Étangs de Bonfol et de Vendlincourt

Der Naturraum Étangs de Bonfol et de Vendlincourt (deutsch «Weiher von Bonfol und Vendlincourt») ist eine seit 1977 im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) verzeichnete Hügel- und Gewässerlandschaft des Juragebirges in der Nordwestschweiz. Das BLN-Gebiet mit der Nr. 1101 umfasst eine zum grössten Teil bewaldete Zone im Nordosten der Region Ajoie, in den Gemeinden Basse-Vendline und Vendlincourt im Kanton Jura. Seit Jahrhunderten bestehen mehrere künstlich geschaffene Weiher in dieser Region. Auf der Ostseite stösst die geschützte Landschaft an die Landesgrenze zu Frankreich.

Geografie

Das 308 Hektar grosse BLN-Gebiet 1101 liegt im Tafeljura und umfasst einen Landschaftsausschnitt im Flusstal der Vendline, die im Gemeindegebiet von Vendlincourt entspringt und zum Flussgebiet der Rhône gehört. Die tiefste Stelle im Nordwesten der Schutzzone liegt bei Bonfol auf 433 m ü. M. und die höchste an der Landesgrenze im Südosten auf 482 m ü. M. Zum Einzugsgebiet der Vendline gehören mehrere Bäche, die das hügelige Waldland entwässern. Der grösste davon ist der Corbery, der das bedeutendste Fliessgewässer innerhalb der BLN-Landschaft ist. Seinem Oberlauf folgt die Landesgrenze zwischen Vendlincourt und der französischen Gemeinde Courtavon.[1]

Der Untergrund der sanften Hügellandschaft besteht aus einer Malmkalkformation, auf der jüngere Sedimente aus Konglomerat und Lehm liegen. Diese wasserundurchlässigen Böden begünstigten die Entstehung von Feuchtgebieten und eigneten sich gut für die Anlage von künstlichen Staubecken.

Das BLN-Gebiet ist im Süden durch die Nebenstrasse Route de Courtavon und im Westen auf mehreren Abschnitten durch die Bahnstrecke Porrentruy–Bonfol begrenzt. Westlich der Bahnlinie verläuft, ausserhalb des BLN-Gebiets, die Hauptstrasse 247.1. In der Nähe der Ortschaften ist der Perimeter der Geschützten Landschaft so definiert, dass die verschiedenen Siedlungen und Weiler ausserhalb der BLN-Zone liegen.

In den kleinen Tälern der Naturlandschaft im Hügelgebiet befinden sich an den Bachläufen zahlreiche künstlich angelegte Weiher. Sie sind ein besonderes Element der regionalen Kulturlandschaft und gehören zu der grossen historischen Weiher- und Seenlandschaft in den Flussgebieten der Allaine und der Largue im Sundgau.[2] Die meisten dieser vielen Stillgewässer liegen an den Bächen im südlichen Elsass in Frankreich, und die Weiher bei Bonfol und Vendlincourt sind die bedeutendsten dieser Gewässer in der Schweiz. Ein weiterer, historisch wichtiger Teich im Kanton Jura liegt im Tal der Lützel beim Standort des ehemaligen Zisterzienserklosters Lützel.

Östlich von Vendlincourt liegen sieben Weiher, von denen der Étang de Vendlincourt (449 m ü. M.) und der Petit Étang die wichtigsten sind. Im Süden der Ortschaft Bonfol, die seit 2024 zur neuen Gemeinde Basse-Vendline gehört, liegt in einem Tal unter dem Wald Le Chêtre eine Reihe von sechs Weihern mit dem Namen Étangs Rougeats (440 m ü. M.). Am Unterlauf des Corbery befinden sich nahe beieinander die grössten Weiher der Region. Von diesen acht Wasserflächen haben der Étang du Milieu (437 m ü. M.) und der um 1900 neu aufgestaute Neuf Étang (deutsch «Neuer Weiher») (438 m ü. M.) die grösste Wasserfläche.

Die Weiherlandschaft ist mit Wanderwegen und einem naturkundlichen Lehrpfad erschlossen.

Flora und Fauna

Die flachen Stillgewässer und ihre bewaldete Umgebung bieten günstige Lebensbedingungen für Amphibien. Mehrere Bereiche im BLN-Gebiet und zudem auch in einer weiteren Fläche nördlich davon sind als Amphibienschutzzonen von nationaler Bedeutung ausgewiesen.[3] Das Amphibienareal Combe Guerri liegt in jenem Raum (knapp ausserhalb des BLN-Gebiets), der früher von der industriellen Sondermülldeponie Bonfol genutzt wurde.[4][5]

In den Niederungen erstrecken sich neben den Weihern ausgedehnte Feuchtgebiete. Im Tal mit dem Étang du Milieu entwickelten sich mit der Zeit auf feuchten Talböden und verlandeten Wasserflächen Flachmoore. In den Teichen des Sundgau und ihrer Umgebung entstanden artenreiche Pflanzengesellschaften.[6]. Die Zonen Champs de Manche und Neuf Etang sind als Naturschutzgebiete im Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung verzeichnet.[7][8]

Geschichte

Die ersten Weiher bei Bonfol sind seit dem 15. Jahrhundert bezeugt. Im 18. Jahrhundert liessen die Fürstbischöfe von Basel, die in der nahen Stadt Pruntrut residierten, grössere Staudämme im Gebiet der Vendline anlegen, um zusätzliche Teiche für die Karpfenproduktion zu schaffen. Im 19. Jahrhundert wurde der ehemalige Weiher Grand Étang Chapuis trockengelegt.

Im 20. Jahrhundert dienten einzelne Weiher für die private Aufzucht von Hechten und anderer Fischarten.[9]

1930 wurden die Weiher von Bonfol als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Seit den 1960er Jahren werden im Gebiet ornithologische Bestandsaufnahmen durchgeführt.

Schutzziele

Gemäss dem Zweck des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung sind für das BLN-Gebiet 1101 mehrere Schutzziele definiert:

  • Erhaltung der künstlichen Teiche, Moore und Feuchtgebiete
  • Erhaltung der Pflanzengesellschaften in den Gewässern und Feuchtgebieten
  • Erhaltung des vielfältigen Gewässernetzes
  • Schutz der artenreichen Wälder in der Hügellandschaft und den Feuchtgebieten.
Commons: Étangs de Bonfol et de Vendlincourt – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Cours d’eau. In: Geoportal des Kantons Jura. Abgerufen am 23. Dezember 2025.
  2. G. Werner: Les Étangs du Sundgau. Mulhouse 1920.
  3. Beispiel: Objektblatt «Etangs de Bonfol» im Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung.
  4. Sondermülldeponie Bonfol (JU). Bundesamt für Umwelt, 3. März 2025, abgerufen am 23. Dezember 2025.
  5. Objektblatt «Combe Guerri» im Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung.
  6. Vincent Rastetter: Contribution à l’érude de la végétation du Haur-Rhin. Les étangs du Sundgau. In: Bulletin de la Société Botanique de France, Vd. 110, 1963, S. 142–146. (doi-Link)
  7. Objektblatt «Champs de Manche» im Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung
  8. Objektblatt «Neuf Etang» im Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung
  9. Etang. Gemeinde Vendlincourt, abgerufen am 23. Dezember 2025.

Koordinaten: 47° 27′ 44″ N, 7° 10′ 9″ O; CH1903: 579680 / 256866