Geschichte der Stadt Rodalben

Die Geschichte der Stadt Rodalben beginnt im Mittelalter. Ab dem 18. Jahrhundert nahm die damalige Gemeinde als Folge der Zerstörung der nahen Burg Gräfenstein innerhalb ihrer nächsten Umgebung eine Zentrumsfunktion ein. Ab Ende des 19. Jahrhunderts erlebte Rodalben einen wirtschaftlichen Aufschwung, der sich in steigenden Einwohnerzahlen und 1963 in der Verleihung der Stadtrechte äußerte. In der Folgezeit geriet die Stadt, wie die gesamte Region um das benachbarte Pirmasens, in eine ökonomische Krise, die sich in wegbrechender Infrastruktur in Form schließender Unternehmen sowie Institutionen und Einwohnerrückgang zeigte.[1][2]

Anfänge und Mittelalter

Rodalben wurde vermutlich als Siedlung des keltischen Stammes der Mediomatriker gegründet und später nach dem Fluss benannt. Die Herkunft des Flussnamens ist nicht eindeutig geklärt. Als alb bezeichneten die Kelten Flüsse oder Bäche. Für den Namensbestandteil Rod, zeitweise auch Roth, gibt es zwei Erklärungsmöglichkeiten. Zum einen könnte der rote Sand des Flussbettes der Namensgeber sein, zum anderen das Roden (Rotten) der Wälder, um in den Tälern weite Wiesen- und Ackerflächen anzulegen.

1237, im Mittelalter, wurde Rodalben erstmals urkundlich als „Meyerhof“ erwähnt. Es war über Jahrhunderte eine bäuerlich geprägte Ansiedlung, die zusammen mit der Burg Gräfenstein bei Merzalben den Grafen von Leiningen gehörte. Um das Jahr 1360 wurde mutmaßlich die erste Pfarrkirche in Rodalben gebaut. Davon zeugen der erhaltene romanische Turm und der mit Fresken geschmückte gewölbte Chor. Das Alter lässt sich anhand des gotischen Baustils in seiner dritten und letzten Periode ungefähr ermitteln wie auch dadurch, dass Rodalben 1360 beziehungsweise 1361 bereits einen Pfarrer hatte, der eine Kollationsgebühr von 6 Gros an Rom entrichtete. Genauere Angaben über den Bau der Kirche liegen jedoch nicht vor.

Frühe Neuzeit

Der Ort erhielt größere Bedeutung durch die Verlagerung der Verwaltung des Gräfensteiner Amtes nach Rodalben. Um 1720 erhielt Rodalben seine erste Schule. Das „Feine Häusel“, das von Münchweiler nach Rodalben versetzt worden war und bis dahin als Pfarrhaus diente, wurde zum Schulsaal und zur Lehrerwohnung hergerichtet. Das Haus existiert bis in die Gegenwart und wird als Wohnhaus genutzt. Bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Rodalben zur Markgrafschaft Baden.

Von 1798 bis 1814, als die Pfalz ein Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend ein Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war der Ort in den Kanton Pirmasens eingegliedert und war der Sitz einer eigenen Mairie, zu der zusätzlich Donsieders und Münchweiler gehörten. Während dieser Zeit wurden die Verwaltungsgebäude der vormaligen Markgrafschaft Baden versteigert, wodurch Rodalben seine Zentrumsfunktion verlor. 1814 nahm die Kaiserlich Russische Armee, die Napoleon bis nach Paris begleitet hatte, ihren Rückweg über Rodalben und wurde dort eine Woche lang einquartiert.[3]

1815 wurde der Ort Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte Rodalben in das Königreich Bayern. Ab 1818 war der Ort ein Bestandteil des Landkommissariats Pirmasens, das 1862 in ein Bezirksamt umgewandelt wurde.

1875 erhielt Rodalben Anschluss an die Bahnstrecke Landau–Zweibrücken. Von 1876 bis 1878 wurde im Gemeindegebiet ein Wasserwerk der benachbarten Stadt Pirmasens errichtet.[4]

Die aufkommende Industrialisierung machte ebenso vor Rodalben nicht Halt. So wurde das einstige Schuhmacherhandwerk zur Schuhindustrie, die zunehmend das Bild von Rodalben bestimmte. Es entstand eine eigene Gerberei.

