Trümmerfrau-Denkmal

„Trümmerfrau“-Denkmäler[A 1][A 2] sind meist Statuen, gelegentlich aber auch andere Plastiken. Bei einigen Denkmälern lautet die Bezeichnung „Aufbauhelferin“. Sie wurden ab der Nachkriegszeit in verschiedenen Städten der DDR, der (alten) Bundesrepublik Deutschland und Österreichs errichtet. Gemäß den Widmungstafeln sollen sie an die Rolle von Frauen, den sogenannten „Trümmerfrauen“, bei Trümmerräumung und Wiederaufbau erinnern. Etliche Tafeln sind zusätzlich außerdem Männern oder der Aufbaugeneration insgesamt gewidmet. Die ersten Denkmäler in Dresden (1951) und am Roten Rathaus in Ost-Berlin (1955) stellen den Typus der neuen sozialistischen Frau dar, die mit Tatendrang die Voraussetzungen für ein besseres Leben schafft. Die etwa gleichzeitig aufgestellte Statue im Volkspark Hasenheide in West-Berlin dagegen vermittelt keine Aufbruchstimmung. Auch im 21. Jahrhundert wurden noch Denkmäler oder Gedenksteine[A 3] errichtet, zum Beispiel 2013 ein Gedenkstein in München. Diese Objekte wurden häufig zum Gegenstand politischer Kontroversen.

In Ost-Berlin und in der DDR

Schon Anfang der 1950er Jahre, einige Jahre vor der Bundesrepublik, begann die DDR an zentralen Orten mit der Errichtung von Denkmälern für die „Trümmerfrau“. Diese symbolisierte den Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg und stand für die neue sozialistische Frau, die die Voraussetzungen für ein besseres Leben geschaffen hatte.[1]

Dresden war 1951 die erste Stadt, in der die Entscheidung für ein Denkmal fiel. Das Denkmal entstand somit zu einer Zeit, als bei der Enttrümmerung in der Stadt noch Frauen tätig waren, auch wenn die Hochphase bereits abgeschlossen war.[2] Der Dresdner Bildhauer Walter Reinhold schuf das Denkmal 1952 aus Eisenguss zu Ehren der Dresdner „Trümmerfrauen“. Die überlebensgroße Frauenstatue trägt grobe Schuhe und eine Kittelschürze. Sie hält einen Ziegelputzhammer in der rechten Hand.[3] Zunächst wurde die Statue in der Nähe des Georgplatzes nahe am Neuen Rathaus errichtet.[4] Der Platz war gewählt worden, weil er nicht nur für das Zentrum des Neuanfangs stand, sondern auch Mittelpunkt des politischen Lebens war. Somit stand die „Trümmerfrau“ sowohl für Wiederaufbau als auch für den politischen Aufbruch der DDR in eine sozialistische Ära.[5] Unter dem Titel Die „Trümmerfrau“ wurde das Denkmal am 13. Oktober 1952 enthüllt.[6][7] Dieses Datum war 1949 zum Tag des Aktivisten bestimmt worden, an dem man für besonderes Engagement bei der Erfüllung des Plansolls ausgezeichnet werden konnte. Auf die Denkmalsenthüllung folgte ein Empfang für besonders engagierte „Trümmerfrauen“, um deren Vorbildwirkung zu unterstreichen.[5] Die Absicht, durch die Wahl des Zeitpunkts eine Steigerung der aktuellen Arbeitsleistung beim Wiederaufbau zu erzielen, liegt daher nahe.[2] Im Jahr 1967 wurde das Original durch einen Bronze-Abguss ersetzt. Seit 1968 steht die Statue in der Nähe des Pirnaischen Platzes an der östlichen Seite des Neuen Rathauses.[4] Nach 1991 fand eine Restaurierung statt. Wegen Schäden am Sockel, den Fugen und Klinkersteinen wurde die Figur Mitte November 2022 abgebaut, restauriert, gereinigt und erstmals auch gewachst. Diese Schutzschicht soll die Patina der Figur von Umwelteinflüssen bewahren. Am 1. Februar 2023 konnte sie wieder aufgestellt werden.[4]

Das Denkmal Aufbauhelferin und Aufbauhelfer wurde 1954/1955 vom Bildhauer Fritz Cremer unter dem Arbeitstitel Weg mit den Trümmern I und II als Gipsentwurf geschaffen und 1955 in Bronze gegossen. In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre wurden die beiden Figuren zur Würdigung der Leistungen beim Wiederaufbau Ost-Berlins unter der Bezeichnung Aufbauhelfer und Aufbauhelferin etwa 40 Meter entfernt voneinander auf dem Vorplatz gegenüber dem Roten Rathaus in Ost-Berlin aufgestellt.

