Tourismus in Syrien
Der Tourismus in Syrien ist infolge des Syrischen Bürgerkriegs stark zurückgegangen. Nach 2000 hatte das Land eine sehr positive Besucherentwicklung verzeichnet mit über 8 Millionen Touristen (2009/10), welche dem Land Einnahmen in Höhe von über 6 Milliarden US-Dollar brachten (ca. 13 Prozent der Wirtschaftsleistung). Das Potential des Tourismus im Land gilt als groß, mit zahlreichen Stätten von großer historischer und kultureller Bedeutung.[1] Die jahrelangen Kämpfe sowie die gegen Syrien verhängten internationalen Wirtschaftssanktionen und der starke Wertverlust der syrischen Lira wirken sich jedoch äußerst negativ auf den Tourismus aus. Viele Touristenattraktionen wurden beschädigt oder zerstört, Flüge der großen Fluggesellschaften nach Syrien wurden ausgesetzt und viele große Touristenhotels mussten schließen. Eine langsame Erholung des Sektors setzte ab 2016 ein und 2023 besuchten wieder ca. zwei Millionen Touristen Syrien, die meisten davon schiitische Pilger und Auslandssyrer auf Heimatbesuch.[2] Nach dem Sturz des Assad-Regimes 2024 kam es zu verstärkten ausländischen Investitionen in den syrischen Tourismussektor.[3]
Geschichte
Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren entwickelte sich Syrien zu einem Ziel für kulturhistorisch interessierte Reisende, insbesondere aus Europa. Die Altstädte von Damaskus und Aleppo, antike Stätten wie Palmyra und Bosra sowie die landschaftliche Vielfalt zwischen Mittelmeerküste und Wüstenregionen zogen zunehmend Besucher an.[4] Unter Hafez al-Assad blieb der internationale Tourismus jedoch lange ein Nischensektor. Erst ab den 1990er-Jahren, verstärkt unter Baschar al-Assad ab 2000, wurde der Tourismus systematisch gefördert.[2] In den Jahren vor dem syrischen Bürgerkrieg stiegen die Besucherzahlen deutlich an, vor allem durch Reisende aus dem arabischen Raum, dem Iran und Europa. Große Werbekampagnen wie das seit 2002 veranstaltete „Seidenstraßen-Festival“ (Schau touristischer Highlights) wurden eingeführt, um Syrien als „Brücke zwischen Ost und West“ zu profilieren.[5] Dies zeigte durchaus Erfolg. Die Zahl der Besucher stieg von etwa 6 Millionen (2009) auf über 8,5 Millionen im Jahr 2010. Die Branche wurde staatlich gefördert und zog Investitionen in Hotels und Infrastruktur an. 2010 beschäftigte der Tourismussektor rund 365.000 Menschen (etwa 5,8 % der Erwerbsbevölkerung) und lieferte rund 3,9 Milliarden US-Dollar an Devisen (nach Erdöl die wichtigste Einnahmequelle).[2]
Mit dem Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 brach der Tourismus jedoch schlagartig ein. Die Zahl der Gäste sank von 9,46 Millionen (2010) auf 5,43 Millionen im Jahr 2011 und erreichte 2013 nur noch 0,67 Millionen. Die Folge war laut Tourismusminister ein Verlust von über 50 Milliarden US-Dollar für den Sektor, zerstörte Unterkünfte (365 Hotels) und etwa 260.000 verlorene Arbeitsplätze.[2] Bis 2015 war die Zahl der Touristen um mehr als 90 % zurückgegangen. Das Tourismusministerium gab an, dass in der ersten Hälfte des Jahres 2015 45.000 Touristen das Land besucht hätten, doch diese Zahlen wurden von Beobachtern angezweifelt, so das Syrian Economic Forum, das erklärte, dass nur noch der religiöse Tourismus aus dem Iran übrig geblieben sei.[6] Laut einem Artikel aus dem Jahr 2015 in The Telegraph nahmen Hotels an den Stränden der Mittelmeerküste in Tartus und Latakia weiterhin inländische Touristen auf, und ein Hotel war im Sommer 2014 und 2015 sogar „ausgebucht“.[7]
Nach 2018, als das Assad-Regime weite Gebiete zurückgewann, versuchte die Regierung, den Sektor wiederzubeleben.[2] Neue Luxushotels wurden vor allem an der Küste und im rekonstruierten Aleppo errichtet. Die Lockerung von Reisebeschränkungen sowie die Förderung von Tourismusinvestitionen (etwa per „Elektronischem Visum“-Plattform) trugen zu einer leichten Erholung bei. Im ersten Halbjahr 2022 besuchten knapp 750.000 Gäste Syrien, ein Großteil davon waren entweder Auslandssyrer oder stammten aus Ländern, die gute Beziehungen zur Regierung hatten (Irak, Libanon, Iran). Personen aus diesen Ländern besuchten Syrien zumeist aus religiösen Zwecken.[8] Nach dem Sturz des Assad-Regimes 2024 endete die internationale Isolation Syriens, wodurch sich neue Chancen für den Tourismus ergeben könnten.
