Geschichte von Elmstein
Die Geschichte von Elmstein beginnt mit der gleichnamigen Burg im Mittelalter, die als Keimzelle des Ortes gilt. Jahrhundertelang war die Forstwirtschaft der wichtigste Arbeitgeber und trug entscheidend zur Zersiedlung des Gemeindegebiets bei.[1] Bedingt durch den Rückgang ersterer gewann der Tourismus zunehmend an Bedeutung.
Altertum
Ein Beil aus der Jungsteinzeit, dessen Feuersteinklinge im Oktober 1968 bei Wegebauarbeiten im Blattbachtal in der Nähe von Iggelbach auf der Bloskülb gefunden wurde, deutet darauf hin, dass auf dem Gebiet der Ortsgemeinde bereits vor 5000 Jahren Menschen gelebt und Holz bearbeitet haben.[2] Beim Nibelungenheim im Norden der Gemarkung wurde außerdem ein Steinkistengrab entdeckt.[3]
Ebenso gibt es Anhaltspunkte dafür, dass aufgrund mehrerer altertümlicher, naher Fernstraßen bereits Kelten und Römer das Gemeindegebiet durchquerten und Rastplätze unterhielten, wenngleich dies bislang nicht durch Funde gesichert belegt ist.[2]
Mittelalter
Der Hauptort geht auf die im Mittelalter entstandene Burg Elmstein – damals „Elbstein“ – zurück, die oberhalb am Südwesthang des Schloßbergs im 12. und 13. Jahrhundert von den Pfalzgrafen bei Rhein errichtet wurde. Ihr Zweck war, die durch das Elmsteiner Tal verlaufende, von Neustadt nach Johanniskreuz führende Route zu sichern. Zum Besitz der Burg gehörten ebenso die schon damals bestehenden Ortsteile Appenthal und Iggelbach.
Dennoch besteht die Möglichkeit, dass der Ort selbst Jahrhunderte früher existierte, ohne dass er in einer Urkunde Erwähnung fand. Sprachgeschichtliche Ableitungen legen nahe, dass ein Edler der Franken, der wahlweise Alberto, Alberich, Albo oder Elbo hieß, Ort und Burg eventuell bereits um 900 erbaute. Der untere Teil der Burg enthält Buckelquader, die ab 1150 zum Markenzeichen der Staufer avancierten.[4]
Das Kloster Otterberg besaß am Ort landwirtschaftliche Flächen und das Triftrecht.[5][6] Kaiser Friedrich I., der Mitte des 12. Jahrhunderts in Kaiserslautern die Kaiserpfalz errichten ließ, nutzte von dort aus für Reisen nach Speyer und Worms wahrscheinlich die Route über das Elmsteiner Tal, da kürzere Wege durch Leininger Territorien geführt hätten, zu denen er stets ein angespanntes Verhältnis hatte.[7]
Frühe Neuzeit
Kurfürst Ottheinrich führte 1556 die Reformation in der Kurpfalz ein, womit Elmstein protestantisch wurde.[8]
Der Pfälzische Erbfolgekrieg hatte zur Folge, dass die Burg Elmstein endgültig zerstört wurde und die örtliche Einwohnerzahl auf den einstelligen Bereich schrumpfte.[9] Die Reste der Burg wurden daraufhin als Steinbruch für den Häuserbau genutzt.[10][11]
Die meisten Ortsteile entstanden ab der frühen Neuzeit wahlweise als Ausbausiedlungen für Waldarbeiter wie Harzofen oder Schwabenbach, als Standort eines Sägewerks wie Helmbach und Mückenwiese oder wie Röderthal als Bergarbeitersiedlung.[1]
1698 wurde die örtliche Kirche zur Simultankirche umfunktioniert.[12] 1707 wurde sie den Protestanten zugeschlagen.[13] Kurfürst Karl Theodor (1724–1799) nutzte die örtlichen Waldgebiete regelmäßig zur Jagd und residierte dabei im zu diesem Zweck errichteten Kurfürstlichen Jagdhaus, das zeitgleich als Sitz des Försters diente.[14][15]
Bis Ende des 18. Jahrhunderts blieb die Gemeinde, zu der bereits damals der Nachbarort Iggelbach gehörte, Teil der Kurpfalz.
19. Jahrhundert
Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend des Napoleonischen Kaiserreichs war, waren Elmstein und Iggelbach in den Kanton Neustadt (Donnersberg) eingegliedert und zugleich Sitz einer Mairie. 1815 wurde der Ort Österreich zugeschlagen. Ein Jahr später wechselte er wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern. Ab 1818 gehörte die Gemeinde dem Landkommissariat Neustadt an.
