Wirtschaft Baden-Württembergs

Die Wirtschaft Baden-Württembergs zählt zu den leistungsstärksten in Deutschland und der gesamten Europäischen Union. Im Jahr 2024 erwirtschaftete das Land ein Bruttoinlandsprodukt von rund 650 Milliarden Euro, was etwa 15 % der deutschen Wirtschaftsleistung entspricht.[1] Das BIP pro Kopf lag deutlich über dem Bundes- und EU-Durchschnitt (2024 etwa bei 129 % des EU-Mittelwerts).[2] Die Wirtschaft ist geprägt von einer hohen Industrieleistung, starker Exportorientierung (Baden-Württemberg ist der führende Exporteur in Deutschland), niedriger struktureller Arbeitslosigkeit und überdurchschnittlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung. Baden-Württemberg gilt als Standort weltbekannter Unternehmen mit globaler Reichweite, insbesondere in den Technologiebranchen Fahrzeugbau, Maschinenbau und Elektrotechnik. Zugleich bewahrt das Land eine mittelständisch geprägte Struktur: Neben Konzernen wie Mercedes-Benz, Porsche, Bosch, SAP oder der Schwarz-Gruppe bildet ein dichtes Netz von kleinen und mittleren Unternehmen das Rückgrat der Wirtschaft. Diese „Hidden Champions“ und die enge Verflechtung von Industrie, spezialisierten Dienstleistern und Forschungsinstitutionen zeichnen das regionale Wirtschaftsumfeld aus.

Historischer Überblick

Frühphase und industrielle Entwicklung

Bis weit ins 19. Jahrhundert war Südwestdeutschland vorwiegend agrarisch geprägt. Über 90 % der Bevölkerung lebten um 1800 von der Landwirtschaft, die aufgrund zersplitterter Kleinbetriebe und veralteter Methoden nur geringe Produktivität aufwies. Es fehlten nennenswerte natürliche Rohstoffe, und häufige Missernten führten zu Armut und Auswanderungswellen (zwischen 1845 und 1854 verließen rund 10 % der Bewohner Badens und Württembergs das Land). Der Übergang zur Industrialisierung verlief im Südwesten langsamer als in klassischen Industriegebieten wie dem Ruhrgebiet. Dennoch legten staatliche Initiativen früh wichtige Grundlagen: So gründete Württemberg 1848 die Zentralstelle für Gewerbe und Handel unter König Wilhelm I., um Handwerk und Gewerbe gezielt zu fördern.[3] In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte allmählich die industrielle Entwicklung ein. Mangels Schwerindustrie bildeten sich Schwerpunkte in der Textilherstellung, der Feinmechanik und der Uhrenindustrie (z. B. im Schwarzwald) heraus. Durch Erfindergeist entstanden neue Branchen: Die wohl bekannteste Innovation aus dem „Ländle“ ist das Automobil – 1885/86 präsentierten unabhängig voneinander Carl Benz in Mannheim und Gottlieb Daimler in Stuttgart die ersten motorisierten Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Auch Robert Bosch gründete 1886 in Stuttgart eine Werkstatt für Feinmechanik und Elektrotechnik, aus der der heutige Technologiekonzern hervorging.[4]

Im frühen 20. Jahrhundert beschleunigte sich der Strukturwandel. Städte wie Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe oder Ulm entwickelten sich zu Zentren des Maschinenbaus, der Elektrotechnik und der chemischen Industrie. Gleichzeitig blieb die Region vom Montanbergbau und der Schwerindustrie weitgehend unberührt, was ihr später Vorteile beim Strukturwandel verschaffen sollte. Die Weltkriege sowie die Weltwirtschaftskrise und ihre Folgen trafen die Wirtschaft jedoch schwer: Im Zweiten Weltkrieg wurden weite Teile der Infrastruktur und Industrieanlagen zerstört, die Produktion kam 1945 nahezu zum Erliegen. Nach Kriegsende erschwerten zunächst Demontagen durch die Besatzungsmächte und Rohstoffknappheit den Wiederbeginn. Die Wirtschaft im Südwesten stand vor dem Neubeginn in Trümmern.

Wirtschaftsentwicklung seit der Gründung Baden-Württembergs

Baden-Württemberg entstand 1952 durch den Zusammenschluss der vormals getrennten Länder Württemberg-Baden, Baden und Württemberg-Hohenzollern. In den ersten Nachkriegsjahren stand die Wirtschaft im Südwesten zunächst im Zeichen von Wiederaufbau und Integration der Vertriebenen. Die 1950er Jahre brachten dann einen beispiellosen Aufschwung: Zwischen 1950 und 1960 stieg das reale Bruttoinlandsprodukt des neuen Bundeslandes um 144 % an. Die Arbeitslosenquote fiel bis 1959 auf unter 1 %, von rund 4 % im Jahr 1950.[5] Die industrielle Produktion expandierte rasant; gleichzeitig ging der Anteil der Landwirtschaft an Wirtschaft und Beschäftigung stark zurück. Beispielsweise waren 1950 noch rund 26,8 % aller Erwerbstätigen des Landes in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt, während es 1970 nur noch 7,9 % waren.[6]

In den 1960er Jahren setzte sich das robuste Wachstum fort, doch zeigten sich erste Anzeichen eines Strukturwandels. Die Vollbeschäftigung führte zu einem Arbeitskräftemangel, der ab Mitte der 1960er durch Anwerbung ausländischer Gastarbeiter gemildert wurde – 1966 waren etwa 10 % der Beschäftigten im Land Ausländer (deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt). Erstmals seit der Währungsreform kam es 1967 zu einer leichten Rezession, welche in Baden-Württemberg als Einschnitt wahrgenommen wurde: Das Wirtschaftswachstum stagnierte vorübergehend, und die Arbeitslosenquote stieg kurzfristig auf 0,7 % (nach zuvor nur 0,2 %). Zwar war das Wachstum in den 1960er Jahren weiterhin hoch, halbierte sich jedoch im Vergleich zu der Dekade davor.[5]

Die 1970er Jahre waren geprägt von strukturellem Wandel und den Auswirkungen der Ölpreiskrisen. Baden-Württemberg zeigte sich als stark exportabhängig; die weltweite Rezession 1974/75 traf das Land spürbar. Dennoch blieb die Arbeitslosigkeit verglichen mit anderen Regionen moderat (Mitte der 1970er Jahre um 3–4 % und ca. 2 % am Ende des Jahrzehnts). In dieser Dekade begann der Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft: Während traditionelle Industriezweige rationalisierten, wuchsen neue Technologien und der tertiäre Sektor gewann an Bedeutung, der in den 1970ern zum dominanten Sektor (ca. 55 Prozent Anteil am BIP) wurde. Die Wirtschaftsleistung stieg weiter, wenn auch nicht mehr so rasant wie im Wirtschaftswunder.[5]

