Militär-Veterinär-Akademie

Die Militär-Veterinär-Akademie war eine medizinische Bildungseinrichtung in Berlin.

Einrichtung und Gründungsgeschichte

Sie war die bedeutendste Veterinär-Akademie auf dem Gebiet des damaligen Deutschen Reiches. Im Jahr 1903 ging sie aus der Militär-Roßarztschule hervor,[1][2] welche per Kabinettsorder vom 9. Januar 1862 aus der 1849 gegründeten „Militär-Kurschmiede-Eleven-Institut“ hervorging. In der Akademie wurden die deutschen Militärveterinäre ausgebildet. Die Unterstellung blieb bei der Militär-Veterinär-Inspektion.[3]

Leiter der Militär-Veterinär-Akademie war der Inspekteur des Militär-Veterinärwesens und Stabsoffizier. Dieser erhielt einen Inspizienten und Hilfsinspizienten zur Unterstützung.[4]

Geschichte der Akademie

Mit Kabinettsorder vom 21. März 1910 wurde die Leitung der Akademie durch einen Generalveterinär mit dem Range eines Oberst realisiert, welcher dem Allgemeinem Kriegsdepartement unmittelbar unterstellt war.[3] Dem Direktor wurde ein Bureau-Veterinär-Offizier zugeteilt. Am 27. Oktober 1914 verstarb während einer Vorlesung der Direktor Hell.[5]

Im Jahr 1918 wurde sie in Hauptveterinärdepot umbenannt.[6] 1919 wurde nach Bestimmungen des Versailler Vertrages die Militär-Veterinär-Akademie aufgelöst. 1936 entstand sie als Einrichtung der Wehrmacht erneut.[7] Die Einrichtung befand sich in der Karlstraße 23a in Berlin.

Ausbildung

Für die Aufnahme an der Akademie wurde ein Abitur vorausgesetzt. Zusätzlich waren mindestens 6 Monate Truppendienst erforderlich. Damit wurden grundsätzlich zwei- und dreijährig-Freiwillige zugelassen. Einjährig-Freiwillige der Kavallerie, Feldartillerie und dem Train konnten ebenfalls eingestellt werden.[4] Es folgte als Veterinäraspirant eine 6-monatige Kommandierung an die Militär-Lehrschmiede, ebenfalls in Berlin. Hier musste die Prüfung im Hufbeschlag bestanden werden.[4] Nach erfolgreicher Prüfung wurden sie als überzählige Unteroffiziere an die Militär-Veterinär-Akademie übernommen. Für sieben Semester studierten sie an der Tierärztlichen Hochschule, wobei ab 1910 für diese Zeit sie als Militärangehörige in den Beurlaubungsstand versetzt waren.

Nach dem Ablegen der tierärztlichen Fachprüfung kamen sie als etatmäßige oder überzählige Unterveterinäre in ein Truppenteil, wurden erneut für 6 Monate an die Militär-Lehrschmiede und Klinik in Berlin kommandiert.[4]

Nach Abschluss der Kommandierung mussten die Militärveterinäre für jedes der genutzten Semester als Dienstpflicht ein Jahr als Militär-Rossarzt ableisten. Ab 1910 wurde dies in den Dienst als Veterinär-Offizier verändert.

Siehe auch hierzu den Werdegang von Curt Schulze.

Gliederung

1910 bestand die Gliederung der Militär-Veterinär-Akademie aus folgenden Bereichen:[3][8]

wissenschaftliche Berater
Generalveterinär Franz Ludwig Hell ordentliches Mitglied des Landes-Veterinär-Amtes und später Direktor der Akademie
Geheimer Regierungsrat und Professor Wilhelm Schütz für die Tierärztliche Hochschule
Geheimer Regierungsrat und Professor Eugen Fröhner
Korpsstabsveterinär und Professor Hubert Kösters für die Militär-Veterinär-Inspektion, technischer Vorstand der Militär-Lehrschmiede Berlin
Korpsstabsveterinär Kuno Tetzner war vorher Korpsstabsveterinär im XV. Armee-Korps
Inspizienten
Korpsstabsveterinär Kuno Tetzner Erster Inspizient und wissenschaftlicher Berater
Korpsstabsveterinär Arnold Christiani ab April 1906, vorher Stabsveterinär im Feldartillerie-Regiment 34
Korpsstabsveterinär Paul Steffens ab 1910, vorher Oberstabsveterinär im Ulanen-Regiment 13
Stabsveterinär Oskar Wöhler später Generaloberveterinär in der Akademie
Stabsveterinär Paul Rakette von 1909 bis 1913, vormals Korpsstabsveterinär der Kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika, später Korpsveterinär des 22. Reserve-Korps
Stabsveterinär Albert Keutzer ab 1910, vorher als Stabsveterinär im Husaren-Regiment 10, später Oberstabsveterinär in der Akademie
Stabsveterinär Ernst Amann später Stabsveterinär im Oberkommando der 11. Armee
Stabsveterinär Otto Gerdell auch Leiter der Bücherei der Akademie, vorher Oberveterinär im Kürassier-Regiment 4
Bakteriologisches Laboratorium
Korpsstabsveterinär Karl Troester Leiter des Laboratoriums, später Generaloberveterinär und Professor; führte 1896 nur kurze Zeit nach der Entdeckung eine Röntgenphotographie durch

Leiter der Akademie (Auswahl)

Inspekteur des Militär-Veterinärwesens bis 1910 Leiter der Akademie

Direktoren der Akademie

  • Generalveterinär Franz Ludwig Hell: von 1910 bis 1914 (†)
  • Generalveterinär (später mit dem Rang eines Generalmajors) Heinrich Schlake: von 1914 bis zur Auflösung 1919, vorher technischer Vorstand der Militär-Lehrschmiede in Frankfurt am Main

Bekannte Studierende der Akademie (Auswahl)

Literatur

  • Rudolf K. H. Wernicke: Von der Zootomie zur neuzeitlichen Pferdeheilkunde Entwicklung der Tiermedizin in Berlin-Mitte. In: Pferdeheilkunde 21, 4, 2005, S. 334.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Hannoverscher Kurier : Hannoversches Tageblatt ; Morgenzeitung für Niedersachsen - Deutsches Zeitungsportal. Abgerufen am 28. September 2025.
  2. William F. Sater, Holger H. Herwig: The Grand Illusion: The Prussianization of the Chilean Army. U of Nebraska Press, 1999, ISBN 978-0-8032-2393-6 (google.de [abgerufen am 28. September 2025]).
  3. a b c Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat. 1910, S. 155.
  4. a b c d Deutsche tierärztliche Wochenschrift. Band 11, Nr. 38. M. und H. Schaper, 1903, S. 359.
  5. Zeitschrift für Fleisch- und Milchhygiene. ... Band 24–25, 1914, S. 70.
  6. Heidelberger Tageblatt : General-Anzeiger : Verkündigungs-Blatt für die Bezirke Heidelberg, Weinheim, Schwetzingen, Wiesloch, Sinsheim, Eppingen, Mosbach, Neckarbischofsheim, Eberbach, Buchen, Walldürn, Adelsheim, Boxberg, Tauberbischofsheim und Wertheim - Deutsches Zeitungsportal. Abgerufen am 28. September 2025.
  7. Hannoverscher Kurier : Hannoversches Tageblatt ; Morgenzeitung für Niedersachsen, Abend-Blatt - Deutsches Zeitungsportal. Abgerufen am 28. September 2025.
  8. Zeitschrift für Veterinärkunde, mit Berücksichtigung aller Zweige der Tiermedizin. Band 23. E.S. Mittler & Sohn, 1911, S. 340.