Während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden entlang des Speyerbachs und seiner örtlichen Nebenflüsse mehrere Anlagen, die der Erleichterung der bereits seit mehreren Jahrhunderten praktizierten Trift dienten, was einem örtlichen Konjunkturprogramm gleichkam.[16] Zur selben Zeit entstand das Fostamt Elmstein, das das gesamte Waldgebiet in Elmstein verwaltete.
Ab 1853 begann der Ausbau der Straße durch das Elmsteiner Tal, die 1858 abgeschlossen war. Eigens zu diesem Zweck reiste der frühere bayerische König Ludwig I. am 18. Juni des Jahres in die Gemeinde.[17]
1862 wurde das Landkommissariat Neustadt in ein Bezirksamt umgewandelt. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Trift eingestellt. Grund war der zunehmende Ausbau des Straßen- und des Eisenbahnnetztes, wodurch diese Tätigkeit zunehmend überflüssig geworden war.[16]
20. Jahrhundert
1909 wurde das Kuckucksbähnel nach Lambrecht eröffnet, was eine Verbesserung der Infrastruktur darstellte. Ebenso gewann der Tourismus zunehmend an Bedeutung; beispielsweise entstand 1920 das Naturfreundehaus Harzofen. 1930 begann der Bau des Ortsteils Schafhof südwestlich des Kernortes.
Ab 1939 war Elmstein ein Bestandteil des Landkreises Neustadt an der Weinstraße, der aus dem gleichnamigen Bezirksamt hervorgegangen war. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde innerhalb der französischen Besatzungszone ein Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.
1960 wurde der Personenverkehr auf dem Kuckucksbähnel eingestellt, anderthalb Jahrzehnte später folgte der Güterverkehr. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte Elmstein 1969 in den neu geschaffenen Landkreis Bad Dürkheim. Drei Jahre später wurde die Gemeinde ein Bestandteil der ebenfalls neu entstandenen Verbandsgemeinde Lambrecht (Pfalz). Am 1. Januar 1976 wurden die zuvor zu Wilgartswiesen gehörenden Orte Erlenbach, Schwarzbach und Speyerbrunn nach Elmstein umgemeindet.[18]
Bereits damals war die Mehrheit der Einwohner bedingt durch die verbesserten Verkehrsverhältnisse sowie den Rückgang der Forstwirtschaft Pendler.[19] Zur selben Zeit bemühte sich die Gemeinde darum, den Titel „staatlich anerkannter Luftkurort“ zu erhalten. Nachdem sie seit 1974 das Prädikat „Erholungsort“ hatte führen dürfen, scheiterte vier Jahre später die Anerkennung als „Luftkurort“.[20]
Die Zeit ab 1980 war von einem Rückgang der örtlichen Infrastruktur geprägt. Beispielsweise ging das gastronomische Angebot in der Gemeinde zurück.[21] Ebenso sank die Einwohnerzahl infolge der peripheren Lage der Gemeinde.
21. Jahrhundert
2002 geriet die Gemeinde in die Schlagzeilen, als die NPD versuchte, den Elmsteiner Hof am nordwestlichen Ortsrand zu erwerben, der im Oktober selben Jahres schließlich abbrannte.[22][23]
Zum Jahreswechsel 2003/2004 wurde das örtliche Forstamt, das 1996 durch Zusammenlegung der 1885 geschaffenen Forstämter Elmstein-Nord und Elmstein-Süd wieder gebildet worden war, aufgelöst. Seither gehören die Waldgebiete der Ortsgemeinde zum Staatsforst Johanniskreuz und werden vom Forstamt Johanniskreuz aus verwaltet.[24]
2011 wurde der Ort als eine von 20 Kommunen in Rheinland-Pfalz in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen. Zudem wurde zwischenzeitlich das vorher zu Rhodt unter Rietburg gehörende Forsthaus Frechental zu Elmstein umgemeindet.[25]
Einzelnachweise
- ↑ a b Wolfgang Ross: Viel Steine gab's und wenig Brot. Anmerkungen zur Siedlungsgeschichte Elmsteins. In: Elmstein (Hrsg.): Die Gemeinde Elmstein in alten Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-096-5, S. 10.
- ↑ a b Wolfgang Ross: Viel Steine gab's und wenig Brot. Anmerkungen zur Siedlungsgeschichte Elmsteins. In: Elmstein (Hrsg.): Die Gemeinde Elmstein in alten Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-096-5, S. 8.
