FDGB-Pokal 1968/69
| FDGB-Pokal 1968/69 | |
|---|---|
| Pokalsieger | 1. FC Magdeburg (3. Titel) |
| Europapokal der Pokalsieger |
1. FC Magdeburg |
| Beginn | 10. August 1968 |
| Finale | 1. Juni 1969 |
| Finalstadion | Rudolf-Harbig-Stadion, Dresden |
| Mannschaften | 61 |
| Spiele | 68 |
| Tore | 230 (ø 3,38 pro Spiel) |
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Der 18. Wettkampf um den Fußball-FDGB-Pokal fand in der Saison 1968/69 statt.
Der Pokalwettbewerb 1968/69 begann wie im Vorjahr mit der I. Hauptrunde, die am 10. August 1968 startete und nach territorialen Gesichtspunkten gelost wurde. An dieser nahmen aus der Saison 1967/68 die 15 Bezirkspokalsieger, 30 Mannschaften aus der DDR-Liga (ohne Staffelsieger) und die beiden Letzten der DDR-Oberliga teil. Für alle Paarungen des gesamten Wettbewerbs war das K.-o.-System vorgesehen, unentschiedene Spiele wurden verlängert und gegebenenfalls wiederholt.
In der anschließenden Ausscheidungsrunde wurden neben der BSG Chemie Premnitz, die durch ein Freilos weiterkam, noch weitere elf Siegermannschaften der I. Hauptrunde gelost.
Die 14 Oberliga-Mannschaften griffen ab der II. Hauptrunde in das Pokalgeschehen ein. Mit Hansa Rostock, Rot-Weiß Erfurt und Stahl Riesa schieden hier bereits drei Oberligisten aus. Der neue Vizemeister FC Carl Zeiss Jena benötigte gegen den Bezirkspokalsieger Motor Grimma ein Wiederholungsspiel, das er dann allerdings hoch mit 10:1 gewann. Auch der zweite noch im Wettbewerb befindliche Bezirkspokalsieger, die Zweitvertretung des BFC Dynamo, schied nach einem 1:2 gegen DDR-Ligist Dynamo Dresden aus.
Im Achtelfinale kam es zur Wiederholung des Vorjahres-Finales 1. FC Union Berlin – FC Carl Zeiss Jena. Mit einem 1:0-Sieg in Berlin nahmen die Jenaer erfolgreich Revanche. Zwei DDR-Ligisten, Wismut Gera und Dynamo Dresden, konnten sich für das Viertelfinale qualifizieren, mussten dort jedoch auswärts antreten und unterlagen jeweils klar. Auch Vorjahresfinalist Jena musste nach einer hohen 1:4-Niederlage beim neuen Meister Vorwärts Berlin die Segel streichen, aber auch der Meister verpasste nach einem 1:2 beim FC Karl-Marx-Stadt den Einzug in das Endspiel. Dagegen kam der 1. FC Magdeburg durch einen 2:1-Auswärtssieg beim BFC Dynamo zum dritten Mal ins Finale.
I. Hauptrunde
Die Spiele fanden am 10. und 11. August 1968 statt.
Durch ein Freilos zog die BSG Chemie Premnitz direkt in die Ausscheidungsrunde ein.
Wiederholungsspiele
Die Spiele fanden am 14. August 1968 statt.
| Ergebnis | ||
|---|---|---|
| ASG Vorwärts Neubrandenburg | 4:3 | BSG Einheit Greifswald * |
| BSG Motor Steinach | 2:0 | BSG Motor Weimar |
Ausscheidungsrunde
Die Spiele fanden am 5. und 7. Oktober 1968 statt.
| Ergebnis | ||
|---|---|---|
| BSG CM Veritas Wittenberge * | 0:4 | BFC Dynamo II * |
| SG Blau-Weiß Reichenbach * | 1:1 n. V. | BSG Motor Eisenach |
| BSG Aktivist Schwarze Pumpe | 2:0 | ASG Vorwärts Leipzig |
| BSG Motor Babelsberg | 0:1 | BSG Wismut Gera |
| ASG Vorwärts Stralsund | 0:0 n. V. | BSG Chemie Premnitz |
| ASG Vorwärts Meiningen | 1:0 | FC Rot-Weiß Erfurt II |
Wiederholungsspiele
Die Spiele fanden am 9. Oktober 1968 statt.
| Ergebnis | ||
|---|---|---|
| BSG Motor Eisenach | 2:0 | SG Blau-Weiß Reichenbach * |
| BSG Chemie Premnitz | 1:2 n. V. | ASG Vorwärts Stralsund |
II. Hauptrunde
Die Spiele fanden am 16. und 24. November 1968 statt.