Der Beginn der 1980er Jahre sah eine weitere Wirtschaftskrise, ausgelöst durch hohe Ölpreise, was die Industrie traf, die über 100.000 Arbeitsplätze abbaute. Insgesamt blieb die Arbeitslosenquote bis 1989 bei über fünf Prozent. Ein weiterer wichtiger Trend war das beginnende Computerzeitalter, das zu Effizienzsteigerungen beitrug. Insgesamt konsolidierte das Land seine Rolle als High-Tech- und Industriestandort, angetrieben u. a. durch die Automobilindustrie, den Maschinenbau sowie aufkommende Elektronik- und Softwarebranchen (z. B. SAP). Ab 1989 sorgte der Fall der Berliner Mauer für einen „Wiedervereinigungsboom“, der die Industrie in Baden-Württemberg begünstigte und Wachstumsraten wie seit den 1960ern nicht mehr gesehen brachte.[5]

Anfang der 1990er Jahre geriet die exportorientierte Südwestwirtschaft durch globale und nationale Faktoren erneut unter Druck. Die Rezession von 1992/93 – begünstigt durch Nachfrageschwäche in Folge der deutschen Wiedervereinigung und weltweite Konjunkturprobleme – traf Baden-Württemberg überproportional: 1993 sank das reale BIP des Landes um 4,3 % (bundesweit: nur um 1,1 %). Die Arbeitslosenquote stieg dabei vorübergehend auf 6,3 % und bis 1997 weiter auf 8,7 %. Diese Krise offenbarte die Verletzlichkeit der stark vom Export abhängigen Industrie, wurde jedoch durch Unternehmensinnovationen und die anziehende Weltkonjunktur in den Folgejahren gemeistert.[5]

Die 2000er Jahre brachten einen Aufschwung der Exportwirtschaft und die Erschließung neuer Märkte (z. B. China) durch die Globalisierung. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 führte 2009 zu einem deutlichen Einbruch der Industrieproduktion auch in Baden-Württemberg; doch dank der hohen Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen und staatlicher Stützungsmaßnahmen kam es 2010/11 zu einer kräftigen Erholung. In den 2010er Jahren zeigte Baden-Württembergs Wirtschaft eine stabile Entwicklung auf hohem Niveau, begleitet von Rekordexporten und Innovationserfolgen, aber auch dem fortschreitenden demografischen Wandel. Die Landesregierung hielt über Jahre eine solide Finanzpolitik ein und Baden-Württemberg behauptete seine führende Stellung in Deutschland.

Die COVID-19-Pandemie ab 2020 stellte auch die Wirtschaft von Baden-Württemberg vor beispiellose Herausforderungen: 2020 schrumpfte das reale BIP Baden-Württembergs um etwa 5,2 %. Durch staatliche Hilfsprogramme und die rasche Erholung der Exportmärkte folgte jedoch 2021 ein kräftiger Aufschwung (+5,6 % BIP). Im Jahr 2022 setzte sich das Wachstum mit +2,1 % fort, bevor Energiekrise und Lieferkettenprobleme 2023 zu nahezu Stagnation führten (+0,2 %), die sich 2024 (−0,4 %) und im ersten Halbjahr 2025 (−0,8 %) fortsetzte.[1] Probleme der deutschen Wirtschaft Mitte der 2020er Jahre wie hohe Energiepreise und die Krise der Autoindustrie wirkten sich besonders stark im industrialisierten Südwesten aus.[7][8][9]

Wirtschaftsstruktur

Charakteristisch für die Wirtschaftsstruktur des Landes ist der starke Mittelstand: Unter den 500 umsatzstärksten Familienunternehmen Deutschlands hatten 2025 über ein Fünftel ihren Sitz in Baden-Württemberg (bundesweit Rang 2), davon fünf der zehn größten.[10] Zu den wichtigsten dieser Unternehmen zählen der Handelskonzern Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) sowie die Robert Bosch GmbH und die Merckle-Gruppe. Die Familienunternehmen in Baden-Württemberg zeichnen sich zudem durch eine im deutschlandweiten Vergleich hohe Investitionsquote aus.[11] In Deutschland ist Baden-Württemberg führend bei den sogenannten Hidden Champions mit knapp 400 Weltmarktführern in bestimmten Geschäftsnischen, noch vor größeren Bundesländern wie NRW oder Bayern.[12]

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft spielt in Baden-Württembergs Volkswirtschaft heute eine quantitativ geringe Rolle. Im Jahr 2023 trug der Primärsektor (Land- und Forstwirtschaft, Fischerei) nur noch rund 0,4 % zur gesamten Bruttowertschöpfung des Landes bei.[13] Auch beschäftigt die Landwirtschaft nur noch einen sehr kleinen Teil der Erwerbstätigen: 2022 arbeiteten ca. 66.900 Personen bzw. rund 1,0 % aller Erwerbstätigen im Land in der Land- und Forstwirtschaft. Zum Vergleich: 1950 lag dieser Anteil bei fast 27 % (842.000 Personen). Die langfristige Mechanisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft haben also zu einem drastischen Strukturwandel geführt.[6]

Obwohl quantitativ bescheiden, ist die baden-württembergische Landwirtschaft vielfältig und in einigen Segmenten bundesweit bedeutend. Das Land zeichnet sich durch viele kleinstrukturierte Familienbetriebe und einen hohen Anteil an Sonderkulturen aus. Spezialkulturen wie Obst-, Wein-, Gemüse-, Blumen- und Zierpflanzenbau machen etwa ein Viertel der landwirtschaftlichen Produktion in Baden-Württemberg aus – deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt (2015: ca. 25 % vs. 13 %) Gemessen am Produktionswert stammt jeweils über ein Viertel der deutschen Obst- und Weinerzeugung aus Baden-Württemberg. Auch im Ackerbau (Getreide, Raps, Zuckerrüben) und in der Tierhaltung (insbesondere Milchvieh und Schweinehaltung) tragen die landwirtschaftlichen Betriebe des Südwestens zur deutschen Agrarproduktion bei.[14]

