Sundgau, région des étangs
FFH-Gebiet „Sundgau, région des étangs“
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Weiher bei Heimersdorf | ||
| Lage | Département Haut-Rhin, Frankreich | |
| Fläche | 198 ha | |
| WDPA-ID | 555788485 | |
| Natura-2000-ID | FR4201811 | |
| Geographische Lage | 47° 33′ N, 7° 8′ O | |
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| Einrichtungsdatum | 17. Oktober 2008 | |
Das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) Sundgau, région des étangs (deutsch: „Weiherlandschaft Sundgau“) umfasst eine Gruppe von rund 50 Weihern mit umliegenden Waldflächen im Südosten der französischen Region Grand Est. In der Weltdatenbank der Schutzgebiete ist das im Jahr 2008 ausgewiesene Natura-2000-Objekt mit der Nummer 555788485 eingetragen.
Geografie
Die zusammen rund zwei Quadratkilometer großen Teilflächen des dezentralen Schutzgebiets liegen im Südwesten des Sundgaus in der Hügellandschaft des südlichen Elsass im französischen Département Haut-Rhin. Die Weiher befinden sich in der ländlichen Kulturlandschaft zwischen Altkirch, Pfetterhouse und Chavannes-sur-l’Étang. Die in das FFH-Objekt aufgenommenen Stillgewässer sind eine repräsentative Auswahl aus insgesamt mehr als tausend solcher Wasserflächen im Sundgau.[1] Sie gehören zu 14 verschiedenen französischen Gemeinden: Altenach, Chavannes-sur-l’Etang, Magny, Manspach, Montreux-Vieux, Valdieu-Lutran, Bisel, Friesen, Heimersdorf, Hindlingen, Hirsingue, Pfetterhouse, Saint-Ulrich, Ueberstrass.
Der Westen des Sundgaus ist Teil des sanftwelligen Hügellands der Burgundischen Pforte und wird von den kleinen Flüssen Larg, Hirtzbach, Lutter, Gruebaine und Loutre entwässert. Zwischen den ersten beiden dieser Fließgewässer, die zum Einzugsgebiet des Rheins gehören, und den drei anderen verläuft die Europäische Hauptwasserscheide, die das Rheingebiet vom Becken der Rhone trennt. Die Lutter, die Gruebaine und die Loutre (oder Reppe), eigentlich indirekte Zuflüsse des Doubs und somit der Rhone, münden in die Scheitelhaltung des Rhein-Rhone-Kanals, von der das Wasser durch die Kanalschleusen sowohl zum Rhein wie auch zur Rhone abfließt.
Der Untergrund der Zone zwischen Jura und Vogesen besteht aus Elsässer Molasse, über welcher sich Sundgauschotter und gebietsweise Löss und Lehm ausbreiten. In diese geologischen Schichten sind die Flusstäler und die Rinnen der Nebenbäche eingeschnitten, an denen die Weiher liegen.
Durch den Sundgau und die Weiherlandschaft verläuft die Sprachgrenze zwischen dem deutschsprachigen Oberelsass, das zum traditionellen Sprachraum des Alemannischen gehört, und dem französischsprachigen Raum. In den betreffenden Grenzorten des alemannischen Dialektraums sind die herkömmlichen deutschen Flurnamen und Gewässerbezeichnungen meistens erhalten geblieben und auch in die offizielle französische Kartografie aufgenommen worden. Einige Gemeinden im Nordwesten der Weiherlandschaft sind französischsprachig und haben daher romanische Orts- und Gewässerbezeichnungen.
Die geschützten Landschaftsausschnitte umfassen im Gebiet des Hirtzbachs die Kaskade von elf Teichen vom Donisweiher bis zum Herrenweiher, eine Reihe von fünf anderen Weihern im Gebiet der Gemeinde Hirsingue, den ehemaligen Neuweiher bei Bisel und den Erlenweiher. Dazu kommt im Tal des Largitzenbachs der westliche Teil des Waldes nördlich von Bisel.
Im Tal der Larg gehören die Weiher Étangs de Gerschwiller in Pfetterhouse, nahe an der Schweizer Grenze, der Bannweiher in Ueberstrass und der Oberwald von Friesen und Hindlingen mit zahlreichen Weihern zum Schutzgebiet.
An der Lutter ist das Tal des Seitenbachs Luttergraben zum größten Teil von Weihern bedeckt, mit dem Langfuerstenweiher als größter Wasserfläche. Alle diese Teiche und dazu der Étang de la Lutter südlich davon, der nur zur Hälfte im Departement Haut-Rhin liegt, wurden in das FFH-Gebiet aufgenommen.