In der Nachkriegszeit entstanden in der DDR weitere Denkmäler, die an die Rolle von Frauen beim Wiederaufbau erinnern sollten. So wurde etwa Im Jahr 1952 an der Ecke Ossietzkystraße/Am Schlosspark in Pankow auf einem Sockel aus Klinkern eine Statue mit der Bezeichnung Aufbauhelferin aufgestellt. Zu sehen ist eine aufrecht stehende Frau aus Bronze, die drei Ziegelsteine in den Händen hält. Gestaltet hat es die Bildhauerin Gertrud Classen.[8]

Die Strasburger Statue der „Trümmerfrau“ stammt von Herbert Köhnke und wurde 1953 an der Kreuzung Markt/Falkenbergstraße eingeweiht. Im Jahr 1996 erfolgte der Umzug der Skulptur an einen neuen Platz.[9]

Die Stadtverwaltung von Potsdam stellte im Jahr 1966 in der Burgstraße die Skulptur Aufbauhelferin auf. Die Bronzefigur hatte der Berliner Bildhauer Eberhard Bachmann Ende der 1950er Jahre geschaffen.[10] Ebenfalls von diesem Künstler stammt die Skulptur Aufbauhelferin in der Amalienstraße, Ecke Albertinenstraße am Rande des Weißenseer Parks. Sie entstand 1968. Die Bronzestatue ist überlebensgroß.[11]

Im Jahr 1969 wurde im Bezirk Treptow im Stadtteil Johannisthal am Sterndamm eine Bronze-Skulptur mit dem Titel Aufbauhelferin errichtet. Diese Skulptur ist das Werk des Bildhauers Gerhard Thieme.[12] Die mit etwa 1,80 m lebensgroße Skulptur mit Kopftuch und Schürze bearbeitet mit einem Hammer einen Ziegelstein. Sie steht auf einem 30 cm hohen Sockel im Vorgarten des Wohnblocks Sterndamm 128 in der Nähe eines Supermarktgeländes.[13]

Vor der Johanniskirche in Magdeburg befindet sich seit 1982 eine Bronzestatue. Die Figur der „Trümmerfrau“ symbolisiert eine Frau, die unmittelbar nach dem Ende des Krieges damit begann, die Zerstörungen zu beseitigen und die Stadt Magdeburg wiederaufzubauen. Zusammen mit einer anderen Skulptur, die eine Mutter darstellt, die ihr Kind beschützt, sowie einem Portal, bilden sie das Ensemble Zerstörung und Wiederaufbau der Stadt Magdeburg.[14]

Die „Trümmerfrau“-Denkmäler in der DDR stellten den Typus der neuen sozialistischen Frau dar, die mit Tatendrang die Voraussetzungen für ein besseres Leben schafft.

In West-Berlin und in der Bundesrepublik vor 1989

Vier Jahre nach dem ersten Denkmal für die „Trümmerfrauen“ in der DDR widmete man ihnen auch in Westdeutschland erstmals eine Skulptur. Sie wurde 1955 im Volkspark Hasenheide in Berlin-Neukölln aufgestellt und ist ein Werk der Berliner Bildhauerin Katharina Szelinski-Singer. Das Denkmal wurde aus Muschelkalk hergestellt und über Mittel aus dem Notstandsprogramm für West-Berliner Künstler finanziert. Das Denkmal zeichnet „kein heroisches, sondern realistisches zartes und nachdenkliches Frauenbild.“[15] Im Gegensatz zu den „Trümmerfrau“-Denkmälern in Dresden und Ost-Berlin strahlt die müde und abgearbeitet erscheinende Frau keinen Zukunftsoptimismus aus: Die West-Berliner Erinnerung an die „Trümmerfrau“ war in die Vergangenheit gerichtet. Die Skulptur vermittelt anders als etwa gleichzeitig in der DDR aufgestellte Denkmäler keine Aufbruchstimmung.