Strukturell bedingt entfallen auf Baden-Württemberg rund 12 % der in Deutschland tätigen Agrarbeschäftigten, mehr als dem Flächenanteil entspricht, was an der vergleichsweise kleinteiligen Agrarstruktur mit arbeitsintensiven Sonderkulturen liegt.[6] Trotz seines geringen Anteils am BIP ist der Agrarsektor für die ländlichen Räume und den Erhalt der Kulturlandschaft (z. B. Weinberge, Obstwiesen, Forste) von erheblicher Bedeutung. Die ökologische Landwirtschaft hat in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen: 2018 bewirtschafteten 9.290 Ökobetriebe (etwa 11 % aller Höfe) rund 197.751 Hektar Fläche ökologisch, was 14 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche entspricht.[15]

Industrie und Bauwesen

Baden-Württemberg gilt traditionell als Industriestandort ersten Ranges. Der sekundäre Sektor – das verarbeitende Gewerbe plus Baugewerbe – erwirtschaftet zusammen rund 40 % der Bruttowertschöpfung des Landes und ist damit stärker ausgeprägt als in jedem anderen deutschen Land.[16] Im Jahr 2023 betrug der Anteil der Industrie (verarbeitendes Gewerbe ohne Bau) alleine etwa 33,7 % der Bruttowertschöpfung, während auf das Baugewerbe weitere 6,1 % entfielen. Zum Vergleich: Bundesweit lag der Industrieanteil 2023 nur bei rund 20,8 %. Entsprechend ist auch ein großer Teil der Erwerbstätigen Baden-Württembergs in industriellen Branchen tätig: Anfang 2024 waren etwa 1,5 Mio. Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe beschäftigt, was ca. 31 % aller Arbeitsplätze im Land ausmachte.[9] Damit ist Baden-Württemberg einer der am stärksten industrialisierten Standorte Europas.

Die industrielle Branchenstruktur Baden-Württembergs wird von den klassischen Investitionsgüterindustrien dominiert. Maschinenbau, Kraftfahrzeugbau und Elektrotechnik/Elektronik bilden die Kernbereiche und Aushängeschilder der Wirtschaft. Zusammen erzielten diese drei Branchen 2023 rund 65 % des industriellen Umsatzes im Land. Besonders der Automobilsektor hat weltweite Bedeutung: Unternehmen wie Mercedes-Benz, Porsche, Audi (Standort Neckarsulm) und zahlreiche Zulieferer (u. a. Bosch, ZF Friedrichshafen, Mahle) fertigen im Land Fahrzeuge, Motoren, Komponenten und Technologien. Kraftfahrzeuge und Teile erbrachten 2023 alleine knapp 20 Prozent der Exporte.[9] Insgesamt sind im Land rund 480.000 Menschen (2024/25) in der Automobilwirtschaft beschäftigt, womit etwa jeder zehnte Arbeitsplatz direkt oder indirekt vom Automobil abhängt.[17]

Der Maschinen- und Anlagenbau (mit Firmen wie Trumpf, Festo, Voith u. a.) sowie die Elektrotechnik und Elektronik (Bosch, Siemens abseits der Zentrale, Festo etc.) sind ebenfalls Schlüsselbranchen mit hoher Innovationskraft. Bedeutend ist darüber hinaus die Metall- und Stahlindustrie, das Chemie- und Pharmawesen sowie die Feinmechanik/Optik (z. B. Carl Zeiss, Heidelberg Instruments). Baden-Württemberg ist auch Deutschlands größter Pharmastandort – große Pharma- und Biotech-Unternehmen wie Roche, Boehringer Ingelheim, CureVac oder Pfizer Deutschland unterhalten wichtige Standorte im Land (v. a. im Raum Mannheim/Ludwigshafen, im Großraum Stuttgart und in der Region Ulm). Weitere industriell-technologische Felder mit starker Verankerung in BW sind u. a. Medizintechnik (z. B. Raum Tuttlingen als „Weltzentrum der Medizintechnik“)[18], Luft- und Raumfahrttechnik (Standort Friedrichshafen und Umgebung, Airbus, Diehl u. a.), Umwelt- und Energietechnik (etwa erneuerbare Energien) sowie Holz- und Papierindustrie (Schwarzwald).

Auch die Rüstungsindustrie spielt in einigen Regionen eine Rolle: Etwa 120 Unternehmen produzieren an rund 70 Standorten Rüstungsgüter im Land.[19] So ist z. B. Oberndorf am Neckar ein traditionsreiches Zentrum der Kleinwaffenproduktion (Heckler & Koch, Rheinmetall Waffe Munition; früher Mauser), und in der Bodenseeregion konzentriert sich die wehrtechnische Industrie (u. a. Diehl Defence in Überlingen). Weitere traditionelle Industrieschwerpunkte sind die Feinmechanik und Uhrenindustrie im Schwarzwald – einst berühmt für Uhren und später Unterhaltungselektronik (Firmen wie Junghans, Kienzle, SABA, Dual) – sowie die Textilindustrie (bekannte Unternehmen: Hugo Boss, Trigema, Steiff).

Ein wichtiger Teil des sekundären Sektors ist auch das Baugewerbe, das in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Sein Anteil an der Bruttowertschöpfung stieg von etwa 4–5 % in den 2000er Jahren auf über 6 % im Jahr 2023.[13] Die Bauwirtschaft – insbesondere Hochbau und Infrastruktur – profitierte von der anhaltend hohen Nachfrage nach Wohnraum in den Ballungszentren (Großraum Stuttgart, Rhein-Neckar-Region, Bodenseeraum) und von öffentlichen Investitionen (z. B. Verkehrsprojekte wie Stuttgart 21, Sanierung von Schulen). Namhafte Bau- und Anlagenbauunternehmen (etwa Züblin, Herrenknecht) sowie der weltweit führende Baustoffhersteller Heidelberg Materials stammen aus Baden-Württemberg.

Energie

In Baden-Württemberg wurden die letzten Kernkraftwerke infolge des deutschen Atomausstiegs bis 2023 stillgelegt: Das Kernkraftwerk Neckarwestheim ging im April 2023 vom Netz, das Kernkraftwerk Philippsburg Ende 2019 und das ältere Kernkraftwerk Obrigheim bereits 2005. An den Flüssen des Landes gibt es zahlreiche Laufwasserkraftwerke; das Rheinkraftwerk Iffezheim am Rhein, 1977 in Betrieb gegangen und 2013 erweitert, ist mit 148 MW das leistungsstärkste seiner Art in Deutschland. Die Windenergienutzung ist hingegen vergleichsweise gering ausgeprägt. 2010 waren im Land 353 Windkraftanlagen mit insgesamt 462 MW Leistung installiert. Bis 2025 stieg die Zahl der Anlagen auf 788 bei einer Gesamtleistung von 1.875 MW, die etwas über 5 Prozent des Stroms des Landes erzeugten.[20] Eine führende Rolle nimmt das Bundesland dagegen bei der Photovoltaik ein. Die 12.441 MW an installierter PV-Leistung wurden in Deutschland nur noch von Bayern übertroffen.[21] In Karlsruhe steht außerdem mit der Mineralölraffinerie Oberrhein (MiRO) die leistungsfähigste Erdölraffinerie Deutschlands.[22]