20. Jahrhundert

Erste Hälfte

Während des Ersten Weltkriegs waren 116 aus Rodalben stammende Soldaten den Kampfhandlungen zum Opfer gefallen, während die Zivilbevölkerung trotz Luftangriffen verschont geblieben war.[5]

Bereits im frühen 20. Jahrhundert wurden innerhalb von Rodalben zahlreiche neue Wohngebiete erschlossen. 1938 entstand auf dem Grunbühl der nördliche Teil der Husterhöh-Kaserne. Im selben Jahr wurde außerdem im Bereich des damaligen nordöstlichen Siedlungsrandes ein Lager des Reichsarbeitsdienstes errichtet.[6] 1939 wurde Rodalben in den Landkreis Pirmasens (ab 1997 Landkreis Südwestpfalz) eingegliedert.

Im Zweiten Weltkrieg kamen 255 Bürger aus Rodalben ums Leben. Während dieser Zeit suchten die Bewohner oft im Wald beziehungsweise den Felsenhöhlen der Region Schutz.[7]

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach Kriegsende wurde die Gemeinde innerhalb der französischen Besatzungszone ein Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. 1950 feierte Rodalben sein 700-jähriges Jubiläum, das ursprünglich bereits 1937 geplant gewesen war.[8]

Ab 1954 entstand der Stadtteil Lohn.[9] Während dieser Phase des deutschen Wirtschaftswunders entwickelte sich die Schuhindustrie günstig. Zeitweise gab es mit den Familienbetrieben über 60 Schuhfabriken im Ort.

1955 wurde das bis dahin zu Rodalben gehörende Petersberg selbständig. Am 17. März 1963 erhielt die Gemeinde Rodalben die Stadtrechte, nachdem bereits in den Jahrzehnten zuvor der dörfliche Charakter durch die zunehmende Industrialisierung abgenommen hatte.[10][11] Die weltweite Öffnung der Märkte wirkte sich nachteilig auf die lohnintensive Schuhindustrie aus, so dass eine Schuhfabrik nach der anderen schließen musste. Trotzdem blieb der Schuh ein Markenzeichen dieser Region, dann jedoch mehr durch den Handel.

Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde der Ort Neuhof mit 371 Einwohnern, der bis dahin zu Pirmasens gehört hatte, nach Rodalben umgemeindet.[12] Im Gegenzug wechselte die Siedlung Am Hollerbrunn zum näher liegenden Pirmasens.[13] Drei Jahre später wurde Rodalben Sitz der neu geschaffenen gleichnamigen Verbandsgemeinde.

21. Jahrhundert

Das in der Stadt befindliche Jugendheim Mühlkopf, das der geschlossenen Heimunterbringung dient, geriet im November 2003 in die Schlagzeilen, als eine Erzieherin von zwei Insassen erstochen wurde.[14][15]

Die Stadt Rodalben beabsichtigte ab dem 21. Jahrhundert zunächst, auf dem Grünbühl, dessen Gelände Eigentum der Bundeswehr ist, zu einem Gewerbegebiet umzuwandeln.[16] Dagegen leistete letztere jedoch Widerstand.[17] Aus diesem Grund scheiterte dieses vorhaben 2022 endgültig, als der Bau eines Wachturms auf dem Gelände durch die Stadt Rodalben beschlossen wurde.[18]