Infrastruktur
Viele touristische Zentren wurden durch den Krieg schwer beschädigt. Städten wie Aleppo und Homs gingen historische Altstadtviertel und Hotels verloren. Touristenstätte wie Palmyra wurden durch die Besetzung durch den Islamischen Staat beschädigt und viele Kulturschätze des Landes wurden unwiederbringlich vernichtet. Auch die Infrastruktur (Brücken, Straßen, Flughäfen) nahm Schaden. Der Flughafen Aleppo wurde nach acht Jahren Kriegspause im Februar 2020 wieder für den zivilen Luftverkehr freigegeben; vor dem Krieg hatte er jährlich etwa eine Million Passagiere abgefertigt.[9] Der Flughafen Damaskus blieb durchgehend in Betrieb und wird seit 2025 mit einem milliardenschweren Projekt modernisiert. Ein Katar-geführtes Konsortium soll die Kapazität auf bis zu 31 Millionen Passagiere ausbauen.[10] Daneben gibt es kleinere Flughäfen wie in Latakia und Qamischli.
Vor dem Krieg gab es in Damaskus, Aleppo, Latakia und Tartus Hunderte von Hotels (5-Sterne-Häuser und Pensionen). Nach 2011 wurde etwa die Hälfte aller Hotels zerstört oder beschädigt. Seit 2018 wurden einige Luxushotels wiederaufgebaut – etwa entlang der Mittelmeerküste und in Aleppo.[2] Das Straßennetz verbindet die Städte weitgehend, auch wenn einzelne Abschnitte im Krieg litten. Die wichtigsten Urlaubsregionen sind die Küstenregion (Strände, Küstengebirge), Wüstenoasen wie Palmyra sowie Wallfahrtsorte (Sayyida Zeinab bei Damaskus). Die Anzahl der Unterkünfte ist wieder im Wachstum begriffen. 2023 kündigte das syrische Touristenministerium an, die Anzahl der Hotelbetten von 38.000 auf 100.000 im Jahr 2030 erhöhen zu wollen.[2] Nach dem Sturz von Diktator Assad kam es zudem zu verstärkten Zuflüssen von ausländischem Kapital (besonders aus den arabischen Golfstaaten). Allein im August 2025 lag das Investitionsvolumen der unterzeichneten Deals bei 14 Milliarden US-Dollar.[3]
Statistik
Ankunftszahlen
| Jahr[2] | Anzahl Touristen | aus arabischen Staaten | aus nicht-arabischen Staaten |
|---|---|---|---|
| 2010 | 9.456.622 | 6.281.525 | 3.175.097 |
| 2011 | 5.433.196 | 3.159.187 | 2.274.009 |
| 2012 | 1.564.320 | 1.182.546 | 381.774 |
| 2013 | 671.572 | 619.940 | 51.632 |
| 2014 | 676.767 | 621.499 | 55.268 |
| 2015 | 754.610 | 672.670 | 81.940 |
| 2016 | 1.043.332 | 931.387 | 111.945 |
| 2017 | 1.281.546 | 1.149.130 | 132.416 |
| 2018 | 1.802.059 | 1.620.229 | 181.830 |
| 2019 | 2.424.285 | 2.219.626 | 204.659 |
| 2020 | 479.364 | 405.242 | 74.122 |
| 2021 | 660.906 | 531.223 | 129.683 |
| 2022 | 1.786.000 | 1.570.000 | 216.000 |
| 2023 | 2.000.000 | 1.750.000 | 250.000 |
Für 2023 wurden 1,75 Mio. arabische Gäste gemeldet (hauptsächlich Libanesen, Iraker, Jordanier, Bahrainer, Kuwaitis) und etwa 0,25 Mio. Besucher aus nicht-arabischen Ländern (vor allem Russland, Pakistan, Iran, Indien).[2]
Die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für Syrien war vor 2011 beträchtlich: Er beschäftigte über 365.000 Menschen und brachte jährlich Milliarden US-Dollar an Devisen (nach Erdöl die zweitwichtigste Einnahmequelle). 2022 arbeiteten weiterhin ca. 180.000 Menschen im Tourismus.[2]
Sehenswürdigkeiten
UNESCO-Welterbestätten
Es gibt sechs UNESCO-Welterbestätten im Land. Zwölf weitere Stätten, die bei der UNESCO eingereicht wurden, stehen auf der Tentativliste der Organisation.