Dienstleistungen

Der tertiäre Sektor stellt heute den größten Bereich der baden-württembergischen Wirtschaft dar. Auf Dienstleistungen entfallen knapp 60 % der Bruttowertschöpfung (2023: 59,8 %)[9] und rund zwei Drittel der Arbeitsplätze. Die Dienstleistungsbranche des Landes ist breit gefächert und reicht von traditionellen Dienstleistungen (Handel, Handwerk, Gastgewerbe) über unternehmensnahe Dienste (Ingenieurbüros, IT-Services, Logistik, Finanzwirtschaft) bis zu öffentlichen und sozialen Diensten (Verwaltung, Gesundheit, Bildung).

Die Bereiche Handel, Verkehr, Lagerwesen, Gastgewerbe, Information und Kommunikation machen zusammen etwa 19–20 % (2023) der gesamten Wertschöpfung aus[13] Hierzu zählen der Groß- und Einzelhandel (u. a. die Handelszentren Stuttgart und Mannheim, gestützt durch einige der kaufkräftigsten Regionen Deutschlands, die Schwarz-Gruppe in Neckarsulm), die Logistikbranche (Spedition, Güterverkehr – durch die zentrale Lage im europäischen Transit und das dichte Autobahn-/Schienennetz stark vertreten), der Tourismus und das Gastgewerbe (Baden-Württemberg ist mit Schwarzwald, Bodensee, Stuttgart etc. ein wichtiges Tourismusland; 2024 wurden knapp 59 Millionen Übernachtungen gezählt)[23] Vor allem Informations- und Kommunikationsdienstleistungen haben in den letzten Jahrzehnten dynamisch zugelegt – etwa Softwareentwicklung, Rechenzentren, Telekommunikation – oft eng verknüpft mit der verarbeitenden Industrie (Industrie 4.0). Der Softwarekonzern SAP mit Sitz in Walldorf ist Europas größtes Softwareunternehmen, und mit Teamviewer (Göppingen) und Lexware (Freiburg) beherbergt Baden-Württemberg weitere bedeutende B2B-Softwareunternehmen. Die Region Stuttgart/Karlsruhe beheimatet zahlreiche IT-Firmen sowie bedeutende Forschungseinrichtungen der Informatik.

Auf Finanz-, Versicherungs- und unternehmensnahe Dienstleistungen sowie Immobilienwesen entfielen 2023 etwa 22,5 % der Wertschöpfung.[13] Baden-Württemberg besitzt zwar kein dominierendes Banken- oder Börsenzentrum wie Frankfurt, hat aber dennoch wichtige Finanzplätze: In Stuttgart sitzt neben Landesbank und zahlreichen Versicherungen auch die Börse Stuttgart, die zweitgrößte Börse Deutschlands, spezialisiert u. a. auf mittelständische Unternehmen und neue Finanzprodukte (z. B. Segment Euwax oder Kryptowährung). Versicherungsunternehmen wie u. a. Allianz, Württembergische, SV Sparkassen Versicherung haben bedeutende Niederlassungen. Daneben bildet der Sektor der unternehmensnahen Dienstleistungen eine Wachstumssäule: Beratung (zahlreiche Ingenieur-, Architektur- und Beratungsbüros), Forschung und Entwicklung im Auftrag, Personaldienstleistungen, Rechts- und Unternehmensberatung, Marketing und Design – viele dieser Dienstleistungen profitieren vom starken Industriekundenstamm im Land. Das Immobilien- und Wohnungswesen spielt insbesondere in den Boomregionen (Stuttgart, Rhein-Neckar, Freiburg) eine wichtige Rolle.

Öffentliche und sonstige Dienstleistungen, Erziehung, Gesundheit und Freizeit trugen 2023 knapp 18 % zur Wertschöpfung bei.[13] Dazu gehören das Bildungswesen (Schulen, Hochschulen – Baden-Württemberg hat mit über 70 Hochschulen, darunter neun Universitäten, eine vielfältige Hochschullandschaft)[24], das Gesundheits- und Sozialwesen (Krankenhäuser wie die Unikliniken in Heidelberg, Tübingen, Freiburg, Ulm; zahlreiche mittelgroße Kliniken, Reha- und Kur-Einrichtungen etwa im Bäderdreieck Baden-Baden/Bad Mergentheim; Pflegeeinrichtungen), die öffentliche Verwaltung (vom Landesdienst bis zu Kommunalbehörden), die Sicherheitsorgane (Polizei, Justiz) sowie Kultur-, Sport- und Unterhaltungseinrichtungen. Gerade im Gesundheitssektor verzeichnet das Land ein stetiges Beschäftigungswachstum, getrieben durch den demografischen Wandel. Insgesamt waren im Gesundheitswesen 2023 knapp 830.000 Menschen beschäftigt.[25]

Arbeitsmarkt

Baden-Württemberg verfügte traditionell über einen robusten Arbeitsmarkt mit hoher Erwerbstätigenquote und vergleichsweise geringer Arbeitslosigkeit. Im Jahr 2022 waren rund 6,38 Millionen Personen im Land erwerbstätig (entspricht etwa 56,6 % der Gesamtbevölkerung).[6] Die Mehrheit davon entfällt auf Angestellte und Arbeiter in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen; hinzu kommen Selbständige/Familienmithelfende sowie Beamte.