Im Jahr 1968 ließ die Bezirksverwaltung von Berlin-Weißensee die vom Bildhauer Eberhard Bachmann geschaffene Skulptur Aufbauhelferin in der Amalienstraße, Ecke Albertinenstraße am Rande des Weißenseer Parks aufstellen. Das Kunstwerk ist aus Bronze gearbeitet und überlebensgroß.[11]

In der Bundesrepublik nach 1989

Nach der Wende, 1989 entwickelte sich die „Trümmerfrau“ zur gesamtdeutschen Ikone. Skulpturen und Gedenksteine wurden nun im gesamten Bundesgebiet aufgestellt.

In Frankfurt (Oder) wurde das Denkmal am ehemaligen Lichtspieltheater der Jugend umgewidmet: 1955 war es bei Edmund Neutert als Bäuerin in Auftrag gegeben und eingeweiht worden.[16][17]

Zusammen mit der rechts aufgestellten, männlichen Figur des Hochöfners, die manchmal auch als Stahlwerker bezeichnet wird, steht die linke, weibliche Statue für den Arbeiter- und Bauernstaat. Der Kontext hierzu wird durch die Sgraffitos an der Außenwand des Theaters hinter dem Hochöfner hergestellt: Sie zeigen zum einen landwirtschaftliche Motive, zum anderen Elemente aus Industrie und Stadt.[18] Informationen darüber, wann und weshalb die Umwidmung vorgenommen wurde, liegen nicht vor. Leonie Treber geht davon aus, dass erst nach der Wende im Einklang mit der Anerkennung der „Trümmerfrau“ als gesamtdeutsche Identifikationsfigur die weibliche Figur eine neue Plakette mit der Aufschrift Trümmerfrau erhielt. Der Widerspruch zum Sgraffito wurde dabei ignoriert.[19]

Das Trümmerfrau-Denkmal in der Mannheimer Innenstadt geht auf die Initiative von Frauen aus dem Umfeld der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) im Jahr 1995 zurück. Mit der Erinnerung an ihre Mütter, denen sie mit dem Denkmal ein Zeichen des Dankes widmen wollten, waren sie Teil einer virtuellen Erinnerungsgemeinschaft: Menschen aus der Generation der Kriegskinder wollten seit den 1990er Jahren das Gedenken an den Luftkrieg beleben und wachhalten.[20] In der Stadt gab es große Zustimmung und keinerlei Nachforschungen, ob eine Ehrung von „Trümmerfrauen“ in Mannheim angebracht sei: Daher verging von der Initiative bis zur Aufstellung nur ein Jahr.[20] Das Relief zeigt zehn Frauen bei der Trümmerarbeit vor einer Trümmerlandschaft. Die Figuren, geschaffen von den Künstlerinnen Maritta Kaltenborn (geb. 1936) und Waltraud Suckow (1924–2009) stehen für Frauentypen der Nachkriegszeit: eine Unbeschwerte, eine Nachdenkliche, eine Frau mit Kind, eine Schwangere, eine gebrechliche, deutlich vom Krieg gezeichnete alte Frau und zwei Frauen, die einander helfen. Das Denkmal verbildlicht das Narrativ, das seit den 1950er Jahren Leid und Leistung der Frauen für die Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellt. Eine Seitenfläche des quaderförmigen Steins zeigt das Chaos der Nachkriegszeit, ab der Kante herrscht bereits wieder Ordnung und Aufbau. Die Denkmaltafel trägt unter einem Gedicht von Ricarda Huch den Text: „Frauen haben gelitten und gearbeitet, um unsere Stadt wieder lebenswert zu machen. / Wir danken ihnen. / 50 Jahre danach im Mai 1995.“ Die Frauen werden nicht explizit als „Trümmerfrauen“ bezeichnet.[21]

Die Mannheimer Initiative strahlte aus, sodass in den nächsten Jahren den „Trümmerfrauen“ in weiteren Städten Denkmäler und Gedenkplaketten gewidmet wurden:[22]

Das Denkmal Trümmerfrauen der Künstlerin Marianne Heimbrock wurde 1999 in Hamm vor dem Widumbunker errichtet.[23] Seit dem Jahr 2000 gibt es ein entsprechendes Denkmal in Aachen.

