Tourismus in Jordanien

Der Tourismus in Jordanien ist eine wichtige Säule der lokalen Wirtschaft. 2023 verzeichnete Jordanien rund fünf Millionen internationale Besucher, die mehrere Milliarden US-Dollar an Einnahmen ins Land bringen (etwa 5,8 Mrd. USD im Jahr 2022). Dies entspricht grob einem Zehntel des Bruttoinlandsprodukts. Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten zählen das UNESCO-Weltkulturerbe Petra, die Wüstenlandschaft von Wadi Rum, das Tote Meer sowie bedeutende historische und religiöse Stätten wie die antike Stadt Gerasa und die biblische Taufstelle Jesu am Jordan. Als vergleichsweise stabiles und sicheres Land in einer politisch oft unruhigen Region gilt Jordanien seit langem als beliebtes und etabliertes Reiseziel im Nahen Osten.

Geschichte

Der internationale Tourismus in Jordanien wuchs seit den 1990er-Jahren beständig: Im Jahr 1995 kamen etwa 1,08 Millionen Auslandsbesucher ins Land, bis 2019 hatte sich diese Zahl auf rund 4,49 Millionen mehr als vervierfacht. Mit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie brachen die Touristenzahlen jedoch dramatisch ein – 2020 beliefen sie sich nur noch auf etwa 1,07 Millionen.[1] Durch schnelle Lockerungen und Werbemaßnahmen erholte sich der Sektor rasch: Bereits 2022 erreichte Jordanien wieder das Vorkrisenniveau mit über 5 Millionen Besuchern. Die Regierung hatte dieses Ziel ursprünglich erst für 2024 vorgesehen, die positive Entwicklung übertraf jedoch die Erwartungen.[2] Regionale Konflikte in der Umgebung Jordaniens beeinflussen den Tourismus erheblich. So führte etwa der Krieg in Israel und Gaza ab Herbst 2023 zu starken Buchungsrückgängen. Im Jahr 2024 brach die Zahl der ausländischen Gäste teilweise drastisch ein – in der Felsenstadt Petra sank sie nach Angaben der Behörden um rund 61 % gegenüber dem Vorjahr. Die Folgen waren weitreichend: Etwa 32 Hotels schlossen, und fast 700 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz.[3] Jordanien bleibt zwar politisch vergleichsweise stabil und wirbt aktiv für Religions- oder Medizintourismus, doch zeigen diese Ereignisse, wie sensibel die Branche auf regionale Krisen reagiert.

Touristische Infrastruktur

Die touristische Infrastruktur konzentriert sich auf die Hauptziele des Landes. In Amman, der Hauptstadt, finden sich zahlreiche Hotels – von internationalen Luxusketten (z. B. Kempinski und Marriott) bis zu kleineren Gästehäusern – sowie das nationale Drehkreuz, den Queen Alia International Airport. Dieser wird derzeit massiv erweitert: Die Betreiber planen, die Kapazität von heute neun auf 18 Millionen Passagiere jährlich (bis 2032) zu steigern. Auch in den wichtigen Orten wie Wadi Musa (nahe Petra) oder in der Küstenstadt Akaba entstanden in den letzten Jahren neue Unterkünfte. Akaba am Roten Meer verfügt über Hafenanlagen und seit 2023 sogar ein modernes Kreuzfahrtterminal. Gemeinsam mit der Aqaba Development Corporation und Investitionen der AD Ports Group soll Akaba als maritimes Touristenzentrum ausgebaut werden.[4][2]

Auch das Tote-Meer-Gebiet bei En Bokek und Sweimeh ist durch mehrere Fünf-Sterne-Resorts (z. B. Mövenpick, Marriott) touristisch erschlossen. Im Verkehrsnetz sind Reisende auf ein gut ausgebautes Autobahnnetz angewiesen, das Amman mit wichtigen Grenzübergängen (Allenby- bzw. -Hussein-Brücke nach Israel/Palästina, sowie Grenzstationen zu Syrien und Irak) verbindet. Innerhalb des Landes verkehren Fernbusse und Taxis. Neben dem Queen Alia in Amman gibt es nur noch zwei kleinere Flughäfen mit internationalem Status (Akaba und den Grenzflughafen Ruwaished), sonst wird das Land primär über die Straße bereist.