- Altstadt von Aleppo: Die Altstadt von Aleppo ist das historische Stadtzentrum von Aleppo, Syrien. Die Altstadt, die aus der antiken Stadt innerhalb der Stadtmauern und den alten, zellenartigen Vierteln außerhalb der Stadtmauern besteht, umfasst eine Fläche von etwa 350 Hektar (3,5 km2) und beherbergt über 100.000 Einwohner. Die Altstadt von Aleppo, die für ihre großen Villen, engen Gassen, überdachten Souks, die Zitadelle von Aleppo und alten Karawansereien bekannt ist, wurde 1986 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt.
- Bosra: Die antike Stadt Bosra ist eine alte römische Stadt. Sie ist berühmt für ihr römisches Theater, das möglicherweise das am besten erhaltene der Welt ist, und beherbergt außerdem viele Überreste der antiken Stadt wie Bäder, Säulengänge und Überreste antiker Häuser und Tempel.
- Altstadt von Damaskus: Die Altstadt von Damaskus bildet das historische Stadtzentrum von Damaskus. In Syrien ist Damaskus allgemein als asch-Scham (arabisch الشام, DMG aš-Šām) bekannt und trägt den Spitznamen „Stadt des Jasmins“ (مدينة الياسمين, DMG Madīnat al-Yāsmīn). Damaskus ist nicht nur eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte der Welt, sondern auch ein wichtiges kulturelles und religiöses Zentrum der Levante. Die Stadt ist berühmt für ihre alten Souks, die Altstadt, die alten Damaszener Häuser und die Moschee aus der Umayyaden-Zeit. Außerdem gibt es hier viele Überreste aus der römischen Zeit, wie den Jupiter-Tempel, und einige der ältesten Kirchen der Welt, darunter vor allem die Pauluskapelle.
- Die toten Städte im Norden Syriens: Die toten Städte sind eine Gruppe von 700 verlassenen Dörfern im Nordwesten Syriens zwischen Aleppo und Idlib. Die meisten Dörfer, die aus dem 1. bis 7. Jahrhundert stammen, wurden zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert verlassen. Die Siedlungen zeichnen sich durch gut erhaltene architektonische Überreste von Tempeln, Zisternen, Badehäusern und vielen alten Kirchen aus der frühen Christenheit aus. Zu den bedeutenden toten Stätten gehören alte Kirchen und Klöster wie Qalʿat Simʿan.
- Krak des Chevaliers und Qal’at Salah El-Din: Die Krak de Chevaliers ist eine Festung aus der Zeit der Kreuzzüge, die aus dem 10. Jahrhundert stammt und zu den bedeutendsten erhaltenen mittelalterlichen Burgen der Welt zählt. Der Ort wurde erstmals im 11. Jahrhundert von einer Siedlung kurdischer Truppen bewohnt, die dort von den Mirdasiden stationiert waren; daher war er als Hisn al-Akrad bekannt, was „Burg der Kurden“ bedeutet. Im Jahr 1142 wurde sie von Raimund II., Graf von Tripolis, an die Johanniter übergeben. Sie blieb in ihrem Besitz, bis sie 1271 fiel. Zusammen mit Qal'at Salah El-Din (Zitadelle von Saladin) ist die Krak des Chevaliers eines der besten Beispiele für die Architektur der Kreuzfahrerzeit.
- Palmyra: Die antike, 2000 v. Chr. gegründete römische Kolonie Palmyra ist eine Oasenstadt in der syrischen Wüste. Die alten Palmyrer waren berühmte Kaufleute, die nicht nur durch den Handel mit seltenen Waren aus dem Osten, sondern auch durch die Nutzung der Lage ihrer Stadt als Oase zu enormem Reichtum gelangten. Die Palmyrer nutzten diesen Reichtum, um großartige Monumente wie den Tempel des Baal und den Triumphbogen zu errichten und um griechisch-römisch und persisch beeinflusste Flachreliefs ihrer Verstorbenen zu gestalten, von denen viele heute in den größten internationalen Museen zu sehen sind. Während des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2015 zerstörte der Islamische Staat im Irak und in der Levante (ISIL) große Teile der antiken Stadt, die am 2. März 2017 von der syrischen Armee zurückerobert wurde.