Historisch zeichnet sich Baden-Württemberg durch eine niedrige Arbeitslosigkeit (lag während des Wirtschaftswunder lag diese zeitweise deutlich unter ein Prozent) aus. Auch aktuell gehört Baden-Württemberg konstant zu den Bundesländern mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit. Im Jahresdurchschnitt 2023 lag die Erwerbslosenquote (laut internationaler ILO-Definition) bei nur 2,7 %. Dies war bundesweit die niedrigste Quote nach Bayern und im europäischen Vergleich sogar eine der niedrigsten: Unter allen EU-Mitgliedstaaten hätte Baden-Württemberg damit 2023 die zweitniedrigste Arbeitslosenquote aufgewiesen. Auch die Jugendarbeitslosigkeit ist sehr gering: Nur etwa 5 % der 15- bis 24-Jährigen im Land waren 2023 arbeitslos gemeldet, gegenüber 14,5 % im EU-Durchschnitt.[26] Selbst im konjunkturschwächeren Jahr 2025 blieb die Arbeitslosigkeit moderat – im Dezember 2025 betrug die offizielle Quote (Destatis-Definition) etwa 4,5 %, was weiterhin die zweitniedrigste aller Länder war.[27] Regional schwankte sie in diesem Monat zwischen 2,7 % im Landkreis Biberach und 7,8 % im Stadtkreis Mannheim. Allgemein ist sie im ländlichen Raum geringer als in den Städten.[28]

Die Beschäftigungslage ist insgesamt gut: Trotz demografischer Alterung erreicht Baden-Württemberg regelmäßig Rekordstände bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die Erwerbsquote (besonders die der Frauen und Älteren) liegt über dem Bundesschnitt. Gleichzeitig spitzt sich in vielen Branchen die Fachkräftesituation zu. So klagen Unternehmen über einen zunehmenden Fachkräftemangel, insbesondere in technischen Berufen, IT, Handwerk, Pflege und Erziehung. So kamen im Ausbildungsjahr 2023/24 landesweit auf 100 gemeldete Ausbildungsstellen nur 34 Bewerber – ein deutliches Missverhältnis zugunsten der Jugendlichen.[26] Die Landesregierung reagierte auf die Herausforderungen u. a. mit der Gründung der Fachkräfteallianz Baden-Württemberg im Jahr 2011, einem Bündnis von Regierung, Wirtschaft, Arbeitsagenturen, Gewerkschaften und Verbänden, das Maßnahmen zur Sicherung des Fachkräfteangebots koordiniert.[29]

Schon seit den 1960er-Jahren ist Baden-Württemberg Vorreiter bei der Gewinnung ausländischer Arbeitskräfte, als das Land überdurchschnittlich viele Gastarbeiter aufnahm. 2024 waren knapp ein Fünftel aller Beschäftigten ausländische Staatsbürger.[30] Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus Nicht-EU-Staaten in Baden-Württemberg hat sich zwischen 2015 und 2024 nahezu verdoppelt (von ca. 160.000 auf über 314.000).[31]

Beschäftigungsstruktur von Baden-Württemberg (2023)[13]
Sektor Anteil
Land- und Forstwirtschaft; Fischerei 1,0 %
Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe 24,9 %
Baugewerbe 5,5 %
Dienstleistungsbereiche 68,6 %
(davon Handel, Verkehr und Lagerei, Gastgewerbe,
Information und Kommunikation)
24,3 %
(davon Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleister;
Grundstücks- und Wohnungswesen)
15,4 %
(davon Öffentliche und sonstige Dienstleister, Erziehung
und Gesundheit, Private Haushalte mit Hauspersonal)
29,0 %

Exportwirtschaft

Die Wirtschaft Baden-Württembergs ist außerordentlich exportorientiert. Gemessen am Warenwert ist das Land seit Jahren Deutschlands exportstärkstes Bundesland: Im Jahr 2024 exportierten baden-württembergische Unternehmen Waren im Wert von rund 241,1 Mrd. Euro ins Ausland. Zwar bedeutete dies einen leichten Rückgang um 3,7 % gegenüber dem Vorjahr, doch trug Baden-Württemberg damit immer noch etwa 16 % zu den Gesamtexporten Deutschlands bei.[32] Zum Vergleich: Der Anteil des Landes an der deutschen Bevölkerung liegt bei knapp 13,5 %, sodass die Pro-Kopf-Exportleistung deutlich über dem Durchschnitt liegt. Pro Einwohner entsprach das Exportvolumen 2023 etwa 21.400 Euro – rund 50 % mehr als im Bundesdurchschnitt. Die Exportquote (Ausfuhren/BIP) Baden-Württembergs betrug 2022 etwa 37 %, was die hohe außenwirtschaftliche Verflechtung verdeutlicht.[33]

Die baden-württembergische Exportwirtschaft ist global diversifiziert, aber besonders enge Verbindungen bestehen zu den Industrienationen Europas, Nordamerikas und Asiens. Insgesamt gingen 2024 knapp 45 % der baden-württembergischen Ausfuhren in die Mitgliedsländer der EU-27, rund 17 % nach Amerika (Nord- und Südamerika) und ca. 15–16 % nach Asien. Baden-Württembergs Ausfuhrprofil wird klar von hochwertigen Investitionsgütern geprägt. Wichtigste Exportwaren waren 2024 Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile (21,5 %) sowie Maschinen (19,7 %). Damit machten diese Warengruppen zusammen über 40 % der gesamten Exporte des Landes aus (mit deutlichem Abstand vor allen anderen). Die Automobilindustrie liefert vom kompletten Fahrzeug (Pkw, Nutzfahrzeuge, Spezialfahrzeuge) bis zu Motoren, Getrieben und Komponenten. Der Maschinenbau exportiert eine breite Palette: Werkzeugmaschinen, Anlagen für Fabriken, Fördertechnik, Mess- und Regeltechnik, Landmaschinen, Textilmaschinen u. v. m. – oft gilt Baden-Württemberg hier als Weltwerkbank in verschiedenen Spezialsegmenten. An dritter Stelle der Ausfuhrgüter rangierten chemische und pharmazeutische Erzeugnisse mit etwa 11 % Anteil. Darauf folgen Datenverarbeitungsgeräte, elektronische und optische Erzeugnisse (7,5 %), elektrische Ausrüstung (6,9 %), Metalle (4,9 %), chemische Erzeugnisse (4,8 %), Metallerzeugnisse (3,8 %), Gummi- und Kunststoffwaren (2,9 %) sowie Nahrungs- und Futtermittel (2,5 %).[32][33]

Wichtigste ausländische Handelspartner von Baden-Württemberg (2024)[33]
Rang Land Anteil Exporte Land Anteil Importe
1 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 14,5 % China Volksrepublik Volksrepublik China 9,3 %
2 Schweiz Schweiz 8,4 % Schweiz Schweiz 8,6 %
3 Frankreich Frankreich 7,4 % Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 8,4 %
4 Niederlande Niederlande 6,8 % Italien Italien 6,9 %
5 China Volksrepublik Volksrepublik China 6,5 % Frankreich Frankreich 5,9 %

