, der 1903 die Nachfolge von Francis Webb antrat, in den 1900er Jahren seine Varianten der Klassen Precursor und Experiment einführte, wurden ab Dezember 1905 die Improved Precedents ausrangiert. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Juli 1914 waren nur noch 112 Lokomotiven im Einsatz.

Bei der Zusammenlegung der britischen Bahnen in vier große Gesellschaften im Jahre 1923 übernahm die London, Midland and Scottish Railway (LMS) noch 76 Lokomotiven die in die Leistungsklasse 1P eingeteilt wurden. Sie erhielten die Betriebsnummern 5004 bis 79 in der Reihenfolge ihres Baujahres, wobei die Nummern nicht an allen Lokomotiven angebracht wurde, weil die Ausmusterungen zügig voranschritten. Bis Ende 1933 war nur noch die 5001 Snowdon im Bestand, die im April 1934 in 25001 umnummeriert wurde, damit die Nummer 5001 für eine LMS-Klasse 5 „Black Five“ frei wurde. Sie wurde jedoch noch im Oktober desselben Jahres ausgemustert.

Verbleib

Die Lokomotive Nr. 790 Hardwicke mit Baujahr 1892 blieb in Erinnerung an ihren Rekord während des „Race to the North“ erhalten, nachdem sie 1932 ausgemustert worden war. Zunächst wurde sie in Crewe hinterstellt, bis sie 1962 in das damals neu errichtete Museum of British Transport in Clapham kam. Nach der Schließung dieses Museums kam die Lokomotive 1974 nach Carnforth. Dort wurde sie wieder betriebsfähig aufgearbeitet, so dass sie 1975 an der Jubiläumsparade in Shildon anlässlich der 150-Jahr-Feier der Stockton and Darlington Railway teilnehmen konnte. In der Folgezeit wurde sie von Carnforth aus für Sonderfahrten eingesetzt, so etwa 1976 zusammen mit der Lokomotive 1000 der MR-Klasse 1000 vor einem Sonderzug anlässlich der 100-Jahr-Feier der Bahnstrecke Settle–Carlisle. Zuletzt unter Dampf eingesetzt wurde sie 1982. Seitdem wird die Lokomotive, die Teil der nationalen britischen Eisenbahnsammlung ist, im National Railway Museum in York ausgestellt.[1]

Commons: LNWR-Klasse Improved Precedent – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b c d Preserved British Steam Locomotives: 790 Hardwicke 2-4-0 L&NWR Precedent Class, abgerufen am 28. November 2025
  2. LNWR/LMS Webb "Improved Precedent" Class 2-4-0 - 'Jumbo'. In: BRDatabase. Abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
  3. Ernest Leopold Ahrons: The British steam railway locomotive, 1825-1925. Locomotive Pub. Co., London 1927 (archive.org [abgerufen am 27. November 2025]).
    1. S. 266