FDGB-Pokal 1969/70

FDGB-Pokal 1969/70
Pokalsieger FC Vorwärts Berlin (2. Titel)
Europapokal der
Pokalsieger
FC Vorwärts Berlin
Beginn 10. August 1969
Finale 13. Juni 1970
Finalstadion Rudolf-Harbig-Stadion, Dresden
Mannschaften 61
Spiele 66
Tore 200  (ø 3,03 pro Spiel)
FDGB-Pokal 1968/69

Der zum 19. Mal ausgetragene Fußball-FDGB-Pokal fand in der Saison 1969/70 statt.

Verlauf

Der Pokalwettbewerb 1969/70 begann wie im Vorjahr mit der I. Hauptrunde, die am 10. August 1969 startete und nach territorialen Gesichtspunkten gelost wurde. An dieser nahmen aus der Saison 1968/69 die 15 Bezirkspokalsieger, 30 Mannschaften aus der DDR-Liga (ohne Staffelsieger) und die beiden Letzten der DDR-Oberliga teil. Bis zum Finale wurden alle Begegnungen in K.-o.-Runden ausgetragen, unentschiedene Spiele wurden verlängert und danach gegebenenfalls wiederholt.

In der anschließenden Ausscheidungsrunde wurden neben der BSG Chemie Böhlen, die durch ein Freilos weiterkam, noch weitere elf Siegermannschaften der I. Hauptrunde gelost.

Überraschungsmannschaft des Wettbewerbs war der Leipziger Bezirkspokalsieger BSG Motor Grimma. Sie unterlag erst im Viertelfinale dem Vorjahresfinalisten FC Karl-Marx-Stadt, hatte jedoch im Achtelfinale den Oberligisten HFC Chemie mit 1:0 ausgeschaltet.

Die 14 Oberliga-Mannschaften griffen in der II. Hauptrunde in das Pokalgeschehen ein. Vier von ihnen, Stahl Eisenhüttenstadt, Sachsenring Zwickau, FC Rot-Weiß Erfurt und Chemie Leipzig, schieden bereits bei ihrem ersten Auftritt aus. Im Achtelfinale schieden bis auf Lokomotive Leipzig die noch verbliebenen DDR-Ligisten Energie Cottbus, Rot-Weiß Erfurt II und Lokomotive Stendal aus. Während Pokalverteidiger 1. FC Magdeburg im Viertelfinale nach einer überraschenden 0:2-Heimniederlage gegen Hansa Rostock ausschied, hatte Vorjahresfinalist FC Karl-Marx-Stadt gegen den Bezirkspokalsieger Motor Grimma mit 5:1 leichtes Spiel. Im Halbfinale schied aber auch der FCK nach einer 1:2-Heimniederlage gegen den FC Vorwärts Berlin aus. Die Berliner hatten zuvor schon den neuen DDR-Meister FC Carl Zeiss Jena im Viertelfinale mit 2:0 ausgeschaltet. Als zweiter Finalist qualifizierte sich DDR-Ligist und Oberligaaufsteiger 1. FC Lokomotive Leipzig.

I. Hauptrunde

Die Spiele fanden am 10. und 13. August 1969 (CZ Jena II gegen Tiefenort) statt.

Ergebnis
BSG Motor Schwerin * 0:5 F.C. Hansa Rostock II
F.C. Hansa Rostock III * 1:3 TSG Wismar
BSG Lokomotive Prenzlau * 0:4 BSG Post Neubrandenburg
BSG Motor Babelsberg * 3:4 n. V. SG Dynamo Schwerin
BFC Dynamo III * 2:5 n. V. BSG Energie Cottbus
BSG Stahl Finow * 2:2 n. V. ASG Vorwärts Cottbus
BSG Aktivist Brieske-Ost * 0:0 n. V. 1. FC Union Berlin
1. FC Magdeburg II * 1:0 BSG Chemie Wolfen
BSG Wismut Pirna-Copitz * 0:2 1. FC Lokomotive Leipzig
BSG Fortschritt Weißenfels * 1:2 BSG Wismut Gera
BSG Motor Sömmerda * 1:2 BSG Motor Eisenach
FC Karl-Marx-Stadt II * 5:0 FSV Lokomotive Dresden
BSG Fortschritt Greiz * 0:2 BSG Sachsenring Zwickau II
BSG Motor Grimma * 1:0 BSG Motor Steinach
BSG Chemie Glas Ilmenau * 0:1 ASG Vorwärts Leipzig
FC Rot-Weiß Erfurt II 3:1 ASG Vorwärts Meiningen
BSG Chemie Riesa 3:0 BSG Motor WEMA Plauen
BSG Chemie Zeitz 1:0 SG Dynamo Eisleben
BSG EAB Lichtenberg 47 1:0 ASG Vorwärts Stralsund
BSG Chemie Premnitz 2:5 BSG Lokomotive Stendal
BSG Motor Hennigsdorf 2:1 ASG Vorwärts Neubrandenburg
BSG KKW Nord Greifswald 4:5 BFC Dynamo II
FC Carl Zeiss Jena II 2:1 n. V. BSG Kali Werra Tiefenort
* 
Bezirkspokalsieger

Durch ein Freilos zog die BSG Chemie Böhlen direkt in die Ausscheidungsrunde ein.

