Race to the North

Das Race to the North, deutsch etwa Wettlauf nach Norden, war ein inoffizieller Wettbewerb zwischen britischen Eisenbahngesellschaften Ende des 19. Jahrhunderts. Dabei konkurrierten die Betreiber der West Coast Main Line und der East Coast Main Line um die schnellste Verbindung zwischen London und den schottischen Städten Edinburgh und Aberdeen. Die beiden bekanntesten Wettfahrten fanden in den Sommermonaten 1888 und 1895 statt und erregten große öffentliche Aufmerksamkeit.

Routen und Gesellschaften

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war eine Boomzeit für die britischen Eisenbahnen, in der zahlreiche Gesellschaften bestanden. Erst durch Zusammenschlüsse und Vereinbarungen wurden durchgehende Fahrten von London nach Edinburgh möglich. In den 1880er Jahren etablierten sich zwei Konsortien auf dieser Verbindung: die Great Northern Railway (GNR), North Eastern Railway (NER) und North British Railway (NBR) auf der East Coast Main Line (ECML) sowie die London and North Western Railway (LNWR) und Caledonian Railway (CR) auf der West Coast Main Line (WCML). An den Grenzen ihrer Streckennetze in York beziehungsweise Carlisle wurden die Lokomotiven gewechselt, die Reisenden konnten meist sitzen bleiben.

1888 begann ein intensiver Wettbewerb um die schnellste Verbindung zwischen London und Edinburgh, 1895 zwischen London und Aberdeen. Die Route nach Aberdeen wurde für die Betreiber der East Coast Main Line erst interessant, nachdem die Forth Bridge und die Firth-of-Tay-Brücke befahren werden konnten, sodass die NBR eine direkte und zeitlich konkurrenzfähige Verbindung nach Aberdeen anbieten konnte.[1]

Nachdem 1901 die Midland Railway (MR) gemeinsam mit der NBR einen beschleunigten Schnellzug von London nach Edinburgh über die Midland Main Line, Settle Carlisle Line und die Waverley Line eingeführt hatte, hätte es zu einem neuen Wettlauf kommen können. Zwar reagierte die East-Coast-Route mit einer verkürzten Fahrzeit und die West-Coast-Route ebenfalls, jedoch blieb ein neuer Wettlauf aus. Die von MR und NBR genutzten Strecken ließen aufgrund ihrer Trassierung keine nennenswerte weitere Reduzierung der Reisezeiten zu, so dass beide Gesellschaften ihre mit Pullmanwagen ausgestatteten Züge im Schottlandverkehr vor allem unter Komfortgesichtspunkten bewarben.

Literatur

  • O.S. Nock: The railway race to the North. Ian Allen, 1976, ISBN 978-0-7110-0657-7.
  • C David Wilson: Racing Trains – The 1895 Railway Races to the North. Alan Sutton, Stroud, ISBN 978-0-7509-0886-3.
  • A. J. Mullay: The railway race to Scotland, 1901. Edinburgh : Moorfoot, 1989, ISBN 978-0-906606-13-1 (archive.org [abgerufen am 29. November 2025]).

Einzelnachweise

  1. O.S. Nock: The railway race to the North. Ian Allen, 1976, ISBN 978-0-7110-0657-7.