Aufgrund seiner relativ hohen Anzahl an Ärzten und günstiger Behandlungskosten ist Jordanien ein Zentrum des Medizintourismus im Nahen Osten. 2022 reisten 190.000 medizinische Touristen in das Land, um sich behandeln zu lassen.[4]

Statistik

Im Jahr 2023 wurde Jordanien von etwa 6,35 Millionen Touristen besucht. Damit gehört Jordanien in absoluten Zahlen zu den Top-Reiseländern Westasiens. Ein Großteil der Gäste kommt aus der Region: Traditionell stammen gut drei Viertel der Besucher aus arabischen Nachbarstaaten (Saudi-Arabien, Palästina, Israel, Ägypten, Syrien, Irak) oder sind im Ausland lebende Jordanier, die ihre Heimat besuchen.[2] Im Jahr 2024 war vor allem der Golfraum mit etwa 1,32 Millionen Touristen stark vertreten (ein Plus von 15 % gegenüber dem Vorjahr).[4] Wirtschaftlich ist der internationale Tourismus von hoher Bedeutung: Nach einer Schätzung entfielen 2022 rund 5,52 Milliarden Euro (etwa 5,8 Milliarden US-Dollar) der Deviseneinnahmen auf den Tourismussektor, was nahezu der Hälfte des jordanischen Warenexports entspricht. Damit lag der Beitrag des Tourismus bei etwa 11–12 % des Bruttoinlandsprodukts. Vor 2020 lagen die Anteile sogar bei über 15 %.[1] Die Einnahmen generieren überdies Zehntausende Arbeitsplätze in Hotellerie, Gastronomie und Reiseverkehr, womit der Sektor eine zentrale Rolle für die Wirtschaft Jordaniens spielt.

Herkunftsländer von Touristen (2022)[2]
Herkunft Anteil
Auslandsjordanier 29,3 %
Saudi-Arabien Saudi-Arabien 18,5 %
Palastina Palästina 12,2 %
Syrien Syrien 6,4 %
andere arabische Staaten 13,5 %
Rest der Welt 20,1 %

Sehenswürdigkeiten

Jordanien bietet eine Fülle an weltberühmten Kultur- und Naturschätzen. Der unangefochtene Publikumsmagnet ist die antike Felsenstadt Petra (UNESCO-Weltkulturerbe seit 1985), deren in rötlichen Sandstein gehauene Fassaden (z. B. der „Schatzhaus“-Tempel Khazne al-Firaun) regelmäßig als achtes Weltwunder angepriesen werden. In der römischen Ruinenstadt Jerasch (Gerasa) nördlich von Amman sind ein großes Forum, Tempel und ein Theatersystem gut erhalten. Auch mittelalterliche Überreste prägen die Tourismuslandschaft: so die Festung von Kerak und die Burg Montreal, die Kreuzfahrer im 12. Jahrhundert errichteten. Weitere UNESCO-Stätten sind die Wüstenschlösser des 8. Jahrhunderts – etwa Qasr Amra (1985) – und das Grabungsfeld Umm er-Rasas (2004). Religiöse Pilgerorte sind das am Jordan gelegene Al-Maghtas („Betsanien jenseits des Jordans“, die angebliche Taufstätte von Jesus von Nazaret, Welterbe seit 2015) und der Berg Nebo bei Madaba. Insgesamt befinden sich 33 heilige Stätten im Land, was Jordanien zu einem wichtigen Ziel für Pilger aus aller Welt macht.[5] 2021 wurde auch die Altstadt von Salt mit Gebäuden aus der osmanischen Periode zum Weltkulturerbe erhoben.[6] Die Hauptstadt Amman bietet ebenfalls historische Sehenswürdigkeiten wie z. B. die Zitadellenhügel von Amman. Weitere kulturelle Attraktionen bilden die Wüstenschlösser überall im Land.

Zu den Naturattraktionen zählen das Wadi Rum (seit 2011 Weltnaturerbe), eine grandiose Wüstenlandschaft mit spektakulären Felsformationens sowie das Tote Meer, das als tiefster Punkt der Erdoberfläche zu Wellness einlädt. Küstennah lockt Akaba mit Korallenriffen am Roten Meer und Tauchspots. Insgesamt ergänzen zahllose historische und landschaftliche Kleinode – von byzantinischen Mosaikfragmenten in Madaba bis zu Oasen- und Bergwanderungen – das Angebot. Besonders hervorgehoben werden dabei authentische Erlebnisorte wie Wüstencamps im Wadi Rum oder traditionelle Beduinenlager, die das touristische Bild Jordaniens abrunden.

Commons: Tourismus in Jordanien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Entwicklung des Tourismus in Jordanien. Abgerufen am 29. November 2025.
  2. a b c d Rendezvous mit Petra | Branchen | Jordanien | Tourismus. Abgerufen am 29. November 2025 (deutsch).
  3. Touristenzahl in Jordanien bricht infolge des Gaza-Kriegs ein. 4. August 2025, abgerufen am 29. November 2025.
  4. a b c A754-Wirtschaftsbericht 2025. Staatssekretariat für Wirtschaft SECO
  5. Marhaba! Jordan Extends Welcome to Travelers. Abgerufen am 29. November 2025 (englisch).
  6. As-Salt. Art Destination Jordanien. Abgerufen am 29. November 2025.