Wiederholungsspiele

Die Spiele fanden am 13. August 1969 statt.

Ergebnis
ASG Vorwärts Cottbus 2:1 n. V. BSG Stahl Finow *
1. FC Union Berlin 1:0 BSG Aktivist Brieske-Ost *
* 
Bezirkspokalsieger

Ausscheidungsrunde

Die Spiele fanden am 17. August 1969 statt.

Ergebnis
F.C. Hansa Rostock II 1:1 n. V. BSG Post Neubrandenburg
BSG Energie Cottbus 5:1 BFC Dynamo II
1. FC Magdeburg II * 2:1 BSG Chemie Zeitz
BSG Motor Eisenach 1:4 BSG Sachsenring Zwickau II
BSG EAB Lichtenberg 47 1:2 BSG Motor Hennigsdorf
ASG Vorwärts Leipzig 1:3 BSG Chemie Böhlen
* 
Bezirkspokalsieger

Wiederholungsspiel

Das Spiel fand am 20. August 1969 statt.

Ergebnis
BSG Post Neubrandenburg 3:0 F.C. Hansa Rostock II

II. Hauptrunde

Die Spiele fanden am 4. und 5. Oktober 1969 statt.

Ergebnis
BSG Post Neubrandenburg 0:2 FC Vorwärts Berlin
TSG Wismar 1:2 BFC Dynamo
SG Dynamo Schwerin 1:4 HFC Chemie
BSG Energie Cottbus 4:2 BSG Chemie Leipzig
ASG Vorwärts Cottbus 0:1 F.C. Hansa Rostock
1. FC Magdeburg II * 3:5 n. V. FC Karl-Marx-Stadt
BSG Wismut Gera 1:2 n. V. FC Carl Zeiss Jena
1. FC Union Berlin 2:0 BSG Stahl Eisenhüttenstadt
BSG Sachsenring Zwickau II 2:3 BSG Stahl Riesa
BSG Motor Grimma * 2:1 BSG Chemie Böhlen
FC Karl-Marx-Stadt II * 0:3 BSG Wismut Aue
FC Rot-Weiß Erfurt II 1:0 BSG Sachsenring Zwickau
BSG Chemie Riesa 1:4 1. FC Lokomotive Leipzig
BSG Lokomotive Stendal 1:0 FC Rot-Weiß Erfurt
BSG Motor Hennigsdorf 0:2 SG Dynamo Dresden
FC Carl Zeiss Jena II 1:3 1. FC Magdeburg
* 
Bezirkspokalsieger

Achtelfinale

Die Spiele fanden am 29. und 30. November 1969 statt.

Ergebnis
1. FC Union Berlin 0:6 FC Karl-Marx-Stadt
BSG Stahl Riesa 0:1 n. V. SG Dynamo Dresden
BSG Wismut Aue 1:1 n. V. 1. FC Magdeburg
BFC Dynamo 0:0 n. V. F.C. Hansa Rostock
FC Energie Cottbus 0:5 1. FC Lokomotive Leipzig
BSG Motor Grimma * 1:0 Hallescher FC Chemie
BSG Lokomotive Stendal 0:1 FC Carl Zeiss Jena
FC Vorwärts Berlin 3:0 FC Rot-Weiß Erfurt II
* 
Bezirkspokalsieger

Wiederholungsspiele

Die Spiele fanden am 3. Dezember 1969 statt.

Ergebnis
1. FC Magdeburg 1:0 BSG Wismut Aue
F.C. Hansa Rostock 2:0 BFC Dynamo

Viertelfinale

Die Spiele fanden am 25. und 26. April 1970 statt.

Ergebnis
FC Vorwärts Berlin 2:0 FC Carl Zeiss Jena
SG Dynamo Dresden 1:2 1. FC Lokomotive Leipzig
1. FC Magdeburg 0:2 F.C. Hansa Rostock
BSG Motor Grimma * 1:5 FC Karl-Marx-Stadt
* 
Bezirkspokalsieger

Halbfinale

Die Spiele fanden am 6. Mai 1970 statt.

