Vatuboro
| Vatuboro | ||
|---|---|---|
| Daten | ||
| Fläche | 43,67 km²[1] | |
| Einwohnerzahl | 3.274 (2022)[2] | |
| Chefe de Suco | Julito dos Santos (Wahl 2023) | |
| Aldeias | Einwohner (2015)[1] | |
| Cai-Bair | 839 | |
| Raeglelu | 691 | |
| Sabulau | 339 | |
| Tatamolobu | 703 | |
| Vaupu | 219 | |
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Vatuboro (Vatoboro, Fatuboro, Batuboro) ist ein osttimoresischer Suco im Verwaltungsamt Loes (Gemeinde Liquiçá). Bis zum 1. Januar 2024 gehörte der Suco zum Verwaltungsamt Maubara.[3]
Geographie
Der Suco bildet den Westen des Verwaltungsamts Loes, ist aber vom Ostteil abgetrennt. Östlich befindet sich der Suco Gugleur (Verwaltungsamt Maubara) und im Süden grenzt Vatuboro an das zur Gemeinde Bobonaro gehörende Verwaltungsamt Atabae mit seinen Sucos Aidabaleten und Rairobo. Im Westen und Norden liegt die Sawusee.[5]
Die Nordwestspitze bildet das Kap Ponta Carimbala, auf halbem Weg zur Grenze zu Aidabaleten liegt das Kap Ponta Vatuboro Ilo (Ponta Vatoboro Ilo). Im Norden entspringt im Grenzgebiet zu Gugleur der Baulu und folgt der Grenze bis zur Sawusee. Südlich vom Ponta Vatoboro Ilo liegen nah der Küste die Seen Lago Tokabalun und Lago Berau, die über mehrere Zuflüsse verfügen, die in Vatuboro entspringen. Die Südgrenze des Sucos bildet der Lóis, Timors größter Fluss, der hier in die Sawusee mündet.[5][6] Im Norden liegt der Berg Foho Boroinionama (731 m, Lage), im Südosten an der Grenze zu Gugleur der Foho Vatuleurai (166 m, Lage).[7]
Vatuboro hat eine Fläche von 43,67 km²[1] und teilt sich in fünf Aldeias Cai-Bair (Caibair), Raeglelu, Sabulau, Tatamolobu und Vaupu (Waupu).[5][8]
Die nördliche Küstenstraße, eine der wichtigsten Verkehrswege des Landes, folgt auch in Vatuboro weitgehend dem Küstenverlauf. Nur im Süden schwenkt sie weiter ins Landesinnere, um über eine Brücke den Lóis zu überqueren. Im Süden liegen die Dörfer Gulumanu, Uatu-Boro, Cai-Bair and Varuleurai (Vatuleurai). Nahe dem Lago Tokabaiun befinden sich die Orte Sabulau und Flarsima. Im Norden liegen die Ortschaften Boroinionama, Kuikora, Vaupu, Vauviana (Vawinana), Tobau, Fasili und Kelisifo (Kelisifu). Der Sitz des Sucos liegt in Sabulau. Grundschulen gibt es in Cai-Bair, Tobau und Gulumanu. Sabulau hat eine medizinische Station und Gulumanu ein Hospital.[5]
Einwohner
Im Suco leben 3.274 Einwohner (2022), davon sind 1.668 Männer und 1.606 Frauen. Im Suco gibt es 634 Haushalte.[2] Fast 86 % der Einwohner geben Tokodede als ihre Muttersprache an. Fast 11 % sprechen Tetum Prasa, kleine Minderheiten sprechen Kemak, Tetum Terik, Bunak, Idaté oder Mambai.[9]
Geschichte
Uato-Boro war vermutlich bereits vor der Kolonialzeit ein Handelshafen, wo Schiffe von außerhalb Timors anlegten.[10.1] Eine portugiesische Karte Südostasiens aus dem frühen 17. Jahrhundert zeigt eine Reihe von benannten Orten auf Timor, darunter den Fluss „Botobora“. Der Name lässt sich von Vatuboro ableiten, das am Lóis liegt.[10.2] Auch auf Karten und in Berichten der VOC aus dem 17. Jahrhundert erscheint Vatuboro an der Mündung des Lóis.[10.3]
In der Liste der Herrscher von Reichen auf Timor von Carlos Filipe Ximenes Belo werden zwei Herrscher von Vatuboro aufgeführt: Dom Pedro da Costa (1760 bis etwa 1769) und António Sang (1832).[11]
Das Reich war aber schon seit frühster Zeit dem Reich von Maubara untergeordnet.[10] In der Gründungslegende von Maubara ernennen die Clans von Ikolau und Kaisave drei untergebene Führer (später „lieutenant“ beziehungsweise „letnan“ genannt), die die mythischen ersten Herrscher unterstützen sollten: Einer von ihnen kam aus Vatuboro.[10.4]