Auch an ungewöhnlichen Orten werden „Trümmerfrau“-Figuren aufgestellt: 2001 wurde im Alten Rathaus in Chemnitz ein Glockenspiel mit 25 Glocken in Betrieb genommen und im Jahr 2002 durch sechs Bronzefiguren von Johannes Schulze ergänzt. Dreimal täglich werden sechs Figuren, die jeweils etwa einen Meter hoch sind, präsentiert: Benediktinermönch, Türmer, Spinnerin, Kaufmann, Gießer und „Trümmerfrau“ stehen dabei für Chemnitzer Geschichtsetappen.[24]

Die Gedenktafel bei der 2003 in der Heilbronner Sülmerstraße eingeweihte Skulpturengruppe Ehrenmal für die an der Trümmerräumung beteiligten Frauen und Männer von Sabina Grzimek hebt ausdrücklich beide Geschlechter hervor, und das Kunstwerk zeigt eine Frau, einen Mann und zwei Kinder.[25][26]

In Jülich hatte Gerda Mojert bereits im Oktober 1987 bei der Stadtverwaltung einen Antrag auf Errichtung eines „Trümmerfrauen“-Denkmals gestellt. Die Stadt Jülich lehnte aufgrund der Quellenlage ab; in Jülich rechtfertige der Anteil von Frauen an der Enttrümmerung kein solches Denkmal. Mojert schaltete die Presse ein und berief sich auf Berichte von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die den wissenschaftlichen Quellen widersprachen.[27] 16 Jahre nach Mojerts erstem Vorstoß einigte man sich auf einen Text für das Denkmal. Dieser stellte zwar – wie es die Quellenlage verlangte – die Arbeitsleistung der Frauen an der Trümmerbeseitigung in den Hintergrund, verschwieg aber den Anteil der Frauen an der nationalsozialistischen Vergangenheit: „Allen gewidmet, besonders den Frauen, die im Zweiten Weltkrieg menschliches Überleben ermöglicht und Jülich an alter Stelle wieder aufgebaut haben.“[28] Das Denkmal wurde im Forschungszentrum Jülich gebaut, durch den Förderverein Zitadelle auf dem Schlossplatz errichtet und am 11. April 2003 eingeweiht.[29]

Ein Denkmal in Augsburg (2005) folgte.

Für Halberstadt gestaltete der für seine Tastmodelle bekannte Künstler Egbert Broerken einen Gedenkstein, der ein Modell der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Stadt mit einem „Trümmerfrau“-Relief verbindet. Das Ensemble wurde 2005 anlässlich des 60. Jahrestages der Zerstörung eingeweiht und steht vor der Westfassade des Rathauses auf dem Holzmarkt.[30]

Das Denkmal in Wuppertal entstand im Jahr 2012 und trägt den Text „In Erinnerung an die Trümmerfrauen, die mit ihrem Einsatz halfen, nach 1945 unsere zerstörte Stadt wieder aufzubauen.“[31] Gestiftet wurde es vom Förderverein Trümmerfrauen e. V. Es hängt, wie es der Wunsch des Fördervereins war, gegenüber von der Gedenktafel für die Opfer des Zweiten Weltkriegs im Rathausfoyer.[31]

In München gibt es seit 2013 einen Gedenkstein.

Dort machte sich die CSU schon in den 1990er Jahren für ein Denkmal stark, das „Trümmerfrauen“, Vertriebene und Flüchtlinge ehren sollte.[32] 2003 und 2007/2008 wurden im Münchner Stadtrat Anträge auf ein Denkmal für „Trümmerfrauen“ gestellt. Beide Anträge wurden mehrheitlich abgelehnt, da nach den Archivmaterialien des Münchner Stadtarchivs in der Stadt weder „Trümmerfrauen“ existierten noch der Begriff „Trümmerfrau“ benutzt worden war. Die 102 Frauen, die unter Androhung des Entzugs von Lebensmittelmarken zur Trümmerräumung verpflichtet worden seien, seien ehemalige Mitglieder nationalsozialistischer Organisationen gewesen.[33] Ein Verein verfolgte das Vorhaben weiter, und schließlich stellte der Freistaat Bayern auf einem eigenen Grundstück am Marstallplatz einen Ort für einen Gedenkstein zur Verfügung.[32] Die Aufschrift lautet: „Den Trümmerfrauen und / der Aufbaugeneration / Dank und Anerkennung / München nach 1945 / Im Wissen um / die Verantwortung.“ Die Aufstellung löste heftige Reaktionen in der Öffentlichkeit der Stadt und den sozialen Medien aus.