Hochtechnologie

Baden-Württemberg wird häufig als einer der führenden Innovations- und Technologiestandorte Europas bezeichnet. Das Land investiert überdurchschnittlich in Forschung und Entwicklung (FuE) und beherbergt zahlreiche High-Tech-Branchen und Cluster. Im Jahr 2021 erreichten die FuE-Ausgaben in Baden-Württemberg eine Quote von rund 5,6 % des BIP, mit Abstand der höchste Wert in der gesamten Europäischen Union.[26] Diese FuE-Intensität – fast doppelt so hoch wie im deutschen Durchschnitt – unterstreicht die Bedeutung von Wissenschaft und Innovation für die Landeswirtschaft. Unternehmen des Landes gaben 2021 insgesamt knapp 30 Mrd. € für interne Forschung und Entwicklung aus, hinzu kommen erhebliche öffentliche FuE-Mittel (z. B. für Hochschulen) und Investitionen aus Bundesmitteln in hiesige Großforschungseinrichtungen.[13] Schließlich investiert auch die Landesregierung kräftig in Bildung und Forschung: Im Haushalt 2025/26 sind allein rund 30 Mrd. € für Bildung und zusätzlich Mittel für Hochschulen und Innovationszentren vorgesehen.[34] Laut einer Studie von Experten der Fraunhofer-Gesellschaft befindet sich Baden-Württemberg hinter u. a. Kalifornien und Massachusetts auf dem vierten Platz der innovativsten Regionen der Welt.[35]

Eine Kennziffer für die technologische Leistungsfähigkeit ist auch die Zahl der Patentanmeldungen. Hier nimmt Baden-Württemberg im Bundesvergleich seit langem den ersten Platz ein: Im Jahr 2023 wurden beim Deutschen Patent- und Markenamt 14.648 Patentanmeldungen aus Baden-Württemberg registriert, deutlich mehr als in jedem anderen Bundesland (Bayern zum Vergleich: ca. 10.800, NRW: 5.527). Umgerechnet auf die Bevölkerung entspricht dies etwa 130 Patenten je 100.000 Einwohner, womit Baden-Württemberg auch pro Kopf mit Abstand an der Spitze steht. Rund ein Drittel aller deutschen Erfindungen stammen aus dem Land. Besonders stark patentaktiv sind die großen forschenden Industrien (Automobilbau, Maschinenbau, Elektrotechnik, chemische Industrie): So gehören Firmen wie Bosch (2023: 4160 Anmeldungen) und Mercedes-Benz (2046 Anmeldungen) zu den patentstärksten Unternehmen Deutschlands.[36] Baden-Württembergs Wirtschaftsstruktur enthält einen hohen Anteil an Hochtechnologie-Branchen und wissensintensiven Dienstleistungen. Die „Ingenieurdichte“ – Anteil der Ingenieurberufe an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – lag 2023 bei ca. 4,2 %, ebenfalls ein Spitzenwert bundesweit.[13]

Neben großen und mittelständischen Unternehmen melden auch viele Hochschulen und Forschungseinrichtungen eigene Erfindungen an. Die Forschungslandschaft in Baden-Württemberg ist dicht und exzellent. Neun Universitäten (darunter forschungsstarke Einrichtungen wie Universität Stuttgart, KIT Karlsruhe, Universität Heidelberg, Universität Tübingen, Universität Freiburg), zahlreiche Hochschulen für angewandte Wissenschaften, Pädagogische Hochschulen und Duale Hochschulen bilden den akademischen Grundstock. Hinzu kommen zahlreiche außeruniversitäre Forschungseinrichtungen: Baden-Württemberg beherbergt z. B. Fraunhofer-Institute, Max-Planck-Institute, Einrichtungen der Leibniz- und Helmholtz-Gemeinschaft sowie Landesinstitute in praktisch allen zukunftsträchtigen Feldern – von Quantenphysik bis Bioökonomie. Herausragende Einzelprojekte sind etwa das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg und das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg. Die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft wird durch Initiativen wie Industrie-in-Klinik-Plattformen (z. B. in der Medizintechnik), Technologieparks (z. B. Technologiepark Heidelberg für Biotechnologie) und Clusterinitiativen gezielt gefördert.

Die Präsenz exportstarker Unternehmen, Universitäten, gut ausgebildeter Fachkräften und Forschungseinrichtungen hat die Entstehung von europaweit bedeutenden Innovationsclustern begünstigt.[37] Dazu gehören Cluster für Automobile (Region Stuttgart), Maschinen (mehrere Regionen mit Schwerpunkten etwa im Großraum Stuttgart/Göppingen, im Oberschwäbischen und in der Region Rhein-Neckar), Informations- und Kommunikationstechnik („TechnologieRegion“ Karlsruhe)[38] und „Cyber Valley“ in der Region Tübingen-Stuttgart[39], Gesundheit/Medizin (Region Rhein-Neckar, Ulm, Tübingen) sowie Luft- und Raumfahrt am Bodensee. Daneben bestehen Cluster in Mikrosystemtechnik (u. a. rund um Freiburg und Villingen-Schwenningen), Optik und Photonik (z. B. Zeiss-Umfeld in Oberkochen und das Photonics BW-Netzwerk), Energietechnik (Karlsruhe mit Schwerpunkt im KIT, Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung in Ulm/Stuttgart) und anderen Zukunftsfeldern.

Haushalt und Verschuldung

Die Landesfinanzen Baden-Württembergs waren lange Zeit von solider Haushaltsführung und einer vergleichsweise moderaten Verschuldung geprägt. Seit Einführung der Schuldenbremse im Grundgesetz (2011) und der Landesverfassung (2020)[40] hat Baden-Württemberg seine Neuverschuldung stark zurückgefahren und zeitweise Schulden getilgt. So konnte in den 2010er-Jahren mehrfach ein strukturell ausgeglichener Haushalt ohne neue Kredite erreicht werden. Vor der COVID-19-Pandemie lag der Schuldenstand des Landes (Kernhaushalt) bei rund 46 Mrd. € (Ende 2019). Die COVID-19-Pandemie erforderte jedoch eine Ausnahme von der Schuldenbremse und führte zu einem kräftigen Schuldenanstieg. Zur Bewältigung der Pandemie und ihrer Folgen beschloss der Landtag 2020/21 einen Kredit-Sonderrahmen von bis zu 14,7 Mrd. €. In der Folge stieg die Landesschuld an. Zum 31. Dezember 2022 betrug die Schuldenlast Baden-Württembergs rund 58,7 Mrd. € und 2024 lag sie bei knapp 60 Mrd. €.[41] Pro Einwohner waren die Schulden in Baden-Württemberg mit 5.100 € jedoch nur in Sachsen und Bayern niedriger, das auf eine weiterhin vergleichsweise solide Finanzlage hindeutet. So waren die Schulden pro Einwohner in NRW fast dreimal höher.[42]