Weitere Stätten
Neben den UNESCO-Stätten gibt es zahlreiche weitere historisch-kulturelle Höhepunkte. Die antiken Ruinen von Apamea am Orontes (bei Hama) etwa zeigen eindrucksvolle Säulenstraßen. Im Küstenvorland liegen die Ruinen von Ugarit mit den Keilschriftfunden des ältesten Alphabets. Syrien hat viele alte Moscheen und Paläste, z. B. den prächtigen Azim-Palast in Damaskus und in der Nähe die Umayyaden-Moschee. Das Nationalmuseum Damaskus beherbergt Funde aus allen Epochen der Region. In Bergdörfern wie Maaloula bei Damaskus wird noch Aramäisch gesprochen, und die Klöster Mar Takla sowie Mar Sarkis aus dem 4. Jh. lohnen einen Besuch.[11] Traditionelle Basare (Souks) in Damaskus und Aleppo – einst unter Glas überdacht – sind heute wieder teils im Wiederaufbau.
Natürliche Sehenswürdigkeiten
Syrien bietet abwechslungsreiche Landschaften. Die Gebirgszüge an der Mittelmeerküste (Nusayriya-Gebirge) und das Dschabal Qāsiyūn nahe Damaskus prägen das Bild und bieten Wanderwege und Aussichten über die Ebene. Bei Hama zeugen die riesigen Wasserräder („Norias Park“) am Orontes von jahrhundertealter Wasserwirtschaft. Der Barada-Fluss, der durch das Damaszuser Becken fließt, unterhält fruchtbare Gärten (ehemalige Ghuta-Oase) und ist Naherholungsgebie. Östlich von Palmyra breitet sich die Wüste aus; Salzseen (z. B. Sabchat al-Dschabbul) und wilde Bergregionen bieten zusätzliche Naturschönheiten. Zwar steht die Infrastruktur für Ökotourismus noch am Anfang, doch werden beispielsweise Schutzgebiete und Wanderwege in ehemals umkämpften Gebieten allmählich angegangen.[12]
Galerie
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Umayyaden-Moschee in Damaskus
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Jupitertempel in Damaskus
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Innenraum der Zitadelle von Aleppo
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Römisches Theater von Bosra
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Tote Stadt Serjilla
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Kirche Qalʿat Simʿan
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Ruinen von Ugarit
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Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Hospitality - U.S.–Syria Business Council. 8. Juli 2025, abgerufen am 2. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ a b c d e f g h i j Tourism in Syria Friedrich-Ebert-Stiftung
- ↑ a b Forbes Middle East: Syria Inks Tourism Investment Deals Worth $1.5B. Abgerufen am 2. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ SYRIA: An Invitation To Tourists (Published 1976). 25. Januar 1976 (nytimes.com [abgerufen am 2. Dezember 2025]).
- ↑ Ian Black: Syria's crusade for tourism. In: The Guardian. 23. Oktober 2009, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 2. Dezember 2025]).
- ↑ Tehran extends a lifeline to Damascus through religious tourism - Syrian Economic Forum. In: Syrian Economic Forum. 30. September 2015 (syrianef.org [abgerufen am 2. Dezember 2025]).
- ↑ It's 'happy holidays in Syria' according to the Assad regime. Abgerufen am 2. Dezember 2025.
- ↑ Reuters: Vom Krieg gebeutelt, sieht der syrische Tourismus einen Aufschwung im Ausland | MarketScreener Deutschland. 9. August 2022, abgerufen am 2. Dezember 2025 (deutsch).
- ↑ Patrick Zwerger: Nach 8 Jahren: Flughafen Aleppo ist wieder offen. 19. Februar 2020, abgerufen am 2. Dezember 2025.
- ↑ Flughafen Damaskus: 4 Mrd. Dollar Projekt für Modernisierung und Wirtschaftswachstum. Abgerufen am 2. Dezember 2025 (österreichisches Deutsch).
- ↑ Syrien Reisen und Rundreisen. Archiviert vom am 25. Juni 2024; abgerufen am 2. Dezember 2025 (deutsch).
- ↑ John: Syria's hidden national parks: 5 breathtaking treasures awaiting rediscovery. In: World Day. 1. November 2024, abgerufen am 2. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).