In Österreich

Das Denkmal wurde vom deutschen Künstler Magnus Angermeier entworfen, der eine bereits entwickelte Frauenfigur mit dem Titel „Badende“ neu interpretierte und verwendete. Dies ist der Grund, warum die Frau mit freiem Oberkörper dargestellt ist und nicht vollständig in den visuellen Vorstellungshorizont der „Trümmerfrau“ passt. Außerdem hebt sich dieses Denkmal deutlich von den „Trümmerfrauen“-Denkmälern in Deutschland ab. Kaum etwas erinnert an die traditionelle Bildsprache der „ziegelschupfenden“ „Trümmerfrauen“ aus der Nachkriegszeit, die mit ihren Schürzen und Kopftüchern in den meisten zur Veranschaulichung des Themas herangezogenen Bildern dargestellt werden.[34][34.1] Die Inschrift lautet „Österreichs Trümmerfrauen 1943–1954“.[34.2] Die Schaffung des Denkmals für die „Trümmerfrauen“ kann als Bestrebung angesehen werden, die „Trümmerfrauen“ als bedeutenden Teil des kollektiven Gedächtnisses Österreichs zu verankern.[34.3]

Die Festrede zur Einweihung wurde damals vom Vizekanzler Heinz-Christian Strache gehalten, der auch das Denkmal enthüllte. Dadurch erhielt das privat finanzierte und auf privatem Grund errichtete Denkmal eine staatstragende Bedeutung. Tatsächlich ist das Denkmal von großer Kontroversität umgeben, und schon die Ankündigung eines vorgesehenen Gedenkorts für die österreichischen „Trümmerfrauen“ führte zu einer für österreichische Verhältnisse äußerst umfassenden Diskussion über die erinnerungspolitische Bedeutung dieser „Trümmerfrauen“.[34.4]

Nicht umgesetzte Vorhaben

Bereits 1993 gab es in Frankfurt am Main erste Impulse von politischer Seite für ein Denkmal zu Ehren der Trümmerfrauen. In diesem Jahr setzte sich die SPD für das Vorhaben ein, und in den darauf folgenden Jahren gab es vermehrt Anfragen auch von Seiten der Republikaner. Ab 2005 wurde das Thema von der CDU erneut aufgegriffen. In der Frankfurter Neuen Presse erschien im Herbst 2005 ein Artikel mit einem Foto. Es zeigt mehrere Frauen bei der Enttrümmerung mit der Bildunterschrift „Staubig ist die Arbeit, schmutzig und anstrengend: Trümmerfrauen – manche mit dem charakteristischen, vorne gebundenen Kopftuch – räumten vor 60 Jahren die Städte auf.“ Die Zusammenstellung von Text und Bild erzeugt die Assoziation, dass das Foto in Frankfurt gemacht wurde und als Beleg für die Arbeit der „Trümmerfrauen“ in Frankfurt zu lesen sei. Das Foto bildet jedoch eine Szene in Berlin ab.[35] 2007 und 2008 erläuterte CDU-Stadtrat Felix Semmelroth: Die Darstellung einer „Trümmerfrau“ mit Kopftuch und Spitzhacke erscheine unpassend. Sie stünde vor allem im Gegensatz dazu, dass während des Krieges und in der Nachkriegszeit bei der Trümmerräumung sowohl Frauen als auch Männer aktiv gewesen seien, teilweise auch aus dem regimetreuen Umfeld.[36]

In Graz hat die FPÖ hat 2018 einen Antrag zur Schaffung eines Denkmals zu Ehren der „Trümmerfrauen“ in Graz, der Landeshauptstadt, eingebracht. Besonders der dritte Landtagspräsident Gerhard Kurzmann setzte sich hierfür ein. SPÖ-Kultursprecher Wolfgang Dolesch äußerte sich ablehnend: „Abgesehen davon, dass wir ja wissenschaftlich belegt wissen, dass hier vor allem auch NS-Frauen verpflichtet worden sind, soll hier wohl wieder emotionalisiert […] werden“. Auch der zuständige Kulturlandesrat Christopher Drexler der ÖVP sprach sich dagegen aus, das Vorhaben ohne „eingehende wissenschaftlich-historische Bewertung“ weiter zu verfolgen.[37]