Die Haushaltsstruktur Baden-Württembergs ist stark von Ausgaben für Bildung, Innere Sicherheit, Soziales/Gesundheit sowie Infrastruktur geprägt. Der vom Landtag beschlossene Doppelhaushalt 2025/2026 hat ein Gesamtvolumen von rund 135 Mrd. € (für beide Jahre zusammen).[43] Auf der Einnahmenseite speist sich der Landeshaushalt im Wesentlichen aus Steuern. Baden-Württemberg erhält einen Anteil an den Gemeinschaftsteuern (v. a. Lohn- und Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Körperschaftsteuer) nach dem föderalen Finanzausgleichssystem. Daneben vereinnahmt das Land eigene Steuern (z. B. Grunderwerbsteuer, Erbschaftsteuer) und Gebühren. Im Jahr 2024 summierten sich die Steuereinnahmen auf rund 40 Mrd. €.[44] Dank der starken Wirtschaft war Baden-Württemberg in jedem Jahr des horizontalen Länderfinanzausgleichs Geberland, d. h. es leistete Ausgleichszahlungen an finanzschwächere Länder (bis 2019 altes System; seit 2020 durch Umsatzsteuerverteilung ersetzt, bei der BW ebenfalls netto beiträgt). 2024 lag die Einspeisung in das System bei knapp 5 Mrd. €, nach Bayern, war Baden-Württemberg damit das zweitgrößte Geberland.[45]

Wirtschaftsförderung

Seit 1999 wirbt die Landesregierung mit einprägsamen Slogans für den Standort. Die Kampagne „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ trug maßgeblich dazu bei, Baden-Württembergs wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Das Motto wurde schnell sprichwörtlich und machte die Stärken des Landes – von der Wirtschaftskraft bis zu Kultur und Landschaft – bekannt. 2021 startete die Regierung mit „The Länd“ eine weitere Marketingkampagne für das Land.

Baden-Württemberg International (BW_i) ist die landeseigene Gesellschaft zur internationalen Wirtschaftsförderung mit Sitz in Stuttgart. Sie unterstützt Unternehmen und Forschungseinrichtungen bei der Erschließung ausländischer Märkte, fördert Kooperationen in relevanten Technologiesektoren und stärkt die internationale Positionierung des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts Baden-Württemberg. Für ausländische Investoren dient sie als zentrale Anlaufstelle.[46]

Die L-Bank ist die Förderbank des Landes, die ein breites Spektrum an Finanzierungs-, Kredit- und Investitionsprogrammen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Start-ups bereitstellt. Die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg ergänzt die Kreditangebote der L-Bank, indem sie Bürgschaften für Kredite übernimmt, die Unternehmen sonst aufgrund fehlender Sicherheiten nicht erhalten würden. Als Netzwerkplattform für Gründende und Jungunternehmer in Baden-Württemberg dient Start-up BW. Sie wird vom Wirtschaftsministerium getragen und bündelt zahlreiche Programme, Wettbewerbe und Initiativen, so z. B. Zuschüsse zur Förderung von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (z. B. „Innovationsgutschein Start-up BW“ und „Mittelstand trifft Start-ups“), sonstige Förderung, Preisverleihungen und die Vernetzung von Unternehmen.[47]

Statistik

Wirtschaftsentwicklung

Verschiedene Indikatoren der Wirtschaft Baden-Württembergs seit 1991.[48]

Jahr BIP
(in Mio. Euro)
BIP-Anteil
(von Deutschland)
BIP Wachstum
(nominal)
BIP Wachstum
(preisbereinigt)
BIP pro Kopf
(in Euro)
Arbeitslosenquote
(in Prozent)[49]
1991 243 387 15,3 % 24 575
1992 256 691 15,0 % 5,5 % 0,8 % 25 540
1993 254 219 14,5 % −1,0 % −4,2 % 25 048
1994 263 619 14,3 % 3,7 % 2,1 % 25 857 6,7 %
1995 272 298 14,3 % 3,3 % 1,6 % 26 636 6,6 %
1996 277 785 14,4 % 2,0 % 1,3 % 27 074 7,2 %
1997 283 800 14,4 % 2,2 % 2,1 % 27 593 7,8 %
1998 292 882 14,5 % 3,2 % 2,4 % 28 442 7,1 %
1999 303 578 14,6 % 3,7 % 2,6 % 29 406 6,5 %
2000 312 002 14,7 % 2,8 % 3,5 % 30 118 5,4 %
2001 326 842 14,9 % 4,8 % 3,3 % 31 402 4,9 %
2002 329 266 14,8 % 0,7 % −1,1 % 31 469 5,4 %
2003 333 233 14,9 % 1,2 % −0,1 % 31 748 6,2 %
2004 337 641 14,7 % 1,3 % 0,3 % 32 121 6,2 %
2005 340 857 14,7 % 1,0 % 0,6 % 32 399 7,0 %
2006 362 670 14,9 % 6,4 % 6,3 % 34 478 6,3 %
2007 382 539 15,0 % 5,5 % 3,6 % 36 385 4,9 %
2008 387 488 15,0 % 1,3 % 0,3 % 36 882 4,1 %
2009 359 969 14,4 % −7,1 % −9,7 % 34 312 5,1 %
2010 389 865 14,9 % 8,3 % 7,7 % 37 199 4,9 %
2011 412 687 15,0 % 5,9 % 5,0 % 39 320 4,0 %
2012 421 341 15,0 % 2,1 % 0,7 % 39 972 3,9 %
2013 432 317 15,1 % 2,6 % 0,7 % 40 784 4,1 %
2014 448 946 15,0 % 3,8 % 2,0 % 42 060 4,0 %
2015 468 613 15,2 % 4,4 % 2,4 % 43 398 3,8 %
2016 483 231 15,1 % 3,1 % 1,7 % 44 269 3,8 %
2017 506 847 15,2 % 4,9 % 3,8 % 46 129 3,5 %
2018 526 436 15,3 % 3,9 % 2,2 % 47 656 3,2 %
2019 536 086 15,2 % 1,8 % −0,1 % 48 362 3,2 %
2020 516 888 15,0 % −3,6 % −5,2 % 46 559 4,1 %
2021 555 660 15,1 % 7,5 % 5,6 % 49 997 3,9 %
2022 595 351 15,1 % 7,1 % 2,1 % 53 145 3,5 %
2023 631 540 15,1 % 6,1 % 0,2 % 55 840 3,9 %
2024 650 225 15,1 % 3,0 % −0,4 % 57 294 4,2 %

Regionale Verteilung

BIP und weitere BIP-Indikatoren nach Regierungsbezirk:[50]

