Denkmal Aufbauhelferin und Aufbauhelfer
Das Denkmal Aufbauhelferin und Aufbauhelfer wurde 1954/1955 vom Bildhauer Fritz Cremer unter dem Arbeitstitel Weg mit den Trümmern I und II als Gipsentwurf geschaffen und 1955 in Bronze gegossen. In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre wurden die beiden Figuren zur Würdigung der Leistungen beim Wiederaufbau Ost-Berlins unter der Bezeichnung Aufbauhelfer und Aufbauhelferin etwa 40 Meter entfernt voneinander auf dem Vorplatz gegenüber dem Roten Rathaus in Ost-Berlin aufgestellt.
Entstehung
Der renommierte DDR-Bildhauer Fritz Cremer hatte 1953/1954 einen Gipsentwurf von einer Frauenstatue mit Schaufel und einer Männerstatue mit Hacke unter dem Arbeitstitel Weg mit den Trümmern I und II geschaffen.[1] Zur Wiedereinweihung des im Zweiten Weltkrieg massiv zerstörten Rathauses schenkte das Ministerium für Kultur dem Magistrat von Berlin die beiden 2,50 m hohen, vollplastischen Skulpturen. Sie wurden 1955 in Bronze gegossen und zur Würdigung der Leistungen beim Wiederaufbau Ost-Berlins unter der Bezeichnung Aufbauhelfer und Aufbauhelferin etwa 40 Meter entfernt voneinander auf dem Vorplatz aufgestellt, der gegenüber dem Roten Rathaus liegt.[2][3][A 1]
In der Literatur wird das Jahr der Aufstellung häufig mit 1958 angegeben.[2] Doch bereits zwei Jahre früher berichtete das Neue Deutschland, die Platzierung vor dem Rathaus sei am 27. November 1956 erfolgt, „als bleibender Zeuge für die Aufbauleistungen der Berliner“.[4]
Beschreibung
Der Aufbauhelfer ist mit einer eng anliegenden Hose mit Gürtel bekleidet. Er trägt sein Hemd, das in die Hose gesteckt ist, mit weit geöffnetem Kragen. Er ist dabei, sich mit der linken Hand den rechten Ärmel hochzukrempeln, der linke ist schon aufgekrempelt. Auf dem Kopf sitzt eine Schirmkappe. In der rechten Hand hält er eine Spitzhacke. Der jugendliche Mann steht aufrecht und in leichter Schrittstellung und blickt in die Ferne, das Gesicht ist zur Seite gedreht.
Die Frauenstatue stellt eine junge, tatkräftige Aktivistin dar. Ihre Hosenbeine hat sie in die Stiefel gesteckt. Eine leichte Schrittstellung wurde dadurch erzeugt, dass der hintere, linke Fuß auf der Plinthe nur leicht aufliegt. Das enge, ärmellose Oberteil wird in der Taille von einem Gürtel gehalten. Mit dem Handgelenk der linken Hand hält sie die Schaufel im Gleichgewicht, die über ihrer linken Schulter liegt. Die Haare sind mit einem Kopftuch aus dem Gesicht gebunden. Wie bei ihrem männlichen Pendant ist auch hier der Kopf zur Seite gewandt und der Blick ins Weite gerichtet.[2]
Jede Figur steht auf einem rechteckigen Steinblock.
Historischer Hintergrund
Den Auftrag für das Denkmal erhielt Fritz Cremer vom Berliner Magistrat. Das Honorar betrug 30.000 DM, die Kosten für Guss und Sockel 20.000 DM.[5] Die Hintergründe der Magistratsentscheidung sind nicht belegt. Doch es besteht ein enger zeitlicher Zusammenhang mit der Hochphase des Nationalen Aufbauwerks, in der die Bürgerinnen und Bürger der Stadt für Arbeitseinsätze bei Bauvorhaben gewonnen werden mussten.[1] Das NAW vermittelte der Bevölkerung, die Enttrümmerung sei zwar notwendig gewesen, sei aber lediglich eine Voraussetzung für das eigentliche Ziel: den Aufbau der Berliner Stalinallee, die als Prestigeprojekt galt. Für die Verkörperung der zukunftsgewandten Frau im Sozialismus schien der Begriff Aufbauhelferin besser zu passen als „Trümmerfrau“.[A 2] Anfang der 1960er Jahre herrschte keine Eindeutigkeit über die Deutung der Statue. Mit dem Auslaufen des NAW Mitte der 1960er Jahre trat die Bezeichnung Aufbauhelferin jedoch in den Hintergrund und wurde von „Trümmerfrau“ verdrängt. Trümmerräumung und Aufbau verschmolzen gedanklich zu einer einzigen Phase, die von der „Trümmerfrau“ verkörpert wurde.[6] Die beiden jugendlichen Figuren vermitteln den Optimismus der Aufbauphase der DDR.[2]
Das Denkmal Aufbauhelferin und Aufbauhelfer ist nach dem Denkmal in Dresden von 1951/1952 das zweite „Trümmerfrau“-Denkmal der DDR.
Anmerkungen
- ↑ Die begriffliche Neuschöpfung Aufbauhelferin / Aufbauhelfer wurde für Personen verwendet, die im Rahmen des NAW Arbeitsschichten ableisteten.
- ↑ In der Wikipedia gilt es als unangemessener Stil, durch Anführungszeichen eine Distanzierung von der Wortwahl anzeigen zu wollen. Da jedoch in dem überwiegenden Teil der Forschungsliteratur zum Thema seit 2013 (u. a. Leonie Treber, Clara-Anna Egger, Martin Tschiggerl/Thomas Wallach) eben diese Distanzierung als angemessener Umgang mit dem Begriff gilt und durch Anführungszeichen angezeigt wird, folgt der Artikel der Forschung und verwendet diese typografischen Kennzeichen.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Leonie Treber: Mythos Trümmerfrauen. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2015, ISBN 978-3-8389-0655-3, S. 91–92.
- ↑ a b c d Eva-Maria Klother: Denkmalplastik nach 1945 bis 1989 in Ost- und West-Berlin. In: Matthias Bleyl (Hrsg.): Theorie der Gegenwartskunst. Band 12. LIT Verlag, Münster 1998, ISBN 3-8258-3797-1, S. 50/51.
- ↑ Stefanie Endlich, Bernd Wurlitzer: Skulpturen und Denkmäler in Berlin. Stapp, Berlin 1990, ISBN 3-87776-034-1, S. 297.
- ↑ (ohne Titel). In: Neues Deutschland. Berlin 30. November 1956, S. 8, zitiert nach: Leonie Treber: Mythos Trümmerfrauen. Von der Trümmerbeseitigung in der Kriegs- und Nachkriegszeit und der Entstehung eines deutschen Erinnerungsortes. Klartext Verlag, Münster 2014, ISBN 978-3-8375-1178-9, S. 301, Anmerkung 96.
- ↑ Andrea Theissen (Hrsg.): Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler. Stadtgeschichtliches Museum Spandau, Berlin 2017, ISBN 978-3-00-056936-4, S. 158.
- ↑ Leonie Treber: Mythos Trümmerfrauen. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2015, ISBN 978-3-8389-0655-3, S. 111.
Koordinaten: 52° 31′ 8″ N, 13° 24′ 26,2″ O