Seinen portugiesischen Namen erhielt der damalige Herrscher von Vatuvoro auf einen Weg, wie auch andere Liurais dieser Zeit. 1712 erhielten die portugiesischen Kaufleute Francisco Xavier Doutel aus Bragança und Luis Sanches de Caceres das Recht, die jährliche Handelsmission von Macau zu den Inseln Solor und Timor zu entsenden. Doutels Schiff, die São Francisco Xavier, handelte in Maubara. Die Nossa Senhora do Rosário, das Schiff von Caceres, betrieb Handel mit den beiden Reichen Laclo und Laicore, fünfzig Meilen östlich. Das drittes Schiff, die São Pedro, fuhr nach Vatuboro und dann weiter in Richtung des östlichen Endes der Insel. Wieso nun die Namen der Kaufleute und der Schiffe von den timoresischen Herrschern angenommen wurden, ist nicht geklärt, aber der Liurai von Maubara hieß von nun an Francisco Xavier und sein Sohn nahm den Nachnamen Doutel an, den auch viele Nachkommen führten. Der Liurai von Laclo übernahm den Namen Paulo Carceres und die Herrscherfamilie von Laicore trug nun den Familiennamen Rosário. Der Herrscher von Vatuboro hatte nun den Namen Dom Pedro.[10.5]
1756 unterzeichneten 27 Herrscher von Timor und den Nachbarinseln den Vertrag von Paravicini, in dem sie das Bündnis mit der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) bekräftigten. Unter ihnen auch der Herrscher von Maubara und die untergeordneten Leutnants aus „Nusadila“ (Lissadila) und aus „Botoboroo“ (Vatuboro).[10.6] 1832 wird Vatuboro als “Batoe Borong” als Teil Maubaras in einer Liste der niederländischen Besitzungen auf Timor genannt.[10.7]
In der Rebellion von 1861 schlossen sich einige Adlige aus Maubara dem Aufstand an. Vatuboro wurde zu einer ihrer Hochburgen. Die Rebellion wurde aber niedergeschlagen und Vatuboro schließlich laut Gouverneur Castro „auf Gehorsam reduziert“.[10.8] Im September 1867 wurde ein portugiesischer Offizier auf dem Weg nach Batugade in Dair angegriffen. Der Historiker Pélissier nennt diesen Vorfall eine „Revolte“. Vatuboro musste als Entschädigung tausend Rupien zahlen.[10.9]
Am 26. Mai 1893 griffen Rebellen die portugiesischen Zollstationen in Vatuboro und Dair an. Dies war der Beginn der Revolte von Maubara. Der Rebellenführer Maubute fand in Vatuboro, wie schon bei seinem Aufstand 1886 in Vatuboro große Unterstützung.[12.1] Die Angaben von Gouverneur Cipriano Forjaz über das Schicksal der dort stationierten Soldaten ist widersprüchlich. In einem Bericht ist nur von Verletzten die Rede, laut dem anderen wurde die Besatzung von den Angreifern geköpft.[10.10] Im Juni nahm das portugiesische Kanonenboot Diu die Küstenorte Vatuboro und Dair unter Beschuss. Am 25. Juni wurden zwölf Weiler in Vatuboro niedergebrannt. Da viele Leichen liegen blieben, brach später in Maubara die Cholera aus.[13.1] 1911/12 gehörte Vatuboro erneut zu den Regionen der Kolonie, die sich gegen die Portugiesen erhoben.[12.2]
Während den Vorbereitungen auf das Unabhängigkeitsreferendum in Osttimor 1999 und nach der Bekanntgabe des Sieges der Unabhängigkeitsbefürworter operierte in Vatuboro die pro-indonesische Miliz Pana, die von Leoneto Martins, dem Bupati von Liquiçá unterstützt wurde. Diese von Graciano Filipe angeführte Gruppe unterhielt Verbindungen zu einer früheren Miliz namens Gadapaksi, die 1995 von Prabowo gegründet worden war. Pana verübte zahlreiche Angriffe auf Dörfer, unterstützt von indonesischen Territorialstreitkräften, und trug zur Flüchtlingskrise in Liquiçá bei.[14.1]
Politik
1952 war Carlos da Costa Chefe de Suco von Vatuboro. Er war von den Portugiesen eingesetzt worden.[15] Vom Chefe de Suco von 1964 ist nur der Name Manuel überliefert.[16]
Bei den Wahlen von 2004/2005 wurde Roque do C. Lopes zum Chefe de Suco gewählt[17] und 2009 in seinem Amt bestätigt.[18] Bei den Wahlen 2016 gewann Julito dos Santos[19] und wurde 2023 in seinem Amt bestätigt.[20]
Weblinks
- Ergebnisse des Zensus 2010 für den Suco Vatuboro ( vom 27. März 2019 im Internet Archive) (tetum; PDF; 8,3 MB)
- Ergebnisse des Zensus 2015 für den Suco Vatuboro ( vom 14. Juli 2022 im Internet Archive) (tetum; PDF)
- Seeds of Life: Suco information sheets Maubara (tetum)
Einzelnachweise
- ↑ a b c Direcção-Geral de Estatística: Ergebnisse der Volkszählung von 2015 ( vom 23. September 2019 im Internet Archive).