Ergebnis
FC Karl-Marx-Stadt 1:2 FC Vorwärts Berlin
1. FC Lokomotive Leipzig 2:1 F.C. Hansa Rostock

Finale

Statistik

Paarung FC Vorwärts Berlin1. FC Lokomotive Leipzig
Ergebnis 4:2 (1:1)
Datum Samstag, 13. Juni 1970 um 16:00 Uhr
Stadion Rudolf-Harbig-Stadion, Dresden
Zuschauer 12.000
Schiedsrichter Gerhard Kunze (Karl-Marx-Stadt)
Schiedsrichterassistenten Hans Schulz (Görlitz), Adolf Prokop (Mühlhausen)
Tore 1:0 Begerad (4.)
2:0 Wruck (15.)
3:0 Gießner (52., Eigentor)
3:1 Löwe (62.)
3:2 Köditz (67.)
4:2 Nöldner (82.)
FC Vorwärts Berlin Alfred ZulkowskiOtto Fräßdorf, Manfred Müller, Erich Hamann, Frank-Rainer Withulz – Wolfgang Strübing, Jürgen Nöldner (C), Gerhard KörnerHorst Wruck (ab 79. Jürgen Pfefferkorn), Horst Begerad, Jürgen Piepenburg
Cheftrainer: Fritz Belger
1. FC Lokomotive Leipzig Werner FrieseMichael Faber, Peter Gießner (C), Gunter Sekora (ab 79. Volker Benes), Wilfried GröbnerArno Zerbe, Eberhard Köditz, Manfred GeislerWolfram Löwe, Henning Frenzel, Manfred Kupfer
Cheftrainer: Kurt Holke

Spielverlauf

Dieses Endspiel hatte mit dem FC Vorwärts Berlin einen eindeutigen Favoriten. Die Berliner trafen als neuer Vizemeister auf den Aufsteiger aus der zweitklassigen DDR-Liga, den 1. FC Lokomotive Leipzig. Die Leipziger waren zudem gehandicapt, da ihr bester Angreifer, Henning Frenzel, gerade erst eine Anginaerkrankung überstanden hatte. Noch hoffnungsfroh prognostizierte Leipzigs Trainer: „Die Mannschaft, die im Mittelfeld heute am dynamischsten wirkt, gewinnt.“[1] Das Spiel gab ihm recht, allerdings bestätigt durch die gegnerische Mannschaft. Die Berliner starteten sofort energiegeladen und mit voller Angriffswucht und kamen schon in den ersten vier Minuten zu drei Eckbällen. Nachdem Piepenburg schon in der zweiten Minute einen Schuss an den Pfosten gesetzt hatte, leitete er in der 5. Minute den Führungstreffer für die Armeemannschaft ein. Er eröffnete eine Kombination über vier Stationen, die Mittelstürmer Begerad zum 1:0 abschloss. Schon zehn Minuten später ließ Rechtsaußen Wruck das 2:0 folgen und weitere hochkarätige Torchancen ließen die Leipziger einem Debakel entgegensteuern. Sie wurden vor allem ein Opfer der laufstarken Berliner Mittelfeldreihe, in der Strübing, Nöldner und Körner den Spielfluss diktierten. Auf der anderen Seite enttäuschte vor allem Geisler, der besonders im Abwehrverhalten große Schwächen zeigte. Mit dem 2:0 zur Pause war Lok Leipzig noch gut bedient, aber schon sieben Minuten nach dem Wiederanpfiff schienen sie endgültig k. o. zu sein, Libero Gießner lenkte eine Eingabe von Wruck ins eigene Tor.

Als niemand mehr einen Pfifferling auf die Lok-Elf setzte, machte sie noch einmal das Spiel spannend. In der 62. Minute entwischte Frenzel seinem Bewacher Hamann, spielte auf Löwe ab, der den Ball über den Berliner Torwart Zulkowski ins Tor zog. Sechs Minuten später nahm der Leipziger Köditz einen Pass seines Linksaußen Kupfer auf und erzielte den Anschlusstreffer. Die Berliner wankten, Leipzig kam in der 73. und in der 82. Minute zu weiteren guten aber ungenutzten Tormöglichkeiten. Jürgen Nöldner vom FC Vorwärts blieb es unmittelbar darauf in der 83. Minute vorbehalten, den Siegtreffer für seine Mannschaft nach einem Duett mit dem eingewechselten Pfefferkorn zu markieren. Er setzte damit den Schlusspunkt in dem bisher torreichsten Endspiel der FDGB-Pokalgeschichte.

Helmut Riedel, Präsident des DDR-Fußballverbandes resümierte anschließend:

„Ein Pokalendspiel wie man es sich wünscht. Eine spielerisch und kämpferisch sehr gute erste Halbzeit des FC Vorwärts, in der schon alles entschieden sein konnte, und ein leidenschaftliches Aufbegehren des 1. FC Lok, der noch einmal für Spannung sorgte. Die reifere Mannschaft aber gewann verdient.“[1]

Literatur

  • Die neue Fußballwoche. Fuwo. Sportverlag, ISSN 0323-8407 (Hefte der Saison 1969–1970).
  • DSFS AG Nordost (Hrsg.): DDR-Chronik 1949–1991, DDR-Fußball in Daten, Fakten und Zahlen. Band 4: 1969/70–1973/74. Berlin 2008.

Einzelnachweise

  1. a b Zitate nach dem Deutschen Sportecho vom 15. Juni 1970