Nördlich des Rhein-Rhone-Kanals werden zwei Zonen mit großen Teichen am Flusslauf der Gruebaine in den Gemeinden Chavannes-sur-l’Etang und Montreux-Vieux zum Gebiet Sundgau, région des étangs gezählt. Dazu kommen ein kurzer Flussabschnitt der Gruebaine bei der Brücke der Bahnstrecke Paris–Mulhouse und eine Stelle nordwestlich von Chavannes-sur-l’Etang am Bach Loutre.
Andere Schutzgebiete
Im Westen schließt an den Sundgau das Departement Territoire de Belfort an, in dessen Tälern ebenfalls zahlreiche künstliche Fischteiche vorhanden sind. Auch die Gewässer im Osten dieses Departements sind als FFH-Gebiet unter Schutz gestellt: Das Reservat Étangs et Vallées du Territoire de Belfort umfasst — im Unterschied zum Schutzobjekt Sundgau, région des étangs — neben den Weihern auch die dazwischen liegenden Flussläufe, die allesamt gegen Westen abfließen und die Allaine, einen Nebenfluss des Doubs, speisen.[2]
Eine weitere, kleine Gruppe gleicher Weiher im südlich an das Sundgau anschließenden Kanton Jura in der Schweiz ist als Landschaftsschutzgebiet Étangs de Bonfol et de Vendlincourt («Weiher von Bonfol und Vendlincourt») seit 1977 im schweizerischen Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung verzeichnet.[3]
Flora und Fauna
Die seit dem Mittelalter mehrheitlich künstlich angelegten Fischteiche und die angrenzenden, ebenfalls im FFH-Gebiet verzeichneten Waldflächen beherbergen artenreiche Lebensgemeinschaften, die teilweise auf Gewässer und Feuchtgebiete angewiesen sind. Sieben Habitatstypen sind in den Schutzgebieten vertreten:
- Offene Seen
- Stillgewässer mit flachen Uferzonen
- Gewässer mit Pflanzenteppichen von Grünalgen (Charophyta)
- Feuchtwiesen und Moore
- Hochstaudenfluren und Waldwiesen
- Buchenwälder
Folgende Arten von gemeinschaftlichem Interesse sind im Gebiet nachgewiesen: Nördlicher Kammmolch (Triturus cristatus), Kleefarn (Marsilea quadrifolia), Grünes Gabelzahnmoos (Dicranum viride), Großes Mausohr (Myotis myotis), Wimperfledermaus (Myotis emarginatus), Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii), Großer Feuerfalter (Lycaena dispar).
Der in das FFH-Gebiet mit eingeschlossene Wald Bois de Bisel ist auch durch das Netz Zones naturelles d’intérêt ecologique, faunistique et floristique geschützt.[4]
In einzelnen Teichen ist das Fischen erlaubt.[5]
Schutzzweck
- Erhaltung oder Wiederherstellung der Gewässerhabitate und der Gewässerqualität
- Erhaltung der Waldhabitate
- Erhaltung der ökologischen Korridore
Weblinks
- Sundgau, région des étangs (ZSC). Direction régionale de l’environnement, de l’aménagement et du logement (DREAL) Grand Est, 16. September 2022, abgerufen am 30. Dezember 2025 (französisch).
- Lage der Sundgauweiher. In: Geoportal von Frankreich. République française, abgerufen am 3. Januar 2026.
- Dominique Oberti: Document d'objectifs du Site Natura 2000 N° FR4201811 «Sundgau, Région des étangs». Saint-Apollinaire 2012.
- Patrimoine naturel. Communauté de communes Sud Alsace Largue, abgerufen am 3. Januar 2026.
Einzelnachweise
- ↑ G. Werner: Les Étangs du Sundgau. Mulhouse 1920.
- ↑ Étangs et Vallées du Territoire de Belfort. Département du Territoire de Belfort, abgerufen am 1. Januar 2026 (französisch).
- ↑ Beschreibung des BLN-Objekts 1101 Étangs de Bonfol et de Vendlincourt
- ↑ Dominique Oberti: Document d'objectifs du Site Natura 2000 N° FR4201811 «Sundgau, Région des étangs». Saint-Apollinaire 2012, S. 9.
- ↑ Pêche étang. Office de tourisme du Sundgau Sud Alsace, abgerufen am 3. Januar 2026.