Robert Harben Whitelegg
Robert Harben Whitelegg (* Oktober 1871 im Stadtteil Garston von Liverpool, England; † 9. März 1957 in Chelsea, London) war ein britischer Eisenbahningenieur und Dampflokomotivkonstrukteur, der vor allem für seine Tenderlokomotiven bekannt wurde.
Whitelegg wurde in eine Eisenbahnerfamilie hineingeboren. Sein Vater Thomas Whitelegg war ebenfalls Lokomotivkonstrukteur. Robert absolvierte seine Ausbildung bei ihm in den Plaistow Works der London, Tilbury and Southend Railway (LT&SR). Von 1905 bis 1912 war er Locomotive Superintendent der LT&SR, wo er unter anderem die Tenderlokomotiven 2100 entwickelte, die die ersten in Großbritannien gebauten Lokomotiven mit der Achsfolge 2’C2’ (Baltic) waren.[1]
Die Übernahme der LT&SR durch die Midland Railway im Jahr 1912 bedeutete für Whitelegg das Ende seiner leitenden Tätigkeit. Unter der technischen Leitung von Henry Fowler in Derby blieb ihm nur eine untergeordnete Rolle, woraufhin er das Unternehmen verließ.
Nachdem Whiteleggs Bewerbung um die Position des Chief Mechanical Engineers (CME) bei der Great Eastern Railway (GER) erfolglos geblieben war, übernahm Whitelegg 1915 eine Tätigkeit als beratenden Ingenieurs bei der Canadian Locomotive Company in London. Das Unternehmen war während des Ersten Weltkriegs an der Lieferung von Lokomotiven an die Französischen Streitkräfte beteiligt. 1917 trat er auf Einladung des stellvertretenden Kontrolleurs für den Handelsschiffbau in den Dienst der Admiralität, wo er sich hauptsächlich mit der Standardisierung von Werftmaschinen und der Inspektion von Schiffbaumaterialien für den Bau von Standardschiffen befasste.[2]
Im August 1918 kehrte Whitelegg zur Eisenbahn zurück und nahm die Stelle des Locomotive Superintendent der Glasgow and South Western Railway (G&SWR) mit Arbeitsort Kilmarnock an, wo er am 1. Januar 1919 zum CME ernannt wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg fand er den gesamten Lokomotivbestand und die Werkstätte der G&SWR in einem schlechten Zustand vor. Er musste zehn Lokomotiven der von seinem Vorgänger Peter Drummond, Bruder von Dugald Drummond entwickelten Klasse 45, eine C1’-Tenderlokomotive, nachbestellen, die von der North British Locomotive Company (NBL) gebaut wurden. Außerdem musste er Kessel zur Überholung an andere Unternehmen abgeben. Whitelegg baute mehrere vorhandene G&SWR-Lokomotiven um und entwickelte 1922 die leistungsfähigen modernen Tenderlokomotiven der Baltic-Klasse, die für Schnellzüge auf der Strecke zwischen Glasgow und den Seebädern an der Ayrshire-Küste eingesetzt wurden.[2]
Die Entwürfe für Tenderlokomotiven der G&SWR mit den Achsfolgen 2’B2’ und 2’C3’ wurden nicht mehr realisiert, weil die Bahngesellschaft per 1. Januar 1923 in die London, Midland and Scottish Railway (LMS) eingegliedert wurde. Das wiederum führte dazu, dass Whitelegg das Unternehmen verließ und Generaldirektor von Beyer, Peacock & Co in Manchester wurde, wo er die Nachfolge von Edward A.A. Watson antrat, der kurz nach seiner Ernennung verstorben war. Whitelegg patentierte mehrere Gelenklokomotiven der Bauart Beyer-Garratt. 1929 verließ er das Unternehmen, um Eisenbahnen in Kanada und den USA zu besichtigen. 1930 wandte er sich der Beratungstätigkeit zu und ging eine Partnerschaft mit J.D. Rogers, dem ehemaligen stellvertretenden Leiter der Zugförderungsabteilung der Virginian Railway, ein.[2] 1941 trat er in den Ruhestand und 1957 verstarb er in Chelsea, London.[3]
Whitelegg war von 1922 bis 1923 Präsident der Institution of Locomotive Engineers.[3]
Einzelnachweise
- ↑ Glasgow & South Western class 540. In: loco-info.com. Abgerufen am 18. November 2025 (englisch).
- ↑ a b c Whiteleggs: son & father – Robert Harben Whitelegg. In: SteamIndex. Abgerufen am 18. November 2025 (englisch).
- ↑ a b 1922-1923: Robert Harben Whitelegg - Institution of Mechanical Engineers. 21. Dezember 2021, abgerufen am 18. November 2025 (englisch).