- ↑ Fridolin Heintz: Verkehrswege zu allen Zeiten durch das Elmsteiner Tal. In: Elmstein (Hrsg.): Die Gemeinde Elmstein in alten Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-096-5, S. 157.
- ↑ Wolfgang Ross: Viel Steine gab's und wenig Brot. Anmerkungen zur Siedlungsgeschichte Elmsteins. In: Elmstein (Hrsg.): Die Gemeinde Elmstein in alten Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-096-5, S. 8.
- ↑ Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015, ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538).
- ↑ Felsenkönig Audiotour Infotafel 6. In: pfalz.de. 19. Oktober 2025, abgerufen am 19. Oktober 2025.
- ↑ Wolfgang Ross: Viel Steine gab's und wenig Brot. Anmerkungen zur Siedlungsgeschichte Elmsteins. In: Elmstein (Hrsg.): Die Gemeinde Elmstein in alten Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-096-5, S. 9.
- ↑ Erich Uhly: Protestantische Kirchengemeinde Elmstein. In: Elmstein (Hrsg.): Die Gemeinde Elmstein in alten Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-096-5, S. 139.
- ↑ Geschichte. Abgerufen am 22. Oktober 2025.
- ↑ Felsenkönig Audiotour Infotafel 6. In: pfalz.de. 19. Oktober 2025, abgerufen am 19. Oktober 2025.
- ↑ Felsenkönig Audiotour Infotafel 6. In: pfalz.de. 19. Oktober 2025, abgerufen am 19. Oktober 2025.
- ↑ Erich Uhly: Katholische Kirchengemeinde Elmstein. In: Elmstein (Hrsg.): Die Gemeinde Elmstein in alten Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-096-5, S. 133.
- ↑ Felsenkönig Audiotour Infotafel 4. Abgerufen am 30. September 2025.
- ↑ Wolfgang Ross: Viel Steine gab's und wenig Brot. Anmerkungen zur Siedlungsgeschichte Elmsteins. In: Elmstein (Hrsg.): Die Gemeinde Elmstein in alten Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-096-5, S. 13.
- ↑ Elmstein Kurfürstliches Jagdhaus. Kulturdenkmal im Bereich des Pfälzerwald-Vereins Ortsgruppe Elmstein e.V. In: pwv-elmstein.de.tl. 25. Oktober 2025, abgerufen am 25. Oktober 2025.
- ↑ a b Wolfgang Ross: Viel Steine gab's und wenig Brot. Anmerkungen zur Siedlungsgeschichte Elmsteins. In: Elmstein (Hrsg.): Die Gemeinde Elmstein in alten Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-096-5, S. 13.
- ↑ Fridolin Heintz: Verkehrswege zu allen Zeiten durch das Elmsteiner Tal. In: Elmstein (Hrsg.): Die Gemeinde Elmstein in alten Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-096-5, S. 159.
- ↑ Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006 (= Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz [Hrsg.]: Statistische Bände. Band 393). Bad Ems März 2006, S. 175 (PDF; 2,6 MB). Info: Es liegt ein aktuelles Verzeichnis (2016) vor, das aber im Abschnitt „Gebietsänderungen – Territoriale Verwaltungsreform“ keine Einwohnerzahlen angibt.
- ↑ Wolfgang Ross: Viel Steine gab's und wenig Brot. Anmerkungen zur Siedlungsgeschichte Elmsteins. In: Elmstein (Hrsg.): Die Gemeinde Elmstein in alten Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-096-5, S. 19.
- ↑ Wolfgang Ross: Viel Steine gab's und wenig Brot. Anmerkungen zur Siedlungsgeschichte Elmsteins. In: Elmstein (Hrsg.): Die Gemeinde Elmstein in alten Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-096-5, S. 21.
- ↑ Die traurige Geschichte des Gaststättensterbens in Elmstein. 28. Dezember 2021, abgerufen am 25. Oktober 2025.
- ↑ Wolfgang Ross: Viel Steine gab's und wenig Brot. Anmerkungen zur Siedlungsgeschichte Elmsteins. In: Elmstein (Hrsg.): Die Gemeinde Elmstein in alten Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-096-5, S. 17.
- ↑ (K)ein Nazizentrum mehr in Elmstein? In: antifainfoblatt.de. 20. Oktober 2002, abgerufen am 8. Oktober 2025.
- ↑ Werner Moser: Der Elmsteiner Wald und seine Verwaltung. In: Elmstein (Hrsg.): Die Gemeinde Elmstein in alten Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2006, ISBN 3-86595-096-5, S. 121 f.
- ↑ Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile. Stand: Februar 2022[Version 2025 liegt vor.]. S. 132 (PDF; 3,3 MB).