| Ergebnis | ||
|---|---|---|
| F.C. Hansa Rostock II | 1:1 n. V. | 1. FC Union Berlin |
| SG Dynamo Schwerin | 0:3 | FC Vorwärts Berlin |
| ASG Vorwärts Stralsund | 1:1 n. V. | BFC Dynamo |
| BSG Motor Hennigsdorf | 2:0 | F.C. Hansa Rostock |
| ASG Vorwärts Neubrandenburg | 0:6 | 1. FC Magdeburg |
| BSG Aktivist Schwarze Pumpe | 0:2 | 1. FC Lokomotive Leipzig |
| FC Carl Zeiss Jena II | 1:5 | HFC Chemie |
| BSG Motor Eisenach | 0:0 n. V. | BSG Chemie Leipzig |
| BSG Motor Steinach | 1:3 | FC Karl-Marx-Stadt |
| SG Dynamo Eisleben | 2:3 n. V. | BSG Wismut Aue |
| ASG Vorwärts Meiningen | 2:3 n. V. | BSG Sachsenring Zwickau |
| BSG Motor WEMA Plauen | 2:1 | BSG Stahl Riesa |
| BSG Motor Grimma * | 1:1 n. V. | FC Carl Zeiss Jena |
| BSG Wismut Gera | 2:1 | FC Rot-Weiß Erfurt |
| BFC Dynamo II * | 1:2 | SG Dynamo Dresden |
| BSG Motor Köpenick | 1:2 | BSG Lokomotive Stendal |
Wiederholungsspiele
Die Spiele fanden am 20. November 1968 statt.
| Ergebnis | ||
|---|---|---|
| 1. FC Union Berlin | 3:1 n. V. | F.C. Hansa Rostock II |
| BFC Dynamo | 5:0 | ASG Vorwärts Stralsund |
| BSG Chemie Leipzig | 4:0 | BSG Motor Eisenach |
| FC Carl Zeiss Jena | 10:1 | BSG Motor Grimma * |
Achtelfinale
Die Spiele fanden am 30. November und 7. Dezember 1968 statt.
| Ergebnis | ||
|---|---|---|
| BSG Motor WEMA Plauen | 0:2 | BSG Chemie Leipzig |
| BSG Lokomotive Stendal | 0:1 n. V. | BFC Dynamo |
| FC Karl-Marx-Stadt | 3:1 | BSG Wismut Aue |
| 1. FC Magdeburg | 4:1 | BSG Sachsenring Zwickau |
| BSG Wismut Gera | 1:0 | HFC Chemie |
| BSG Motor Hennigsdorf | 0:2 | FC Vorwärts Berlin |
| 1. FC Union Berlin | 0:1 | FC Carl Zeiss Jena |
| SG Dynamo Dresden | 2:1 | 1. FC Lokomotive Leipzig |
Viertelfinale
Die Spiele fanden am 23. April 1969 statt.
| Ergebnis | ||
|---|---|---|
| FC Vorwärts Berlin | 4:1 | FC Carl Zeiss Jena |
| BFC Dynamo | 3:0 | SG Dynamo Dresden |
| BSG Chemie Leipzig | 1:2 | 1. FC Magdeburg |
| FC Karl-Marx-Stadt | 5:3 | BSG Wismut Gera |
Halbfinale
Die Spiele fanden am 7. Mai 1969 statt.