Einzelnachweise

  1. Marienhaus-Geschäftsführer: Krankenhaus-Übernahme unausweichlich. In: rheinpfalz.de. 6. Oktober 2021, abgerufen am 1. Dezember 2025.
  2. Johannes produziert allein Kinderschuhe für besondere Füße. In: swr.de. 28. Mai 2021, abgerufen am 1. Dezember 2025.
  3. Vinzenz Bernhar: Zeittafel. In: Stadt Rodalben (Hrsg.): 750 Jahre Gräfensteiner Land 1237–1987. Mit der Geschichte von Rodalben. Adolf Deil KG, Pirmasens 1987, ISBN 3-926562-00-5, S. 461.
  4. Heimatgeschichte: Warum das Rodalber Wasserwerk Pirmasens gehört. In: rheinpfalz.de. 15. August 2023, abgerufen am 14. November 2025.
  5. Günter Straßner: Opfer der Kriege. In: Stadt Rodalben (Hrsg.): 750 Jahre Gräfensteiner Land 1237–1987. Mit der Geschichte von Rodalben. Adolf Deil KG, Pirmasens 1987, ISBN 3-926562-00-5, S. 394.
  6. Vinzenz Bernhard, Wilhelm Seither: Die bauliche Entwicklung der Stadt Rodalben. In: Stadt Rodalben (Hrsg.): 750 Jahre Gräfensteiner Land 1237–1987. Mit der Geschichte von Rodalben. Adolf Deil KG, Pirmasens 1987, ISBN 3-926562-00-5, S. 306.
  7. Günter Straßner: Opfer der Kriege. In: Stadt Rodalben (Hrsg.): 750 Jahre Gräfensteiner Land 1237–1987. Mit der Geschichte von Rodalben. Adolf Deil KG, Pirmasens 1987, ISBN 3-926562-00-5, S. 395.
  8. Vinzenz Bernhard: Zeittafel. In: Stadt Rodalben (Hrsg.): 750 Jahre Gräfensteiner Land 1237–1987. Mit der Geschichte von Rodalben. Adolf Deil KG, Pirmasens 1987, ISBN 3-926562-00-5, S. 463.
  9. Vinzenz Bernhard, Wilhelm Seither: Die bauliche Entwicklung der Stadt Rodalben. In: Stadt Rodalben (Hrsg.): 750 Jahre Gräfensteiner Land 1237–1987. Mit der Geschichte von Rodalben. Adolf Deil KG, Pirmasens 1987, ISBN 3-926562-00-5, S. 309.
  10. Zur Geschichte der Verbandsgemeinde Rodalben (Memento vom 3. Februar 2014 im Internet Archive) bei Rodalben.de (Verbandsgemeinde Rodalben).
  11. Vinzenz Bernhard: Die Die Industrie verändert das Dorf. In: Stadt Rodalben (Hrsg.): 750 Jahre Gräfensteiner Land 1237–1987. Mit der Geschichte von Rodalben. Adolf Deil KG, Pirmasens 1987, ISBN 3-926562-00-5, S. 297.
  12. Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006 (= Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz [Hrsg.]: Statistische Bände. Band 393). Bad Ems März 2006, S. 194 (PDF; 2,6 MB).  Info: Es liegt ein aktuelles Verzeichnis (2016) vor, das aber im Abschnitt „Gebietsänderungen – Territoriale Verwaltungsreform“ keine Einwohnerzahlen angibt.
  13. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile. Stand: Februar 2022[Version 2025 liegt vor.]. S. 124 (PDF; 3,3 MB).
  14. Gewaltsamer Tod einer Mitarbeiterin in Rodalben (Pfalz). In: internationaler-bund.de. 24. November 2003, abgerufen am 2. Dezember 2025.
  15. Heim Am Mühlkopf ist „letztes Glied der Jugendhilfe“. In: rheinpfalz.de. 27. August 2020, abgerufen am 2. Dezember 2025.
  16. Konversionsprojekt „Grünbühl“ in Rodalben. In: gpr.de. 3. Juni 2013, abgerufen am 6. Dezember 2025.
  17. Rodalben: Das Militärgelände "Grünbühl" und die Sicherheit der Welt. In: rheinpfalz.de. 25. Juni 2019, abgerufen am 6. Dezember 2025.
  18. Stadtrat stimmt zähneknirschend dem Aus für den Gewerbepark Grünbühl zu. In: rheinpfalz.de. 2. Juni 2022, abgerufen am 6. Dezember 2025.