Regierungsbezirk BIP
(in Mio. Euro)
Anteil
(von BW)
BIP pro Kopf Jahr
Regierungsbezirk Stuttgart 274 805 43,5 % 65 180 2023
Regierungsbezirk Karlsruhe 152 010 24,1 % 53 261 2023
Regierungsbezirk Freiburg 104 838 16,6 % 44 992 2023
Regierungsbezirk Tübingen 99 887 15,8 % 52 311 2023
Baden-Württemberg Baden-Württemberg 631 540 100 % 55 840 2023

Siehe auch

Commons: Wirtschaft Baden-Württembergs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Bruttoinlandsprodukt, Bruttowertschöpfung Statistische Ämter des Bundes
  2. Baden-Württemberg – ein Standort im Vergleich 2025
  3. Geschichte Haus der Wirtschaft Baden-Württemberg
  4. Wirtschaft in Baden Württemberg
  5. a b c d e Die Entwicklung der Wirtschaft in Baden-Württemberg nach 1945 Statistische Bibliothek
  6. a b c d Infodienst-Ländlicher Raum: Erwerbstätige. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  7. Die Abwärtsfahrt der Wirtschaft IHK Stuttgart
  8. Stuttgarter Zeitung: Wirtschaftskrise im Südwesten: Forscher warnen – BaWü-Wirtschaft bleibt auch 2026 im Krisenmodus. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  9. a b c d Industriestandort unter Druck: Baden-Württembergs Wirtschaft im Spannungsfeld konjunktureller Herausforderungenf Ifo Institut für Wirtschaftsforschung
  10. Die TOP 500 Familienunternehmen in Deutschland nach Umsatz und Beschäftigung Stiftung Familienunternehmen
  11. Die größten Familienunternehmen Deutschlands: Baden-Württemberg und Bayern bei Investitionen spitze. Abgerufen am 9. Januar 2026.
  12. Sieben Weltmarktführer aus Baden-Württemberg. 25. Oktober 2023, abgerufen am 9. Januar 2026.
  13. a b c d e f g h Wirtschaftsdaten Baden-Württemberg 2024
  14. Heimische Landwirtschaft steuert über ein Viertel zum Wert der Obst- und Weinerzeugung Deutschlands bei. 26. April 2017, abgerufen am 8. Januar 2026.
  15. agrarheute Externer AutorJosef Koch: Baden-Württemberg: 20 Prozent mehr Ökofläche. 12. April 2019, abgerufen am 9. Januar 2026.
  16. Michael: Bündnis: "Zukunft braucht Fläche!" In: IHK Baden-Württemberg. 24. Oktober 2024, abgerufen am 8. Januar 2026.
  17. e-mobil BW GmbH. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  18. Stuttgarter Nachrichten: Innovationen und Prestigeprodukte: Warum Tuttlingen Weltzentrum der Medizintechnik ist. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  19. Tatjana Kipf: „Militärisches Musterländle“ Südbaden. In: chilli:freiburg:stadtmagazin. 14. Mai 2022, abgerufen am 8. Januar 2026.
  20. Bestand Windenergieanlagen. In: Energieatlas Baden-Württemberg. Abgerufen am 9. Januar 2026 (deutsch).
  21. Photovoltaik Deutschland | Zahlen & Charts 2025. Abgerufen am 9. Januar 2026.
  22. Unternehmen - MiRO. Abgerufen am 9. Januar 2026.
  23. Tourismus im Land mit neuen Rekordzahlen. 11. Februar 2025, abgerufen am 8. Januar 2026.
  24. Hochschularten. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  25. Gesundheitswesen 2023: Rund 831 200 Stellen in Baden-Württemberg. 4. April 2025, abgerufen am 8. Januar 2026.
  26. a b c Wo steht Baden-Württemberg im nationalen und internationalen Vergleich? 2024, abgerufen am 8. Januar 2026.
  27. Bund, Länder und Kreise - Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  28. Bund, Länder und Kreise - Baden-Württemberg, Land - Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Abgerufen am 9. Januar 2026.
  29. Musterland für gute Arbeit. Abgerufen am 9. Januar 2026.
  30. Beschäftigung im Zeitverlauf: Zunehmende Bedeutung ausländischer Staatsangehörige Statisitk BW
  31. Zuwanderer lindern den Fachkräftemangel in Baden-Württemberg. In: Staatsanzeiger BW. 1. Oktober 2025, abgerufen am 9. Januar 2026.
  32. a b 2024: Baden-Württembergs Exporte verringern sich im zweiten Jahr in Folge. 26. Februar 2025, abgerufen am 8. Januar 2026.
  33. a b c Exportland Baden-Württemberg. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  34. Stuttgarter Zeitung: Baden-Württemberg: Das sind die fünf wichtigsten Punkte im Haushaltsentwurf. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  35. mdr.de: BDI: Sachsen ist ausgewiesener Technologie-Standort | MDR.DE. Abgerufen am 9. Januar 2026.
  36. Baden-Württemberg bleibt das Land der Erfinder. In: Staatsanzeiger BW. 6. März 2024, abgerufen am 8. Januar 2026.
  37. Clusterportal BW: Clusterdatenbank. 15. August 2025, abgerufen am 8. Januar 2026.
  38. Technologieregion Karlsruhe - Startseite. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  39. Cyber Valley: Home. Abgerufen am 8. Januar 2026 (englisch).
  40. Schuldenbremse in der Verfassung. In: Staatsanzeiger BW. 20. Mai 2020, abgerufen am 9. Januar 2026.
  41. Schuldenstand. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  42. Schulden, Finanzvermögen Statistisches Bundesamt
  43. Landeshaushalt 2025/2026. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  44. Übersicht der Steuereinnahmen des Landes Baden-Württemberg. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  45. Umsatzsteuerverteilung (UStV) und Finanzkraftausgleich (FKA) für die Zeit vom 01.01.2024 - 31.12.2024 (in 1.000 Euro) 1)
  46. Baden-Württemberg International | bw-i. Abgerufen am 9. Januar 2026.
  47. THE Start-up LÄND: Gründen in Baden-Württemberg. 9. Januar 2026, abgerufen am 9. Januar 2026.
  48. Bruttoinlandsprodukt, Bruttowertschöpfung | Statistikportal.de. Archiviert vom Original am 5. August 2025; abgerufen am 17. Dezember 2025.
  49. Arbeitslose, Arbeitslosenquoten, Gemeldete Arbeitsstellen: Bundesländer, Jahre. In: Statistisches Bundesamt. Abgerufen am 29. November 2025.
  50. Bruttoinlandsprodukt, Bruttowertschöpfung in den kreisfreien Städten und Landkreisen der Bundesrepublik Deutschland 1992 und 1994 bis 2023 Statistische Ämter der Länder