- ↑ a b Institutu Nasionál Estatístika Timor-Leste: Final Main Report Census 2022, abgerufen am 18. Mai 2022.
- ↑ Ministério da Administração Estatal, República Democrática de Timor-Leste: VISE MINISTRU ADMINISTRASAUN ESTATAL LANSA FATUK DA'HULUK BA KONSTRUSAUN POSTU ADMINISTRATIVU LOES MUNISÍPIU LIQUIÇA, 15. Juni 2023, abgerufen am 19. Juni 2023.
- ↑ Atlanten der zwölf Gemeinden und der Sonderverwaltungsregion Osttimors, Stand 2019 ( vom 17. Januar 2021 im Internet Archive) (Direcção-Geral de Estatística DGE).
- ↑ a b c d Direcção-Geral de Estatística: Atlas der Gemeinde Liquiçá ( vom 15. Januar 2023 im Internet Archive).
- ↑ Timor-Leste GIS-Portal ( vom 30. Juni 2007 im Internet Archive)
- ↑ PeakVisor: Foho Boroinionama, abgerufen am 14. Oktober 2025.
- ↑ Jornal da Républica mit dem Diploma Ministerial n.° 199/09 ( vom 3. Februar 2010 im Internet Archive) (portugiesisch; PDF; 323 kB)
- ↑ Ergebnisse des Zensus 2010 für den Suco Vatuboro (tetum; PDF; 8,3 MB)
- ↑ Douglas Kammen: Three Centuries of Conflict in East Timor. Rutgers University Press, 2019, ISBN 978-0-8135-7412-7 (degruyter.com [abgerufen am 8. November 2025]).
- ↑ Belo, Dom Carlos Filipe Ximenes (2011) Os antigos reinos de Timor-Leste (Reys de Lorosay e Reys de Lorotoba, Coronéis e Datos), S. 170. Baucau: Tipografia Diocesana Baucau.
- ↑ Douglas Kammen: 5. High Colonialism and New Forms of Oppression, 1894–1974. In: De Gruyter Brill. 20. August 2015, doi:10.36019/9780813574127-009/html (degruyterbrill.com [abgerufen am 30. Oktober 2025]).
- ↑ Geoffrey C. Gunn: History of Timor ( vom 26. Dezember 2019 im Internet Archive), verfügbar vom Centro de Estudos sobre África, Ásia e América Latina, CEsA der TU-Lissabon (PDF-Datei; 805 kB).
- ↑ 88
- ↑ Hamish McDonald et al.: Masters of Terror: Indonesia's military & violence in East Timor in 1999, Strategic and Defence Studies Centre, Australian National University, Canberra 2002, ISBN 07315 54191.
- ↑ S. 178–179.
- ↑ Douglas Kammen: 5. High Colonialism and New Forms of Oppression, 1894–1974. In: Three Centuries of Conflict in East Timor. Rutgers University Press, 2015, ISBN 978-0-8135-7412-7, S. 96–118, doi:10.36019/9780813574127-009.
- ↑ Belo, Dom Carlos Filipe Ximenes (2011) Os antigos reinos de Timor-Leste (Reys de Lorosay e Reys de Lorotoba, Coronéis e Datos), S. 167–170. Baucau: Tipografia Diocesana Baucau.
- ↑ Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições para Liderança Comunitária 2004/2005 – Resultados ( vom 4. August 2010 im Internet Archive)
- ↑ Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições para Liderança Comunitária 2009 – Resultados ( vom 4. August 2010 im Internet Archive)
- ↑ Lista Naran Xefe Suku Eleito 2016, 2. Dezember 2016. ( vom 14. August 2021 im Internet Archive)
- ↑ Portal Municipal Liquiçá: Posto Administrativo Loes, abgerufen am 28. Februar 2025.