| Ergebnis | ||
|---|---|---|
| FC Karl-Marx-Stadt | 2:1 | FC Vorwärts Berlin |
| BFC Dynamo | 1:2 | 1. FC Magdeburg |
Finale
Statistik
| Paarung | 1. FC Magdeburg – FC Karl-Marx-Stadt |
| Ergebnis | 4:0 (1:0) |
| Datum | Samstag, 1. Juni 1969 um 17:00 Uhr |
| Stadion | Rudolf-Harbig-Stadion, Dresden |
| Zuschauer | 20.000 |
| Schiedsrichter | Hans Schulz (Görlitz) |
| Schiedsrichterassistenten | Wolfgang Riedel, Heinz Einbeck (beide Ost-Berlin) |
| Tore | 1:0 Ohm (28.) 2:0 Walter (51.) 3:0 Ohm (60.) 4:0 Sparwasser (68.) |
| 1. FC Magdeburg | Hans-Georg Moldenhauer – Günter Fronzeck – Peter Sykora, Jörg Ohm, Manfred Zapf , Rolf Retschlag – Hermann Stöcker, Wolfgang Seguin, Wolfgang Abraham – Jürgen Sparwasser, Joachim Walter Cheftrainer: Heinz Krügel |
| FC Karl-Marx-Stadt | Joachim Gröper (63. Manfred Kaschel) – Albrecht Müller – Eberhard Schuster, Fritz Feister, Peter Müller – Friedrich-Wilhelm Göcke, Rolf Steinmann, Dieter Erler – Gotthard Zölfl (46. Karl-Heinz Zeidler), Manfred Lienemann, Eberhard Vogel Cheftrainer: Bringfried Müller |
Spielverlauf
Im Duell des Meisterschaftsdritten gegen den siebten der Oberliga-Abschlusstabelle 1968/69 waren im sächsischen Dresden nur die Anhänger des 1. FC Magdeburg unterlegen. Lediglich 200 Magdeburger sahen sich einer Kulisse von 7000 Karl-Marx-Städtern gegenüber. Ganz anders waren die Verhältnisse auf dem Rasen des Dynamostadions. Ein eindeutig überlegener 1. FC Magdeburg erzielte mit 4:0 den höchsten Endspielsieg seit 1950, als EHW Thale mit dem gleichen Ergebnis den Pokal gewonnen hatte.
Die Begegnung begann hektisch, bereits nach einer Viertelstunde hatten Göcke (FCK) und Zapf (FCM) verletzt am Boden gelegen. Beide konnten jedoch weiterspielen, und zunächst erarbeiteten sich die Karl-Marx-Städter voller Elan gute Torchancen. In der 12. Minute verfehlte Göcke nur knapp das Tor, in der 27. Minute musste Zapf auf der Torlinie klären. Die Magdeburger gingen auf Lauerstellung, vertrauten auf ihre sichere Deckung und warteten auf Kontermöglichkeiten. Das ergab sich bereits eine Minute nach Zapfs Rettungstat. Stöcker startete einen Lauf auf der linken Spielfeldseite, überlief Göcke und spielte Peter Müller aus. Seine halbhohe Flanke erreichte Ohm, der den Ball per Kopf ins Tor beförderte. Von diesem Moment an hatten die Magdeburger das Spielgeschehen in der Hand, bereits aus der eigenen Abwehr wurden die Stürmer immer wieder nach vorne geschickt, im Mittelfeld dominierten Ohm, Seguin und Abraham. Das Spiel des FCK zerfiel in erfolglose Einzelaktionen, seine Stürmer wurden bis zur Wirkungslosigkeit abgeschirmt.
Der 1. FCM nutzte seine Überlegenheit in der zweiten Spielhälfte konsequent. Sechs Minuten nach Wiederanpfiff war erneut Stöcker Ausgangspunkt des nächsten Tores. In seinen Eckstoß hechtete Walter und erzielte das 2:0. In ihrem Bemühen, das Spiel noch zu wenden, warfen die Karl-Marx-Städter danach alles nach vorn, boten damit dem Gegner aber dadurch noch mehr freie Räume. Diese wurden dankbar angenommen, in der 60. Minute konnte Ohm von der Mittellinie einen Sololauf starten und den Ball gefühlvoll über Torwart Gröper zum 3:0 hinwegheben. Nach acht Minuten war es Sparwasser, der zwei Gegner ausspielend das vierte Tor für Magdeburg erzielte. Diese Mannschaft spielte sich in einen wahren Rausch, hatte weitere Großchancen. Die letzte in der 85. Minute, als Sparwasser den eingewechselten Torwart Kaschel zu einer Glanzparade zwang.
Mit einer hervorragenden Leistung hatte der 1. FC Magdeburg zum dritten Mal den Pokal gewonnen. Dresdens Fußballidol vergangener Zeiten Richard Hofmann gratulierte anerkennend:
- „Vielen Dank Jungens für diesen Fußballgenuß. Das war eine echte Werbung für unseren schönen Sport. Ihr habt klar und verdient gewonnen. Eure Deckung stand goldrichtig, war clever. Eure Angriffsspitzen kamen mit zunehmendem Spiel immer wirkungsvoller zur Geltung. Souverän habt ihr den Pokal erkämpft. Es war ein schönes Spiel, es war eine Freude, euch spielen zu sehen.“
(Volksstimme Magdeburg, 2. Juni 1969)
Literatur
- Die neue Fußballwoche. Fuwo. Sportverlag, ISSN 0323-8407 (Hefte der Saison 1968–1969).
- DSFS AG Nordost (Hrsg.): DDR-Chronik 1949–1991, DDR-Fußball in Daten, Fakten und Zahlen. Band 3: 1963/64–1968/69. Berlin 2007.