Galerie


Anmerkungen

  1. In der Wikipedia gilt es als unangemessener Stil, durch Anführungszeichen eine Distanzierung von der Wortwahl anzeigen zu wollen. Da jedoch in dem überwiegenden Teil der Forschungsliteratur zum Thema seit 2013 (u. a. Leonie Treber, Clara-Anna Egger, Martin Tschiggerl/Thomas Wallach; Näheres hier) eben diese Distanzierung als angemessener Umgang mit dem Begriff gilt und durch Anführungszeichen angezeigt wird, folgt der Artikel der Forschung und verwendet diese typografischen Kennzeichen.
  2. Soweit in der Denkmalwidmung Frauen erwähnt sind, haben wir die Denkmäler auch dann in diesen Artikel aufgenommen, wenn zusätzlich weitere Personengruppen aufgeführt sind (z. B. Aufbaugeneration, Männer, Nachkriegsgeneration…).
  3. Die Definition des Begriffs Denkmal ist in den Denkmalschutzgesetzen der einzelnen Bundesländer unterschiedlich. Nicht alle Gedenksteine und Gedenktafeln erfüllen diese Kriterien, werden aber aus Vereinfachungsgründen hier mit aufgeführt. In Presse und Bevölkerung werden sie ohnehin oft als Denkmäler bezeichnet.

Einzelnachweise

  1. Leonie Treber: Mythos Trümmerfrauen. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2015, ISBN 978-3-8389-0655-3, S. 88.
  2. a b Leonie Treber: Mythos Trümmerfrauen. Von der Trümmerbeseitigung in der Kriegs- und Nachkriegszeit und der Entstehung eines deutschen Erinnerungsortes. Klartext Verlag, Essen 2014, ISBN 978-3-8375-1178-9, S. 300.
  3. Leonie Treber: Mythos Trümmerfrauen. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2015, ISBN 978-3-8389-0655-3, S. 28.
  4. a b c Dresden: Die Trümmerfrau ist zurück. 1. Februar 2023, abgerufen am 24. Oktober 2025.
  5. a b Leonie Treber: Mythos Trümmerfrauen. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2015, ISBN 978-3-8389-0655-3, S. 90.
  6. Miriam Gebhardt: Die kurze Stunde der Frauen. Zwischen Aufbruch und Ernüchterung in der Nachkriegszeit. Herder, Freiburg im Breisgau 2024, ISBN 978-3-451-39938-1, S. 73.
  7. Leonie Treber: Mythos Trümmerfrauen. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2015, ISBN 978-3-8389-0655-3, S. 89.
  8. Stefanie Endlich, Bernd Wurlitzer: Skulpturen und Denkmäler in Berlin. Stapp, Berlin 1990, ISBN 3-87776-034-1, S. 320.
  9. Gedenktafel auf commons.com
  10. Aufbauhelferin Eberhard Bachmann Ende 1950 Jahre auf potsdam.de
  11. a b Stefanie Endlich, Bernd Wurlitzer: Skulpturen und Denkmäler in Berlin. Stapp, Berlin 1990, ISBN 3-87776-034-1, S. 351.
  12. Denkmal – Trümmerfrau. In: chemnitz.de. Abgerufen am 9. Oktober 2025.
  13. Susanne Kähler, Jörg Kuhn: Aufbauhelferin – Bildhauerei in Berlin. In: https://bildhauerei-in-berlin.de. Abgerufen am 24. Oktober 2025.
  14. Kunstpfad – Auf den Spuren von Heinrich Apel. In: magdeburg.de. Abgerufen am 25. Oktober 2025.
  15. Stefanie Endlich, Bernd Wurlitzer: Skulpturen und Denkmäler in Berlin. Stapp Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-87776-034-1, S. 72.
  16. Neues vom neuen Lichtspieltheater. In: Märkische Union. 17. Mai 1955, Leonie Treber: Mythos Trümmerfrauen. Von der Trümmerbeseitigung in der Kriegs- und Nachkriegszeit und der Entstehung eines deutschen Erinnerungsortes. Klartext Verlag, Essen 2014, S. 435 mit weiteren Nachweisen.
  17. Nicole Kramer: Trümmerfrau. In: kulturbuero-ffo.de. Abgerufen am 15. Oktober 2025.
  18. Gespräche mit dem Maler vor unserem Kino. S. 5, Leonie Treber: Mythos Trümmerfrauen. Von der Trümmerbeseitigung in der Kriegs- und Nachkriegszeit und der Entstehung eines deutschen Erinnerungsortes. Klartext Verlag, Essen 2014, S. 435.
  19. Leonie Treber: Mythos Trümmerfrauen. Von der Trümmerbeseitigung in der Kriegs- und Nachkriegszeit und der Entstehung eines deutschen Erinnerungsortes. Klartext Verlag, Essen 2014, ISBN 978-3-8375-1178-9, S. 435.
  20. a b Leonie Treber: Mythos Trümmerfrauen. Von der Trümmerbeseitigung in der Kriegs- und Nachkriegszeit und der Entstehung eines deutschen Erinnerungsortes. Klartext Verlag, Essen 2014, ISBN 978-3-8375-1178-9, S. 435.
  21. Nicole Kramer: Trümmerfrauen – Historisches Lexikon Bayerns. In: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de. Bayerische Staatsbibliothek in München, Konferenz der Landeshistoriker an den bayerischen Universitäten, Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 13. Oktober 2025.
  22. Leonie Treber: Mythos Trümmerfrauen. Von der Trümmerbeseitigung in der Kriegs- und Nachkriegszeit und der Entstehung eines deutschen Erinnerungsortes. Klartext Verlag, Essen 2014, ISBN 978-3-8375-1178-9, S. 436.
  23. Kunst im öffentlichen Raum (PDF) auf hamm.de.
  24. Figürliches Glockenspiel. In: https://www.chemnitz.de. Abgerufen am 17. September 2025.
  25. Sabina Grzimek: Plastiken – Aquarelle – Zeichnungen. Ausstellung von Grzimek-Werken 2010 in Berlin. In: galerie-am-gendarmenmarkt.de. Abgerufen am 25. August 2010.
  26. Himmelsbach: Rede von OB Himmelsbach vom Samstag, 8.3.2003. In: Aktuell. 9. März 2003, abgerufen am 17. September 2025 (deutsch).
  27. Leonie Treber: Mythos Trümmerfrauen. Von der Trümmerbeseitigung in der Kriegs- und Nachkriegszeit und der Entstehung eines deutschen Erinnerungsortes. Klartext Verlag, Essen 2014, ISBN 978-3-8375-1178-9, S. 437.
  28. Leonie Treber: Mythos Trümmerfrauen. Von der Trümmerbeseitigung in der Kriegs- und Nachkriegszeit und der Entstehung eines deutschen Erinnerungsortes. Klartext Verlag, Essen 2014, ISBN 978-3-8375-1178-9, S. 442.
  29. Dorothée Schenk: Trauer um Gerta Mojert. In: https://www.herzog-magazin.de. 20. November 2022, abgerufen am 29. Oktober 2025.
  30. Leseprojekt erinnert an die Zerstörung von Halberstadt. In: mz-. 9. März 2003, abgerufen am 10. September 2025.
  31. a b Gedenktafel für die Wuppertaler Trümmerfrauen – Zeitzeichen-Wuppertal.de. In: https://zeitzeichen-wuppertal.de. 6. September 2012, abgerufen am 29. Oktober 2025.
  32. a b Trümmerfrauen – Historisches Lexikon Bayerns. Abgerufen am 29. September 2025.
  33. Frage an Florian Ritter von Anna Hutter bezüglich Gesellschaftspolitik, soziale Gruppen. Mit Antwort von Florian Ritter. In: abgeordnetenwatch.de. 23. Oktober 2009, abgerufen am 26. Oktober 2009.
  34. Martin Tschiggerl: Ruinen der Erinnerung. Bundeszentrale für politische Bildung, Wien 2025, ISBN 978-3-205-22268-2.
    1. Seite 30
    2. Seite 42
    3. Seite 32
    4. Seite 33
  35. Ein Denkmal für die Trümmerfrauen. In: Frankfurter Neue Presse. Frankfurt am Main 19. Oktober 2005, S. 15, zitiert nach: Leonie Treber: Mythos Trümmerfrauen. Von der Trümmerbeseitigung in der Kriegs- und Nachkriegszeit und der Entstehung eines deutschen Erinnerungsortes. Klartext Verlag, 1. Auflage, Essen 2014, ISBN 978-3-8375-1178-9, S. 429.
  36. Gernot Gottwals: Ein Denkmal für die Trümmerfrauen. In: fnp.de. 26. März 2013, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 27. Juni 2018; abgerufen am 15. Oktober 2025.
  37. Nicole Kramer: Die steirischen Blauen hätten jetzt auch gerne eine „Badende“. In: derstandard.at. Abgerufen am 15. Oktober 2025.